TV-Tipp für den 1. August: Tschick

August 1, 2019

BR, 22.45

Tschick (Deutschland 2016)

Regie: Fatih Akin

Drehbuch: Lars Hubrich, Hark Bohm (Koautor)

LV: Wolfgang Herrndorf: Tschick, 2010

In den Sommerferien langweilt sich der 14-jährige Maik in Berlin-Marzahn allein im elterlichen Haus. Da schlägt ihm sein neuer Klassenkamerad Tschick, ein russischer Spätaussiedler, vor, gemeinsam im geklauten Lada in die Walachai zu fahren. Doch zuerst geht die reichlich planlose Fahrt durch die benachbarten Bundesländer.

Gelungene Verfilmung eines Bestsellers.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tristan Göbel, Anan Batbileg, Mercedes Müller, Anja Schneider, Uwe Bohm, Udo Samel, Claudia Geisler-Bading, Alexander Scheer, Marc Hosemann, Friederike Kempter

Die Vorlage

zum Filmstart erschien der Roman mit einem neuen Cover und einem Anhang zum Film. Auf 18 Seiten gibt es Bilder, Statements von Fatih Akin und Michael Töteberg schreibt über Wolfgang Herrndorf im Kino.

herrndorf-tschick-movie-tie-in-4

Wolfgang Herrndorf: Tschick

rororo, 2016

272 Seiten

9,99 Euro

Das Drehbuch

selten, sehr selten wird auch das Drehbuch veröffentlicht. In diesem Fall sogar mit einem kurzen, aber informativen Interview mit Fatih Akin

hubrich-tschick-drehbuch-4

Lars Hubrich: Tschick – Das Drehbuch

Rowohlt E-Book

60 Seiten (Verlagsangabe, mein E-Book-Reader sagt 112 Seiten und den Rest regelt das individuelle Größenbedürfnis)

2,99 Euro

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Tschick“

Moviepilot über „Tschick“

Wikipedia über „Tschick“

Perlentaucher über Wolfgang Herrndorf und „Tschick“

Meine Besprechung von Fatih Akins „Müll im Garten Eden“ (Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Fatih Akins „The Cut“ (Deutschland/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Fatih Akins „Tschick“ (Deutschland 2016)

Meine Besprechung von Fatih Akins „Aus dem Nichts“ (Deutschland 2017)

Werbeanzeigen

TV-Tipp für den 24. Juli: Tschick

Juli 23, 2018

ARD, 22.45

Tschick (Deutschland 2016)

Regie: Fatih Akin

Drehbuch: Lars Hubrich, Hark Bohm (Koautor)

LV: Wolfgang Herrndorf: Tschick, 2010

In den Sommerferien langweilt sich der 14-jährige Maik in Berlin-Marzahn allein im elterlichen Haus. Da schlägt ihm sein neuer Klassenkamerad Tschick, ein russischer Spätaussiedler, vor, gemeinsam im geklauten Lada in die Walachai zu fahren. Doch zuerst geht die reichlich planlose Fahrt durch die benachbarten Bundesländer.

Gelungene Verfilmung eines Bestsellers, das seine TV-Premiere zu einer Uhrzeit erlebt, die für die Zielgruppe reichlich ungeeignet ist. Planlose TV-Planer

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tristan Göbel, Anan Batbileg, Mercedes Müller, Anja Schneider, Uwe Bohm, Udo Samel, Claudia Geisler-Bading, Alexander Scheer, Marc Hosemann, Friederike Kempter

Wiederholungen

ARD: Mittwoch, 25. Juli, 02.10 Uhr (Taggenau!)

One: Samstag, 28. Juli, 21.45 Uhr (die Uhrzeit verbessert sich)

One: Montag, 30. Juli, 01.15 Uhr (Taggenau!) (die Uhrzeit verschlechtert sich)

Die Vorlage

zum Filmstart erschien der Roman mit einem neuen Cover und einem Anhang zum Film. Auf 18 Seiten gibt es Bilder, Statements von Fatih Akin und Michael Töteberg schreibt über Wolfgang Herrndorf im Kino.

herrndorf-tschick-movie-tie-in-4

Wolfgang Herrndorf: Tschick

rororo, 2016

272 Seiten

9,99 Euro

Das Drehbuch

selten, sehr selten wird auch das Drehbuch veröffentlicht. In diesem Fall sogar mit einem kurzen, aber informativen Interview mit Fatih Akin

hubrich-tschick-drehbuch-4

Lars Hubrich: Tschick – Das Drehbuch

Rowohlt E-Book

60 Seiten (Verlagsangabe, mein E-Book-Reader sagt 112 Seiten und den Rest regelt das individuelle Größenbedürfnis)

2,99 Euro

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Tschick“

Moviepilot über „Tschick“

Wikipedia über „Tschick“

Perlentaucher über Wolfgang Herrndorf und „Tschick“

Meine Besprechung von Fatih Akins „Müll im Garten Eden“ (Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Fatih Akins „The Cut“ (Deutschland/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Fatih Akins „Tschick“ (Deutschland 2016)

Meine Besprechung von Fatih Akins „Aus dem Nichts“ (Deutschland 2017)

 

 

 


TV-Tipp für den 12. April: Freistatt

April 12, 2017

ARD, 20.15

Freistatt (Deutschland 2014)

Regie: Marc Brummund

Drehbuch: Marc Brummund, Nicole Armbruster

Sommer 1968: der Stiefvater schiebt den 14-jährigen Wolfgang nach Freistatt ab, eine hochangesehene evangelische Erziehungsanstalt für Schwererziehbare. Dort erlebt er ein drakonisches Regiment.

Trotz seiner Mängel ein sehenswerter, auf Tatsachen basierender Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung..

Im Anschluss, um 21.45 Uhr (Nachtwiederholung um 01.35 Uhr), läuft die Doku „Endstation Freistatt – Das Erziehungslager im Moor“ von Sascha Schmidt.

mit Louis Hofmann, Alexander Held, Max Riemelt, Katharina Lorenz, Stephan Grossmann, Uwe Bohm

Wiederholung: Donnerstag, 13. April, 00.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Freistatt“
Film-Zeit über „Freistatt“
Moviepilot über „Freistatt“
Wikipedia über „Freistatt“ und Freistatt

Meine Besprechung von Marc Brummunds „Freistatt“ (Deutschland 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: Mit „Tschick“ in die Walachei

September 16, 2016

Wo warst du in den Ferien?“

Der vierzehnjährige Maik Klingenberg hat seine Sommerferien nicht mit seinen Eltern verbracht. Seine Mutter, eine Alkoholikerin, war auf Entziehungskur und sein Vater mit seiner Assistentin auf Geschäftsreise. Maik hatte das ganze Haus in Marzahn für sich, aber sein neuer Klassenkamerad Andreij ‚Tschick‘ Tschichatschow, ein russischer Spätaussiedler mit extrem uncoolen Klamotten, kommt bei ihm mit einem ausgeliehenen Lada (jaja, geklaut) vorbei. Gemeinsam beschließen die beiden Outsider, die nicht zur Geburtstagsfeier der Klassenschönheit eingeladen wurden, Ostberlin in Richtung Walachei, wo auch immer das ist, zu verlassen.

Als vor sechs Jahren Wolfgang Herrndorfs Jugendbuch „Tschick“ erschien, war es ein Überraschungserfolg, der in Deutschland über 2,2 Millionen mal verkauft wurde, etliche Preise erhielt, in über 25 Ländern veröffentlicht wurde und die Grundlage für ein Theaterstück war. In der Theatersaison 2014/15 war es das meistgespielte Stück auf deutschen Bühnen. Da war, auch weil Herrndorf ein großer Filmfan war (er starb 2013) und „Tschick“ sehr filmisch geschrieben ist, eine Verfilmung nur eine Frage der Zeit.

Fatih Akin, der das Buch schon länger verfilmen wollte, übernahm kurzfristig, nachdem der ursprüngliche Regisseur David Wnendt absagen musste, die Regie. Mit Lars Hubrich, der mit Herrndorf befreundet war und dessen Wunschdrehbuchautor war, überarbeitete er Hubrichs ursprüngliche Fassung. Hark Bohm, der in den Siebzigern mit „Nordsee ist Mordsee“ und „Moritz, lieber Moritz“ zwei der unumstrittenen Klassiker des Jugendfilms inszenierte, wurde als Koautor hinzugezogen. Akin hatte sogar die Idee, dass Bohm den Film inszenieren sollte. Herrndorf erwähnte in seinem Blog „Arbeit und Struktur“ öfter „Nordsee ist Mordsee“ und der Einfluss des heute viel zu unbekannten Films über zwei Hamburger Jungs, einer Deutscher, einer Asiate, die in Wilhelmsburg leben, ein kaum fahrtüchtiges Boot bauen und Richtung Nordsee fahren, ist schon im Roman offensichtlich.

Wobei bei „Tschick“ nicht die Vorbereitung der Fahrt, sondern die Erlebnisse von Maik und Tschick bei ihrer Fahrt durch Ostdeutschland im Mittelpunkt stehen.

Akin erzählt das dann auf Augenhöhe mit den jugendlichen Protagonisten, die beim Dreh dreizehn Jahre alt waren. Als Coming-of-Age-Film steht „Tschick“ dabei in der Tradition von realistischen Jugendfilmen, wie beispielsweise die Stephen-King-Verfilmung „Stand by me – Das Geheimnis eines Sommers“. Es ist, obwohl er in der Gegenwart spielt, ein nostalgischer Film, der sich erkennbar auf diese älteren Filme bezieht und der nichts mit den derzeit erfolgreichen Young-Adult-Dystopien zu tun hat. Entsprechend zurückhaltend und auch konservativ, auf altmodische Erzähltugenden achtend, erzählt Akin die Geschichte.

Außerdem gelingt es Fatih Akin, Richard Claydermans ziemlich unerträgliche „Ballade pour Adeline“ im Film mehrmals, ausführlich so einzusetzen, dass sie nicht nur erträglich, sondern sogar passend und berührend ist.

Tschick“ ist allerdings auch ein Film, der immer wie der gut ausgeleuchtete, fein austarierte, pädagogisch wertvolle Fernsehfilm der Woche wirkt und nie das Gefühl des Aufbruchs, wie „Easy Rider“, oder der Flucht aus beengten Verhältnissen, wie „Nordsee ist Mordsee“, vermittelt. Maik und Tschick, über den wir fast nichts erfahren, sind zwei Mittelstandsjungs, die einfach einen längeren Ausflug unternehmen. Sie protestieren nicht gegen ihre Eltern oder die Gesellschaft. Sie finden sie eigentlich ziemlich in Ordnung. Sogar die Ungewissheiten der Pubertät, die Teenage Angst, die wir aus US-Filmen kennen, und Maiks unerwiderte Liebe in eine Klassenkameradin werden ohne große Gefühlsausbrüche behandelt. Ein Verharren in gut- und kleinbürgerlichen Verhältnissen, aus denen man nicht flüchten will, weil man sich eigentlich schon ganz gut in ihnen eingerichtet hat, bestimmt den Film. Insofern hat Akins Jugendfilm „Tschick“ schon etwas von einem Alterswerk, während sein „Gegen die Wand“ von jugendlicher Energie vibrierte.

Aber vielleicht sehen Jugendliche das anders. Vielleicht sind sie von „Tschick“ so begeistert, wie ich es als Jugendlicher von „Nordsee ist Mordsee“, „Moritz, lieber Moritz“ und „Easy Rider“ war.

P. S.: Trivia: Uwe Bohm, der in „Tschick“ den Vater von Maik spielt, war in „Nordsee ist Mordsee“ einer der beiden jugendlichen Ausreißer.

tschick-plakat

Tschick (Deutschland 2016)

Regie: Fatih Akin

Drehbuch: Lars Hubrich, Hark Bohm (Koautor)

LV: Wolfgang Herrndorf: Tschick, 2010

mit Tristan Göbel, Anan Batbileg, Mercedes Müller, Anja Schneider, Uwe Bohm, Udo Samel, Claudia Geisler-Bading, Alexander Scheer, Marc Hosemann, Friederike Kempter

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

zum Filmstart mit einem neuen Cover und einem Anhang zum Film. Auf 18 Seiten gibt es Bilder, Statements von Fatih Akin und Michael Töteberg schreibt über Wolfgang Herrndorf im Kino.

herrndorf-tschick-movie-tie-in-4

Wolfgang Herrndorf: Tschick

rororo, 2016

272 Seiten

9,99 Euro

Das Drehbuch

selten, sehr selten wird auch das Drehbuch veröffentlicht. In diesem Fall sogar mit einem kurzen, aber informativen Interview mit Fatih Akin

hubrich-tschick-drehbuch-4

Lars Hubrich: Tschick – Das Drehbuch

Rowohlt E-Book

60 Seiten (Verlagsangabe, mein E-Book-Reader sagt 112 Seiten und den Rest regelt das individuelle Größenbedürfnis)

2,99 Euro

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Tschick“

Moviepilot über „Tschick“

Wikipedia über „Tschick“

Perlentaucher über Wolfgang Herrndorf und „Tschick“

Meine Besprechung von Fatih Akins „Müll im Garten Eden“ (Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Fatih Akins „The Cut“ (Deutschland/Frankreich 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: „Freistatt“ – vorbildliche Erziehung vor fünfundvierzig Jahren

Juni 26, 2015

„Freistatt“ hat ein wichtiges Thema: die Erziehung von Kindern und Jugendlichen in Heimen in den Nachkriegsjahren bis weit in die siebziger Jahre in Westdeutschland. Erst durch die von den 68er angestoßene Diskussion über Erziehungsmethoden und die Frage von Gewalt in der Erziehung wurden die Vorgänge in den Heimen, in die Waisen und schwer erziehbare Kinder geschickt wurden, zu einem in der Gesellschaft diskutierten Thema. Heime wurden aufgelöst. Die Erziehung reformiert.
Aber auch nach einem Runden Tisch Heimerziehung, der 2010 seinen Abschlussbericht vorlegte, und eine Entschädigung versprochen wurde, warten immer noch viele ehemalige Zöglinge auf diese Entschädigung und eine Anerkennung ihres Leids. Denn die Erziehung in den Heimen bestand darin, die Jugendlichen in ein System von Befehl und Gehorsam einzufügen. Sie zu gefügigen Untertanen zu machen. Eine der härtesten Einrichtungen war Freistatt, gelegen im Landkreis Diepholz in Niedersachsen, betrieben von der Diakonie Bethel, geführt als Wirtschaftsbetrieb mit den Zöglingen als kostenlosen Arbeitskräften, die Torf stechen mussten.
Das ist der heute wohl ziemlich unbekannte historische Hintergrund von Marc Brummunds Film „Freistatt“, in dem er die Geschichte von Wolfgang (Louis Hofmann) erzählt. 1968 wird der Vierzehnjährige von seinem Stiefvater Heinz (Uwe Bohm) und seiner Mutter Ingrid (Katharina Lorenz) nach Freistatt geschickt. Dort sollen dem aufsässigem Bengel Manieren beigebracht werden.
Geleitet wird das Heim von Hausvater Brockmann (Alexander Held), der mit öliger Freundlichkeit und harter Hand die Zöglinge zu wertvollen Mitgliedern der Gesellschaft machen will. Das geschieht nicht mit Schulunterricht, sondern mit harter Arbeit, Drohungen, Gewalt und Psychofolter.
Aus diesem Thema hätte man viel machen können. Aber Regisseur Marc Brummund und seine Co-Drehbuchautorin Nicole Armbruster haben nur die Faszination und das Erschrecken über die nur etwas über vierzig Jahre zurückliegende, uns heute vollkommen fremd erscheinende Erziehung und danach nichts mehr. Denn anstatt anhand der Geschichte von Wolfgang eine klare Position zu beziehen, liefern sie nur einen Reigen des Schreckens, den wir schon besser gesehen haben; in zahlreichen Gefängnisfilmen, aber auch in Erziehungs- und Schuldramen wie „Der junge Törless“ und „King of Devil’s island“, um zwei gelungenere Filme zu nennen, in denen das Unterdrückungssystem im Rahmen einer packenden Geschichte genau analysiert wird.
In „Freistatt“ präsentiert Brummund die auch aus anderen Filmen bekannten Szenen von Unterdrückung und Freiheitsdrang des Einzelnen, ohne dass sie hier jemals wirklich packen. Dafür ist Wolfgangs Freiheitsdrang und seine Revolte gegen das System zu diffus. Und die Szenen sind zu beliebig angeordnet. Es gibt fast nie eine direkte Verbindung von Ursache und Wirkung, von unbotmäßigem Verhalten und Strafe. Von einer folgerichtigen Eskalation der Strafen im Rahmen der Erziehung. So gibt es gerade am Anfang, wenn Wolfgang nach Freistatt kommt und die dortige, archaische Gesellschaft, die mehr mit einem Gefängnis, das mit Hilfe der Inhaftierten geführt wird, als mit einer Erziehungsanstalt zu tun hat, starke Szenen. Obwohl die einzelnen Charaktere blass und austauschbar bleiben. Später gibt es mehrere Szenen, die wohl als Metapher gedacht waren, aber im Rahmen eines realistischen Dramas abstrus wirken. Zum Beispiel wenn Wolfgang mit einem anderen Zögling in das Moor flüchtet und sie im Kreis laufen, ohne es zu bemerken.
Es gibt auch keine Verknüpfung von der damaligen Erziehung, der sich ändernden Gesellschaft, der Jugendrevolte (die sich in den Großstädten austobte, während das platte Land noch im Tiefschlaf lag) und der Gegenwart (in der wieder über geschlossene Heime für schwer erziehbare Jugendliche gesprochen wird).
„Freistatt“ ist auch ein Reigen, der trotz der genauen Datierung von Ort und Zeit seltsam aus der Zeit gefallen ist. Denn ohne den Hinweis, dass die Geschichte 1968 spielt, könnte sie auch Jahrzehnte früher spielen. Brummund sagt zwar, sie habe die Gleichzeitigkeit zwischen Studetenrevolte und der Fortschreibung eines institutionalisierten Missbrauchs in Heimen und Institutionen fasziniert, aber Faszination allein ergibt keinen guten Film. Sie muss in eine packende Geschichte übersetzt werden.
Das Ende des Films zeigt eindrücklich, dass Brummund nicht wusste, was er erzählen wollte. Ein Film sollte genau dann enden, wenn die Geschichte erzählt ist. Er sollte mit der Botschaft des Films enden. Keine Sekunde früher, aber auch keine Sekunde später. Brummund bietet drei Enden an, von denen nur das erste Ende überzeugt und zum Nachdenken anregt. Es zeigt Wolfgang am Ende seiner aus Sicht der Heimleitung erfolgreichen Erziehung: jetzt darf er am Tisch über die Neuankömmlinge bestimmen, wie einige Monate früher über ihn bestimmt wurde. Er ist ein wertvolles Mitglied der Gemeinschaft. Ein Untertan. Nach diesem Ende kommen dann noch zwei weitere Szenen, die ebenfalls die Geschichte von Wolfgang beenden, aber das vorherige Ende und auch die Filmgeschichte verraten; – wenn sie denn eine eindeutige Position gehabt hätten.
Und es ist keine gute Idee, einen Film komplett überbelichtet zu präsentieren.

Freistatt - Plakat - 4

Freistatt (Deutschland 2014)
Regie: Marc Brummund
Drehbuch: Marc Brummund, Nicole Armbruster
mit Louis Hofmann, Alexander Held, Max Riemelt, Katharina Lorenz, Stephan Grossmann, Uwe Bohm
Länge: 108 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Freistatt“
Film-Zeit über „Freistatt“
Moviepilot über „Freistatt“
Wikipedia über „Freistatt“ und Freistatt


TV-Tipp für den 10. Juni: Gold

Juni 10, 2015

Arte, 20.15
Gold (Deutschland/Kanada 2013, Regie: Thomas Arslan)
Drehbuch: Thomas Arslan
Wilder Westen, 1898: eine Gruppe deutschstämmiger Siedler will am Klondike River Gold suchen. Aber der Weg dorthin ist beschwerlich, kräftezehrend und gefährlich.
Berliner Schule goes Wilder Westen – und die Kritiker sind begeistert.
mit Nina Hoss, Marko Mandic, Lars Rudolph, Uwe Bohm, Peter Kurth, Rosa Enskat
Wiederholung: Donnerstag, 11. Juni, 13.45 Uhr
Hinweise
Filmportal über „Gold“
Film-Zeit über „Gold“
Moviepilot über „Gold“
Wikipedia über „Gold“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 4. Februar: Im Schatten

Februar 4, 2014

ZDFkultur, 20.15

Im Schatten (D 2010, R.: Thomas Arslan)

Drehbuch: Thomas Arslan

Profigangster Trojan, gerade aus dem Knast entlassen, plant gleich seinen nächsten Coup: einen Überfall auf einen Geldtransporter.

Ein guter Hardboiled-Gangsterfilm, der eindeutig vom französischen Kriminalfilm (Melville!) und den harten amerikanischen Krimis beeinflusst ist. So ist der Einfluss von Richard Starks Parker und seinen Epigonen Nolan (von Max Allan Collins) und Wyatt (von Garry Disher) unübersehbar.

Ein erfrischend undeutscher Kriminalfilm, den sich auch Genrejunkies ohne Fremdschäm-Anfälle ansehen können.

mit Mišel Matičević, Karoline Eichhorn, Uwe Bohm, Rainer Bock, Hanns Zischler, Peter Kurth, David Scheller

Wiederholung: Mittwoch, 5. Februar, 04.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Im Schatten“

taz: Interview mit Thomas Arslan über “Im Schatten” (6. Oktober 2010)

Film-Dienst: Interview mit Thomas Arslan über “Im Schatten”

Meine Besprechung von Thomas Arslans “Im Schatten”


%d Bloggern gefällt das: