Neu im Kino/Filmkritik: „Child’s Play“ mit der Mörderpuppe Chucky in der 2019er Edition

Juli 18, 2019

1988 erfand Regisseur Tom Holland („Fright Night“), zusammen mit den Drehbuchautoren Don Mancini und John Lafia, die Kinderpuppe, in die ein äußerst rachsüchtiger Dämon fährt und die danach fröhlich mordend durch die Stadt zieht. Der Horrorfilm „Die Mörderpuppe“ (Child’s Play, auch „Chucky – die Mörderpuppe“) war ein Erfolg. Die Puppe wurde, wie jüngst Annabelle, zu einer Horrorikone. In sechs weiteren Filmen mordete sie weiter. Die letzten beiden Chucky-Filme erschienen nur noch als Direct-to-DVD.

Aber Chucky ist immer noch bekannt und mit einem Reboot kann man an die Anfänge anschließen, ohne sich um etwaige Weiterentwicklungen und Irrwege der Mythologie zu kümmern. Das ermöglicht auch Neueinsteigern einen Kinobesuch, ohne sich vorher die anderen Filme ansehen zu müssen.

Bei dem Reboot von „Child’s Play“, in das keiner der ursprünglichen Macher involviert ist, orientieren Regisseur Lars Klevberg und Drehbuchautor Tyler Burton Smith sich unübersehbar an dem Original. Sie verlegen die Geschichte in die Gegenwart, sie verändern Chucky optisch wieder etwas (zu seinem Nachteil), für die Jugendlichen sind Mobiltelefone wichtig und die Wohnung ist vernetzt.

Aber reicht das, um das Franchise wieder zu beleben? Schließlich fallen viele (die meisten?) Reboots nicht besonders überzeugend aus. Eine künstlerische Notwendigkeit ist oft nicht erkennbar. Die Eigenständigkeit des Reboots erschöpft sich in einer schlechten Wiederholungen der bekannten Geschichte. Letztendlich geht es meistens nur darum, mit einer bereits etablierten Figur und einer bekannten Geschichte noch einmal Geld zu machen.

Über „Child’s Play“ kann das nicht gesagt werden. Klevbergs Horrorfilm gehört zu den gelungenen Reboots. Die Geschichte spielt, wie gesagt, in der Gegenwart. Sie folgt dem schon vor über dreißig Jahren gut abgehangenem Minimalplot des Originals. Dabei wird dieser Plot immer wieder gelungen, einfallsreich und auch blutig variiert. Die wichtigste Änderung ist dabei der Grund für Chuckys Handlungen.

Kaslan Corporation stellt die Buddi-Puppen her, die über eine künstliche Intelligenz verfügen. Sie erkennen ihre Bezugsperson, werden zu seinem besten Freund und lernen neue Dinge. Als einer der Arbeiter bei der Produktion in Vietnam bei der Arbeit kurz abwesend ist, wird er entlassen. Bevor er seinen Arbeitsplatz verlässt, programmiert er eine Puppe um. Er entfernt alle Schutzmechanismen.

Über einen kleinen Umweg kommt diese Puppe zu Andy Barclay (Gabriel Bateman). Der Junge lebt mit seiner allein erziehenden Mutter Karen (Aubrey Plaza) in einem heruntergekommenem, um die Jahrhundertwende erbautem Mietshaus. Den neuen Freund seiner Mutter mag er nicht. Neue Freunde muss der Einzelgänger erst noch finden. Bis dahin ist Chucky (im Original von Mark Hamill gesprochen) sein bester Freund, dem er alles anvertraut, während ihn Chucky überallhin begleitet und ihm hilft.

Mit seinen neuen Freunden sieht Andy sich später „The Texas Chainsaw Massacre Part 2“ an. Weil alle Jugendlichen sich über die Massaker im Film köstlich amüsieren, beginnt Chucky den Film nachzuahmen. Denn wenn die Jugendlichen bei den Kettensägenmorden lachen, muss das doch witzig und gut sein. Er beginnt all die Menschen, denen Andy irgendwann einmal den Tod wünschte oder die sich falsch verhalten haben, umzubringen.

Der Haupt-Handlungsort – ein Mietshaus, das in den vergangenen siebzig Jahren nicht mehr umfassend renoviert wurde -, das lange „Texas Chainsaw Massacre“-Zitat in der Filmmitte, das langsame Erzähltempo, das gemächliche Schnitttempo, die sehr blutigen Morde, die in neunzig Minuten gradlinig erzählte Geschichte und der schwarze Humor, zeigen eindeutig, dass Lars Klevberg seinen Horrorfilm in der Tradition des Achtziger-Jahre-Horrrofilms sieht.

Im Gegensatz zum ersten Chucky-Film verzichtet er auf übersinnliche Momente. Bei ihm genügt eine fehlgeleitete Künstliche Intelligenz, um ein wahres Schlachtfest zu veranstalten. Wer will, kann das als galligen Kommentar zur Begeisterung über Künstliche Intelligenz in Kinderspielzeug in der vernetzten Wohnung, lesen. Und das Finale in einem Kaufhaus als oberflächliche Kapitalismuskritik.

Child’s Play“ ist, angesichts der Erwartungen, ein überraschend gelungener Horrorfilm.

Child’s Play (Child’s Play, USA 2019)

Regie: Lars Klevberg

Drehbuch: Tyler Burton Smith (basierend auf von Don Mancini erfundenen Figuren)

mit Gabriel Bateman, Aubrey Plaza, Brian Tyree Henry, Tim Matheson, David Lewis, Trent Redekop, Beatrice Kitsos, Ty Consiglio, Carlease Burke, Mark Hamill (Chuckys Stimme im Original)

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „Child’s Play“

Metacritic über „Child’s Play“

Rotten Tomatoes über „Child’s Play“

Wikipedia über „Child’s Play


Neu im Kino/Filmkritik: „Spider-Man: Far From Home“ in good old Europe

Juli 4, 2019

Spider-Man: Far From Home“ ist der erste Marvel-Film nach dem unglaublich erfolgreichen „Avengers: Endgame“, der lange als Abschluss der Phase Drei des Marvel Cinematic Universe angekündigt war. Inzwischen weiß man, dass aus Sicht der Macher „Spider-Man: Far From Home“ der richtige und endgültige Abschluss der Phase Drei des MCU ist. Diese Idee, mit dem MCU mehrere Filme miteinander zu verbinden, war auch eine grandiose Idee, um das Publikum über mehrere Filme ins Kino zu locken. Schließlich traten Hauptfiguren in einem Film in anderen Filmen kurz auf und es gab immer Kleinigkeiten, die in einem der nächsten Filme wichtig wurden. In „Endgame“ wurden dann die verschiedenen, wie Brotkrumen über die Filme gestreuten Informationen so zusammengefügt, dass das Bild eines großen Plans entstand. „Spider-Man: Far From Home“, der nach „Endgame“ spielt, ist jetzt ein Epilog, der vor allem ein Einzelfilm ist.

‚Spider-Man‘ Peter Parker (Tom Holland) sieht sich immer noch als der freundliche Superheld aus und für die Nachbarschaft. Er will nicht die Welt, sondern das Dorf retten. Außerdem ist er immer noch der sechzehnjährige Schüler (Wird der denn nie älter?), der immer noch in die schnippische MJ (Zendaya) verliebt ist und keine Ahnung hat, wie er ihr seine Liebe gestehen soll. Aber während der Klassenfahrt könnte sich eine Gelegenheit ergeben. Zusammen mit seinem Freund Ned Leeds (Jacob Batalon) entwirft er schon kitschig-romantischste Pläne für dieses große Ereignis.

Die Klassenfahrt ist eine Europa-Rundreise, die in Venedig beginnt. Dort gerät er in einen Kampf zwischen einem Wassermonster und Quentin Beck, aka Mysterio (Jake Gyllenhaal) (Nein! Nicht schnell auf Wikipedia nachsehen, wer Mysterio in den Marvel-Comics ist.). Mysterio ist auf den ersten Blick eine Mischung aus Iron Man und Dr. Strange, die beide, wie Nick Fury ihm sagt, aus verschiedenen Gründen im Moment verhindert sind. Also muss Peter Parker gegen die Bösewichter kämpfen.

Und weil wir in der Pressevorführung gebeten wurden, nichts über den Inhalt des Films zu verraten, bin ich jetzt am Ende des Teils meiner Besprechung angelangt, die irgendetwas über den Inhalt verrät, das man nicht schon aus den Trailern kennt.

Sagen kann ich, dass Tom Holland wieder als freundlicher, meist von den Herausforderungen etwas überforderter Spider-Man überzeugt. Auch die anderen Schauspieler überzeugen. Viele sind aus dem vorherigen, ebenfalls von Jon Watts inszeniertem MCU-Spider-Man-Film „Homecoming“ und den anderen MCU-Filmen bekannt. Die Effekte sind, wenn ganze Innenstädte und Wahrzeichen zerstört werden, gewohnt gut und bombastisch. Der touristische Europatrip erfreut mit vielen, meist gut abgehangenen Klischees über die alte Welt und verliert dabei mehr als einmal den Kampf von Spider-Man gegen den Bösewicht aus dem Blick. Der Bösewicht ist gewohnt schwach. Sein Motiv ist kaum nachvollziehbar. Sein genialer und teuflisch böser Plan ebenso. Damit gibt es auch keinen zentralen Konflikt, auf den sich die gesamte Filmgeschichte konzentrieren könnte. Aber das kennt man aus den vorherigen Marvel-Filmen, die diesen Mangel mit Humor überspielen.

Far From Home“ gefällt vor allem als unterhaltsamer Einzelfilm, der bis auf ein, zwei Momente auch ohne das Wissen aus den anderen MCU-Filmen gesehen werden kann. Entsprechend schlecht funktioniert „Far From Home“ als Abschluss der dritten MCU-Phase. Am Anfang werden zwar die in „Endgame“ verstorbenen Avengers erwähnt und Peter Parkers erinnert sich an sein Idol Tony Stark, aber auf die Geschichte von „Far from home“ hat das keinen nennenswerten Einfluss. Um was es in der nächsten MCU-Phase gehen könnte, ist auch nach „Far From Home“ immer noch unklar. Daran ändert auch Peter Parkers bereits aus dem Trailer bekannte sofortige Akzeptanz des Multiversums nichts. Aber vielleicht hat er den vor Weihnachten gestarteten Spider-Man-Animationsfilm „Spider-Man: A new Universe“ (Spider-Man: Into the Spider-Verse, USA 2018) gesehen und wusste daher, dass es viele verschiedene Welten mit verschiedenen Spider-Man-Inkarnationen, Superhelden und Bösewichtern gibt.

Spider-Man: Far From Home (Spider-Man: Far From Home, USA 2019)

Regie: Jon Watts

Drehbuch: Chris McKenna, Erik Sommers (nach dem Charakter von Steve Ditko und Stan Lee)

mit Tom Holland, Jon Favreau, Jake Gyllenhaal, Samuel L. Jackson, Cobie Smulders, Jacob Batalon, Zendaya, Angourie Rice, Zach Barack, Numan Acar, Marisa Tomei, J. K. Simmons

Länge: 130 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „Spider-Man: Far From Home“

Metacritic über „Spider-Man: Far From Home“

Rotten Tomatoes über „Spider-Man: Far From Home“

Wikipedia über „Spider-Man: Far From Home“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jon Watts‘ „Spider-Man: Homecoming“ (Spider-Man: Homecoming, USA 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: „Avengers: Endgame“ im Kampf um die Klunker, das Universum und den ganzen Rest

April 24, 2019

Nachdem die Fans in den vergangenen Monaten jedes Standfoto und Bild aus den verschiedenen Trailern vorwärts und rückwärts analysierten und mit wilden Vermutungen garnierten, wie denn nun das „Endgame“ der Avengers endet und die Vorverkaufszahlen astronomisch sind, läuft der Superheldenfilm jetzt in unseren Kinos an. Der US-Start ist erst am 26. April. Die Prognosen für das weltweite Einspielergebnis liegen aktuell für das Startwochenende bei 850 bis 900 Millionen US-Dollar. In den USA wird damit gerechnet, dass „Endgame“ am Startwochenende mehr einspielt als der vorherige Avengers-Film „Infinity War“. Und der spielte über 257 Millionen US-Dollar ein. Die meisten Prognosen liegen bei über 270 Millionen US-Dollar, einige sogar bei über 300 Millionen US-Dollar. Etliche US-Kinos werden den Film, um die Nachfrage zu befriedigen, mehrere Tage ohne Unterbrechung zeigen. Damit dürfte „Endgame“ „Infinity War“ in vielen Listen auf den zweiten Platz verdrängen. Schon bevor ein Zuschauer den Film gesehen hat, gehört der Film zu den erfolgreichsten Filmen. An der Kinokasse.

Der Film ist der 22. Film des Marvel Cinematic Universe (MCU). Er ist der lange angekündigte und vorbereitete Höhepunkt und das Ende der bisherigen Marvel-Filme. Es begann 2008 mit „Iron Man“, der im Kino ein Überraschungserfolg und der Beginn des Marvel Cinematic Universe war. In den nächsten Filmen wurden verschiedene, aus Comics bekannte Marvel-Helden vorgestellt. Sie traten auch in anderen MCU-Filmen auf. So entstand schnell über die wiederkehrenden Figuren der Eindruck, dass die Filme miteinander zusammen hängen. Auch wenn der Auftritt manchmal nur kurz war. Im vierten MCU-Film „Thor“ wurden erstmals die Infinity-Steine erwähnt. Diese sechs Steine entstanden aus den Singularitäten, die vor der Entstehung des Universums existierten. Mit jedem Stein kann man einen grundlegenden Aspekt des Universums manipulieren. Wer alle Steine besitzt, kann das Universum vernichten. Damit das nicht geschieht, wurden sie vor Ewigkeiten an verschiedenen Orten im Universum versteckt. Thanos will sie alle haben und, weil Thanos das Universum vor der Überbevölkerung retten will, will er mit Hilfe der Steine die Hälfte allen Lebens auslöschen. Mit einem Fingerschnippen. In „Avengers: Infinity War“, dem ersten Teil des großen Finales, kämpften all die aus den vorherigen Superheldenfilmen bekannten Charaktere gegen Thanos. Sie verloren den Kampf. Thanos vernichtete die Hälfte von allem Leben – und etliche Superhelden zerfielen zu Staub.

Schon damals schrieb ich über das schockierende Ende, dass ich einige Tote seltsam fand. So starben unter anderem Dr. Strange und Spider-Man, die gerade in neuen Filmen als Superhelden etabliert wurden, während Captain America und Iron Man, die von Anfang an dabei waren, überlebten.

Vor dem Filmstart unkte ich noch herum, wie unsere tapferen Superhelden die Welt retten und wer wirklich stirbt. Meine Vermutung lag ziemlich nah an der Filmgeschichte und daher wäre sie ein Spoiler.

Aber soviel kann verraten werden, – auch weil man es durch die Trailer, die Besetzungsliste und verschiedene Gerüchte über kommende Filme (Ja, es gibt einen weiteren „Guardians of the Galaxy“-Film und James Gunn ist wieder als Regisseur an Bord. Ja, es gibt den schon lange erwarteten „Black Widow“-Film; der soll allerdings 2005 und damit vor „Iron Man“ spielen), schon ahnt: ungefähr alle aus den bisherigen Filmen bekannten und beliebten Charaktere sind wieder dabei. Teilweise nur mit Mini-Auftritten, teilweise sogar ohne Dialog.

Die Filmgeschichte beginnt unmittelbar nach dem Ende von „Infinity War“. Die überlebenden Helden treffen sich auf der Erde und sie können Thanos sogar besiegen. Dummerweise hat er die Steine vernichtet. Damit kann seine Tat nicht rückgängig gemacht werden. Bis, fünf Jahre später, Ant-Man eine verwegene Idee hat: wenn sie in der Zeit zurückreisen zu Zeitpunkten, an denen sie wussten, wo die Steine sind, können sie sie holen und Thanos‘ Tat ungeschehen machen. „Captain America“ Steve Rogers (Chris Evans), „Iron Man“ Tony Stark (Robert Downey Jr.), „Black Widow“ Natasha Romanoff (Scarlett Johansson), „Hulk“ Bruce Banner (Mark Ruffalo, jetzt als großer Teddybär), „War Hammer“ James Rhodes (Don Cheadle), Thor (Chris Hemsworth, im Lebowski-Modus, allerdings nicht so cool), Nebula (Karen Gillan), „Hawkeye“ Clint Barton (Jeremy Renner, mit gruseliger Frisur), „Ant-Man“ Scott Lang (Paul Rudd, zurück aus der subatomaren Dimension) und Rocket (im Original mit der Stimme von Bradley Cooper) machen sich auf den Weg in die Vergangenheit.

Mit dieser Zeitreiseidee können die MCU-erfahrenen Regisseure Anthony und Joe Russo alle bekannten Charaktere auftreten lassen, ohne dass die Besetzungsliste eine Spoilerliste ist. Gleichzeitig können sie wichtige Szenen aus den älteren Filmen aus einer anderen Perspektive zeigen, einige Überraschungen einbauen und das Gefühl vermitteln, dass wirklich alles von langer Hand geplant wurde. Also, dass es sich nicht um viele Einzelfilme, sondern um eine zusammenhängende Geschichte handelt, die in den vergangenen Jahren in vielen Filmen erzählt wurde.

Auch später, beim Schlusskampf, gibt es zahlreiche Momente, die das Fanherz höher schlagen lassen. In dem Moment gibt es auch reichlich Action. Der in dunklen Bildern gehaltene Schlusskampf ist zu sehr eine lustlose Wiederholung des Endkampfs von „Infinity War“, um wirklich zu begeistern. Auch die anderen Actionszenen sind mehr Pflicht als Kür.

Insgesamt ist „Endgame“ ein ruhiger, fast schon kontemplativer und meditativer Film, in dem die verbliebenen Avengers vor allem ausführlich trauern und an sich selbst und ihren Fähigkeiten zweifeln.

Die verbliebene Hälfte der Menschheit ist ebenfalls auch Jahre nach der Tat von Thanos immer noch in einer kollektiven Schockstarre ist. Die Welt sieht fünf Jahre nach der Katastrophe aus, als sei sie gestern gewesen.

‚Captain Marvel‘ Carol Danvers (Brie Larson), die erst vor wenigen Wochen mit ihrem eigenen Film als „mächtigste Figur im Marvel Cinematic Universe“ (Produzent Kevin Feige) etabliert wurde, ist in „Endgame“ auch dabei. Aber ihre wenigen Auftritte sind kurz und, ausgehend von der geschürten Erwartung, dass sie die mächtigste Superheldin ist und von Nick Fury (Samuel L. Jackson) gerufen wurde, um den Avengers beim Retten der Welt zu helfen, erstaunlich uninteressant. Die meiste Zeit rettet sie off-screen andere Welten.

Der Film selbst ist mit über drei Stunden der längste Marvel-Film bislang. Trotzdem vergeht die Zeit bis zum Abspann ziemlich schnell. In dem Moment geht eine Reise zu Ende. Die Verluste sind nicht so hoch, wie es zur Halbzeit aussah (Yep, nicht alle Avengers überleben) und es hat sich nicht so viel verändert, wie die Werbemaschine vorher versprach. Letztendlich ist das Universum nach dem Endgame nicht viel anders als vor dem Infinity War.

Und die nächsten Marvel-Filme sind schon, teils mit Titel und Startdatum, angekündigt.

Avengers: Endgame (Avengers: Endgame, USA 2019)

Regie: Anthony Russo, Joe Russo

Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely (basierend auf den Marvel-Comics von Stan Lee und Jack Kirby und dem Comic von Jim Starlin)

mit Robert Downey Jr., Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Chris Evans, Scarlett Johansson, Jeremy Renner, Brie Larson, Paul Rudd, Don Cheadle, Lupity Nyong’o, Karen Gillan, Josh Brolin, Tessa Thompson, Evangeline Lilly, Pom Klementieff, Tom Holland, Jon Favreau, Elizabeth Olsen, Dave Bautista, Sebastian Stan, Michelle Pfeiffer, Tilda Swinton, Gwyneth Paltrow, Chadwick Boseman, Danai Gurira, Winston Duke, Frank Grillo, Benedict Wong, Michael Douglas, Robert Redford, Paul Bettany, Tom Hiddleston, Benedict Cumberbatch, Zoe Saldana, Samuel L. Jackson, Bradley Cooper (Stimme im Original) (hoffe, dass ich niemand vergessen habe)

Länge: 182 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

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Moviepilot über „Avengers: Endgame“

Metacritic über „Avengers: Endgame“

Rotten Tomatoes über „Avengers: Endgame“

Wikipedia über „Avengers: Endgame“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Anthony und Joe Russos „The Return of the First Avenger“ (Captain America: The Winter Soldier, USA 2014)

Meine Besprechung von Joe und Anthony Russos „The First Avenger: Civil War“ (Captain America: Civil War, USA 2016)

Meine Besprechung von Anthony und Joe Russos „Avengers: Infinity War“ (Avengers: Infinity War, USA 2018)


DVD-Kritik: „Avengers: Infinitiy War“ oder Wer hat die Steine?

September 10, 2018

Über das schockierende Ende von „Avengers: Infinity War“ reden wir später. Beginnen wir mit dem Anfang des 150-minütigen Marvel-Films, der jetzt auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray erscheint.

Thanos, der Bösewicht, will seit Jahren und vielen, vielen Marvel-Filmen die Infinity-Steine besitzen. Wenn er alle sechs Steine hat, hat er die unbegrenzte Macht über das Universum und er kann gleich einmal die Hälfte aller Lebewesen auslöschen. Einfach so. In den vergangenen Jahren wurden Thanos und die Steine in ungefähr jedem Marvel-Film angesprochen. Auch wenn es nur in einer Szene im Abspann war.

Jetzt, auf einem Raumschiff mit den letzten Überlebenden von Asgard, gelangt Thanos, „ein Despot von intergalaktischer Bösartigkeit“ (Presseheft), an den zweiten Infinitiy-Stein. Gleichzeitig tötet er Loki, der sich mal wieder als zuverlässig opportunistischer Schleimbeutel erweist. Sein Tod ist der erste in einer Reihe überraschender Toter. Lokis Bruder Thor und „Hulk“ Bruce Banner überleben die Begegnung mit Thanos. Sie machen sich unverzüglich auf den Weg zur Erde. Dort sind nämlich sind zwei der Infinity-Steine. Und die Avengers, die sie verteidigen können, sind ebenfalls auf der Erde. Wenn es sie als einheitliche und kraftvolle Schutztruppe noch gäbe.

Avengers: Infinity War“ ist selbstverständlich ein Film für die zahlreichen Fans, die in den vergangenen Jahren alle Marvel-Filme gesehen und oft liebevoll bis in die letzte Verwinkelung analysiert haben. Sie kennen alle Charaktere und ihre Vorgeschichte. Die Macher, die Regisseure Joe und Anthony Russo und die ebenfalls Marvel-erfahrenen Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeely nehmen sich daher keine Zeit, einen Charakter zu etablieren. Sie können gleich mit der Action beginnen und der Reihe nach all die alten bekannten Superhelden und die Guardians of the Galaxy auftreten lassen. Eigentlich fehlen nur Ant-Man und Hawkeye. Die sollen aber beim zweiten Teil von „Infinity War“ dabei sein. Der Film ist in Deutschland für den 25. April 2019 und in den USA für den 3. Mai 2019 angekündigt.

Die Story von „Avengers: Infinity War“ ist vor allem eine Vorbereitung auf das große Finale des Films, das zu einem großen Teil in Wakanda stattfindet.

Bis dahin spielt die Geschichte vor allem in der „Guardians of the Galaxy“-Welt auf Raumschiffen, fernen Planeten und, ab und zu, im Weltraum. Oder anders gesagt: in der Welt von Thanos und Thanos, grandios gespielt von Josh Brolin, hat in dem Film viel Leinwandzeit und auch ein nachvollziehbares Motiv für seine vollkommen wahnsinnigen Taten. Er ist im Marvel-Universum endlich einmal ein Bösewicht, der auch nach dem Abspann noch im Gedächtnis bleibt . Man erfährt auch, warum er tut, was er tut.

Am Ende des Films, der strukturell die Mitte eines großen Films ist (also Minute 45 bei einem „Tatort“) besitzt Thanos alle Infinity-Steine und er benutzt sie sofort, um die Hälfte aller Lebewesen auszulöschen. Dazu gehören auch etliche der Superhelden, die uns in den vergangenen Jahren ans Herz wuchsen. Wer von den Avengers und den anderen Marvel-Helden in einer optisch und akustisch beklemmend inszenierten Sequenz stirbt, überrascht dann schon etwas. Falls sie – immerhin kann mit dem Zeitstein, der sich im Besitz von Doctor Strange befindet, die Zeit manipuliert werden – wirklich gestorben sind. So ist man am Ende durchaus beeindruckt von der Konsequenz, mit der Thanos agiert, aber man ist nicht wirklich schockiert und die Trauer über den Tod der vielen Superhelden hält sich in überschaubaren Grenzen. Jedenfalls bis zum nächsten Film, in dem wir erfahren, wer nun wirklich gestorben ist.

Im langen Abspann gibt es keine Szene. Nach dem Abspann treffen wir dann Nick Fury.

Das Bonusmaterial auf der Blu-ray ist auf den ersten Blick erfreulich umfangreich geraten. Es gibt einen Audiokommentar von den Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeelyden und Russo-Brüdern (die außerdem eine kurze Einleitung zum Film sprechen), mehrere Featurettes, die insgesamt über dreißig Minuten dauern, zehn Minuten zusätzliche Szenen (die, wie die sehr provisorischen Spezialeffekte zeigen, schon früh gestrichen worden und eine Szene mit ‚Happy Hogan‘ Jon Favreau [der im Film nicht auftaucht]) und, just for fun, zwei Minuten mit Pannen beim Dreh. Gerade die Featurettes enttäuschen. Sie sind, auch wenn das Ende des Films erwähnt und Bilder vom Finale gezeigt werden, reine Werbe-Featurettes, deren Informationsgehalt gegen Null tendiert. Da helfen auch die großzügig eingestreuten ‚Behind the Scenes‘-Bilder nicht.

Avengers: Infinity War (Avengers: Infinity War, USA 2018)

Regie: Anthony Russo, Joe Russo

Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely

mit Robert Downey Jr., Josh Brolin, Chris Evans, Scarlett Johansson, Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Benedict Cumberbatch, Chadwick Boseman, Chris Pratt, Tom Hiddleston, Gwyneth Paltrow, Benicio del Torro, Don Cheadle, Tom Holland, Zoe Saldana, Karen Gillan, Paul Bettany, Elizabeth Olsen, Anthony Mackie, Sebastian Stan, Idris Elba, Peter Dinklage, Benedict Wong, Pom Klementieff, Dave Bautista, Letitia Wright, Danai Gurira, William Hurt, Stan Lee, Samuel L. Jackson, Vin Diesel (Stimme im Original), Bradley Cooper (Stimme im Original)

Blu-ray

Walt Disney Studios Home Entertainment

Bild: 16:9 (1080p High Definition, 2.39:1)

Ton: Deutsch (Dolby Digital plus 7.1), Englisch (DTS-HD HR 7.1), Französisch (Dolby Digital plus 7.1)

Untertitel: Deutsch, Französisch, Niederländisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch, Englisch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Intro der Regisseure Joe und Anthony Russo, Pannen vom Dreh, Zusätzliche Szenen, Featurettes (Neue Teams, Der wahnsinnige Titan, Über die Schlacht auf Titan, Über die Schlacht in Wakanda), Audiokommentar zum Film

Länge. 149 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

4K UHD Blu-ray mit identischem Bonusmaterial; DVD ohne Bonusmaterial

Hinweise

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Moviepilot über „Avengers: Infinity War“

Metacritic über „Avengers: Infinity War“

Rotten Tomatoes über „Avengers: Infinity War“

Wikipedia über „Avengers: Infinity War“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Anthony und Joe Russos „The Return of the First Avenger“ (Captain America: The Winter Soldier, USA 2014)

Meine Besprechung von Joe und Anthony Russos „The First Avenger: Civil War“ (Captain America: Civil War, USA 2016)


TV-Tipp für den 22. Juli: Im Herzen der See

Juli 22, 2018

Sat.1, 20.15

Im Herzen der See (In the Heart of the Sea, USA 2015)

Regie: Ron Howard

Drehbuch: Charles Leavitt (nach einer Geschichte von Charles Leavitt, Rick Jaffa und Amanda Silver)

LV: Nathaniel Philbrick: In the Heart of the Sea: The Tragedy of the Whaleship Essex, 2000 (Im Herzen der See: Die letzte Fahrt des Walfängers Essex)

Anstatt noch einmal „Moby Dick“ zu verfilmen, wurde dieses Mal die Geschichte verfilmt, die Herman Melville zu seinem Roman „Moby Dick“ inspirierte.

Mehr Malen nach Zahlen als saftiges Seemannsgarn, aber für einen warmen Sommerabend gut geeignet.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Chris Hemsworth, Benjamin Walker, Cillian Murphy, Ben Whishaw, Tom Holland, Brendan Gleeson, Charlotte Riley

Hinweise
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Film-Zeit über „Im Herzen der See“
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Rotten Tomatoes über „Im Herzen der See“
Wikipedia über „Im Herzen der See“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ron Howards „Rush – Alles für den Sieg“ (Rush, USA/Großbritannien/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Ron Howards „Im Herzen der See“ (In the Heart of the Sea, USA 2015)

Meine Besprechung von Ron Howards „Inferno“ (Inferno, USA 2016)

Meine Besprechung von Ron Howards „Solo: A Star Wars Story“ (Solo: A Star Wars Story, USA 2018)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Spider-Man: Homecoming“ in „Das Marvel Cinematic Universum“

Juli 13, 2017

In „The First Avenger: Civil War“ hatte Tom Holland bereits seinen ersten Auftritt als Spider-Man und das erspart uns jetzt, in seinem ersten Solofilm im Marvel Cinematic Universe, innerhalb weniger Jahre die dritte Wiederholung seiner Origin Story. In „Spider-Man: Homecoming“ ist Peter Parker bereits vertraut mit seinen Kräften und er möchte sie für die gute Sache einsetzen. Dummerweise meldet sich sein Mentor Tony Stark (aka Iron Man) nicht. Und Starks rechte Hand, Happy Hogan, ist damit beschäftigt, die zahllosen unerbetenen Anrufe des Teenagers abzuwehren.

Also beginnt Peter auf eigene Faust Bösewichter zu jagen. Meistens sehr kleine Bösewichter. Oft nervt er auch einfach nur die Nachbarschaft, während er lernt, mit seinen Kräften und dem ihm von Tony Stark geschenkten, mit zahlreichen Special Features ausgestattetem Spider-Man-Anzug umzugehen und sich tödlich langweilt. Denn eigentlich will er nur ein weiteres Abenteuer mit den Avengers erleben. Immerhin ist Captain America regelmäßig bei ihm in der Schule. Als Videoaufzeichnung mit erbaulichen Sprüchen, die die Schüler gelangweilt über sich ergehen lassen.

Bei einem seiner nächtlichen Streifzüge stolpert er in einen Waffendeal. „The Vulture“ Adrian Toomes verkauft hochgefährliche Waffen an Kleingangster. Toomes tut das schon seit Jahren, aber in einem so kleinen Maßstab, dass er bis jetzt von den Avengers ignoriert wurde. Und das würde Toomes, der über keinerlei Superkräfte verfügt, gerne auch weiterhin so halten.

Mit dem von Michael Keaton gespielten „Vulture“ Adrian Toomes gibt es im Marvel-Universum endlich einmal einen Bösewicht, der einem länger als bis zum Abspann im Gedächtnis bleibt und der auch ein sehr nachvollziehbares Motiv für seine Taten hat: er ist ein Unternehmer, der sich um seine Angestellten kümmert. Mit seiner kleinen Firma hatte er nach der Schlacht von New York (dem Finale des ersten „The Avengers“-Films) einen lukrativen Räumungsauftrag von Alien-Schrott und -Waffen erhalten. Als das von Tony Stark initiierte U.S. Department of Damage Control (D.O.D.C.) ihn fristlos rauswirft, beschließt er sich zu wehren. Das funktioniert auch bis zu dieser Nacht, in der Peter Parker über ihn stolpert und ihn besiegen möchte.

Dieser Kampf zwischen Spider-Man und The Vulture steht allerdings nicht im Mittelpunkt des Films.

Spider-Man: Homecoming“ ist in erster Linie eine Highschool-Komödie. Es geht um Freundschaften, die erste Liebe und Geheimnisse vor den Eltern. Im Superheldenmilieu läuft die Pubertät allerdings etwas anders ab als unter normalen Jugendlichen. Und Jon Watts erzählt das, sehr entspannt, mit viel Feingefühl für die Sorgen und Nöte eines Teenagers. Das ist vergnüglich, kurzweilig, witzig und durchgehend für ein jugendliches Publikum inszeniert. Er lässt sich, weil er die Geschichte nicht unerbittlich vorantreiben will, auch immer wieder mehr Zeit als nötig. Teilweise bis zum Stillstand. Am Ende dauert der Film über 130 Minuten. Watts behandelt Parkers Konflikte in der Schule allerdings durchgehend etwas oberflächlich. Er spitzt sie nie so zu, wie er könnte.

Es ist auch ein Film, der durchgehend wie die jugendfreie Version von „Kick-Ass“ (allerdings ohne Hit-Girl) oder, dank der unzähligen selbstironischen Bemerkungen von Peter Parker, „Deadpool“ in der jugendfreien Version wirkt. Einige Bilder wurden sogar direkt aus „Deadpool“ geklaut.

In den USA hat sich der Film, wenig verwunderlich, an die Spitzen der Kinocharts gesetzt und Marvel-Studios-Chef Kevin Feige schon weitere Filme mit Spider-Man angekündigt. Derzeit plant er eine sich über fünf Filme erstreckende Entwicklung für Peter Parker. „Homecoming“ ist der zweite Teil dieser Geschichte.

Spider-Man: Homecoming (Spider-Man: Homecoming, USA 2017)

Regie: Jon Watts

Drehbuch: Jonathan Goldstein, John Francis Daley, Jon Watts, Christopher Ford, Chris McKenna, Erik Sommers (nach einer Geschichte von Jonathan Goldstein und John Francis Daley)

LV: Charakter von Stan Lee und Steve Ditko

mit Tom Holland, Michael Keaton, Robert Downey Jr., Marisa Tomei, Jon Favreau, Gwyneth Paltrow, Zendaya, Donald Glover, Jacob Batalon, Laura Harrier, Tony Revolori, Bokeem Woodbine, Tyne Daly, Abraham Attah, Kenneth Choi, Chris Evans, Stan Lee

Länge: 134 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „Spider-Man: Homecoming“

Metacritic über „Spider-Man: Homecoming“

Rotten Tomatoes über „Spider-Man: Homecoming“

Wikipedia über „Spider-Man: Homecoming“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marc Webbs „The Amazing Spider-Man“ (The Amazing Spider-Man, USA 2012)

Meine Besprechung von Marc Webbs „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ (The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro, USA 2013)

Buchkritik

Mit „Das Marvel Cinematic Universe – Anatomie einer Hyperserie“ legt Peter Vignold die überarbeitete Fassung seiner Magisterarbeit an der Ruhr-Universität Bochum vor. In der Arbeit beschäftigt er sich mit der Frage, wie die einzelnen Filme und TV-Serien des Marvel Cinematic Universe miteinander verbunden sind und was diese Filme von anderen Serien, wie „Matrix“, „Harry Potter“ und „X-Men“ unterscheidet. Denn die Marvel-Filme sind bei Kritikern beliebt, Fans vertiefen sich in die Filme, um auch wirklich jede Verbindung zwischen den Filmen und zu den Comics aufzuspüren und sie sind weltweit erfolgreich. Damit hat Marvel, seitdem es nicht mehr die Rechte an seinen Comicfiguren für die Verfilmungen verkauft, sondern die Filme selbst produziert, die Regeln für Hollywood-Blockbuster geändert. Inzwischen möchte jedes Studio sein eigenes Cinematic Universe von miteinander zusammenhängenden Filmen und Figuren schaffen, in dem, wie eine eierlegende Wollmilchsau, jeder Film zum Erfolg der anderen beiträgt. Bislang mit bescheidenem Erfolg.

Vignold zeichnet nach, wie Marvel sein filmisches Universum gestaltet. In der ersten Phase („Iron Man“, „The Incredible Hulk“, „Iron Man 2“, „Thor“, „Captain America“, „The Avengers“) gelang das vor allem über wiederkehrende Nebencharaktere und die Post-Credits-Szenen, in denen es mehr oder weniger kryptische Hinweise auf kommende Filme gibt. In der zweiten Phase („Iron Man 3“, „Thor: The dark World“, „Captain America: The Winter Soldier“, „Guardians of the Galaxy“, „Avengers: Age of Ultron“, „Ant-Man“) verflechten sich die Filme immer mehr miteinander, es werden neue Charaktere eingeführt und die „Avengers“ wird zur dominierenden Binnenserie, der sich die anderen Serien unterordnen. Die TV-Serien liefern ergänzende, aber zum Verständnis der Kinofilme nicht notwendige Informationen. Das gilt vor allem für die ABC-Serien „Agents of S.H.I.E.L.D.“ und „Agent Carter“. Die Netflix-Serien „Daredevil“, „Jessica Jones“ und „Luke Cage“ reproduzieren, mit minimalen Hinweisen auf die Kinofilme, dagegen die im Kino etablierte Erfolgsformel beim Verknüpfen verschiedener Serien in einem anderen Medium.

Mit dem Ende der zweiten Phase des Marvel Cinematic Universe endet Vignolds doch sehr akademisch geschriebene Studie.

Im Kino sind wir mit „Captain America: Civil War“, „Doctor Strange“, „Guardians of the Galaxy, Vol. 2“ (immer noch abgekoppelt vom Avengers-Kosmos) und „Spider-Man: Homecoming“ (der zwar ohne die Kenntnis der Avengers-Filme verstehbar ist, aber davon ausgeht, dass man die Avengers-Filme kennt) in der dritten Phase, die 2019 mit einem „Avengers“-Film enden soll.

Und danach geht es in die vierte Phase.

Peter Vignold: Das Marvel Cinematic Universe – Anatomie einer Hyperserie

(Marburger Schriften zur Medienforschung)

Schüren, 2017

176 Seiten

19,90 Euro


Neu im Kino/Filmkritik: Percy Fawcett sucht im Amazonas „Die versunkene Stadt Z“

März 31, 2017

Seine letzten beiden, von der Kritik hochgelobten Dramen „Two Lovers“ und „The Immigrant“ erlebten bei uns nur eine DVD-Premiere. Zuletzt lief vor zehn Jahren sein grandioser Krimi „Helden der Nacht – We own the Night“ in unseren Kinos.

Mit „Die versunkene Stadt Z“ kehrt James Gray jetzt zurück in unsere Kinos und es ist, im Gegensatz zu seinen vorherigen Filmen, die alle in New York City spielen, ein Ausflug in unbekannte Gefilde. Denn Gray erzählt die Geschichte des Forschers Percival  ‚Percy‘ Fawcett, der zwischen 1906 und 1925 mehrere Reisen nach Südamerika unternahm. Damals war der Dschungel auf der Landkarte ein weißer Fleck. Seine erste Mission, im Auftrag der Royal Geographical Society, war daher ein banaler, unter seiner Würde liegender Grenzvermessungsauftrag im Regenwald von Brasilien und Bolivien, den der Soldat ohne große Begeisterung annimmt. Nur die Aussicht, so seine gesellschaftliche Position entscheidend zu verbessern und den gesellschaftlichen Bannfluch, der über seine Familie und Herkunft ausgesprochen wurde, entkommen zu können, versüßt ihm die lange Abwesenheit von seiner Familie. Seine erste Reise beginnt im Juli 1906 und endet 1908.

Im Regenwald, bei ihrer Expedition zum Quellgebiet des Rio Verde, entdeckt er Spuren einer alten, legendären Stadt. Sie könnte von einer früheren Hochkultur stammen.

In den kommenden Jahren unternimmt er, unterbrochen vom 1. Weltkrieg, an dem er als Soldat teilnimmt und schwer verwundet wird, Aufenthalten bei seiner Familie und Versuchen, die Finanzierung für die Reisen zusammenzubekommen, mehrere Forschungsreisen in den Amazonas.

1925 verschwindet er bei seiner siebten Forschungsreise, die er mit seinem Sohn Jack unternimmt, spurlos im Regenwald.

Für seinen in Nordirland und Kolumbien (in der Gegend um Santa Marta) gedrehten Abenteuerfilm „Die versunkene Stadt Z“ folgt James Gray dem wahren Schicksal von Percy Fawcett, das David Grann zuerst in einer längeren Reportage für die 2005er September-Ausgabe von „The New Yorker“ und 2009 in dem Sachbuch „The lost City of Z: A Tale of deadly Obsession in the Amazon“ aufzeichnete. Auch wenn im Film von Fawcetts sieben Reisen nur drei erzählt werden. In dem aus Grays vorherigen Filmen bekanntem langsamen Erzähltempo, das sich mehr auf seine Charaktere und ihre Gefühle als auf eine hyperenergetisch vorangetriebene Geschichte konzentriert. Damit liegt er quer zu den heutigen Sehgewohnheiten. Das muss man mögen.

Das Erzähltempo ist deshalb nicht das große Problem seines neuesten Films. Es ist das zunehmend redundante Hin und Her zwischen England und dem Amazonas. Auch weil die in England spielenden Teile die Geschichte von Fawcett nicht voranbringen. Sie vermitteln ein gutes Bild der damaligen Zeit und der Beziehungen und der Dynamiken in der Familie Fawcett (Wie geht seine Frau mit seiner ständigen, jahrelangen Abwesenheit um? Wie gehen seine Kinder damit um, dass sie letztendlich keinen Vater haben?), aber die eigentliche Geschichte spielt im Regenwald.

Dort sucht awcett die versunkene Stadt Z, kämpft dabei mit allen möglichen Gefahren und lernt auch die indigene Bevölkerung kennen. Davon hätte man gerne mehr gesehen. Auch wenn „Die versunkene Stadt Z“ – dieser Vergleich muss unter Filmkunstfans sein – nicht Werner Herzogs „Aguirre, der Zorn Gottes“ (gedreht in Peru) ist. Aber Herzog hatte Klaus Kinski. Gray hat ’nur‘ „Sons of Anarchy“ Charlie Hunnam, der für die Rolle zwar ordentlich abnahm, aber immer der vernünftige britische Forscher bleibt.

Insofern ist „Die versunkene Stadt Z“, und das sage ich als James-Gray-Fan, ein eher enttäuschender Film, der mich niemals so packte, wie ich hoffte und der einfach zu sehr, fast schon wie ein klassisches Biopic, an der Chronologie der Ereignisse festhält, anstatt sich einfach nur auf eine, für das Leben des Porträtierten, aussagekräftige Episode zu konzentrieren. Oder, wie früher, als Regisseure die Fakten einfach zugunsten einer guten Geschichte ignorierten.

Die versunkene Stadt Z (The lost City of Z, USA 2016)

Regie: James Gray

Drehbuch: James Gray

LV: David Grann: The lost City of Z: A Tale of deadly Obsession in the Amazon, 2009 (Die versunkene Stadt Z)

mit Charlie Hunnam, Sienna Miller, Tom Holland, Robert Pattinson, Angus Macfadyen, Edward Ashley

Länge: 141 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Die versunkene Stadt Z“

Metacritic über „Die versunkene Stadt Z“

Rotten Tomatoes über „Die versunkene Stadt Z“

Wikipedia über „Die versunkene Stadt Z“

Berlinale über „Die versunkene Stadt Z“

Meine Besprechung von James Grays „Two Lovers“ (Two Lovers, USA 2008)

Die Pressekonferenz beim NYFF

Arte unterhält sich mit James Gray über den Film


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