TV-Tipp für den 28. Dezember: High-Rise

Dezember 27, 2019

One, 22.05

High-Rise (High-Rise, Großbritannien 2015)

Regie: Ben Wheatley

Drehbuch: Amy Jump

LV: J. G. Ballard: High-Rise, 1975 (Der Block, Hochhaus, High-Rise)

Der Neurophysiologe Dr. Robert Laing zieht in ein am Stadtrand von London liegendes modernes Hochhaus. Als er seine Mitbewohner kennenlernt, bemerkt er die Klassengesellschaft im Haus, die Konflikte zwischen den Stockwerken und ihre dekadente Vergnügungssucht.

TV-Premiere. Sehr düstere Satire auf die Gesellschaft und den Kapitalismus, toll besetzt, glänzend und sehr stilbewusst inszeniert von Ben Wheatley.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Films und der Vorlage, die in einem sehr interessanten Spannungsverhältnis stehen.

mit Tom Hiddleston, Jeremy Irons, Sienna Miller, Luke Evans, Elisabeth Moss, James Purefoy, Keeley Hawes, Peter Ferdinando, Sienna Guillory

DVD

DCM World

Bild: 2.40:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Vom Roman zum Film, Interviews mit Cast & Crew, Trailer, Wendecover

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Ballard - High-Rise

J.G. Ballard: High-Rise

(aus dem Englischen von Michael Koseler)

Diaphanes, 2016

256 Seiten

17,95 Euro

Es handelt sich um die revidierte Fassung der 1992 im Suhrkamp Verlag als „Hochhaus“ erschienenen Übersetzung.

Im Heyne Verlag erschien 1982 als „Der Block“ eine Übersetzung des Romans von Walter Brumm.

Originalausgabe

High-Rise

Jonathan Cape, 1975

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „High-Rise“

Metacritic über „High-Rise“

Rotten Tomatoes über „High-Rise“

Wikipedia über „High-Rise“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „Sightseers“ (Sightseers, Großbritannien 2012)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „High-Rise“ (High-Rise, Großbritannien 2015) und der DVD

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „Free Fire“ (Free Fire, Großbritannien/Frankreich 2016)

 


TV-Tipp für den 26. September: High-Rise

September 26, 2019

WDR, 23.25

High-Rise (High-Rise, Großbritannien 2015)

Regie: Ben Wheatley

Drehbuch: Amy Jump

LV: J. G. Ballard: High-Rise, 1975 (Der Block, Hochhaus, High-Rise)

Der Neurophysiologe Dr. Robert Laing zieht in ein am Stadtrand von London liegendes modernes Hochhaus. Als er seine Mitbewohner kennenlernt, bemerkt er die Klassengesellschaft im Haus, die Konflikte zwischen den Stockwerken und ihre dekadente Vergnügungssucht.

TV-Premiere. Sehr düstere Satire auf die Gesellschaft und den Kapitalismus, toll besetzt, glänzend und sehr stilbewusst inszeniert von Ben Wheatley.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Films und der Vorlage, die in einem sehr interessanten Spannungsverhältnis stehen.

mit Tom Hiddleston, Jeremy Irons, Sienna Miller, Luke Evans, Elisabeth Moss, James Purefoy, Keeley Hawes, Peter Ferdinando, Sienna Guillory

DVD

DCM World

Bild: 2.40:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Vom Roman zum Film, Interviews mit Cast & Crew, Trailer, Wendecover

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Ballard - High-Rise

J.G. Ballard: High-Rise

(aus dem Englischen von Michael Koseler)

Diaphanes, 2016

256 Seiten

17,95 Euro

Es handelt sich um die revidierte Fassung der 1992 im Suhrkamp Verlag als „Hochhaus“ erschienenen Übersetzung.

Im Heyne Verlag erschien 1982 als „Der Block“ eine Übersetzung des Romans von Walter Brumm.

Originalausgabe

High-Rise

Jonathan Cape, 1975

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „High-Rise“

Metacritic über „High-Rise“

Rotten Tomatoes über „High-Rise“

Wikipedia über „High-Rise“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „Sightseers“ (Sightseers, Großbritannien 2012)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „High-Rise“ (High-Rise, Großbritannien 2015) und der DVD

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „Free Fire“ (Free Fire, Großbritannien/Frankreich 2016)

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Avengers: Endgame“ im Kampf um die Klunker, das Universum und den ganzen Rest

April 24, 2019

Nachdem die Fans in den vergangenen Monaten jedes Standfoto und Bild aus den verschiedenen Trailern vorwärts und rückwärts analysierten und mit wilden Vermutungen garnierten, wie denn nun das „Endgame“ der Avengers endet und die Vorverkaufszahlen astronomisch sind, läuft der Superheldenfilm jetzt in unseren Kinos an. Der US-Start ist erst am 26. April. Die Prognosen für das weltweite Einspielergebnis liegen aktuell für das Startwochenende bei 850 bis 900 Millionen US-Dollar. In den USA wird damit gerechnet, dass „Endgame“ am Startwochenende mehr einspielt als der vorherige Avengers-Film „Infinity War“. Und der spielte über 257 Millionen US-Dollar ein. Die meisten Prognosen liegen bei über 270 Millionen US-Dollar, einige sogar bei über 300 Millionen US-Dollar. Etliche US-Kinos werden den Film, um die Nachfrage zu befriedigen, mehrere Tage ohne Unterbrechung zeigen. Damit dürfte „Endgame“ „Infinity War“ in vielen Listen auf den zweiten Platz verdrängen. Schon bevor ein Zuschauer den Film gesehen hat, gehört der Film zu den erfolgreichsten Filmen. An der Kinokasse.

Der Film ist der 22. Film des Marvel Cinematic Universe (MCU). Er ist der lange angekündigte und vorbereitete Höhepunkt und das Ende der bisherigen Marvel-Filme. Es begann 2008 mit „Iron Man“, der im Kino ein Überraschungserfolg und der Beginn des Marvel Cinematic Universe war. In den nächsten Filmen wurden verschiedene, aus Comics bekannte Marvel-Helden vorgestellt. Sie traten auch in anderen MCU-Filmen auf. So entstand schnell über die wiederkehrenden Figuren der Eindruck, dass die Filme miteinander zusammen hängen. Auch wenn der Auftritt manchmal nur kurz war. Im vierten MCU-Film „Thor“ wurden erstmals die Infinity-Steine erwähnt. Diese sechs Steine entstanden aus den Singularitäten, die vor der Entstehung des Universums existierten. Mit jedem Stein kann man einen grundlegenden Aspekt des Universums manipulieren. Wer alle Steine besitzt, kann das Universum vernichten. Damit das nicht geschieht, wurden sie vor Ewigkeiten an verschiedenen Orten im Universum versteckt. Thanos will sie alle haben und, weil Thanos das Universum vor der Überbevölkerung retten will, will er mit Hilfe der Steine die Hälfte allen Lebens auslöschen. Mit einem Fingerschnippen. In „Avengers: Infinity War“, dem ersten Teil des großen Finales, kämpften all die aus den vorherigen Superheldenfilmen bekannten Charaktere gegen Thanos. Sie verloren den Kampf. Thanos vernichtete die Hälfte von allem Leben – und etliche Superhelden zerfielen zu Staub.

Schon damals schrieb ich über das schockierende Ende, dass ich einige Tote seltsam fand. So starben unter anderem Dr. Strange und Spider-Man, die gerade in neuen Filmen als Superhelden etabliert wurden, während Captain America und Iron Man, die von Anfang an dabei waren, überlebten.

Vor dem Filmstart unkte ich noch herum, wie unsere tapferen Superhelden die Welt retten und wer wirklich stirbt. Meine Vermutung lag ziemlich nah an der Filmgeschichte und daher wäre sie ein Spoiler.

Aber soviel kann verraten werden, – auch weil man es durch die Trailer, die Besetzungsliste und verschiedene Gerüchte über kommende Filme (Ja, es gibt einen weiteren „Guardians of the Galaxy“-Film und James Gunn ist wieder als Regisseur an Bord. Ja, es gibt den schon lange erwarteten „Black Widow“-Film; der soll allerdings 2005 und damit vor „Iron Man“ spielen), schon ahnt: ungefähr alle aus den bisherigen Filmen bekannten und beliebten Charaktere sind wieder dabei. Teilweise nur mit Mini-Auftritten, teilweise sogar ohne Dialog.

Die Filmgeschichte beginnt unmittelbar nach dem Ende von „Infinity War“. Die überlebenden Helden treffen sich auf der Erde und sie können Thanos sogar besiegen. Dummerweise hat er die Steine vernichtet. Damit kann seine Tat nicht rückgängig gemacht werden. Bis, fünf Jahre später, Ant-Man eine verwegene Idee hat: wenn sie in der Zeit zurückreisen zu Zeitpunkten, an denen sie wussten, wo die Steine sind, können sie sie holen und Thanos‘ Tat ungeschehen machen. „Captain America“ Steve Rogers (Chris Evans), „Iron Man“ Tony Stark (Robert Downey Jr.), „Black Widow“ Natasha Romanoff (Scarlett Johansson), „Hulk“ Bruce Banner (Mark Ruffalo, jetzt als großer Teddybär), „War Hammer“ James Rhodes (Don Cheadle), Thor (Chris Hemsworth, im Lebowski-Modus, allerdings nicht so cool), Nebula (Karen Gillan), „Hawkeye“ Clint Barton (Jeremy Renner, mit gruseliger Frisur), „Ant-Man“ Scott Lang (Paul Rudd, zurück aus der subatomaren Dimension) und Rocket (im Original mit der Stimme von Bradley Cooper) machen sich auf den Weg in die Vergangenheit.

Mit dieser Zeitreiseidee können die MCU-erfahrenen Regisseure Anthony und Joe Russo alle bekannten Charaktere auftreten lassen, ohne dass die Besetzungsliste eine Spoilerliste ist. Gleichzeitig können sie wichtige Szenen aus den älteren Filmen aus einer anderen Perspektive zeigen, einige Überraschungen einbauen und das Gefühl vermitteln, dass wirklich alles von langer Hand geplant wurde. Also, dass es sich nicht um viele Einzelfilme, sondern um eine zusammenhängende Geschichte handelt, die in den vergangenen Jahren in vielen Filmen erzählt wurde.

