Neu im Kino/Filmkritik: „Tarzan 3D“, aber ohne Tiefe

Februar 20, 2014

Sicher ist nicht jeder „Tarzan“-Film ein Werk von überragender filmischer Bedeutung, aber „Tarzan 3D“ dürfte mühelos einen der Top-Plätze der misslungenen „Tarzan“-Filme erreichen, wegen der vollkommen abstrusen, in der Gegenwart spielenden Geschichte, die das schlechteste aus der Ursprungsgeschichte und einem Einzelabenteuer vereint, und der durchgängig höchst irritierenden Animation mit einem 3D zum Weglaufen.

Denn nach einem Hubschrauberabsturz, bei dem seine Eltern starben, muss der fünfjährige John Greystoke Jr. allein im Dschungel überleben. Eine Äffin zieht ihn groß. Er befreundet sich mit den Affen und erlernt ihre Sprache. Währenddessen vergisst er flugs die Sprache der Menschen.

Einige Jahre später trifft er auf Greystokes Forschungskollegen Jim Porter, der inzwischen als Reiseleiter eine kleine Gruppe Touristen durch die Gegend führt und immer noch einen legendären Meteoriten, der die Energieprobleme der Welt lösen könnte, sucht. Dieses Mal wird er von seiner Tochter Jane begleitet. Tarzan, wie John Greystoke Jr. sich jetzt nennt, verliebt sich in sie.

Und wieder einige Jahre später, – Tarzan ist inzwischen neunzehn Jahre alt -, wird zufällig das Notsignal des Hubschraubers ausgelöst. William Clayton, der Manager von Greystoke Energies (dem Unternehmen von Tarzans Vater), rüstet eine Expedition aus. Denn er will wissen, ob das Signal ihn zu dem Meteoriten führt. Greystoke suchte ihn damals erfolglos. Tja, mit einem Hubschrauber kann man wirklich ein im Dschungel liegendes Schwarzes Ding von der Größe des Saarlandes entdecken. Vor allem, wenn man direkt davor steht. Das ist ungefähr so glaubwürdig wie die Entdeckung eines Einhorns in einem Zoo.

Jedenfalls will Clayton den Meteoriten plündern. Jim und Jane Porter, die nichts von seinen wahren Absichten ahnen, begleiten ihn.

Als Tarzan, der sich bislang mit seinen Affenfreunden vergnügte, davon erfährt, muss er seine Welt gegen den bösen Kapitalisten verteidigen.

Zu der logikbefreiten Geschichte kommt noch die Animation. Denn „Tarzan 3D“ ist ein „Real-3D CGI-Animationsfilm“ für den Schauspieler im Motion-Capture-Verfahren die Rohdaten lieferten, die dann zu mehr oder weniger gezeichneten Menschen und Affen wurden. Allerdings stimmen die Proportionen nie. Meistens sind Arme und Beine zu lang. Die Menschen sind zu dünn, die Affengesichter sehen wie Überbleibsel aus „Planet der Affen: Prevolution“ aus. Einzelne Haare sind detailgenau abgebildet. Die Gesichter hätte auch ein Fünfjähriger malen können. Die Hintergründe, vor allem die reichhaltige Vegetation des Dschungels und das schwarze Innere des Meteoriten sind dann wieder fotorealistisch geraten.

Diese Mischung macht keinen Spaß.

Kinder – für die ist der Film ja in erster Linie gedacht – sollten davor geschützt werden. Unter allen Umständen.

Tarzan - Plakat

Tarzan 3D (Deutschland 2013)

Regie: Reinhard Klooss

Drehbuch: Reinhard Klooss

mit (Motion Capture Performance) Kellan Lutz, Spencer Locke, Anton Zetterholm, Les Bubb, Trevor St. John, Jaime Ray Newman, Mark Deklin, Brian Huskey

(Sprecher) Alexander Fehling, Lena Meyer-Landrut, Wigald Boning, Kai Wiesinger, Ben Becker

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Lesetipp

Die Johnny-Weismuller-“Tarzan“-Filme laufen ja immer wieder und für mich sind sie die klassischen und definitiven „Tarzan“-Filme. Immerhin sah ich sie als Kind.

Aber man kann die jetzige Verfilmung auch als Gelegenheit nehmen, einen Blick in die Vorlage, die „Tarzan“-Romane von Edgar Rice Burroughs zu werfen. Denn der Heyne-Verlag bietet gerade, mit einem kundigen Nachwort von Georg Seeßlen, einen Sammelband mit drei „Tarzan“-Romanen an. Enthalten sind die Ursprungsgeschichte „Tarzan bei den Affen“ (Tarzan of the Apes, 1912) und die beiden deutlich kürzeren „Tarzan“-Romane „Tarzan und die Schiffbrüchigen“ (Tarzan and the Castaways, 1940/1941/1964) und „Tarzan und der Verrückte“ (Tarzan and the Madman, 1964) und die ersten Seiten lesen sich verdammt gut.

Burroughs - Tarzan - 4

Edgar Rice Burroughs: Tarzan – Drei Romane in einem Band

Heyne, 2013

688 Seiten

11,99 Euro

Taschenbuch-Ausgabe entspricht der Ausgabe von Walde & Graf, Zürich 2012.

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Tarzan“

Moviepilot über „Tarzan“

Rotten Tomatoes über „Tarzan“

Wikipedia über den Charakter Tarzan (deutsch, englisch) und Edgar Rice Burroughs (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der Edgar-Rice-Burroughs-Verfilmung „John Carter zwischen zwei Welten“ (John Carter, USA 2012)

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