TV-Tipp für den 10. Juli: Die Kommune

Juli 9, 2019

Arte, 20.15

Die Kommune (Kollektivet, Dänemark 2016)

Regie: Thomas Vinterberg

Drehbuch: Thomas Vinterberg, Tobias Lindholm

In den siebziger Jahren gründen Erik und Anna in Kopenhagen in einer riesigen Villa eine Kommune. Alles ist ziemlich perfekt, bis Erik eine Affäre mit einer seiner Studentinnen beginnt.

Sehenswerte TV-Premiere. Thomas Vinterbergs von eigenen Erinnerungen inspirierter Blick auf die siebziger Jahre, als neue Lebensmodelle ausprobiert wurden, die sich an eingeübten Konventionen rieben.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Am Donnerstag läuft Vinterbergs neuer Film „Kursk“ bei uns an. Das mit vielen deutschen Schauspielern besetzte U-Boot-Drama, das den Untergang des russischen Atom-U-Bootes Kursk im August 2000 aus verschiedenen Perspektiven nacherzählt, ist einen Blick wert. Warum erfahrt ihr zum Filmstart in meiner Besprechung.

mit Trine Dyrholm, Ulrich Thomsen, Helene Reingaard Neumann, Martha Sofie Wallstrom Hansen, Lars Ranthe, Fares Fares, Magnus Millang, Julie Agnete Vang, Anne Gry Henningsen

Hinweise

Moviepilot über „Die Kommune“

Rotten Tomatoes über „Die Kommune“

Wikipedia über „Die Kommune“ (englisch, dänisch)

Berlinale über „Die Kommune“

Meine Besprechung von Thomas Vinterbergs „Am grünen Rand der Welt“ (Far from the Madding Crowd, USA/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Thomas Vinterbergs „Die Kommune“ (Kollektivet, Dänemark 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: „Small Town Killers“ vor mörderischen Problemen

Juli 6, 2017

Beruflich läuft es für Edward und Ib gut. Auch weil sie als Handwerker am liebsten schwarz arbeiten.

Privat läuft es bei ihnen nicht so gut. Ihre Ehefrauen Ingrid und Gritt flirten lieber mit dem Tanzlehrer als ihren ehelichen Pflichten nachzukommen.

Etwas muss sich ändern, denken sich die beiden frustrierten Männer, die nicht gerade übermäßig intelligent sind. Eine Scheidung ist für sie keine Option. Denn dann müssten sie ihr schwer verdientes Schwarzgeld mit ihren Frauen teilen und das wäre dann doch zu teuer. Aber ein Profikiller könnte das Problem lösen. Betrunken organisiert Edward einen aus dem Osten kommenden Killer. Igor heißt er und er ist trinkfreudig, wie man es von einem Russen erwartet.

Schon bevor er zur Tat schreiten kann, plagt die beiden Auftraggeber das schlechte Gewissen. Immerhin haben sie ja nichts gegen ihre Frauen und den Tod haben sie auch nicht verdient. Daher würden sie den Doppelmord-Auftrag gerne abbrechen. Bevor es dazu kommt, erzählt Igor Ingrid und Gritt unwissentlich, dass er sie umbringen soll.

Nach einer Schrecksekunde beauftragen sie Miss Nippleworthy, ihre beiden Männer umzubringen. Miss Nippleworthy kommt, wie man bei ihrem Namen ahnt, aus England ins dänische Nibe. Sie sieht wie eine Schwester von Miss Marple aus und am liebsten bringt sie Menschen mit einer Portion Gift um.

Ole Bornedal erzählt seine schwarze Komödie „Small Town Killers“ im gemächlichen Rhythmus des ländlichen Lebens. Man kennt sich schon seit Ewigkeiten. Man hat sich in seinem Leben eingerichtet, bis dann eine ungute Mischung aus Langeweile, sexueller Frustration, Tagträumereien und einer Schnapsidee ein tödliches Karussell in Gang setzt. Denn die beiden Killer wollen ihren Auftrag ausführen. Dass sie dafür vielleicht noch ein, zwei Leute, die sie bei ihrer Arbeit behindern, umbringen müssen, stört sie nicht. Die Auftraggeber schon. Sie beginnen auch über ihr Leben nachzudenken.

So entsteht in neunzig Minuten ein kleines Sittengemälde, das nie mehr als eine kleine Skizze sein will. Und genau in diesem bescheidenem Anspruch gefällt die Kleinstadtfarce mit ihren absehbaren Entwicklungen.