Auch später, beim Schlusskampf, gibt es zahlreiche Momente, die das Fanherz höher schlagen lassen. In dem Moment gibt es auch reichlich Action. Der in dunklen Bildern gehaltene Schlusskampf ist zu sehr eine lustlose Wiederholung des Endkampfs von „Infinity War“, um wirklich zu begeistern. Auch die anderen Actionszenen sind mehr Pflicht als Kür.

Insgesamt ist „Endgame“ ein ruhiger, fast schon kontemplativer und meditativer Film, in dem die verbliebenen Avengers vor allem ausführlich trauern und an sich selbst und ihren Fähigkeiten zweifeln.

Die verbliebene Hälfte der Menschheit ist ebenfalls auch Jahre nach der Tat von Thanos immer noch in einer kollektiven Schockstarre ist. Die Welt sieht fünf Jahre nach der Katastrophe aus, als sei sie gestern gewesen.

‚Captain Marvel‘ Carol Danvers (Brie Larson), die erst vor wenigen Wochen mit ihrem eigenen Film als „mächtigste Figur im Marvel Cinematic Universe“ (Produzent Kevin Feige) etabliert wurde, ist in „Endgame“ auch dabei. Aber ihre wenigen Auftritte sind kurz und, ausgehend von der geschürten Erwartung, dass sie die mächtigste Superheldin ist und von Nick Fury (Samuel L. Jackson) gerufen wurde, um den Avengers beim Retten der Welt zu helfen, erstaunlich uninteressant. Die meiste Zeit rettet sie off-screen andere Welten.

Der Film selbst ist mit über drei Stunden der längste Marvel-Film bislang. Trotzdem vergeht die Zeit bis zum Abspann ziemlich schnell. In dem Moment geht eine Reise zu Ende. Die Verluste sind nicht so hoch, wie es zur Halbzeit aussah (Yep, nicht alle Avengers überleben) und es hat sich nicht so viel verändert, wie die Werbemaschine vorher versprach. Letztendlich ist das Universum nach dem Endgame nicht viel anders als vor dem Infinity War.

Und die nächsten Marvel-Filme sind schon, teils mit Titel und Startdatum, angekündigt.

Avengers: Endgame (Avengers: Endgame, USA 2019)

Regie: Anthony Russo, Joe Russo

Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely (basierend auf den Marvel-Comics von Stan Lee und Jack Kirby und dem Comic von Jim Starlin)

mit Robert Downey Jr., Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Chris Evans, Scarlett Johansson, Jeremy Renner, Brie Larson, Paul Rudd, Don Cheadle, Lupity Nyong’o, Karen Gillan, Josh Brolin, Tessa Thompson, Evangeline Lilly, Pom Klementieff, Tom Holland, Jon Favreau, Elizabeth Olsen, Dave Bautista, Sebastian Stan, Michelle Pfeiffer, Tilda Swinton, Gwyneth Paltrow, Chadwick Boseman, Danai Gurira, Winston Duke, Frank Grillo, Benedict Wong, Michael Douglas, Robert Redford, Paul Bettany, Tom Hiddleston, Benedict Cumberbatch, Zoe Saldana, Samuel L. Jackson, Bradley Cooper (Stimme im Original) (hoffe, dass ich niemand vergessen habe)

Länge: 182 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Avengers: Endgame“

Metacritic über „Avengers: Endgame“

Rotten Tomatoes über „Avengers: Endgame“

Wikipedia über „Avengers: Endgame“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Anthony und Joe Russos „The Return of the First Avenger“ (Captain America: The Winter Soldier, USA 2014)

Meine Besprechung von Joe und Anthony Russos „The First Avenger: Civil War“ (Captain America: Civil War, USA 2016)

Meine Besprechung von Anthony und Joe Russos „Avengers: Infinity War“ (Avengers: Infinity War, USA 2018)


TV-Tipp für den 18. Oktober: Only Lovers left Alive

Oktober 18, 2018

3sat, 22.25

Only Lovers left alive (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Regie: Jim Jarmusch

Drehbuch: Jim Jarmusch

Jim Jarmuschs wundervoller, grandios besetzter Film über die Welt der Vampire.

Im Mittelpunkt des Films stehen die in Tanger lebende Eve (Tilda Swinton) und ihr in Detroit lebender Mann Adam (Tom Hiddleston), der mal wieder die Lust am Leben verloren hat. Eve will ihm helfen – und wir bekommen eine der schönsten Liebesgeschichten des Kinos, trockenen Humor und etliche popkulturelle Anspielungen. Einer von Jarmuschs schönsten Filmen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit etlichen Interviews).

mit Tilda Swinton, Tom Hiddleston, Mia Wasikowska, John Hurt, Anton Yelchin, Jeffrey Wright, Slimane Dazi, Carter Logan

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Only Lovers left alive“

Moviepilot über „Only Lovers left alive“

Metacritic über „Only Lovers left alive“

Rotten Tomatoes über „Only Lovers left alive“

Wikipedia über „Only Lovers left alive“

Wikipedia über Jim Jarmusch (deutsch, englisch)

The Jim Jarmusch Resource Page

Senses of Cinema über Jim Jarmusch

Jim Jarmusch in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs “Only Lovers left alive” (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Paterson“ (Paterson, USA 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Gimme Danger“ (Gimme Danger, USA 2016)


DVD-Kritik: „Avengers: Infinitiy War“ oder Wer hat die Steine?

September 10, 2018

Über das schockierende Ende von „Avengers: Infinity War“ reden wir später. Beginnen wir mit dem Anfang des 150-minütigen Marvel-Films, der jetzt auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray erscheint.

Thanos, der Bösewicht, will seit Jahren und vielen, vielen Marvel-Filmen die Infinity-Steine besitzen. Wenn er alle sechs Steine hat, hat er die unbegrenzte Macht über das Universum und er kann gleich einmal die Hälfte aller Lebewesen auslöschen. Einfach so. In den vergangenen Jahren wurden Thanos und die Steine in ungefähr jedem Marvel-Film angesprochen. Auch wenn es nur in einer Szene im Abspann war.

Jetzt, auf einem Raumschiff mit den letzten Überlebenden von Asgard, gelangt Thanos, „ein Despot von intergalaktischer Bösartigkeit“ (Presseheft), an den zweiten Infinitiy-Stein. Gleichzeitig tötet er Loki, der sich mal wieder als zuverlässig opportunistischer Schleimbeutel erweist. Sein Tod ist der erste in einer Reihe überraschender Toter. Lokis Bruder Thor und „Hulk“ Bruce Banner überleben die Begegnung mit Thanos. Sie machen sich unverzüglich auf den Weg zur Erde. Dort sind nämlich sind zwei der Infinity-Steine. Und die Avengers, die sie verteidigen können, sind ebenfalls auf der Erde. Wenn es sie als einheitliche und kraftvolle Schutztruppe noch gäbe.

Avengers: Infinity War“ ist selbstverständlich ein Film für die zahlreichen Fans, die in den vergangenen Jahren alle Marvel-Filme gesehen und oft liebevoll bis in die letzte Verwinkelung analysiert haben. Sie kennen alle Charaktere und ihre Vorgeschichte. Die Macher, die Regisseure Joe und Anthony Russo und die ebenfalls Marvel-erfahrenen Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeely nehmen sich daher keine Zeit, einen Charakter zu etablieren. Sie können gleich mit der Action beginnen und der Reihe nach all die alten bekannten Superhelden und die Guardians of the Galaxy auftreten lassen. Eigentlich fehlen nur Ant-Man und Hawkeye. Die sollen aber beim zweiten Teil von „Infinity War“ dabei sein. Der Film ist in Deutschland für den 25. April 2019 und in den USA für den 3. Mai 2019 angekündigt.

Die Story von „Avengers: Infinity War“ ist vor allem eine Vorbereitung auf das große Finale des Films, das zu einem großen Teil in Wakanda stattfindet.

Bis dahin spielt die Geschichte vor allem in der „Guardians of the Galaxy“-Welt auf Raumschiffen, fernen Planeten und, ab und zu, im Weltraum. Oder anders gesagt: in der Welt von Thanos und Thanos, grandios gespielt von Josh Brolin, hat in dem Film viel Leinwandzeit und auch ein nachvollziehbares Motiv für seine vollkommen wahnsinnigen Taten. Er ist im Marvel-Universum endlich einmal ein Bösewicht, der auch nach dem Abspann noch im Gedächtnis bleibt . Man erfährt auch, warum er tut, was er tut.

Am Ende des Films, der strukturell die Mitte eines großen Films ist (also Minute 45 bei einem „Tatort“) besitzt Thanos alle Infinity-Steine und er benutzt sie sofort, um die Hälfte aller Lebewesen auszulöschen. Dazu gehören auch etliche der Superhelden, die uns in den vergangenen Jahren ans Herz wuchsen. Wer von den Avengers und den anderen Marvel-Helden in einer optisch und akustisch beklemmend inszenierten Sequenz stirbt, überrascht dann schon etwas. Falls sie – immerhin kann mit dem Zeitstein, der sich im Besitz von Doctor Strange befindet, die Zeit manipuliert werden – wirklich gestorben sind. So ist man am Ende durchaus beeindruckt von der Konsequenz, mit der Thanos agiert, aber man ist nicht wirklich schockiert und die Trauer über den Tod der vielen Superhelden hält sich in überschaubaren Grenzen. Jedenfalls bis zum nächsten Film, in dem wir erfahren, wer nun wirklich gestorben ist.

Im langen Abspann gibt es keine Szene. Nach dem Abspann treffen wir dann Nick Fury.

Das Bonusmaterial auf der Blu-ray ist auf den ersten Blick erfreulich umfangreich geraten. Es gibt einen Audiokommentar von den Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeelyden und Russo-Brüdern (die außerdem eine kurze Einleitung zum Film sprechen), mehrere Featurettes, die insgesamt über dreißig Minuten dauern, zehn Minuten zusätzliche Szenen (die, wie die sehr provisorischen Spezialeffekte zeigen, schon früh gestrichen worden und eine Szene mit ‚Happy Hogan‘ Jon Favreau [der im Film nicht auftaucht]) und, just for fun, zwei Minuten mit Pannen beim Dreh. Gerade die Featurettes enttäuschen. Sie sind, auch wenn das Ende des Films erwähnt und Bilder vom Finale gezeigt werden, reine Werbe-Featurettes, deren Informationsgehalt gegen Null tendiert. Da helfen auch die großzügig eingestreuten ‚Behind the Scenes‘-Bilder nicht.

Avengers: Infinity War (Avengers: Infinity War, USA 2018)

Regie: Anthony Russo, Joe Russo

Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely

mit Robert Downey Jr., Josh Brolin, Chris Evans, Scarlett Johansson, Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Benedict Cumberbatch, Chadwick Boseman, Chris Pratt, Tom Hiddleston, Gwyneth Paltrow, Benicio del Torro, Don Cheadle, Tom Holland, Zoe Saldana, Karen Gillan, Paul Bettany, Elizabeth Olsen, Anthony Mackie, Sebastian Stan, Idris Elba, Peter Dinklage, Benedict Wong, Pom Klementieff, Dave Bautista, Letitia Wright, Danai Gurira, William Hurt, Stan Lee, Samuel L. Jackson, Vin Diesel (Stimme im Original), Bradley Cooper (Stimme im Original)

Blu-ray

Walt Disney Studios Home Entertainment

Bild: 16:9 (1080p High Definition, 2.39:1)

Ton: Deutsch (Dolby Digital plus 7.1), Englisch (DTS-HD HR 7.1), Französisch (Dolby Digital plus 7.1)

Untertitel: Deutsch, Französisch, Niederländisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch, Englisch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Intro der Regisseure Joe und Anthony Russo, Pannen vom Dreh, Zusätzliche Szenen, Featurettes (Neue Teams, Der wahnsinnige Titan, Über die Schlacht auf Titan, Über die Schlacht in Wakanda), Audiokommentar zum Film

Länge. 149 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

4K UHD Blu-ray mit identischem Bonusmaterial; DVD ohne Bonusmaterial

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Avengers: Infinity War“

Metacritic über „Avengers: Infinity War“

Rotten Tomatoes über „Avengers: Infinity War“

Wikipedia über „Avengers: Infinity War“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Anthony und Joe Russos „The Return of the First Avenger“ (Captain America: The Winter Soldier, USA 2014)

Meine Besprechung von Joe und Anthony Russos „The First Avenger: Civil War“ (Captain America: Civil War, USA 2016)


TV-Tipp für den 30. April: Only Lovers left alive

April 30, 2018

Arte, 20.15

Only Lovers left alive (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Regie: Jim Jarmusch

Drehbuch: Jim Jarmusch

Jim Jarmuschs wundervoller, grandios besetzter Film über die Welt der Vampire, der zu einer vampirfreundlichen Uhrzeit gezeigt wird.

Im Mittelpunkt des Films stehen die in Tanger lebende Eve (Tilda Swinton) und ihr in Detroit lebender Mann Adam (Tom Hiddleston), der mal wieder die Lust am Leben verloren hat. Eve will ihm helfen – und wir bekommen eine der schönsten Liebesgeschichten des Kinos, trockenen Humor und etliche popkulturelle Anspielungen. Einer von Jarmuschs schönsten Filmen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit etlichen Interviews).

mit Tilda Swinton, Tom Hiddleston, Mia Wasikowska, John Hurt, Anton Yelchin, Jeffrey Wright, Slimane Dazi, Carter Logan

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Only Lovers left alive“

Moviepilot über „Only Lovers left alive“

Metacritic über „Only Lovers left alive“

Rotten Tomatoes über „Only Lovers left alive“

Wikipedia über „Only Lovers left alive“

Wikipedia über Jim Jarmusch (deutsch, englisch)

The Jim Jarmusch Resource Page

Senses of Cinema über Jim Jarmusch

Jim Jarmusch in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs “Only Lovers left alive” (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Paterson“ (Paterson, USA 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Gimme Danger“ (Gimme Danger, USA 2016)


DVD-Kritik: „Thor – Tag der Entscheidung“ im Puschenkino

März 20, 2018

Von der großen Leinwand, also der wirklich großen IMAX-Leinwand, hat sich der Mann mit dem Hammer jetzt auf den Weg auf die kleinen Bildschirme gemacht. Da wirken dann einige Kloppereien nicht mehr so groß wie im Kino, aber der Spaß bleibt.

Das Marvel-Studio hat nämlich Taika Waititi mit der Regie für „Thor – Tag der Entscheidung“ beauftragt und ihm bei diesem dritten „Thor“-Einzelabenteuer freie Hand gelassen. Waititi ist ein Neuseeländer, der mit Komödien bekannt wurde. Wie die Pseudo-Doku „5 Zimmer Küche Sarg (What we do in the Shadows, Neuseeland 2014) über eine Vampir-WG im heutigen Wellington (Neuseeland) und ihre alltäglichen Probleme zwischen Hausputz (studentisch), Essgewohnheiten (blutig) und Abendgestaltung (eher einsam). Das war eine herrlich abgedrehte schwarze Komödie für Halloween. „Thor – Tag der Entscheidung“ ist dann weniger schwarzhumorig geraten.

Als nach dem Tod ihres Vaters Odin (Anthony Hopkins) die Schwester der miteinander verfeindeten Halbbrüder Thor (Chris Hemsworth), der Edle, und Loki (Tom Hiddleston), der Schlawiner, auftaucht, gibt es gleich Ärger. Denn die Todesgöttin Hela (Cate Blanchett) ist ziemlich verärgert. Als Erstgeborene will sie die ihr zustehende Macht über Asgard haben. Sofort befördert sie ihre Brüder, die bislang nichts von ihr wussten, an das letzte Ende der Galaxis auf den Schrottplaneten Sakaar. Dort regiert der Grandmaster (Jeff Goldblum). Wie es sich für einen egozentrischen Herrscher mit Klatsche gehört, erfreut er mit eratischem Gehabe. Zum Ämusement des Volkes veranstaltet er Gladiatorenkämpfe. Bei dem nächsten Kampf soll Thor gegen das unbesiegbare grüne Monster kämpfen. Also, eigentlich soll er sich von ihm töten lassen. Als Thor in der Arena steht, erkennt er das Monster sofort: Es ist sein alter Freund Bruce Banner (Mark Ruffalo), der seit längerem als Hulk lebt und extrem – – – hulkig ist.

Und das ist erst der Anfang des neuesten Thor-Abenteuers.

Waititi erzählt seine Geschichte mit vielen Abweichungen und irrwitzigen Einfällen als durchgeknallte, herrlich respektlose Nummernrevue. Mit viel Slapstick in und zwischen den Kloppereien. Und viel Witz und Situationskomik zwischen den Kloppereien.

Thor, der als hammerschwingender Sohn von Odin mit Goldlocken, schon immer etwas lächerlich war, darf hier seinen Spruch „Ich bin Thor, Sohn von Odin“ ungefähr ein Dutzend Mal voller Inbrust und mit heiligem Ernst, als sei es ein tiefschürendes Shakespeare-Zitat, aufsagen. Die Angesprochenen sind von dieser Vorstellung wenig beeindruckt. Denn Thor ist ein Trottel. In einer Trottelgeschichte. Das ist in diesem Umfang eine vollkommen neue und sehr vergnügliche Dimension im Marvel Cinematic Universe.

Die Standard-DVD hat kein Bonusmaterial.

Derzeit läuft im Kino noch sehr erfolgreich das nächste Marvel-Einzelabenteuer „Black Panther“.

Am 26. April läuft „Avengers: Infinity War“ an. Der neue Trailer des über zweieinhalbstündigen Films mit über sechzig Hauptcharakteren, so heißt es infinitiv aus dem Hause Marvel, sieht so aus:

Thor: Tag der Entscheidung (Thor: Ragnarok, USA 2018)

Regie: Taika Waititi

Drehbuch: Eric Pearson, Craig Kyle, Christopher L. Yost

LV: Charaktere von Stan Lee, Larry Lieber, Jack Kirby

mit Chris Hemsworth, Tom Hiddleston, Cate Blanchett, Idris Elba, Jeff Goldblum, Tessa Thompson, Karl Urban, Mark Ruffalo, Anthony Hopkins, Benedict Cumberbatch, Sam Neill, Stan Lee, Matt Damon (ungenannt)

DVD

Marvel/Walt Disney Studios Home Entertainment

Bild: 2,39:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch, Türkisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Türkisch

Bonusmaterial: –

Länge: 125 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Marvel-Facebook-Seite

Moviepilot über „Thor: Tag der Entscheidung“

Metacritic über „Thor: Tag der Entscheidung“

Rotten Tomatoes über „Thor: Tag der Entscheidung“

Wikipedia über „Thor: Tag der Entscheidung“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Taika Waititi „5 Zimmer Küche Sarg“ (What we do in the Shadows, Neuseeland 2014)


TV-Tipp für den 14. September: Only Lovers left alive

September 13, 2017

Mitternachtskino (und weil heute „Porto“ mit Anton Yelchin anläuft)

RBB, 23.45

Only Lovers left alive (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Regie: Jim Jarmusch

Drehbuch: Jim Jarmusch

Jim Jarmuschs wundervoller, grandios besetzter Film über die Welt der Vampire, der zu einer vampirfreundlichen Uhrzeit gezeigt wird.

Im Mittelpunkt des Films stehen die in Tanger lebende Eve (Tilda Swinton) und ihr in Detroit lebender Mann Adam (Tom Hiddleston), der mal wieder die Lust am Leben verloren hat. Eve will ihm helfen – und wir bekommen eine der schönsten Liebesgeschichten des Kinos, trockenen Humor und etliche popkulturelle Anspielungen. Einer von Jarmuschs schönsten Filmen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit etlichen Interviews).

mit Tilda Swinton, Tom Hiddleston, Mia Wasikowska, John Hurt, Anton Yelchin, Jeffrey Wright, Slimane Dazi, Carter Logan

Hinweise

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Film-Zeit über „Only Lovers left alive“

Moviepilot über „Only Lovers left alive“

Metacritic über „Only Lovers left alive“

Rotten Tomatoes über „Only Lovers left alive“

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Meine Besprechung von Jim Jarmuschs “Only Lovers left alive” (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Paterson“ (Paterson, USA 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Gimme Danger“ (Gimme Danger, USA 2016)


TV-Tipp für den 10. Mai: Only Lovers left alive

Mai 10, 2017

BR, 23.30

Only Lovers left alive (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Regie: Jim Jarmusch

Drehbuch: Jim Jarmusch

Jim Jarmuschs wundervoller, grandios besetzter Film über die Welt der Vampire, der zu einer vampirfreundlichen Uhrzeit gezeigt wird.

Im Mittelpunkt des Films stehen die in Tanger lebende Eve (Tilda Swinton) und ihr in Detroit lebender Mann Adam (Tom Hiddleston), der mal wieder die Lust am Leben verloren hat. Eve will ihm helfen – und wir bekommen eine der schönsten Liebesgeschichten des Kinos, trockenen Humor und etliche popkulturelle Anspielungen. Einer von Jarmuschs schönsten Filmen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit etlichen Interviews).

mit Tilda Swinton, Tom Hiddleston, Mia Wasikowska, John Hurt, Anton Yelchin, Jeffrey Wright, Slimane Dazi, Carter Logan

Hinweise

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Film-Zeit über „Only Lovers left alive“

Moviepilot über „Only Lovers left alive“

Metacritic über „Only Lovers left alive“

Rotten Tomatoes über „Only Lovers left alive“

Wikipedia über „Only Lovers left alive“

Wikipedia über Jim Jarmusch (deutsch, englisch)

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Senses of Cinema über Jim Jarmusch

Jim Jarmusch in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs “Only Lovers left alive” (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Paterson“ (Paterson, USA 2016)

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Gimme Danger“ (Gimme Danger, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: „Kong: Skull Island“ ist nur der Anfang

März 9, 2017

Nachdem vor drei Jahren Godzilla in die Kinos zurückkehrte, ist jetzt King Kong an der Reihe. Auch wenn der Riesenaffe in „Kong: Skull Island“ nur Kong heißt. Und das Godzilla-Kong-Produzententeam, was die peinliche Post-Credit-Szene und alle bekannten Statements verraten, ein Aufeinandertreffen der beiden Riesentiere in einem Film plant. Dem können, abhängig vom Einspielergebnis, weitere Filme folgen.

Bis dahin ist Kong der Herrscher auf Skull Island, einer bislang unentdeckten Insel im Südpazifik.

1973 begibt sich eine Forschungsmission mit viel militärischer Unterstützung auf die Insel. Als erstes werfen die US-Soldaten aus ihren Hubschraubern einige Bomben ab. Um, so wird uns gesagt, die Insel zu vermessen. Danach werden sie von Kong vom Himmel geholt. Die Überlebenden machen sich, mehr oder weniger getrennt, auf den Weg zum vorher festgelegten Ort am anderen Ende der Insel, an dem sie in einigen Tagen abgeholt werden sollen.

Die Überlebenden sind eine kleine Schar Soldaten und Zivilisten, die von einem kleinen Who’s Who der aktuellen Stars gespielt werden. Tom Hiddleston als freischaffender Ex-SAS-Soldat, Samuel L. Jackson als hochdekorierter Lt. Colonel, John Goodman als ziviler Leiter der Expedition mit Kindheitstrauma und Hintergedanken, Brie Larson als taffe Kriegsfotografin im Janis-Joplin-Look und John C. Reilly als seit Jahrzehnten auf der Insel lebender Weltkrieg-II-Veteran, der für den Humor zuständig ist. Sie und die zahlreichen unbekannteren Schauspieler, die vor allem US-Soldaten mit niederen militärischen Rängen spielen (vulgo Kanonenfutter), sind alle blasse Pappfiguren, die nur austauschbares Kongfutter sind.

Der Weg zum Ziel ist mit vielen gefährlichen Ur- und Riesenviechern und stummen Einheimischen gepflastert und weil „Kong: Skull Island“ sich auf seine einfache Geschichte verlässt, werden wir nicht mit einem hyperkomplexen Plot gelangweilt, der nicht nacherzählbar und vollkommen unlogisch ist. In diesem Umfeld ist die größte Überraschung, dass Kong letztendlich der Beschützer der Insel und seiner Bewohner ist. Deshalb schließt er auch die Eindringlinge, solange sie ihn nicht umbringen wollen, in sein riesiges Herz. Vor allem natürlich die hübsche Fotojournalistin. Bei den anderen Monstern bleibt der Konflikt zwischen ihnen und den Menschen dann auf dem seit „Predator“ bekanntem „Wenn es blutet, kann es sterben“-Landserniveau; – was auch eine Form des Kulturaustausches ist. Der Schlusskampf gehört dann Kong, der die Menschen beschützt.

Auf der visuellen Ebene wird vor allem Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“ so lange zitiert, bis man glaubt, eine Neufassung des Films mit Kong und einer Affenliebe zur Zeitlupe zu sehen. Das sieht gut aus, belässt es aber beim Zitat, garniert mit dem entsprechenden Soundtrack. In „Kong: Skull Island“ haben die Soldaten immer einen tragbaren Plattenspieler mit den angesagten LPs von Band wie Creedence Clearwater Revival dabei. Das erfreut das Ohr des Rockmusikfans, ist aber komplett sinnfrei. In Momenten, in denen die Soldaten in gefährlichen Umgebung auf mögliche Feinde achten sollten, beschallen sie den Urwald mit „Bad Moon Rising“, ehe es in Richtung „Run through the Jungle“ geht.

Als nur auf Überwältigung zielendes, weitgehend strunzdummes Kriegspektakel voller Siebziger-Jahre-Zitate und computergenerierter Spezialeffekte funktioniert „Kong: Skull Island“ leidlich.

Aber bei all dem Talent wäre mehr als ein „Apocalypse Now“-Monsterfilm-Mashup mit Zitaten aus den allerersten King-Kong-Film drin gewesen.

P. S.: Ich habe den Film in 2D mit 3D-Sound gesehen und er sah gut aus. Es gibt ihn auch in 3D (dann hätte er mir wahrscheinlich weniger gefallen) und im IMAX-Format (was sicher ein Gewinn ist; – wobei er dort auch in 3D läuft).

Kong: Skull Island (Kong: Skull Island, USA 2017)

Regie: Jordan Vogt-Roberts

Drehbuch: Dan Gilroy, Max Borenstein, Derek Connolly (nach einer Geschichte von John Gatins)

mit Tom Hiddleston, Samuel L. Jackson, John Goodman, Brie Larson, John C. Reilly, Jing Tian, Toby Kebbell, John Ortiz, Corey Hawkins, Jason Mitchell, Shea Whigham, Thomas Mann, Terry Notary, Marc Evan Jackson, Eugene Cordero

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Kong: Skull Island“

Metacritic über „Kong: Skull Island“

Rotten Tomatoes über „Kong: Skull Island“

Wikipedia über „Kong: Skull Island“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 1. Januar: Only Lovers left alive

Dezember 31, 2016

ARD, 23.40

Only Lovers left alive (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Regie: Jim Jarmusch

Drehbuch: Jim Jarmusch

Jim Jarmuschs wundervoller, grandios besetzter Film über die Welt der Vampire, der seine TV-Premiere zu einer vampirfreundlichen Uhrzeit erlebt.

Im Mittelpunkt des Films stehen die in Tanger lebende Eve (Tilda Swinton) und ihr in Detroit lebender Mann Adam (Tom Hiddleston), der mal wieder die Lust am Leben verloren hat. Eve will ihm helfen – und wir bekommen eine der schönsten Liebesgeschichten des Kinos, trockenen Humor und etliche popkulturelle Anspielungen. Einer von Jarmuschs schönsten Filmen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit etlichen Interviews).

mit Tilda Swinton, Tom Hiddleston, Mia Wasikowska, John Hurt, Anton Yelchin, Jeffrey Wright, Slimane Dazi, Carter Logan

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Only Lovers left alive“

Moviepilot über „Only Lovers left alive“

Metacritic über „Only Lovers left alive“

Rotten Tomatoes über „Only Lovers left alive“

Wikipedia über „Only Lovers left alive“

Wikipedia über Jim Jarmusch (deutsch, englisch)

The Jim Jarmusch Resource Page

Senses of Cinema über Jim Jarmusch

Jim Jarmusch in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs “Only Lovers left alive” (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Paterson“ (Paterson, USA 2016)


Buch- und DVD-Kritik: Ben Wheatleys J.-G.-Ballard-Verfilmung „High-Rise“

November 21, 2016

Die DVD-Veröffentlichung von „High-Rise“ ist eine gute Gelegenheit, sich den Film wieder anzusehen und mit der Vorlage, die zum Filmstart wieder veröffentlicht wurde, zu vergleichen.

Damals schrieb ich über den Film:

Wer sich „High-Rise“ ansieht, ohne irgendetwas über den Film zu wissen, wird glauben, das es sich um einen Film aus den Siebzigern handelt, der bislang von Filmenthusiasten schmählich ignoriert wurde. Denn Ben Wheatley hat seine J.-G.-Ballard-Verfilmung nicht nur, wie den Roman, 1975 angesiedelt, sondern auch die gesamte Optik, die Erzählweise und die Sozialkritik auf diese Zeit fokussiert.

Der Junggeselle Dr. Robert Laing (Tom Hiddleston) zieht in ein neues Apartmenthaus ein, in dem es für die Bewohner alles gibt, was sie zum Leben brauchen (Lebensmittelladen) und brauchen könnten (Schwimmbad). Es ist ein mitten im Nirgendwo liegender brutalistischer Betonklotz, den die anzugtragenden Bewohner im Gleichschritt verlassen und betreten. Zurückgezogen auf dem Dach des riesigen, autonomen Gebäudes lebt Royal (Jeremy Irons), der Architekt. Laing lernt einige Bewohner des Komplexes kennen und er wird von Royal in seinen Bekanntenkreis, die vermögenden Bewohner, eingeführt. Währenddessen verfällt die dekadente Hausgesellschaft, garniert mit Sex und Orgien jeglicher Couleur, immer mehr.

High-Rise“ ist ein Sittengemälde einer dekadenten Gesellschaft, die sich selbst feiert. Niemand will die zunehmend aus dem Ruder laufende Party verlassen; auch wenn jeder der Bewohner jederzeit den Komplex verlassen könnte. Aber sie bleiben über Tage und Wochen, immer weiter degenerierend, in einem zunehmend funktionsunfähigem Haus, ohne dass es dafür im Film eine plausible Erklärung gibt. In David Cronenbergs 1975 entstandenem Horrorfilm „Shivers“ (Parasiten-Mörder; Shivers – Der Parasitenmörder), der ebenfalls in einem neuen, hochmodernem und autonomen Wohnkomplex spielt, gibt es eine Erklärung. Der Film spielt innerhalb einer Nacht und das Grauen verbreitet sich rapide. Auch andere grandiose Satiren aus den Siebzigern, wie „Das große Fressen“, „Die 120 Tage von Sodom“, „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ und „Das Gespenst der Freiheit“, fallen ein. „Zardoz“, obwohl er als Science-Fiction-Film nicht ganz in diese Reihe passt, kann auch als lose Inspiration genannt werden. Immerhin ist Ben Wheatley ein Fan des Films und der im Film geschilderte Klassenkampf passt dann doch wieder zu dem gesellschaftskritischen Anliegen der vorher genannten Filme. Diese Filme beschreiben auch das Problem von „High-Rise“. Die alten Filme waren, trotz aller Übertreibungen, Fiktionalisierungen und Surrealismen, immer Porträts der Gegenwart. Ihr wurde ein Zerrspiegel vorgehalten. Sie waren Abrechnungen mit der Bourgeoisie, Standesdünkel und der Klassengesellschaft. Sie hatten einen konkreten Gegner. In „High-Rise“ ist dieser Gegner das Großbritannien von 1975, das es Heute nicht mehr gibt. Damit richtet sich Wheatleys Kritik, gerade weil er in jeder Beziehung auf Aktualisierungen verzichtet, an die Vergangenheit, obwohl die im Film angesprochenen Probleme heute nicht nur aktuell, sondern aktueller als damals sind. Genau dieser Punkt macht aus „High-Rise“ eine hoffnungslos veraltet wirkende Stilübung, die die damaligen Filme perfekt imitiert.

Deshalb ist „High-Rise“ eine durchaus in jedem Punkt gelungene, sehr stylische, aber seltsam überholt wirkende Satire auf den Kapitalismus und die Wohlstandsgesellschaft mit einer aus heutiger Sicht schnell erkennbaren und eher platten Botschaft, die 1975 vielleicht noch revolutionär war.

Da war David Cronenberg 1996 mit seiner J.-G.-Ballard-Verfilmung „Crash“ schon weiter.

Hm, vielleicht verkläre ich „Crash“ etwas zu sehr. Jedenfalls konnte James Graham Ballard die Verfilmung seines Romans „High-Rise“ nicht mehr sehen. Er starb bereits 2009. Aber wahrscheinlich hätte ihm gefallen, wie Buch und Film in einem seltsamen und produktivem Spannungsverhältnis stehen.

Der Roman ist eindeutig ein Kind seiner Zeit und dass das Hochhaus eine Metapher für die englische Klassengesellschaft ist, wird von Ballard so oft im Roman betont, dass auch der letzte Trottel es versteht. In dem Roman ignorieren die Hochhausbewohner von der ersten Seite an die Regeln der Zivilisation; fast so, als seien sie vom Haus in seinen Bann gezogen. Im Gegensatz zum Film gibt es daher im Roman keine wirkliche Verfallsgeschichte (auch wenn es auf der Suche nach einem neuen Gleichgewicht immer schlimmer wird), sondern primär eine Zustandsbeschreibung. Ballard erzählt die Romangeschichte zwar chronologisch, aber mehr wie eine Zusammenstellung von Kurzgeschichten und Impressionen mit verschiedenen, wiederkehrenden Hauptcharaktere. Deshalb verschwinden der neu zugezogene Dr. Robert Laing, der Fernsehjournalist Richard Wilder und der Architekt Anthony Royal immer wieder für ganze Kapitel aus dem Roman. In dem Roman ist auch nachvollziehbarer als im Film, wo wir immer wieder sehen, dass die Bewohner einfach flüchten könnten, warum sie im Hochhaus bleiben. Einerseits, weil das Haus eine seltsame Faszination auf sie ausübt, weil es die Welt der Bewohner ist und weil das Hochhaus eine Metapher für die Klassengesellschaft ist, aus der man auch nicht flüchten kann. Aber die unteren Schichten können gegen die oberen Schichten (vulgo Stockwerke) revolutionieren. Insofern ist der Roman zeitloser als der Film, der, wegen seiner Bilder, immer wie ein Relikt aus der Vergangenheit, als man noch stilvoll dekadent sein konnte, wirkt.

Aber verdammt edel, suggestiv und sehr stilbewusst zelebriert Ben Wheatley den Verfall der Zivilisation.

Dabei kann man schnell vergessen, dass die Weltsicht, die Botschaft und die Gesellschaftsanalyse heute immer noch gültig sind.

Das Bonusmaterial ist mit einer Stunde zwar üppig ausgefallen. Aber in diesem Fall schlägt Quantität Qualität. Es gibt ein kurzes, angesichts der literarischen Bedeutung von Ballard und der Schwierigkeiten der Verfilmung ein erschreckend belangloses Featurette „Vom Roman zum Film“ (3:38 Minuten) und etliche während der Dreharbeiten für die Werbung erstellte Interviews mit Tom Hiddleston (9:32 Minuten), Jeremy Irons (9:54 Minuten, der etwas unkonzentriert wirkt), Luke Evans (10:05 Minuten, begeistert im Oliver-Reed-Look), Sienna Miller (4:33 Minuten), Elisabeth Moss (3:47 Minuten), Regisseur Ben Wheatley (13:05 Minuten, der etliche Hintergründe zur Produktion und zum Film erklärt) und Set-Designer Mark Tildesley (4:59 Minuten), die alle begeistert vom Drehbuch sind, Fans von Ben Wheatley sind und die tolle Stimmung am Set loben, nachdem sie den von ihnen gespielten Charakter vorgestellt haben.

high-rise-dvd-cover

High-Rise (High-Rise, Großbritannien 2015)

Regie: Ben Wheatley

Drehbuch: Amy Jump

LV: J. G. Ballard: High-Rise, 1975 (Der Block, Hochhaus, High-Rise)

mit Tom Hiddleston, Jeremy Irons, Sienna Miller, Luke Evans, Elisabeth Moss, James Purefoy, Keeley Hawes, Peter Ferdinando, Sienna Guillory

DVD

DCM World

Bild: 2.40:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Vom Roman zum Film, Interviews mit Cast & Crew, Trailer, Wendecover

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Ballard - High-Rise

J.G. Ballard: High-Rise

(aus dem Englischen von Michael Koseler)

Diaphanes, 2016

256 Seiten

17,95 Euro

Es handelt sich um die revidierte Fassung der 1992 im Suhrkamp Verlag als „Hochhaus“ erschienenen Übersetzung.

Im Heyne Verlag erschien 1982 als „Der Block“ eine Übersetzung des Romans von Walter Brumm.

Originalausgabe

High-Rise

Jonathan Cape, 1975

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „High-Rise“

Metacritic über „High-Rise“

Rotten Tomatoes über „High-Rise“

Wikipedia über „High-Rise“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „Sightseers“ (Sightseers, Großbritannien 2012)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „High-Rise“ (High-Rise, Großbritannien 2015)

Im AOL Building stehen Tom Hiddleston, Sienna Miller, Luke Evans und Ben Wheatley Rede und Antwort

„Film Night“ Paul Jensen unterhält sich mit Ben Wheatley über sein neuestes Werk


TV-Tipp für den 29. August: The Night Manager -Teil 1

August 29, 2016

ZDF, 22.15

The Night Manager – Teil 1 (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016)

Regie: Susanne Bier

Drehbuch: David Farr

LV: John le Carré: The Night Manager, 1993 (Der Nachtmanager)

Nachtmanager Jonathan Pine will im Auftrag des britischen Geheimdienstes den skrupellosen Waffenhändler Richard Onslow Roper überführen. Dazu muss er erst einmal dessen Vertrauen erlangen.

Gut sechstündige BBC-Verfilmung, die das ZDF als Dreiteiler zeigt. An der Qualität der überaus sehenswerten und gelungenen, inzwischen aber auch etwas überbewerteten John-le-Carré-Verfilmung ändert sich dadurch nichts.

Das ZDF zeigt den zweiten und dritten Teil an den kommenden Montagen.

Mehr dazu in meiner Besprechung der gesamten Miniserie.

mit Tom Hiddleston (Jonathan Pine), Hugh Laurie (Richard Onslow Roper), Olivia Colman (Angela Burr), Tom Hollander (Corcoran), Elizabeth Debicki (Jed Marshall), Michael Nardone (Frisky), Alistair Petrie (Sandy Langbourne), Hovik Keuchkerian (Tabby), Neil Morrissey (Harry Palfrey)

Wiederholung: Mittwoch, 31. August, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Die DVD

The Night Manager - Plakat

The Night Manager (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016)

Concorde Home Entertainment

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews, Featurette: Die Premiere in Berlin

Länge: 338 Minuten (3 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage in der aktuellen Ausgabe

Le Carre - Der Nachtmanager

John le Carré: Der Nachtmanager

(übersetzt von Werner Schmitz)

Ullstein 2016

576 Seiten

9,99 Euro

Die gebundene Ausgabe erschien bei Kiepenheuer & Witsch; Taschenbuchausgaben bei Heyne und List.

Hinweise

ZDF über „The Night Manager“

Amazon Prime über „The Night Manager“ (direkter Link zur Serie)

Deutsche Homepage zur Serie

Moviepilot über „The Night Manager“

Rotten Tomatoes über „The Night Manager“

Wikipedia über „The Night Manager“

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

John le Carré in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Susanne Biers „Serena“ (Serena, USA/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Susanne Biers „Zweite Chance“ (Un chance til, Dänemark 2014)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

Bonushinweis

le Carre - Der Taubentunnel - 4

Am 9. September erscheint „Der Taubentunnel“, die Memoiren von John le Carré, der am 19. Oktober seinen 85. Geburtstag feiert

Über „Die Memoiren eines Jahrhundertautors“ schreibt der Verlag:

Was macht das Leben eines Schriftstellers aus? Mit dem Welterfolg „Der Spion, der aus der Kält kam“ gab es für John le Carré keinen Weg zurück. Er kündigte seine Stelle im diplomatischen Dienst, reiste zu Recherchezwecken um den halben Erdball – Afrika, Russland, Israel, USA, Deutschland –, traf die Mächtigen aus Politik- und Zeitgeschehen und ihre heimlichen Handlanger. John le Carré ist bis heute ein exzellenter und unabhängiger Beobachter, mit untrüglichem Gespür für Macht und Verrat. Aber auch für die komischen Seiten des weltpolitischen Spiels.

In seinen Memoiren blickt er zurück auf sein Leben und sein Schreiben.“

John le Carré: Der Taubentunnel

(aus dem Englischen von Peter Torberg)

Ullstein, 2016

384 Seiten

22,00 Euro


Neu im Kino/Filmkritik: „High-Rise“ – eine Wohnung in der Paradies/Hölle

Juni 30, 2016

Wer sich „High-Rise“ ansieht, ohne irgendetwas über den Film zu wissen, wird glauben, das es sich um einen Film aus den Siebzigern handelt, der bislang von Filmenthusiasten schmählich ignoriert wurde. Denn Ben Wheatley hat seine J.-G.-Ballard-Verfilmung nicht nur, wie den Roman, 1975 angesiedelt, sondern auch die gesamte Optik, die Erzählweise und die Sozialkritik auf diese Zeit fokussiert.

Der Junggeselle Dr. Robert Laing (Tom Hiddleston) zieht in ein neues Apartmenthaus ein, in dem es für die Bewohner alles gibt, was sie zum Leben brauchen (Lebensmittelladen) und brauchen könnten (Schwimmbad). Es ist ein mitten im Nirgendwo liegender brutalistischer Betonklotz, den die anzugtragenden Bewohner im Gleichschritt verlassen und betreten. Zurückgezogen auf dem Dach des riesigen, autonomen Gebäudes lebt Royal (Jeremy Irons), der Architekt. Laing lernt einige Bewohner des Komplexes kennen und er wird von Royal in seinen Bekanntenkreis, die vermögenden Bewohner, eingeführt. Währenddessen verfällt die dekadente Hausgesellschaft, garniert mit Sex und Orgien jeglicher Couleur, immer mehr.

High-Rise“ ist ein Sittengemälde einer dekadenten Gesellschaft, die sich selbst feiert. Niemand will die zunehmend aus dem Ruder laufende Party verlassen; auch wenn jeder der Bewohner jederzeit den Komplex verlassen könnte. Aber sie bleiben über Tage und Wochen, immer weiter degenerierend, in einem zunehmend funktionsunfähigem Haus, ohne dass es dafür im Film eine plausible Erklärung gibt. In David Cronenbergs 1975 entstandenem Horrorfilm „Shivers“ (Parasiten-Mörder; Shivers – Der Parasitenmörder), der ebenfalls in einem neuen, hochmodernem und autonomen Wohnkomplex spielt, gibt es eine Erklärung. Der Film spielt innerhalb einer Nacht und das Grauen verbreitet sich rapide. Auch andere grandiose Satiren aus den Siebzigern, wie „Das große Fressen“, „Die 120 Tage von Sodom“, „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ und „Das Gespenst der Freiheit“, fallen ein. „Zardoz“, obwohl er als Science-Fiction-Film nicht ganz in diese Reihe passt, kann auch als lose Inspiration genannt werden. Immerhin ist Ben Wheatley ein Fan des Films und der im Film geschilderte Klassenkampf passt dann doch wieder zu dem gesellschaftskritischen Anliegen der vorher genannten Filme. Diese Filme beschreiben auch das Problem von „High-Rise“. Die alten Filme waren, trotz aller Übertreibungen, Fiktionalisierungen und Surrealismen, immer Porträts der Gegenwart. Ihr wurde ein Zerrspiegel vorgehalten. Sie waren Abrechnungen mit der Bourgeoisie, Standesdünkel und der Klassengesellschaft. Sie hatten einen konkreten Gegner. In „High-Rise“ ist dieser Gegner das Großbritannien von 1975, das es Heute nicht mehr gibt. Damit richtet sich Wheatleys Kritik, gerade weil er in jeder Beziehung auf Aktualisierungen verzichtet, an die Vergangenheit, obwohl die im Film angesprochenen Probleme heute nicht nur aktuell, sondern aktueller als damals sind. Genau dieser Punkt macht aus „High-Rise“ eine hoffnungslos veraltet wirkende Stilübung, die die damaligen Filme perfekt imitiert.

Deshalb ist „High-Rise“ eine durchaus in jedem Punkt gelungene, sehr stylische, aber seltsam überholt wirkende Satire auf den Kapitalismus und die Wohlstandsgesellschaft mit einer aus heutiger Sicht schnell erkennbaren und eher platten Botschaft, die 1975 vielleicht noch revolutionär war.

Da war David Cronenberg 1996 mit seiner J.-G.-Ballard-Verfilmung „Crash“ schon weiter.

High Rise - Plakat

High-Rise (High-Rise, Großbritannien 2015)

Regie: Ben Wheatley

Drehbuch: Amy Jump

LV: J. G. Ballard: High-Rise, 1975 (Der Block, Hochhaus, High-Rise)

mit Tom Hiddleston, Jeremy Irons, Sienna Miller, Luke Evans, Elisabeth Moss, James Purefoy, Keeley Hawes, Peter Ferdinando, Sienna Guillory

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „High-Rise“

Metacritic über „High-Rise“

Rotten Tomatoes über „High-Rise“

Wikipedia über „High-Rise“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „Sightseers“ (Sightseers, Großbritannien 2012)

Pünktlich zum Filmstart erscheint „High-Rise“ in einer neuen deutschen Ausgabe

Ballard - High-Rise

J.G. Ballard: High-Rise

(aus dem Englischen von Michael Koseler)

Diaphanes, 2016

256 Seiten

17,95 Euro


DVD-Kritik: Die John-le-Carré-Verfilmung „The Night Manager“

Mai 4, 2016

John le Carrés Roman „Der Nachtmanager“ (The Night Manager) erschien 1993 und war sein erster Roman in der nach dem Ende des Kalten Krieges spielenden Welt. Er erzählte die Geschichte eines Hotelportiers, der, vom britischen Geheimdienst rekrutiert und mit einer neuen Identität ausgestattet, in eine undurchsichtige Geschichte von Kokain- und Waffenhandel, höchst illegal, global und tödlich, verwickelt wird.

Der Roman, der mir damals gut gefiel, war ein Beleg dafür, dass der Spionageroman nach dem Ende des Kalten Krieges, der ja die Weltpolitik und das Genre seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestimmte, immer noch relevant ist. Schließlich gab und gibt es weiterhin Geheimdienste und Spionage.

Über eine Verfilmung wurde seit dem Erscheinen immer wieder gesprochen, aber alle Pläne zerschlugen sich. Auch Hugh Laurie bemühte sich, wie er im Bonusmaterial von „The Night Manager“ sagt, um die Verfilmungsrechte.

Ein Grund für die gescheiterten Verfilmungspläne war, so hieß es, dass die Handlung des gut sechshundertseitigen Romans unmöglich in einem Zwei-Stunden-Film erzählt werden könne. Entsprechend folgerichtig ist dann auch die Entscheidung, den Roman nicht als Spielfilm, sondern – wie es jetzt geschah – als sechsstündige Miniserie zu verfilmen, die ihre TV-Premiere in England im BBC als Sechsteiler hatte und die bei uns auf DVD und bei Amazon Prime als Achtteiler verfügbar ist. Die einzelnen Folgen sind in dieser Schnittfassung, wie wir es von US-Serien gewohnt sind, jeweils knapp 45 Minuten. An der Gesamtlänge ändert sich nichts. Auch nicht an der langsamen Erzählweise, die sich mehr auf psychologische Entwicklungen und Stimmungen und weniger auf Action und das zügige Abhaken von Plot-Points oder überraschender Wendungen konzentriert.

In den ersten beiden Episoden entwickelt sich die Geschichte langsam und, auch wenn sich die Geschichte konstant vorwärts bewegt, hätte man ohne Mühe viel streichen können. Denn Drehbuchautor David Farr („Spooks“, „Wer ist Hanna?“) und Regisseurin Susanne Bier, die bislang, abgesehen von einem TV-Film, ausschließlich für das Kino arbeitete, erzählen die Geschichte ziemlich detailverliebt und in dem Wissen, dass sie viel Zeit haben.

Deshalb ist die erste Episode eigentlich nur das Vorspiel für die in der Gegenwart spielende Geschichte: In Kairo im Januar 2011, während des Arabischen Frühlings, vertraut Sophie Alekan, die Geliebte des Hotelbesitzers Freddie Hamid, Spross einer reichen und mächtigen ägyptischen Familie, dem immer britisch-höflichen Nachtmanager des Nobelhotels, Jonathan Pine (Tom Hiddleston), Papiere über einen illegalen Waffenhandel zwischen Hamid und Richard Onslow Roper (Hugh Laurie) an. Der Brite Roper ist ein internationaler Waffenhändler, den der britische Geheimdienst gerne überführen würde. In Kairo laufen die Dinge so aus dem Ruder, dass Sophie Alekan am Ende tot ist.

Vier Jahre später arbeitet Pine im schweizerischen Zermatt in einem anderen Nobelhotel. Als Roper mit seinem Gefolge dort als Gast auftaucht, beginnt Pine hinter ihm her zu spionieren. Und er kontaktiert wieder den britischen Geheimdienst. Die Anti-Korruptions-Agentin Angela Burr (Olivia Colman), die Pine in Kairo vor dem Attentat auf Sophie Alekan warnte und um Hilfe bat, kann den Ex-Soldaten überzeugen, sich in einem gefährlichen Undercover-Einsatz bei Roper einzuschleichen.

Das gelingt Pine dann auch in der dritten Episode, als er bei einem Feier von Roper und seinen Freunden in einem Restaurant auf Mallorca einen vom Geheimdienst initiierten Überfall mit anschließender Geiselnahme verhindert und dafür von den Geiselnehmern übel zusammengeschlagen wird. Roper lässt ihn auf seinem Anwesen pflegen und, nach einer ausführlichen Überprüfung, nimmt er Pine in seine Entourage auf. Denn nach der Geheimdienstlegende ist Pine ein skrupelloser, international gesuchter Verbrecher und eine solche Person kann Rober immer gebrauchen.

In den folgenden Episoden taucht Pine immer tiefer in das Leben von Roper ein. Wobei er sich nie sicher sein kann, wann seine Legende auffliegt. Denn nicht jeder von Ropers Gefolgsleuten vertraut ihm und dass Ropers Geliebte sich in ihn verliebt, verkompliziert den ohnehin gefährlichen Undercover-Einsatz.

Gleichzeitig kämpft Burr, die im Roman ein Mann, im Film eine hochschwangere Frau ist (Olivia Colman war wirklich schwanger), gegen Intrigen im Geheimdienst, die ihre sowieso ungeliebte Abteilung und den ganzen, vollkommen geheim gehaltenen Einsatz von Pine gefährden könnten.

Le Carrés Geschichte, die für die Miniserie in die Gegenwart verlegt wurde, hat keine großen Überraschungen. Entsprechend erahnbar ist das Ende und nervenzerfetzende Spannung ist etwas, das man in anderen Filmen findet.

Aber die Besetzung ist gut und man will wissen, wie die doch recht betulich erzählte Geschichte sich weiter entwickelt und wie die Konfrontation zwischen dem Nachtmanager und dem Waffenhändler, der erst ab der dritten Episode mehr Screentime hat, endet.

Insgesamt ist „The Night Manager“ eine weitere sehenswerte John-le-Carré-Verfilmung.

Im Kino läuft schon am 7. Juli mit „Verräter wie wir“ die nächste le-Carré-Verfilmung an.

Inszeniert von Susanna White, nach einem Drehbuch von Hossein Amini, mit

Ewan McGregor, Damian Lewis, Stellan Skarsgård, Naomie Harris, Mark Stanley und Mark Gatiss.

Die „The Night Manager“-DVD und Blu-ray haben als Bonusmaterial fünfzig Minuten Interviews mit Hugh Laurie, Tom Hiddleston, Elizabeth Debicki, Olivia Colman, Alistair Petri, John le Carré, Susanne Bier, Rob Bullock (Produzent), Simon Cornwell (Produzent), Stephen Garrett (Ausführender Produzent) und Matthew Patnick (Produktionsleiter) und ein reines Werbe-Featurette von der Premiere in Berlin, in dem alle Beteiligten, auf dem roten Teppich, begeistert von der Miniserie sind.

Ach ja: Der Miniauftritt von John le Carré ist in der fünften Episode in der einundzwanzigsten Minute. Er ist der Gast in einem Nobelrestaurant, das von Roper und seinem Gefolge besucht wird.

The Night Manager - Plakat

The Night Manager (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016)

Regie: Susanne Bier

Drehbuch: David Farr

LV: John le Carré: The Night Manager, 1993 (Der Nachtmanager)

mit Tom Hiddleston (Jonathan Pine), Hugh Laurie (Richard Onslow Roper), Olivia Colman (Angela Burr), Tom Hollander (Corcoran), Elizabeth Debicki (Jed Marshall), Michael Nardone (Frisky), Alistair Petrie (Sandy Langbourne), Hovik Keuchkerian (Tabby), Neil Morrissey (Harry Palfrey)

DVD

Concorde Home Entertainment

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews, Featurette: Die Premiere in Berlin

Länge: 338 Minuten (3 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage in der aktuellen Ausgabe

Le Carre - Der Nachtmanager

John le Carré: Der Nachtmanager

(übersetzt von Werner Schmitz)

Ullstein 2016

576 Seiten

9,99 Euro

Die gebundene Ausgabe erschien bei Kiepenheuer & Witsch; Taschenbuchausgaben bei Heyne und List.

Hinweise

Amazon Prime über „The Night Manager“ (direkter Link zur Serie)

Deutsche Homepage zur Serie

Moviepilot über „The Night Manager“

Rotten Tomatoes über „The Night Manager“

Wikipedia über „The Night Manager“

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

John le Carré in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Susanne Biers „Serena“ (Serena, USA/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Susanne Biers „Zweite Chance“ (Un chance til, Dänemark 2014)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016)


Über die ersten beiden Episoden der John-le-Carré-Verfilmung „The Night Manager“

März 30, 2016

John le Carrés Roman „Der Nachtmanager“ (The Night Manager) erschien 1993 und war sein erster Roman in der nach dem Ende des Kalten Krieges spielenden Welt. Er erzählte die Geschichte eines Hotelportiers, der, vom britischen Geheimdienst rekrutiert und mit einer neuen Identität ausgestattet, in eine undurchsichtige Geschichte von Kokain- und Waffenhandel, höchst illegal, global und tödlich, verwickelt wird.

Der Roman, der mir damals gut gefiel, war ein Beleg dafür, dass der Spionageroman nach dem Ende des Kalten Krieges, der ja die Weltpolitik und das Genre seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestimmte, immer noch relevant ist. Schließlich gab und gibt es weiterhin Geheimdienste und Spionage.

Über eine Verfilmung wurde seit dem Erscheinen immer wieder gesprochen, aber alle Pläne zerschlugen sich.

Ein Grund war, so hieß es, dass die Handlung des gut sechshundertseitigen Romans unmöglich in einem Zwei-Stunden-Film erzählt werden könne. Entsprechend folgerichtig ist dann auch die Entscheidung, den Roman nicht als Spielfilm, sondern – wie es jetzt geschah – als sechsstündige Miniserie zu verfilmen, die ihre TV-Premiere in England im BBC als Sechsteiler hatte und die jetzt bei Amazon Prime als Achtteiler in der deutschen und englischen Fassung online ist. Die einzelnen Folgen sind in dieser Schnittfassung, wie wir es von US-Serien gewohnt sind, jeweils knapp 45 Minuten.

Die DVD und Blu-ray erscheint am 21. April bei Concorde. Angekündigt sind fünfzig Minuten Bonusmaterial (u. a. Interviews mit den Darstellern und der Regisseurin, Featurette von der Premiere in Berlin, Trailer).

In den ersten beiden Episoden der Amazon-Schnittfassung, die ich sehen konnte, entwickelt sich die Geschichte langsam und, auch wenn sich die Geschichte konstant vorwärts bewegt, hätte man ohne Mühe viel streichen können. Denn Drehbuchautor David Farr („Spooks“, „Wer ist Hanna?“) und Regisseurin Susanne Bier, die bislang, abgesehen von einem TV-Film, ausschließlich für das Kino arbeitete, erzählen die Geschichte ziemlich detailverliebt und in dem Wissen, dass sie viel Zeit haben.

Die erste Episode ist eigentlich nur das Vorspiel für die in der Gegenwart spielende Geschichte: In Kairo im Januar 2011, während des Arabischen Frühlings, vertraut Sophie Alekan, die Geliebte des Hotelbesitzers Freddie Hamid, Spross einer reichen und mächtigen ägyptischen Familie, dem immer britisch-höflichen Nachtmanager des Nobelhotels, Jonathan Pine (Tom Hiddleston), Papiere über einen illegalen Waffenhandel zwischen Hamid und Richard Onslow Roper (Hugh Laurie) an. Der Brite Roper ist ein internationaler Waffenhändler, den der britische Geheimdienst gerne überführen würde. In Kairo laufen die Dinge so aus dem Ruder, dass Sophie Alekan am Ende tot ist.

Vier Jahre später arbeitet Pine im schweizerischen Zermatt in einem anderen Nobelhotel. Als Roper mit seinem Gefolge dort als Gast auftaucht, beginnt Pine hinter ihm her zu spionieren. Und er kontaktiert wieder den britischen Geheimdienst. Die Anti-Korruptions-Agentin Angela Burr (Olivia Colman), die Pine in Kairo vor dem Attentat auf Sophie Alekan warnte und um Hilfe bat, kann den Ex-Soldaten überzeugen, sich in einem gefährlichen Undercover-Einsatz bei Roper einzuschleichen.

Viel mehr passiert in den ersten neunzig Minuten nicht.

Aber die Besetzung ist gut und man will schon wissen, wie die Geschichte sich weiter entwickelt und die Konfrontation zwischen dem Nachtmanager und dem Waffenhändler, der bis jetzt nur einige kurze Auftritte hatte, endet.

The Night Manager - Plakat

The Night Manager (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016)

Regie: Susanne Bier

Drehbuch: David Farr

LV: John le Carré: The Night Manager, 1993 (Der Nachtmanager)

mit Tom Hiddleston (Jonathan Pine), Hugh Laurie (Richard Onslow Roper), Olivia Colman (Angela Burr), Tom Hollander (Corcoran), Elizabeth Debicki (Jed Marshall), Michael Nardone (Frisky), Alistair Petrie (Sandy Langbourne), Hovik Keuchkerian (Tabby), Neil Morrissey (Harry Palfrey)

Die Vorlage in der aktuellen Ausgabe

Le Carre - Der Nachtmanager

John le Carré: Der Nachtmanager

(übersetzt von Werner Schmitz)

Ullstein 2016

576 Seiten

9,99 Euro

Die gebundene Ausgabe erschien bei Kiepenheuer & Witsch; Taschenbuchausgaben bei Heyne und List.

Hinweise

Amazon Prime über „The Night Manager“ (direkter Link zur Serie)

Deutsche Homepage zur Serie

Moviepilot über „The Night Manager“

Rotten Tomatoes über „The Night Manager“

Wikipedia über „The Night Manager“

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

John le Carré in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Susanne Biers „Serena“ (Serena, USA/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Susanne Biers „Zweite Chance“ (Un chance til, Dänemark 2014)

 


Neu im Kino/Filmkritik: Hüte dich vor „Crimson Peak“! Besuche Allerdale Hall.

Oktober 16, 2015

„Crimson Peak“, der neue Film von „Hellboy“ Guillermo del Toro, gehört eindeutig in die Kategorie „solche Filme werden heute nicht mehr gemacht“.
Die Geschichte beginnt 1901 in Buffalo, New York. Edith Cushing (Mia Wasikowska) ist eine naßforsche, junge Frau aus vermögendem Haus, die von einer Karriere als Schriftstellerin träumt und ihren Traummann noch nicht gefunden hat. Da begegnet sie Sir Thomas Sharpe (Tom Hiddleston), einem verarmten englischen Adligen, der von Ediths Vater und dessen Firma gerne Geld für eine große Investition hätte. Begleitet wird er von seiner Schwester Lucille (Jessica Chastain).
Als kurz darauf Ediths Vater bei einem Badeunfall stirbt (Okay, es war ein Mord von einem unbekannten Täter.), heiratet sie Thomas und gemeinsam ziehen sie in sein einsam gelegenes Anwesen. Allerdale Hall ist ein auf einem waldlosem Hügel stehendes, verfallenes Schloss. Über dem kathedralenähnlichem Eingang ist das Dach eingestürzt. Es regnet und schneit hinein. Das Haus ist riesig, aber Personal scheint es nicht zu geben. Dafür sieht Edith einen Geist und die Geschwister Sharpe scheinen etwas vor ihr zu verbergen.
Ähnlich wie vor Kurzem Kenneth Branagh in „Cinderella“ mit seinem vollkommen unironischen, traditionellen und durch keinerlei Postmodernismen getrübten Zugang zu dem Märchen von Aschenputtel erstaunte, drehte jetzt Guillermo del Toro mit „Crimson Peak“ einen Romantic Thriller, der so tut, als sei seit Filmen wie Alfred Hitchcocks „Rebecca“ höchstens eine Woche vergangen. Auch wenn „Crimson Peak“ in seiner pompösen Farbigkeit an Roger Cormans Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen erinnert, fehlt „Crimson Peak“, neben der kurzen Laufzeit, der in ihnen immer spürbare Humor.
In del Toros sanftem Schauermärchen gibt es gute Schauspieler, eine schöne Ausstattung, eine langsam durch die Räume gleitenden Kamera und eine absolut vorhersehbare Geschichte, die eigentlich nur zwei große Überraschungen enthällt. Die Sharpes sind, obwohl sie anfangs so auftreten, keine Vampire. Das wäre ein zu zeitgenössischer Zugang zu dieser alten Geschichte. Und Edith, die schon in ihrer Heimat vom Geist ihrer Mutter eindringlich vor Crimson Peak gewarnt wird, erfährt erst sehr spät im Film, nachdem sie schon lange in Allerdale Hall friert, von Geistern verfolgt und Lucille traktiert wird, dass Allerdale Hall im Volksmund Crimson Peak genannt wird. Wir haben das schon vermutet, als die Kutsche das Tor von Allerdale Hall passierte.
Am Ende, wenn das Geheimnis der Geschwister Sharpe enthüllt wird, ist „Crimson Peak“ ein Kriminalfilm, ein Romantic Thriller in seiner absolut klassischen und hoffnungslos altmodischen Form, bei dem es noch etwas Geister-Geschwurbel gibt.
Das ist gut gemacht und es ist auch genau der Retro-Film, den Guillermo del Toro machen wollte. Aber es ist auch, als sähe man sich wieder einen dieser alten Gothic Thriller, die höchstens für ein sanftes Gruseln sorgen, an und bei dem man, auch wenn man ihn noch nie gesehen hat, die gesamte Handlung schon nach den ersten Minuten kennt. Farbe und bessere Tricks ändern nichts daran. Eigentlich waren sogar die alten Tricks mit knarrenden Türen und Schatten furchterregender.

Crimson Peak - Plakat

Crimson Peak (Crimson Peak, USA 2015)
Regie: Guillermo del Toro
Drehbuch: Guillermo del Toro, Matthew Robbins, Lucinda Coxon
mit Mia Wasikowska, Jessica Chastain, Tom Hiddleston, Charlie Hunnam, Jim Beaver, Burn Gorman, Leslie Hope, Doug Jones
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Crimson Peak“
Moviepilot über „Crimson Peak“
Metacritic über „Crimson Peak“
Rotten Tomatoes über „Crimson Peak“
Wikipedia über „Crimson Peak“
Meine Besprechung von Guillermo del Toros „Pacific Rim“ (Pacific Rim, USA 2013)

Einige Featurettes von den Machern (Universal Pictures)


Neu im Kino/Filmkritik: Jim Jarmusch behauptet „Only Lovers left alive“

Dezember 25, 2013

 

Schon Jim Jarmuschs erster Spielfilm „Permanent Vacation“ war eigentlich ein Vampirfilm und auch in all seinen weiteren Filmen, wie „Dead Man“, „Ghost Dog“, „Broken Flowers“ und „The Limits of Control“, wandelten seine Protagonisten etwas Untot durch die Landschaft, aber erst jetzt, mit dem grandiosen „Only Lovers left alive“ sind Vampire seine Protagonisten. Seit Jahrhunderten leben sie unter uns. Ihren Blutdurst stillen sie inzwischen normalerweise mit Blutkonserven, die sauberes Blut enthalten. Sie sind kunstinteressiert und können auch einiges aus erster Hand erzählen. Zum Beispiel über die Werke von Shakespeare. Oder über von ihnen besuchte legendäre Konzerte, die allerdings schon vor so vielen Jahren stattfanden, dass sie, wenn sie heute mit Sterblichen darüber reden, behaupten müssen, sie hätten das Konzert auf YouTube gesehen. Da kann man schon einmal die Lust am Leben verlieren.

Auch der in Detroit lebende Adam (Tom Hiddleston), der in seinem Studio endlos an seiner Musik herumexperimentiert, denkt mal wieder an Selbstmord. Seine in Tanger lebende Freundin Eve (Tilda Swinton) hört davon und macht sich auf den Weg. Denn sie will ihren Freund und Liebhaber nicht verlieren.

In Detroit taucht auch Eves Schwester Ava (Mia Wasikowska) auf. Sie ist jünger als die beiden Bohemien-Vampire und vollkommen verantwortungslos. Vor allem Adam ist immer noch wütend auf sie wegen einer alten Geschichte. 1926 machte sie in Paris etwas sehr Dummes. Auch in Detroit lenkt sie mit ihrem impulsivem Verhalten viel zu schnell die Aufmerksamkeit auf die die Anonymität liebenden Vampire.

Aber viel wichtiger als die nacherzählbare Geschichte ist bei Jim Jarmusch, wie immer, die Stimmung, die sich in ihrer Mischung aus Lakonie, Lebensmüdigkeit, Klugheit und Anspielungsreichtum gar nicht so sehr von seinen früheren Werken unterscheidet und den nicht in die Gesellschaft passen wollenden Protagonisten, die oft auch etwas neben sich zu stehen scheinen und daher vollkommen in sich ruhen. Adam und Eve haben in der Vergangenheit ihren Rückzug von der Welt, die vor allem Adam zunehmend anödet, kultiviert. Noch nicht einmal zur Nahrungsaufnahme wollen sie mit uns Menschen etwas zu tun haben.

Only Lovers left alive“ ist mit seinem trockenem Humor sogar ziemlich witzig geraten. Denn die Welt der Vampire, die aus erster Hand von ihren Begegnungen mit Shakespeare erzählen können, die in den vergangenen Jahrhunderten schon fast alles erlebten und, dank ihrer Unsterblichkeit, eine vollkommen andere Perspektive auf das Leben haben, ist immer wieder gut für einen Witz und ein lässiges Spiel mit dem Absurden.

Den Rest besorgen die bedeutungsschwangeren, leicht entschlüsselbaren Namen: Adam und Eve für das im Mittelpunkt des Films stehende Liebespaar. Ihr Freund Christopher Marlowe (John Hurt) als Weggefährte von Shakespeare und Autor etlicher Shakespeare-Stücke. Dr. Watson (Jeffrey Wright) als Lieferant von sauberem Blut an Adam, der sich bei seinen nächtlichen Besuchen in der Klinik Dr. Faust nennt.

Wie in „Dead Man“ und „Ghost Dog“ spielt Jarmusch souverän mit Genrezitaten. Bei seinem vorherigem Film „The Limits of Control“ wurde das Spiel mit Gangsterfilmzitaten ja etwas blutleer.

Auch wenn das Ende, als missglückter Gag, etwas enttäuschend ist, weil es den vorherigen Film desavouiert, ist „Only Lovers left alive“ wieder ein hypnotischer Jarmusch, wie wir ihn lieben.

Only Lovers left alive - Plakat

Only Lovers left alive (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Regie: Jim Jarmusch

Drehbuch: Jim Jarmusch

mit Tilda Swinton, Tom Hiddleston, Mia Wasikowska, John Hurt, Anton Yelchin, Jeffrey Wright, Slimane Dazi, Carter Logan

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Only Lovers left alive“

Moviepilot über „Only Lovers left alive“

Metacritic über „Only Lovers left alive“

Rotten Tomatoes über „Only Lovers left alive“

Wikipedia über „Only Lovers left alive“

Wikipedia über Jim Jarmusch (deutsch, englisch)

The Jim Jarmusch Resource Page

Senses of Cinema über Jim Jarmusch

Jim Jarmusch in der Kriminalakte

Die Cannes-Pressekonferenz mit den üblichen Verdächtigen

Ein gut aufgenommenes Gespräch mit Jim Jarmusch und Tilda Swinton während des New York Film Festival

Weniger gut, aber dokumentarisch interessant

 

Und, brandneu, Intro trifft den Meister


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