TV-Tipp für den 29. März: Django Unchained

März 29, 2015

Pro7, 20.15
Django Unchained (Django Unchained, USA 2012)
Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
Wilder Westen: Nachdem der Kopfgeldjäger Dr. King Schultz Django aus der Sklaverei befreite und sie das erkleckliche Kopfgeld für die Brittle-Brüder kassierten, machen sie sich auf die Suche nach Djangos Frau Broomhilda (oder Brunhilde). Ihre Suche führt sie nach Candyland, der Farm des durchtriebenen Südstaatlers und Sklavenhalters Calvin Candie.
„Django Unchained“ ist ein typischer Quentin-Tarantino-Film, mit vielen bekannten Gesichtern, teilweise in Kleinstrollen, die dieses Mal unter der Maske von Bart und Dreck kaum bis überhaupt nicht erkennbar sind. Als Tarantino- und Western-Fan hat mir die Nummernrevue, bei der Tarantino einfach die vertrauten Pfade in einem anderen Setting abschreitet, durchaus gefallen. – Genaueres steht in meiner ausführlichen Filmbesprechung.
Inzwischen dreht Quentin Tarantino (Nachträglich noch Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!) seinen zweiten Western. „The Hateful Eight“ hat noch keinen Starttermin.
mit Jamie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio, Samuel L. Jackson, Kerry Washington, Walton Goggins, Dennis Christopher, Don Johnson, Laura Cayouette, James Remar, James Russo, Nichole Galacia, Dana Gourrier, Don Stroud, Bruce Dern, Lee Horsley, Zoe Bell, Michael Bowen, Robert Carradine, Tom Savini, Rex Linn, Ned Bellamy, Michael Parks, Quentin Tarantino, Franco Nero
Wiederholung: Montag, 30. März, 01.15 Uhr (Taggenau! – Und wahrscheinlich ungekürzt. Immerhin ist der Film FSK-16)

Die Bildergeschichte zum Film

Tarantino - Django Unchained - Comic - 4

Mehr oder weniger parallel zum Film erschien auch eine Comic-Version von „Django Unchained“, über die Quentin Tarantino sagt: „Dieser Comic ist im Grunde die erste Entwurfsfassung des Drehbuchs. Sämlichtes Material, das es am Ende doch nicht in den Film geschafft hat, ist in der vorliegenden Ausgabe sehr wohl enthalten.“ Dafür wurde dann an anderen Stellen, vor allem bei den Dialogen, gekürzt. Aber insgesamt ist der Comic eine schöne Ergänzung zum Film, die für Tarantino- und Western-Fans eine unterhaltsame Lektüre ist.
Dass die Geschichte mir im Comic schlüssiger als im Film erschien, hat wohl damit zu tun, dass ich die Spaghettiwestern-Geschichte schon bis zur letzten Wendung kannte und, so meine Erinnerung an den Film, einige Szenen umgestellt wurden.
In jedem Fall ist „Django Unchained“ ein großer Spaß für den Western-Fan.

Quentin Tarantino (Originaldrehbuch)/Reginald Hudlin (Adaption)/R. M. Guéra/Jason Latour/Denys Cowan/Danijel Zezelj/John Floyd (Zeichnungen): Django Unchained
(übersetzt von Dietmar Schmidt)
Eichborn, 2013
272 Seiten
19,99 Euro

Originalausgabe
Django Unchained
Vertigo/DC Comics, 2013

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Django Unchained“

Metacritic über „Django Unchained“

Rotten Tomatoes über „Django Unchained“

Wikipedia über „Django Unchained“ (deutsch, englisch)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder, Pressekonferenz)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Django Unchained“ (Django Unchained, USA 2012)

 Nachtrag (31. März 2015): Der umfangreiche Schnittbericht ist online. Denn für die 20.15-Uhr-Ausstrahlung griff der Sender beherzt zur Schere.