Small Town Killers (Dræberne fra Nibe, Dänemark 2016)

Regie: Ole Bornedal

Drehbuch: Ole Bornedal

mit Nicolas Bro, Ulrich Thomsen, Mia Lyhne, Lene Maria Christensen, Marcin Dorocinski, Gwen Taylor, Søren Malling, Birthe Neumann, Ole Thestrup

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Small Town Killers“

 


Neu im Kino/Filmkritik: Thomas Vinterbergs „Die Kommune“ lebt – in den Siebzigern

April 21, 2016

Wie war das Leben damals in den Siebzigern in einer Kommune? Regisseur Thomas Vinterberg, der in einer solchen Wohngemeinschaft aufwuchs, fand diese Zeit zwischen seinem siebten und neunzehnten Lebensjahr ganz normal. Aber er wurde immer wieder danach gefragt. Also schrieb er zunächst ein Theaterstück und dann, zusammen mit Tobias Lindholm, dessen Drama „A War“ gerade im Kino läuft, ein Drehbuch, das er verfilmte und auf der Berlinale im Wettbewerb präsentierte. Trine Dyrholm wurde als beste Darstellerin ausgezeichnet.

Mitten in den Siebzigern erbt der Architekt und Universitätsdozent Erik (Ulrich Thomsen) das im Kopenhagener Nobelviertel liegende elterliche Anwesen. Er möchte es sofort gewinnbringend verkaufen. Aber seine Frau Anna (Trine Dyrholm), eine TV-Nachrichtensprecherin, überzeugt ihn, dass sie mit ihrer vierzehnjährigen Tochter einziehen und, um die Kosten zu senken, ihre Freunde als Mitbewohner einladen sollen. Kurz gesagt: sie gründen mit ihren alten und einigen neuen Freunden eine Kommune, in der alles herrschaftsfrei ausdiskutiert und geteilt werden soll. Denn damals war eine Wohngemeinschaft kein Zweckbündnis, sondern ein politisches Statement und ein Gegenentwurf zur bürgerlichen Gesellschaft und zur ebenso bürgerlichen Familie mit ihrem repressiven Charakter. Eine Kommune war die Gegenwart gewordene Utopie einer anderen, besseren, egalitären Gesellschaft.

Das, was auch in Vinterbergs Film so paradiesisch beginnt, böte natürlich die Möglichkeit, mit den Ideen vom Zusammenleben in Kommunen, mehr oder weniger witzig, mehr oder weniger boshaft und mehr oder weniger analytisch, abzurechnen. Immerhin scheiterten die Experimente des herrschaftsfreien Zusammenlebens. Die egalitären und in jeder Beziehung neidfreien Idealvorstellungen erwiesen sich als nicht alltagstauglich. In den real existierenden Kommunen bildeten sich Herrschafts- und Machtstrukturen, die fast immer auch zu einem Ende der Kommune führten. Seltener wurden, beginnend bei Mietzahlungen und Putzplänen, Verfahren entwickelt. „Die Kommune“ könnte auch zur Metapher für das Zusammenleben im Allgemeinen und im Besonderen werden.

Aber für Vinterberg ist seine Jugend eine Zeit voller goldener Erinnerungen und absurder Momente, die – auch wenn der Film höchstens autobiographisch inspiriert ist – einen sehr liebevollen Blick auf die Zeit wirft. Die Filmgeschichte konzentriert sich dabei auf Erik und Anna und ihre Beziehung. Denn Erik verliebt sich in eine seiner Studentinnen. Eine gut aussehende Brigitte-Bardot-Kopie. Als ihre Tochter seine Affäre entdeckt, steht Anna vor der Frage, wie sie damit umgeht. Sie schlägt vor, dass Emma (Helene Reingaard Neumann) bei ihnen einzieht.

Spätestens ab diesem Moment ist offensichtlich, dass „Die Kommune“ kein Ensemblestück ist, in dem die einzelnen Mitglieder der Kommune zu komplexen Charakteren werden, sondern dass es ein Nicht-Ensemble-Ensemblefilm ist. Die anderen Hausbewohner liefern einen zeitgeschichtlichen Hintergrund. Sie sind zusätzliche Farben für ein doch eher banales Ehedrama. Denn selbstverständlich führt die Anwesenheit von Emma in der Kommune zu einigen Problemen und weitreichenden Entscheidungen.

Das gesagt ist „Die Kommune“ auch ein leicht sentimental-verklärender, anekdotischer Rückblick auf eine Zeit, als neue Formen des Zusammenlebens ausprobiert wurden

Die Kommune - Plakat

Die Kommune (Kollektivet, Dänemark 2016)

Regie: Thomas Vinterberg

Drehbuch: Thomas Vinterberg, Tobias Lindholm

mit Trine Dyrholm, Ulrich Thomsen, Helene Reingaard Neumann, Martha Sofie Wallstrom Hansen, Lars Ranthe, Fares Fares, Magnus Millang, Julie Agnete Vang, Anne Gry Henningsen

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Kommune“

Rotten Tomatoes über „Die Kommune“

Wikipedia über „Die Kommune“ (englisch, dänisch)

Berlinale über „Die Kommune“

Meine Besprechung von Thomas Vinterbergs „Am grünen Rand der Welt“ (Far from the Madding Crowd, USA/Großbritannien 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: Hat Susanne Bier eine „Zweite Chance“ verdient?

Mai 14, 2015

Andreas ist Polizist, glücklich verheiratet und ebenso glücklicher Vater. Wenn sein Sohn nachts schreit, kümmert er oder seine Frau Anne sich abwechselnd um ihn. Sie sind vorbildliche Eltern, die in einem ebenso vorbildichem Haus am See leben. Auch auf der Arbeit ist Andreas der ruhige, besonnene Polizist mit dem funktionierendem moralischen Kompass, der wild ausschlägt, als er, wieder einmal, auf Tristan trifft.
Tristan ist das Gegenteil von ihm: ein kleiner Drogenhändler mit vielen Vorstrafen, gewalttätig, dumm wie Brot und jetzt liiert mit der Junkiebraut Sanne, die in einer vermüllten Mietwohnung hausen. Aber wirklich schockiert ist Andreas, als sie in dieser Wohnung ein Baby entdecken. Andreas will es in staatliche Obhut geben, aber weil das Baby kerngesund ist, darf es bei seiner Mutter bleiben.
Außerdem kümmert sich Andreas um seinen Kollegen Simon, der nach einer Scheidung zwischen Suff und Strip-Club herumpöbelt und der seine Dienstmarke als Entschuldigung für schlechtes Verhalten benutzt.
Eines Nachts entdeckt Andreas, dass ihr Kind tot ist. Um Anne nicht zu verlieren, vertauscht er sein totes Kind mit Tristans lebendigem Kind und er versucht Anne davon zu überzeugen, dass ihr Kind noch lebt. Gleichzeitig versucht er Tristan hinter Gitter zu bringen. Dummerweise lieben Tristan und Sanne ihr Kind abgöttisch.
Das könnte jetzt der Auftakt für eine schwarzhumorige Komödie im Stil von „Arizona Junior“ von den Coen-Brüdern sein. Aber in „Zweite Chance“ gibt es nichts zu Lachen und auch nichts ist ironisch gemeint.
Es könnte auch der Auftakt für einen veritablen Kriminalfilm sein. Immerhin haben wir ein totes Baby, mehrere Verbrechen, Verbrecher und Polizisten, polizeiliche Ermittlungen und einen Polizist, der alles tut, um die zu ihm führenden Spuren zu verschwischen. Aber die Ausgangslage von „Zweite Chance“ ist viel zu konstruiert und die sich daraus entwickelnde Geschichte so krude, dass kein Krimi-Autor sich trauen würde, ernsthaft eine solche Kolportage anzubieten.
Aber als Drama über Vater- und Mutterschaft funktioniert der gut besetzte Film. Susanne Bier erzählt diese Geschichte voller Unwahrscheinlichkeiten über tote und lebendige Babys, die mehrmals vertauscht werden und einem alles toppendem Ende, nämlich so konzentriert, dass man mit den Charakteren und ihren Konflikten mitfiebert.
„Zweite Chance“ hat nämlich einen klar konturierten Konflikt. Die damit verbundenen moralischen Fragen sind auch ebenso klar erkennbar. Das Drama ist damit nah bei einem Philosophieseminar, das ernsthaft ein hypothetisches und extrem zugespitztes Problem diskutiert und sogar überraschend unterhaltsam ausfällt. Nur sollte man das Problem von „Zweite Chance“ nicht mit der Wirklichkeit verwechseln (Wer ist schon Polizist und hat gerade ein Ersatzbaby zur Hand?) – und auch nicht nachahmen.

Zweite Chance - Plakat

Zweite Chance (Un chance til, Dänemark 2014)
Regie: Susanne Bier
Drehbuch: Anders Thomas Jensen (nach einer Geschichte von Anders Thomas Jensen und Susanne Bier)
mit Nikolaj Coster-Waldau, Nikolaj Lie Kaas, Ulrich Thomsen, Maria Bonnevie, Lykke May Andersen
Länge: 98 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Zweite Chance“
Moviepilot über „Zweite Chance“
Metacritic über „Zweite Chance“
Rotten Tomatoes über „Zweite Chance“
Wikipedia über „Zweite Chance“ (dänisch, englisch)
Meine Besprechung von Susanne Biers „Serena“ (Serena, USA/Frankreich 2014)


TV-Tipp für den 20. Februar: Das letzte Schweigen

Februar 20, 2015

ZDFkultur, 23.10

Das letzte Schweigen (Deutschland 2010, Regie: Baran bo Odar)

Drehbuch: Baran bo Odar

LV: Jan Costin Wagner: Das Schweigen, 2007

Wurde die 13-jährige Sinikka ermordet? Denn am gleichen Ort wurde vor 23 Jahren ein Mädchen ermordet. Der Täter wurde nie gefunden. Kommissar Jahn ermittelt.

Werkgetreue, gut besetzte, gut fotografierte, aber letztendlich langweilige Verfilmung von Wagners Roman.

Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung (mit Bildern, Links und dem Trailer)

mit Ulrich Thomsen, Wotan Wilke Möhring, Burghart Klaußner, Katrin Sass, Sebastian Blomberg, Karoline Eichhorn, Roeland Wiesnekker, Claudia Michelsen, Oliver Stokowski, Jule Böwe

Wiederholung: Samstag, 21. Februar, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „Das letzte Schweigen“

Homepage von Baran bo Odar

Homepage von Jan Costin Wagner

Meine Besprechung von Jan Costin Wagners „Sandmann träumt“

Meine Besprechung von Baran bo Odars „Who am I – Kein System ist sicher“ (Deutschland 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: Johnny Depp ist „Mortdecai – Der Teilzeitgauner“

Januar 22, 2015

Vor Jahren habe ich Kyril Bonfigliolis Roman „Nimm das Ding da weg!“ gelesen und, auch wenn ich mich nicht mehr an die Geschichte erinnere, hat mir der Roman nicht gefallen. Ich konnte mit dem Humor nichts anfangen und wahrscheinlich fand ich auch den Protagonisten Mortdecai unsympathisch. Dabei gefallen mir eigentlich Gangsterromane und Gaunerkomödien. Mortdecai, ein Dandy, Kunsthändler und Betrüger, passt da eigentlich rein. Auch dass der Schlawiner ein unverbesserlicher Snob ist. Der Roman spielte, unüberlesbar, in den frühen Siebzigern, als die britische Klassengesellschaft noch in voller Blüte war und nichts gegen einen guten Kunstschwindel gesagt werden konnte.
Und, obwohl ich das Buch jetzt nicht noch einmal gelesen habe (auch weil ich keine Ahnung habe, wo es liegt), vermutete ich schon beim klamaukigen Trailer, dass der Film mit dem vor über vierzig Jahren erschienenem Roman nicht allzuviel zu tun hat; was ja grundsätzlich kein Problem ist. Jedenfalls gehöre ich nicht zu der Fraktion, die „Verrat“ brüllt, wenn der Film sich von der Vorlage entfernt.
Dieser Eindruck eines werkfernen Retro-Klamauks bestätigte sich beim Ansehen des Films, der sich erfolgreich bemüht durchgehend altmodisch zu sein. Die fast schon wohltuenden Ignoranz gegenüber der modernen Technik, also Computer, Handys und so Zeug, sagt deutlich, dass der Film zwar in der Gegenwart spielt, aber eigentlich in die Vergangenheit gehört, als Filme wie „Der rosarote Panther“ das Publikum erfreuten.
Charlie Mortdecai ist auch im Film ein mehr als halbseidener, auf großem Fuß lebender Kunsthändler und Schwindler, der mehr als einmal von seiner rechten Hand, dem dummen, aber Mortdecai treu ergebenen Schläger Jock Strapp, aus gefährlichen Situationen gerettet wird. Seine Frau Johanna ist ihm treu ergeben, aber mit seinem neuen Schnurrbart kann sie nichts anfangen. Sie findet ihn zum übergeben; – und das ist, angesichts neuer Komödien, wie „A Million Ways to Die in the West“ und „Kill the Boss 2“, ein positiver Aspekt: der Humor bleibt immer oberhalb der Gürtellinie und er hinterlässt nie den Eindruck des spontan Vor-sich-hin-Improvisierens. Die Gags scheinen wirklich alle so im Drehbuch zu stehen. Dummerweise sind die Gags fast nie visuell und gerade Johnny Depp als Charlie Mortdecai gefällt sich in seinem typischen „Pirates of the Carribean“/“Lone Ranger“-Chargieren, das nicht zu der Rolle passt. Jedenfalls wenn man in Mortdecai mehr als das plumbe Abziehbild eines Klischees sehen möchte. Außerdem nervt es.
Die anderen Schauspieler – Gwyneth Paltrow als verliebte Ehefrau ist Iron Mans Pepper Potts in einer anderen Umgebung, Paul Bettany als Jock und Ewan McGregor als Geheimagent bemühen sich um Coolness – nerven weniger, aber gegen das klamaukige Drehbuch, das vor allem verbale Gags aneinanderreiht, kommen sie nicht an.
Die Geschichte selbst ist da nur die Entschuldigung für die eher altmodischen Witzeleien, die heute oft auch jeglicher gesellschaftlichen Relevanz entbehren. Vor vierzig, fünfzig Jahren war das vielleicht anders. Aber auch Mortdecai ist mit seinen Ansichten ungefähr 1970 stehen geblieben.
Er soll, im Auftrag von MI5-Agent Alistair Martland, ein verschwundenes Goya-Gemälde suchen. Dieses wertvolle Gemälde will auch Emil Strago. Der Terrorist (geformt nach dem Bild von ikonischen Sechziger-Jahre-Revolutionären mit südländischem Charme und Womanizer-Bart) würde das Geld wahrscheinlich für unzählige Terror-Anschläge verwenden. Ein russischer Oligarch und ein amerikanischer Milliardär wollen ebenfalls das Bild. Deshalb wird Mortdecai nach Moskau entführt und muss auch einen Trip „in die Kolonien“ (Mortdecai) unternehmen.
„Mortdecai – Der Teilzeitgauner“ ist ein hoffnungslos altmodischer und verstaubter Klamauk, der sich eher an den bei mir nicht besonders beliebten „Der rosarote Panther“-Filmen als an, sagen wir mal „Ihr Auftritt, Al Mundy!“ (It takes a Thief) oder „Über den Dächern von Nizza“ (To catch a Thief) orientiert und als Kopie einer Kopie noch nicht einmal im Schatten dieser ungleich besseren und heute immer noch ungleich frischeren Filme steht. Selbstverständlich werden neuere, stilbewusste Gaunerkomödien, wie „Ocean’s Eleven“ oder „Hustle“, ignoriert.

Mortdecai - Plakat

Mortdecai – Der Teilzeitgauner (Mortdecai, USA 2014)
Regie: David Koepp
Drehbuch: Eric Aronson
LV: Kyril Bonfiglioli: Don’t point that thing at me, 1972 (Nimm das Ding da weg!)
mit Johnny Depp, Gwyneth Paltrow, Paul Bettany, Ewan McGregor, Olivia Munn, Jeff Goldblum, Jonny Paslovsky, Ulrich Thomsen, Michael Culkin
Länge: 107 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Mortdecai“
Moviepilot über „Mortdecai“
Metacritic über „Mortdecai“
Rotten Tomatoes über „Mortdecai“
Wikipedia über „Mortdecai“


TV-Tipp für den 9. Juli: Das letzte Schweigen

Juli 9, 2013

3Sat, 22.25

Das letzte Schweigen (D 2010, Regie: Baran bo Odar)

Drehbuch: Baran bo Odar

LV: Jan Costin Wagner: Das Schweigen, 2007

Wurde die 13-jährige Sinikka ermordet? Denn am gleichen Ort wurde vor 23 Jahren ein Mädchen ermordet. Der Täter wurde nie gefunden. Kommissar Jahn ermittelt.

Werkgetreue, gut besetzte, gut fotografierte, aber letztendlich langweilige Verfilmung von Wagners Roman.

Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung (mit Bildern, Links und dem Trailer)

mit Ulrich Thomsen, Wotan Wilke Möhring, Burghart Klaußner, Katrin Sass, Sebastian Blomberg, Karoline Eichhorn, Roeland Wiesnekker, Claudia Michelsen, Oliver Stokowski, Jule Böwe

Hinweise

Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „Das letzte Schweigen“

Homepage von Baran bo Odar

Homepage von Jan Costin Wagner

Meine Besprechung von Jan Costin Wagners „Sandmann träumt“


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