DVD-Kritik: „Orphan Black“ geht in die zweite Runde

März 5, 2015

Am Ende der ersten Staffel der Science-Fiction-Serie „Orphan Black“ verschwanden Sarah Mannings Tochter Kira und ihre Pflegemutter, Mrs. S, spurlos.
Die zweite Staffel beginnt wenige Sekunden später und, nachdem die erste Staffel öfter etwas ziellos vor sich hin plätscherte, thrillt die zweite Staffel von der ersten Sekunde an. Sarah Manning ist – für alle, die die erste Staffel nicht gesehen oder meine Besprechung nicht gelesen haben – ein Klon. Das erfährt sie zufällig, als sie auf einem Bahnsteig einen Suizid beobachtet, die Tasche ihrer Doppelgängerin klaut und deren Identität annimmt. Kurz darauf trifft sie auf eine weitere Doppelgängerin und, ehe sie komplett den Überblick über ihre Zwillinge verliert, erfährt sie von einer der Doppelgängerinnen, dass sie alle Klone sind und in verschiedenen Städten auf verschiedenen Kontinenten leben. Eigentlich hätten sie sich niemals begegnen dürfen. Sie wollen jetzt herausfinden, wer ihr Erzeuger ist und warum sie geklont wurden. Es gibt einige Hinweise, die alle zum Dyad-Konzern und Doktor Leekie führen.
Diese Hinweise werden in der zweiten Staffel konkreter, es gibt einige überraschende Enthüllungen, Sarah Manning trifft auch auf ihren Erzeuger und sie und ihre geklonten Schwestern müssen sich mit einer christlichen Sekte herumschlagen, während die Hintergründe, inklusive den Verwicklungen zwischen privater Wirtschaft und Militär, immer komplexer werden.
Und weil Klone gleich aussehen, werden sie alle von Tatiana Maslany gespielt, die hier eindrücklich ihr Können zeigt. Nicht nur, dass es immer wieder Szenen gibt, in denen die Klone im gleichen Raum miteinander diskutieren, was dann schon einmal ein halbes Dutzend Frauen sind. Das ist vor allem eine logistische Herausforderung beim Dreh. Viel beeindruckender ist, wie Maslany die verschiedenen Klone spielt. Sie sind sofort klar unterscheidbare, glaubwürdige Charaktere, die man nie miteinander verwechselt: die Straßengöre, die Vorstadtmutter, die Wissenschaftlerin, die Psychopathin und neue Klone, wie die eiskalte Geschäftsfrau und der Transgender-Klon. Und sicher habe ich jetzt einige von ihr gespielte Klone vergessen.
Nachdem die erste Staffel öfters seltsam ziellos vor sich hin plätscherte, haben die Macher in der zweiten Staffel ihren Rhythmus gefunden, in dem sie vor allem auf Thriller-Spannung setzen und pausenlos zwischen den verschiedenen Handlungssträngen (vulgo Klonen) hin und her wechseln und jeder Klon vor der Frage steht, wem sie vertrauen kann. Das führt dann zu einigen grandiosen Wendungen, die hier nicht verraten werden.
Jedenfalls machen sie neugierig auf die dritte „Orphan Black“-Staffel, die in Kanada und den USA am 18. April anläuft.

Orphan Black - Staffel 2 - DVD-Cover 4

Orphan Black – Ein Klon ist niemals allein: Staffel 2 (Orphan Black, Kanada 2014)
Regie: John Fawcett, T. J. Scott, David Frazee, Helen Shaver, Brett Sullivan, Ken Girotti
Drehbuch: Graeme Manson, Karen Walton, Alex Levine, Russ Cochrane, Tony Elliott, Chris Roberts, Aubrey Nealon
Erfinder: John Fawcett, Graeme Manson
Mit Tatiana Maslany (Sarah Manning/Alison Hendrix/Cosima Niehaus/Rachel Duncan/Helena), Dylan Bruce (Paul Dierden), Jordan Gavaris (Felix Dawkins), Kevin Hanchard (Detective Art Bell), Evelyne Brochu (Delphine Cormier), Maria Doyle Kennedy (Mrs. S), Matt Frewer (Dr. Aldous Leekie), Skyler Wexler (Kira), Kristian Bruun (Donnie Hendrix), Inga Cadranel (Detective Angela DeAngelis)

DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Featurette „A look inside“
Länge: 450 Minuten (10 Folgen à 45 Minuten) (3 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

BBC über „Orphan Black“

BBC America über “Orphan Black”

Space über “Orphan Black”

ZDF über “Orphan Black”

Moviepilot über “Orphan Black”

Rotten Tomatoes über “Orphan Black” (bei Serien ist die Bewertung einfach zu positiv)

Wikipedia über „Orphan Black“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Orphan Black – Ein Klin ist niemals allein: Staffel 1“ (Orphan Black, Kanada 2013)

Und so geht es weiter

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DVD-Kritik: Über die Science-Fiction-Serie „Orphan Black – Ein Klon ist niemals allein“

Juni 28, 2014

Auf der einen Seite verstehe ich die Begeisterung für „Orphan Black“. Die Serie hat eine gute Prämisse und die Hauptdarstellerin ist genial. Immerhin muss Tatiana Maslany sieben Rollen spielen, unter anderem eine Polizistin, eine Kleinkriminelle, eine Soccer-Mom, eine nerdige Wissenschaftlerin und eine religiöse Fanatikerin. Allerdings wirkt die 1985 geborene Tatiana Maslany immer viel zu jung für ihre Rolle; – vor allem für die der erfahrenen Polizistin.
Diese wirft sich in den ersten Minuten der Serie vor einen Zug. Sarah Manning, die das beobachtet, schnappt sich die Tasche der Toten und verschwindet. Sie hat wegen eines Drogendiebstahls mächtig Ärger und will untertauchen. Eine neue Identität scheint da ein guter Ausweg zu sein. Vor allem wenn die neue Identität an eine hübsche Wohnung gekoppelt ist. Dummerweise war Beth Childs Polizistin, die gerade ein Verfahren wegen eines dubiosen tödlichen Schusswaffeneinsatzes im Dienst hat.
Und dann setzt sich eine junge Frau in ihr, also in Childs‘ Auto. Sie sieht wie eine weitere, ihr unbekannte Zwillingsschwester aus und sie wird sofort erschossen.
Als Sarah kurz darauf die Vorstadt-Mutter Alison Hendrix und die Doktorandin Cosima Niehaus trifft, erfährt sie, dass sie alle Klone sind, es vielleicht noch weitere Klone gibt (Ja!) und jemand sie töten will. Sie haben allerdings keine Ahnung wer sie warum töten will. Sie wissen auch nicht, warum es sie gibt und woher sie kommen.
Wenn bei „Orphan Black“ nur die Hauptdarstellerin immer zu jung – eher wie eine Zwanzigjährige und nicht wie eine Dreißigjährige – gewirkt hätte, hätte mir die aus zehn 45-minütigen Folgen bestehende erste Staffel der Serie als Science-Fiction-Thrillerserie gefallen können.
Aber es gibt immer wieder extrem unwahrscheinliche Momente: so bemerkt Beths Partner Art Bell nicht, dass er mit einer anderen Person arbeitet. Auch keiner ihrer anderen Arbeitskollegen bei der Polizei oder ihr Freund wird misstrauisch.
Außerdem bildet die erste Staffel eher den Auftakt für die weiteren Staffeln, die beim Dreh noch nicht absehbar waren. Entsprechend wenig erfahren wir über die Hintergründe. Eigentlich erfahren wir nur, wer ihr Schöpfer ist, wer der unbekannte Mörder ist (aber nichts über die Hintermänner) und dass beide Fraktionen quasi unendliche Ressourcen haben. Das ist dann doch etwas wenig für zehn Folgen. Auch weil der Science-Fiction-Anteil immer wieder heruntergespielt wird; was auch daran liegt, dass die Serie in der Gegenwart spielt und damit die Klone Mitte der achtziger Jahre gezeugt wurden. Die auf der Hand liegenden philosophischen Fragen bleiben immer vernachlässigbar. Also Fragen nach der Individualität von Klonen, dem damit verbundenen Konflikt zwischen Freiheit des Einzelnen und genetischer Vorherbestimmung, die den Klonen keinen Raum für Individualität gibt und der Rolle des sozialen Umfeldes. Der Thrilleranteil ist nie so spannend wie möglich. Die globale Verschwörung, – immerhin wurden die Klonen in verschiedenen Ländern auf verschiedenen Kontinenten geboren -, erschöpft sich weitgehend in einem doppelten Spiel der engsten Freunde und Freundinnen der Klone. Dabei läge hier noch einiges an Potential, das vielleicht in den kommenden Folgen ausgeschöpft wird. Eine dritte Staffel ist bereits bestellt. Und die Aufklärung am Ende der ersten Staffel ist unbefriedigend; jedenfalls, was ja bei mauen Quoten möglich gewesen wäre, als potentielles Serienende.
So wirkt die erste Staffel wie ein zu lang geratener Prolog; – was auch verständlich ist: immerhin will Serienerfinder Graeme Manson die Geschichte von Sarah Manning über acht Staffeln und einen Kinofilm erzählen. Da will man in den ersten Stunden nicht alles enthüllen. Dennoch hätte er in der ersten Staffel mehr über die Hintergründe verraten, die Geschichten dichter miteinander verbinden und einige durchaus vergnügliche Subplots, die den Hauptplot nicht voran bringen, weglassen können.
Als Bonusmaterial gibt es eine halbe Stunde Infos, von denen die Statements der Macher und der Hauptdarstellerin interessant sind. Vor allem, wenn gezeigt wird, wie die Szenen entstanden, in denen Tatiana Maslany sich in einem Raum mit ihren Klonen unterhält. Aber insgesamt ist das Bonusmaterial eine Ansammlung von eher uninteressanten Werbeschnipseln.

Orphan Black - Staffel 1 - DVD-Cover

Orphan Black – Ein Klon ist niemals allein: Staffel 1 (Orphan Black, Kanada 2013)
Regie: John Fawcett (Episode 1, 2, 6, 10), David Frazee (Episode 3), Grant Harvey (Episode 4), T. J. Scott (Episode 5, 9), Brett Sullivan (Episode 7), Ken Girotti (Episode 8)
Drehbuch: Graeme Manson (Episode 1, 2, 3, 10), Karen Walton (Episode 4), Alex Levine (Episode 5, 9), Will Pascoe (Episode 6), Tony Elliott (Episode 7), Karen Walton (Episode 8)
Erfinder: John Fawcett, Graeme Manson
mit Tatiana Maslany (Sarah Manning und ihre Klone), Dylan Bruce (Paul Dierden), Jordan Gavaris (Felix Dawkins), Kevin Hanchard (Detective Art Bell), Maria Doyle Kennedy (Mrs. S), Skyler Wexler (Kira), Evelyne Brochu (Delphine Cormier), Kristian Bruun (Donnie Hendrix), Inga Cadranel (Detective Angela DeAngelis), Michael Mando (Vic), Matt Frewer (Dr. Aldous Leekie)

DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Send in the Clones, Orphan Black on the Nerdist, Insiders
Länge: 400 Minuten (10 x 45 Minuten) (3 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
BBC über „Orphan Black“

BBC America über „Orphan Black“

Space über „Orphan Black“

ZDF über „Orphan Black“

Moviepilot über „Orphan Black“

Rotten Tomatoes über „Orphan Black“ (bei Serien ist die Bewertung einfach zu positiv)

Wikipedia über „Orphan Black“ (deutsch, englisch)

 


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