DVD-Kritik: „Doc of the Dead“ und die Zombies

Dezember 1, 2014

Zombies – seit einigen Jahren, naja, ziemlich genau seit Danny Boyles „28 Days Later“ (2002), den ersten „The Walking Dead“-Comicheften (in den USA ab Oktober 2003) und Edgar Wrights Zombie-Parodie „Shaun of the Dead“ (2004) sind Zombies anscheinend überall in der Popkultur, im US-TV sogar in der Werbung, und, bei Zombie Walks, auch auf der Straße.

Höchste Zeit also für eine Dokumentation. Alexandre O. Philippe, der bekannt für „The People vs. George Lucas“ ist, in der er sich mit den Fans von „Krieg der Sterne“ und ihrem Ärger über George Lucas beschäftigte, lieferte sie jetzt mit „Doc of the Dead“. Die Doku richtet sich gleichzeitig an Neueinsteiger, die einen ersten, aber ziemlich umfassenden Einblick in das Zombie-Phänomen bekommen wollen, und Fans, die sich über die Statements wichtiger Zombie-Schöpfer freuen.

Alexandre O. Philippe verortet, wenig überraschend, den Ursprung der heutigen Zombies in George A. Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“ (Night of the Living Dead, 1968) und dem Nachfolger „Zombie“ (Dawn of the Dead, 1978), der in einem Einkaufzentrum spielt,bei uns in Dario Argentos europäischer Schnittfassung bekannt ist und in zahlreichen, mehr oder weniger lieblosen Ausgaben in verschiedenen Schnittfassungen auf Video, DVD und Blu-ray erschien.

Philippe erwähnt in seiner Dokumentation auch die filmischen Vorläufer, wie „White Zombie“, und die realen Ursprünge. Aber im Mittelpunkt von Philippes Doku stehen Romeros Zombie-Filme, die Comicserie „The Walking Dead“, aus der eine erfolgreiche TV-Serie wurde, die Zombiefilme der letzten Jahre und die damit verbundenen Entwicklungen („World War Z“ als PG-13-Zombie-Film mit Blockbuster-Budget [bei uns FSK-16], „Warm Bodies“ als Zombie-Date-Movie), die Frage, ob Zombies schlurfen oder rennen, warum Zombies für uns Menschen so furchtbar sind und wie die Filme die Wirklichkeit beeinflussen. Denn abgesehen vom Zombie-Fantum gibt es auch – absurd, aber wahr – Beratungs- und Sicherheitsfirmen, die einem erklären, was man im Fall eines Zombie-Angriffs tun muss, inclusive Überlebenswochenenden und Übungsausstattung. Dazu gibt es noch einige überflüssige Mockumentary-Sequenzen.

Doc of the Dead“ gibt einen kurzweiligen, kundigen und informativen Einblick in das Zombie-Phänomen, der allerdings auch, wie man es von anderen US-Dokumentationen kennt, den Zuschauer mit einem Dauerfeuer aus Bild und Ton bombardiert. So darf kaum ein Interviewter mehr als drei Sätze am Stück sagen.

Es ist auch ein sehr amerikanischer Blick, der den europäischen Zombiefilm (ich sage nur „Ein Zombie hing am Glockenseil“) komplett ignoriert und, angesichts der präsentierten Stofffülle, notgedrungen an der Oberfläche bleibt.

Doc of the Dead - DVD-Cover 4

 

Doc of the Dead (Doc of the Dead, USA 2014)

Regie: Alexandre O. Philippe

Drehbuch: Chad Herschberger, Alexandre O. Philippe

mit Charlie Adlard, Max Brooks, Robert Kirkman, Greg Nicotero, Simon Pegg, George A. Romero, Russ Streiner, Bruce Campbell, Tom Savini, John A. Russo, Alex Cox

DVD

Entertainment One

Bild: 2,35:1

Ton: Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: –

Länge: 77 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Rotten Tomatoes über „Doc of the Dead“

Wikipedia über „Doc of the Dead“

Publikumsgespräch nach der Weltpremiere am 27. April 2014 in Toronto mit Regisseur Alexandre O. Philippe und Thea Munster (Toronto Zombie Walk)

 


DVD-Kritik: „Maniac“, alt und neu, aber immer gekürzt. Auch für Erwachsene

Juli 10, 2013

 

Als William Lustigs erster Spielfilm unter seinem Namen (davor drehte er zwei Pornos) 1980 in die Kinos kam, waren die Kritiken für „Maniac“, wie man in der „Gallery of Outrage“ im Bonusmaterial der jetzt veröffentlichten DVD nachlesen kann, ziemlich negativ. Denn auf den irgendwie gearteten guten Geschmack nahm er keine Rücksicht. Es war ein billig gedrehter Exploitation-Film reinsten Wasser. Ein Film, der New York als Vorhölle zeigte, die die paranoiden Visionen von „Ein Mann sieht rot“ und „Taxi Driver“ als lauschige Nachmittagsunterhaltung erscheinen ließ. Lustig erzählte seinen Film aus der Sicht eines wahnsinnigen Täters, der grundlos Frauen bestialisch ermordet, und so verfügt „Maniac“ über keinen moralischen Kompass, der das Tun seines Protagonisten irgendwie rechtfertigen oder in eine moralisch einwandfreie Perspektive rücken könnte. Hauptdarsteller Joe Spinell in der Rolle seines Lebens, erfand diesen Killer und spielte ihn beeindruckend als von inneren Stimmen, sexuellen Trieben und Hass getriebenen Frauenmörder, der in seiner abgeranzten Wohnung von Schaufensterpuppen umgeben ist, denen er die Haare der von ihm skalpierten Frauen auf den Kopf heftet. Spinell gelingt es, dass wir mit dem von ihm gespielten Frank Zito mitfühlen. Ihn nicht nur als Bestie, sondern auch als getriebenen Menschen sehen.

Die Filmgeschichte erschöpft sich dann weitgehend in einer Aneinanderreihung von Suspense-Momenten, in denen Zito Frauen beobachtet, verfolgt und tötet. Das ist natürlich spannend, aber auch immer auf den schnellen Dollar im nächsten Autokino (vulgo Bahnhofskino) angelegt und kommerziell war der sehr billig, teils ohne Drehgenehmigung in New York gedrehte Film ein Erfolg.

Später wurde „Maniac“ ein kleiner Kultfilm für die Horrorfilmgemeinde, der – natürlich – in Deutschland beschlagnahmt wurde. 1983 vom Landgericht München, wegen eines Verstoßes gegen § 131 StGB (Gewaltdarstellung). Damit war Lustigs Film, wie auch einige andere, inzwischen teilweise zu Klassikern gewordenen Horrorfilme, faktisch vom deutschen Markt verschwunden.

Es wurde später eine FSK-16-Version erstellt, die den 88-minütigen Film um sechs Minuten kürzte. Letztendlich wurden die Morde bis zur Unkenntlichkeit gekürzt, aber die nihilistische Atmosphäre der nackten Angst bleibt erhalten.

Maniac“ ist kein guter Film, aber als Einblick in das Leben eines Wahnsinnigen und als Vorbild für künftige Slasher-Filme, die immer brutaler wurden, ist er ein wichtiger Film. Außerdem sorgt er heute immer noch für Unwohlsein. Nicht wegen der Morde, die aus heutiger Sicht ziemlich zahm inszeniert sind, sondern wegen seiner schwarzen Vision der Gesellschaft.

2012 produzierte Horrorfilmregisseur Alexandre Aja („Mirrors“, „The Hills have Eyes“ [Remake]) ein Remake, das bei uns ungekürzt als „Alexandre Ajas Maniac“ in die Kinos kam. Für die DVD-Auswertung wurde der Film für die FSK-ab-18-Jahre-Version um über zwei Minuten gekürzt.

Regisseur Franck Khalfoun verlegte die Geschichte von der Ost- an die die Westküste, ließ Frank andere Morde begehen, behielt aber Lustig und Spinells Vision bei und mit Elijah Wood (Frodo in „Der Herr der Ringe“, Kevin in „Sin City“) konnte er sogar einen bekannten Hauptdarsteller engagieren, den man allerdings die meiste Zeit nicht sieht, weil Khalfoun den Film, bis auf zwei, drei kurze Szenen, aus Franks Perspektive inszenierte. Diese subjektive Sicht, die das filmische Äquivalent zur Ich-Perspektive in einem Roman sein soll, wird alle Jubeljahre für einen ganzen Film ausprobiert und jedes mal wird deutlich, dass sie im Film dann nicht funktioniert. Denn wir sehen zwar, was der Protagonist sieht, aber wir sehen nicht seine Reaktionen darauf. Wir wissen nicht, wie er sich fühlt und deshalb langweilt auch in „Alexandre Ajas Maniac“ dieses Stilmittel ziemlich schnell. Da helfen auch nicht die stimmungsvollen Nachtaufnahmen und die unappetitlichen Mordszenen. Denn unser Ekel muss ja nicht unbedingt Franks Ekel sein.

Lustigs „Maniac“ ist in diesen Momenten einfach einige Klassen besser und hat, mit vielen Bildern von New York in den ausgehenden Siebzigern, den Klassikerbonus. Aber wirklich ansehen muss man sich keinen der beiden Filme. Denn „Maniac“ ist ein waschechter Exploitation-Film mit den damit verbundenen Problemen (geringes Budget, schlechte Schauspieler, schlechte Dialoge). „Alexandre Ajas Maniac“ ist vor allem langweilig.

Zu den „FSK ab 18“-DVDs

Das Beste, was über die jetzt erschienenen DVD-Ausgaben von William Lustigs „Maniac“ und Franck Khalfouns Remake gesagt werden kann, ist, dass sie einen ersten Eindruck von dem Film vermitteln. Denn auch in der „ab 18 Jahre“-Version mussten sie für den bundesdeutschen Markt (Österreich und Schweiz sind etwas anderes) geschnitten werden. Bei William Lustigs Film wurde, nach einem Blick in den Schnittbericht, wohl fast die „ab 16 Jahre“-Fassung genommen. Aber vielleicht sieht man ja bei der ein oder anderen Mordszene etwas mehr. Insofern sind sie für filmhistorisch Interessierte und Horrorfilmfans belanglos.

Maniac - DVD-Cover

Maniac (Maniac, USA 1980)

Regie: William Lustig

Drehbuch: C. A. Rosenberg, Joe Spinell

mit Joe Spinell, Caroline Munro, Gail Lawrence, Kelly Piper, Sharon Mitchell, Tom Savini (der sich hier den Kopf wegschießt; – jedenfalls in der ungekürzten Version)

DVD

Ascot-Elite

Bild: 1,85:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0, 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Grindhouse Q & A, TV Spots, Gallery of Outrage, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 79 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Alexandre Ajas Maniac - DVD-Cover

Alexandre Ajas Maniac (Maniac, Frankreich/USA 2012)

Regie: Franck Khalfoun

Drehbuch: Alexandre Aja, Grégory Levasseur

mit Elijah Wood, Nora Arnezeder, Liane Balaban, America Olivio

DVD

Ascot-Elite

Bild: 2.40:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Interviews, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 84 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Film-Zeit über „Alexandre Ajas Maniac“

AllMovie über „Maniac“ und „Alexandre Ajas Maniac“

Metacritic über „Alexandre Ajas Maniac“

Rotten Tomatoes über „Maniac“ und „Alexandre Ajas Maniac“

Wikipedia über „Maniac“ (deutsch, englisch) und „Alexandre Ajas Maniac“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte über „Maniac“ (Kinofassung/ungekürzte Fassung – FSK-16-Fassung) und „Alexandre Ajas Maniac“ (Vergleich Kinofassung – FSK-18-Fassung)

 

 


%d Bloggern gefällt das: