TV-Tipp für den 23. Juni: Kill Bill: Volume 1

Juni 23, 2016

3sat, 23.00

Kill Bill: Volume 1 (USA 2003, Regie: Quentin Tarantino)

Drehbuch: Quentin Tarantino

Die Braut will sich an ihrem Ex-Boss Bill und ihren alten Arbeitskolleginnen, einer Bande Auftragskiller, die sie umbringen wollten, rächen. Leichter gesagt, als getan – und Quentin Tarantino durfte in seinem vierten Spielfilm, der als Zweiteiler in die Kinos kam, kräftig im Blut baden. Im ersten Teil eher in Richtung Eastern, im zweiten Teil in Richtung Italowestern; weshalb die Teilung des Films auch Sinn macht.

3sat zeigt am Freitag um 22.55 Uhr den zweiten Teil.

mit Uma Thurman, Lucy Liu, Vivica A. Fox, Daryl Hannah, David Carradine, Michael Madsen, Sonny Chiba, Michael Parks

Wiederholung: Samstag, 25. Juni, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Kill Bill Vol. 1“

Rotten Tomatoes über „Kill Bill Vol. 1“

Wikipedia über „Kill Bill Vol. 1“ (deutsch, englisch)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos “Django Unchained” (Django Unchained, USA 2012)

Meine Bespechung von Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (The Hateful Eight, USA 2015)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder, Pressekonferenz, Comic)


TV-Tipp für den 17. Juni: Pulp Fiction

Juni 16, 2016

3sat, 23.00

Pulp Fiction (USA 1994, Regie: Quentin Tarantino)

Drehbuch: Quentin Tarantino

Tausendmal gesehen, tausendmal hat’s Spaß gemacht.

„Im Stil der Pulp Fiction, der Groschenromane und B-Pictures aus den 30er und 40er Jahren, komprimiert Quentin Tarantino eine Handvoll Typen und Storys zu einem hochtourigen Film noir (…) Ein ausgezeichnetes Darsteller-Ensemble, eine intelligente Inszenierung und ein gutes Timung durch flotte Schnitte tragen dazu bei, dass Blutorgien mit Slapstick und bitterer Zynismus mit leichter Ironie so raffiniert ineinander übergehen oder aufeinander folgen, dass die Brüche und Übergänge nicht stören.“ (Fischer Film Almanach 1995)

Tarantino erzählt von zwei Profikillern, die zuerst Glück und dann Pech bei ihrer Arbeit haben, einem Boxer, der entgegen der Absprache einen Boxkampf gewinnt und sich dann wegen einer Uhr in Lebensgefahr begibt, einem Gangsterpärchen, das ein Schnellrestaurant überfällt, einem Killer, der die Frau seines Chefs ausführen soll und in Teufels Küche gerät, einer Gangsterbraut, die eine Überdosis nimmt, einem Killer, der zum Christ wird und von einem Tanzwettbewerb.

Kurz: wir haben mit einem Haufen unsympathischer Leute eine verdammt gute Zeit.

Der Kassenknüller erhielt zahlreiche Preise, aber für Krimifans zählt natürlich nur der gewonnene Edgar.

Mit Tim Roth, Harvey Keitel, Uma Thurman, Amanda Plummer, John Travolta, Samuel L. Jackson, Bruce Willis, Rosanna Arquette, Ving Rhames, Eric Stoltz, Christoper Walken, Quentin Tarantino, Steve Buscemi

Wiederholung: Sontag, 19. Juni, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Pulp Fiction”

Wikipedia über “Pulp Fiction”

Pulp Fiction (deutsche Fanseite zum Film)

Drehbuch “Pulp Fiction” von Quentin Tarantino und Roger Avary

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos “Django Unchained” (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder, Pressekonferenz, Comic)

Meine Bespechung von Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (The Hateful Eight, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: Bradley Cooper ist „Im Rausch der Sterne“

Dezember 4, 2015


Seitdem es immer mehr Fertiggerichte gibt, die immer mehr gekauft werden und wir immer weniger Zeit in der Küche und beim Essen verbringen, gibt es im Fernsehen immer mehr Kochsendungen und im Kino Kochfilme, in denen Essen hungrig machend präsentiert wird. Es gibt auch einen Kult um die Ein-, Zwei- und Drei-Sterne-Michelin-Küche, die auch in Berlin (wo die Sterne-Küche sehr günstig sein soll) eigentlich erst im dreistelligen Euro-Bereich beginnt. Ohne Getränke.
Auch in „Im Rausch der Sterne“, der neue Film von John Wells („Im August in Osage County“), nach einem Drehbuch von Steven Knight („Tödliche Versprechen – Eastern Promises“, „Peaky Blinders“), der schon in „Madame Mallory und der Duft von Curry“ zeigte, dass er die geschriebene Vorlage für einen kulinarischen Film liefern kann, dreht sich alles um das richtige Zubereiten von teuren Gerichten.
Adam Jones (Bradley Cooper) war in Paris ein Starkoch, bis einige Dinge geschahen, die für uns niemals vollständig aufgeklärt werden, die aber etwas mit Frauen, Drogen, Schulden und Kontakten zur Mafia zu tun haben und die seine Karriere ruinierten. Nachdem er in Louisiana eine selbst auferlegte Bußzeit absolvierte und dem Frauen- und Drogenkonsum abschwor, kehrt er mit seinem gewohnt großen Ego zurück in die Welt der Spitzenköche. In London will er im Nobelhotel Langham, das von Tony (Daniel Brühl, gewohnt überzeugend) geführt wird, wieder als Koch arbeiten und möglichst schnell seinen dritten Stern bekommen.
Also versammelt er eine Mannschaft begnadeter Köche, die er teils von früher kennt, um sich herum, es gibt etwas Liebestrouble mit der Köchin Helene (Sienna Miller als alleinerziehende Mutter) und es wird viel gekocht. Weshalb John Wells immer wieder hübsch drapierte kleine Portionen auf großen Tellern zeigt und die Schauspieler fluchend Essen durch den Raum werfen lässt. Sowieso herrscht ein rechter Kasernenhofton in der Nobelküche.
„Im Rausch der Sterne“ erfindet das Genre des Kochfilms nicht neu und ohne die durchgehend liebenswerten Schauspieler, die öfter nur kleinste Auftritte haben, wäre Wells‘ Film eine arg beliebige und unkritische Geschichte über das Leben eines ehrgeizigen und arroganten Sternekochs und seiner Sucht nach dem nächsten Michelin-Stern, den er vor allem deshalb verdient hat, weil er glaubt, dass er ihm zusteht. Wobei Bradley Cooper, der den Koch spielt, immer sympathisch ist. Deshalb wirkt der von ihm gespielte Adam Jones auch sympathischer als er ist. Trotz Kuchen-Backen für Helenes kleine Tochter, die gerade Geburtstag hat und diesen notgedrungen in dem Nobelrestaurant verbringen muss. Jones ist nämlich ein egozentrischer Stinkstiefel, der Brüllen mit Autorität verwechselt.
Da waren zuletzt „Madame Mallory und der Duft von Curry“ und „Kiss the Cook“ schon weiter, weil sie auch ernste Themen behandelten und in „Madame Mallory und der Duft von Curry“ das Kochen auch verschiedene Lebensphilosophien präsentierte.

Im Rausch der Sterne - Plakat

Im Rausch der Sterne (Burnt, USA 2015)
Regie: John Wells
Drehbuch: Steven Knight
mit Bradley Cooper, Sienna Miller, Daniel Brühl, Emma Thompson, Omar Sy, Matthew Rhys, Uma Thurman, Alicia Vikander, Lily James, Sarah Greene, Sam Keeley, Riccardo Scamarcio, Henry Goodman
Länge: 102 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Im Rausch der Sterne“
Moviepilot über „Im Rausch der Sterne“
Metacritic über „Im Rausch der Sterne“
Rotten Tomatoes über „Im Rausch der Sterne“
Wikipedia über „Im Rausch der Sterne“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 7. Mai: Pulp Fiction

Mai 6, 2015

Vox, 22.00

Pulp Fiction (USA 1994, Regie: Quentin Tarantino)

Drehbuch: Quentin Tarantino

Tausendmal gesehen, tausendmal hat’s Spaß gemacht.

„Im Stil der Pulp Fiction, der Groschenromane und B-Pictures aus den 30er und 40er Jahren, komprimiert Quentin Tarantino eine Handvoll Typen und Storys zu einem hochtourigen Film noir (…) Ein ausgezeichnetes Darsteller-Ensemble, eine intelligente Inszenierung und ein gutes Timung durch flotte Schnitte tragen dazu bei, dass Blutorgien mit Slapstick und bitterer Zynismus mit leichter Ironie so raffiniert ineinander übergehen oder aufeinander folgen, dass die Brüche und Übergänge nicht stören.“ (Fischer Film Almanach 1995)

Tarantino erzählt von zwei Profikillern, die zuerst Glück und dann Pech bei ihrer Arbeit haben, einem Boxer, der entgegen der Absprache einen Boxkampf gewinnt und sich dann wegen einer Uhr in Lebensgefahr begibt, einem Gangsterpärchen, das ein Schnellrestaurant überfällt, einem Killer, der die Frau seines Chefs ausführen soll und in Teufels Küche gerät, einer Gangsterbraut, die eine Überdosis nimmt, einem Killer, der zum Christ wird und von einem Tanzwettbewerb.

Kurz: wir haben mit einem Haufen unsympathischer Leute eine verdammt gute Zeit.

Der Kassenknüller erhielt zahlreiche Preise, aber für Krimifans zählt natürlich nur der gewonnene Edgar.

Mit Tim Roth, Harvey Keitel, Uma Thurman, Amanda Plummer, John Travolta, Samuel L. Jackson, Bruce Willis, Rosanna Arquette, Ving Rhames, Eric Stoltz, Christoper Walken, Quentin Tarantino, Steve Buscemi

Wiederholung: Freitag, 8. Mai, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Pulp Fiction”

Wikipedia über “Pulp Fiction”

Pulp Fiction (deutsche Fanseite zum Film)

Drehbuch “Pulp Fiction” von Quentin Tarantino und Roger Avary

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos “Django Unchained” (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder, Pressekonferenz, Comic)


TV-Tipp für den 13. November: Kill Bill: Volume 1

November 13, 2014

Vox, 22.15

Kill Bill: Volume 1 (USA 2003, Regie: Quentin Tarantino)

Drehbuch: Quentin Tarantino

Die Braut will sich an ihrem Ex-Boss Bill und ihren alten Arbeitskolleginnen, einer Bande Auftragskiller, die sie umbringen wollten, rächen. Leichter gesagt, als getan – und Quentin Tarantino durfte in seinem vierten Spielfilm, der als Zweiteiler in die Kinos kam, kräftig im Blut baden. Im ersten Teil eher in Richtung Eastern, im zweiten Teil in Richtung Italowestern; weshalb die Teilung des Films auch Sinn macht.

mit Uma Thurman, Lucy Liu, Vivica A. Fox, Daryl Hannah, David Carradine, Michael Madsen, Sonny Chiba, Michael Parks

Wiederholung: Freitag, 14. November, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Kill Bill Vol. 1“

Rotten Tomatoes über „Kill Bill Vol. 1“

Wikipedia über „Kill Bill Vol. 1“ (deutsch, englisch)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos “Django Unchained” (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino


Neu im Kino/Filmkritik: „Feuchtgebiete“ auf intellektuell: „Nymphomaniac – Teil 1“

Februar 20, 2014

Die Werbung lief in den vergangenen Monaten mit Clips und Bildern über die Reizworte „Stars“, „Porno“ und „Lars von Trier“. „Nymphomaniac“ sollte ein ungefähr fünfstündiges Werk werden, das in zwei Teilen in verschiedenen Fassungen gezeigt wird. Denn neben der vollständigen Fassung, die auch mal Hardcore-Fassung genannt wird, sollte es, entsprechend den Zensurbestimmungen der verschiedenen Länder, entsprechend gekürzte Fassungen geben. Freunde des pornographischen Films kennen das Spiel ja von den Soft- und Hardcore-Varianten. In der Hardcore-Variante des Films sieht man dann mehr vom Geschlechtsverkehr und auch mehr, ähem, anatomische Details.

Dann hörte man, vor allem im Umfeld der Berlinale und damit kurz vor dem Kinostart, dass in den Nacktszenen Body-Doubles und auch Prothesen eingesetzt wurden. Damit war klar, dass das zu sehende Geschlechtsteil nicht unbedingt das Geschlechtsteil des Schauspielers ist. Außerdem kürzte Lars von Trier nicht nur Sex-, sondern auch andere Szenen.

Damit schrumpfte der anvisierte Skandal – immerhin spielen Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgard, Shia LaBeouf, Christian Slater, Jamie Bell, Uma Thurman, Willem Dafoe, Connie Nielsen, Jean-Marc Barr und Udo Kier mit – schon auf das Normalmaß einer äußerst gelungene Werbestrategie. Außerdem hat natürlich niemand, der noch seine Tassen im Schrank hat, von dem Provokateur von Trier einen schnöden Porno erwartet.

In der deutschen Kinofassung des ersten Teils von „Nymphomaniac“ (und nur darum geht es in dieser Besprechung, Teil 2 folgt zum Kinostart am 3. April. Dann mit Dafoe und Kier.) gibt es – was jetzt nicht wirklich überraschend ist – auf der Porno-Ebene erstaunlich wenig bis nichts zu sehen. Außerdem ist der Film „frei ab 16 Jahre“, was sicher ein Grenzfall ist, aber es ist auch die Freigabe, die ich nach dem Film für wahrscheinlich hielt.

Auf der nackten Story-Ebene erzählt Lars von Trier hier nur die Arthouse-Variante der ersten Liebe, bei der einzelne Szenen, Segmente und mehr oder weniger metaphysische und optische Spielereien beeindruckender sind als die Geschichte, die durch die Struktur des Films auch immer wieder reflektiert wird. Das ist dann sogar erstaunlich unterhaltsam und kurzweilig und oft brüllend komisch mit einer ordentlichen Portion Absurdität geraten, obwohl diese zwei Stunden nur das Vorspiel sein können. Die von Seligman (Stellan Skarsgard) in einem Hinterhof gefundene, laut dem Presseheft, ungefähr fünfzigjährige Joe (Serge Gainsbourg, geb. 1971), sagt, dass sie eine ganz schlimme Frau sei, eine ungläubige Sünderin, die kein Mitleid verdient habe, eine selbst diagnostizierte Nymphomanin. Nymphomanie ist, laut Wikipedia, die Bezeichnung für ein gesteigertes Verlangen von Frauen nach Geschlechtsverkehr mit wechselnden Geschlechtspartnern; was ja an sich nicht so schlimm ist. Jedenfalls wenn man, wie Joe, nicht gläubig ist. Dennoch sind für sie die Schläge, die sie erhielt, bevor sie von Seligman entdeckt wurde, die gerechte Strafe für ihr gottloses Leben.

In der Nacht versucht sie dann Seligman zu überzeugen, dass ihre Selbsteinschätzung richtig ist. Sie erzählt ihm chronologisch ihr Leben in mehreren Rückblenden, in denen Joe von der Debütantin Stacy Martin, der Hauptdarstellerin des ersten Teils, gespielt wird. Dabei tauschen sich Joe und Seligman, züchtig angezogen und höflich den Abstand wahrend, auch immer wieder über die Struktur der Geschichte aus und diskutieren darüber, ob Joes Verhalten jetzt verwerflich ist oder nicht. Seligman sieht es durchgängig als normales, fröhliches, lebensbejahendes Verhalten. Es gibt Tonnen von Informationen über auch abseitige Gebiete und Seligman, ein passionierter Fliegenfischer, vergleicht Joes Geschichten immer wieder mit dem Fischen. Eigentlich erfahren wir in „Nymphomaniac“ mehr über das Fliegenfischen und die Musik von Johann Sebastian Bach, als über Sex.

Joe erzählt von ihrer guten Beziehung zu ihrem Vater (Christian Slater). Zuerst als Kind und, später, in Schwarzweiß, als er im Krankenhaus liegend einen schmerzhaften Tod hat.

Diese Episode ist, auch wenn wir nie erfahren, warum Joes Vater im Delirium lag, extrem schmerzhaft.

Durchgehend komischer sind dagegen Joes Erzählungen von ihren sexuellen Erlebnissen. Bei der von ihr veranlassten Entjungferung durch den an ihr vollkommen desinteressierten Moped-Bastler Jerome (Shia LaBeouf) gibt es eine herrliche Abrechnung mit dem männlichen Sexualverhalten: Hose runter, drei Stöße von vorne, fünf von hinten (Seligman erklärt uns die Bedeutung der Zahlen), fertig, Hose hoch und weiter, erfolglos, am Moped rumschrauben.

Brüllend komisch ist später der Auftritt einer hysterischen Ehefrau (Uma Thurman), die mit ihren Kindern Joes Wohnung, den Pfuhl der Sünde, besichtigt und ihren Kindern dabei alles, inclusive der kommenden Therapiegespräche, erklärt, während Joe und ihr Ehemann peinlich berührt dabei stehen. Viel effektiver kann man das psychologisierende Beziehungsdramenkino nicht durch den Kakao ziehen und endgültig demontieren.

Davor gibt es einen Wettbewerb zwischen Joe und ihrer Freundin B. (die meisten Charaktere haben nur Initialen). Wer während einer Zugfahrt die meisten sexuellen Erlebnisse hat, erhält als Preis eine Tüte Süßigkeiten.

Wie ein roter Faden zieht sich Joes Beziehung zu Jerome durch den Film. Nach ihrer Entjungferung verlor sie ihn aus den Augen. Später, als sie sich nach ihrem abgebrochenem Studium in einer Druckerei bewirbt, trifft sie ihn wieder. Jerome, der übergangsweise Chef einer Druckerei ist, stellt sie als Sekretärin ein. Zunächst lehnt sie seine Avancen ab. Als sie ihm ihre Liebe gestehen will, ist er gerade mit seiner Frau abgereist. Aber am Ende des Films trifft sie ihn zufällig wieder. Während Seligman dieses Treffen für einen unglaubwürdigen Zufall hält, besteht Joe auf ihrer Version. Immerhin erzähle sie die Geschichte. Warum sie Jerome dabei allerdings zu so einem unsympathischen Schmierlappen macht, sagt sie nicht.

Diese Erzählungen von Joe, über deren Wahrheitsgehalt daher debattiert werden kann, und die dazu gehörigen Betrachtungen von Joe und Seligman sind in insgesamt acht, streng voneinander getrennte Kapitel unterteilt. Im ersten Teil von „Nymphomaniac“ gibt es die ersten fünf Kapitel, die alle in einer seltsam anonymen und ortlosen Gegend, die meist das muffige Patina der fünfziger Jahre mit spartanisch eingerichteten Räumen, abgeranzten Sperrholz-Möbeln und alten Backsteingebäuden, verströmt und in denen Stacy Martin als junge Joe im Zentrum steht.

Nymphomaniac – Teil 1“ ist, wie die Musik von „Rammstein“, die den Film beginnt und beendet, ein letztendlich harmloses Spiel mit Tabus.

Nymphomaniac – Teil 1“ ist eine moralische Geschichte über eine junge Frau, die von ihrem Geschlechtsteil fasziniert ist und am Ende den Mann fürs Leben findet.

Nymphomaniac – Teil 1“ ist oft umwerfend komisch, pendelt zwischen Tief- und Flachsinn.

Nymphomaniac – Teil 1“ ist die Arthouse-Variante von „Feuchtgebiete“.

Nymphomaniac 1 - Plakat

Nymphomaniac – Teil 1 (Nymphomaniac – Volume 1, Dänemark/Deutschland/Frankreich/Schweden 2013)

Regie: Lars von Trier

Drehbuch: Lars von Trier

mit Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgard, Stacy Martin, Shia LaBeouf, Christian Slater, Jamie Bell, Uma Thurman, Jesper Christensen

Länge: 117 Minuten (Kinofassung – es gibt auch weitere Fassungen)

FSK: ab 16 Jahre

Teil 2 läuft am 3. April an. Ebenfalls FSK-16.

Hinweise

Englischsprachige Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „Nymph( )maniac – Teil 1“

Moviepilot über „Nymph( )maniac – Teil 1“

Metacritic über „Nymph( )maniac – Teil 1“

Rotten Tomatoes über „Nymph( )maniac – Teil 1“

Wikipedia über „Nymph( )maniac – Teil 1“ (deutsch, englisch)

Die Berlinale-Pressekonferenz, die zum Stadtgespräch wurde.


TV-Tipp für den 6. Februar: Pulp Fiction

Februar 6, 2014

Vox, 22.10

Pulp Fiction (USA 1994, R.: Quentin Tarantino)

Drehbuch: Quentin Tarantino

Tausendmal gesehen, tausendmal hat’s Spaß gemacht.

„Im Stil der Pulp Fiction, der Groschenromane und B-Pictures aus den 30er und 40er Jahren, komprimiert Quentin Tarantino eine Handvoll Typen und Storys zu einem hochtourigen Film noir (…) Ein ausgezeichnetes Darsteller-Ensemble, eine intelligente Inszenierung und ein gutes Timung durch flotte Schnitte tragen dazu bei, dass Blutorgien mit Slapstick und bitterer Zynismus mit leichter Ironie so raffiniert ineinander übergehen oder aufeinander folgen, dass die Brüche und Übergänge nicht stören.“ (Fischer Film Almanach 1995)

Tarantino erzählt von zwei Profikillern, die zuerst Glück und dann Pech bei ihrer Arbeit haben, einem Boxer, der entgegen der Absprache einen Boxkampf gewinnt und sich dann wegen einer Uhr in Lebensgefahr begibt, einem Gangsterpärchen, das ein Schnellrestaurant überfällt, einem Killer, der die Frau seines Chefs ausführen soll und in Teufels Küche gerät, einer Gangsterbraut, die eine Überdosis nimmt, einem Killer, der zum Christ wird und von einem Tanzwettbewerb.

Kurz: wir haben mit einem Haufen unsympathischer Leute eine verdammt gute Zeit.

Der Kassenknüller erhielt zahlreiche Preise, aber für Krimifans zählt natürlich nur der gewonnene Edgar.

Mit Tim Roth, Harvey Keitel, Uma Thurman, Amanda Plummer, John Travolta, Samuel L. Jackson, Bruce Willis, Rosanna Arquette, Ving Rhames, Eric Stoltz, Christoper Walken, Quentin Tarantino, Steve Buscemi

Wiederholung: Freitag, 7. Februar, 03.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Pulp Fiction”

Wikipedia über “Pulp Fiction”

Pulp Fiction (deutsche Fanseite zum Film)

Drehbuch “Pulp Fiction” von Quentin Tarantino und Roger Avary

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos “Django Unchained” (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder, Pressekonferenz)


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