Ab Aschermittwoch im Radio: der „Radio Tatort: Im Königreich Deutschland“

Februar 14, 2018

Als im Januar 2008 der erste „Radio Tatort“ gesendet wurde, wurde die Übertragung des „Tatort“-Prinzips vom TV auf den Hörfunk, nach dem jede Landesrundfunkanstalt seinen „Radio Tatort“ produziert und das einstündge Hörspiel dann in der gesamten ARD gesendet wird, doch eher belächelt. Nach zehn Jahren hat der „Radio Tatort“ sich etabliert, zum Jubiläum gab es eine zweistündige Episode und nächsten Monat wird der 120. Fall gelöst.

Davor gibt es mit „Im Königreich Deutschland“ ab dem 14. Februar (alle Sendetermine unten und außerdem online) den 119. Fall. Produziert vom SWR mit den Kommissaren Xaver Finkbeiner (Ueli Jäggi) und Nina Brändle (Karoline Eichhorn). Zu ihnen kommt die Gerichtsvollzieherin Hannah Beierlein, die von Unbekannten überfallen wurden. Sie glaubt, dass die Täter Reichsbürger sind, mit denen sie beruflich Ärger hat. Sie erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht an, stellen sich eigene Fantasiepapiere aus und zahlen keine Steuern. Sie haben, unter der Führung von Udo Knöpfle, in einer alten Schule ihr Königreich errichtet.

Als ein Sondereinsatzkommando die Schule stürmen will, wird auf die Polizisten geschossen. Einer wird lebensgefährlich verletzt. Während er noch in Lebensgefahr schwebt, versuchen Finkbeiner und Brändle den Täter unter den vier in der Schule lebenden Reichsbürgern zu ermitteln.

Im Königreich Deutschland“ ist ein sehr nah an den aktuellen Schlagzeilen über die Reichsbürger entlang geschriebener Krimi. Autorin Katja Röder will vor allem Informationen über diese rechte Subkultur vermitteln. Entsprechend didaktisch sind viele Dialoge geraten, während der Fall schnell zu einem biederen Rätselkrimi mit einigen Verdächtigen und falschen Fährten wird.

Im Königreich Deutschland (Deutschland 2018)

Regie: Alexander Schuhmacher

Autorin: Katja Röder

mit Ueli Jäggi, Karoline Eichhorn, Matti Krause, Therese Hämer, Uwe Preuss, Astrid Meyerfeldt, Isaak Dentler

Länge: 53 Minuten

Sendetermine

Mittwoch, 14. Februar

hr2-kultur, 18.05 Uhr

Bayern 2, 20.03 Uhr

Donnerstag, 15. Februar

Bremen Zwei, 21.05 Uhr

Freitag, 16. Februar

WDR 3, 19.05 Uhr

SWR2, 22.03 Uhr

Samstag, 17. Februar

WDR 5, 17.04 Uhr

SWR4, 21.03 Uhr

Sonntag, 18. Februar

SR 2 KulturRadio, 17.04 Uhr

Bremen Zwei, 17.05 Uhr

Montag, 19. Februar

kulturradio (RBB), 14.04 Uhr

MDR Kultur, 18.00 Uhr

Samstag, 24. Februar

NDR Info, 21.05 Uhr

Hinweise

ARD-Seite zum “Radio Tatort“ (dort können auch ältere „Radio Tatorte“ angehört werden)

SWR über „Im Königreich Deutschland“

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Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Zur neuen Hans-Fallada-Verfilmung „Jeder stirbt für sich allein“

November 18, 2016

Hans Falladas nach dem Kriegsende geschriebene Fiktionalisierung der Taten des Ehepaares Otto und Elise Hampel ist einer der Klassiker der deutschen Literatur. Das Ehepaar lebte in der Amsterdamer Straße 10 (Berlin-Wedding). Nach dem Tod ihres Bruders an der Westfront wurden die Hampels zu Regimegegner. Zwischen September 1940 und September 1942 verfassten sie über zweihundert Karten, in denen sie zum Widerstand und zur Sabotage aufriefen. Die Karten hinterlegten sie in Treppenhäusern. Am 8. April 1943 wurden sie in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Nach dem Kriegsende erhielt Hans Fallada vom „Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ die Prozessakten. Im Oktober/November 1945 schrieb er in vier Wochen den Roman, der in der ersten Fassung 866 Typoskriptseiten umfasste, die vor der Veröffentlichung von Lektor Paul Wiegler überarbeitet wurden. 1947, kurz nach dem Tod von Hans Fallada, erschien im neugegründeten Aufbau-Verlag die Erstauflage von „Jeder stirbt für sich allein“, die seitdem unzählige Neuauflage erlebte. Übersetzungen gab es auch. Als der Roman 2009 in einer gekürzten Fassung erstmals ins Englische übersetzt wurde, wurde er sogar ein weltweiter Bestseller. In Deutschland erschien 2011 im Aufbau-Verlag eine ungekürzte Neuausgabe, die ebenfalls ein Bestseller wurde.

In dem Moment wollten Regisseur Vincent Pérez und der X-Filme-Produzent Stefan Arndt bereits den Roman wieder verfilmen. Es gibt bereits mehrere Verfilmungen, wobei die bekannteste die 1975er-Verfilmung von Alfred Vohrer ist. Arndt wollte das Buch als deutsche Produktion mit deutschen Schauspielern verfilmen. Aber er fand keine Geldgeber. Was angesichts der jetzt in den Kinos angelaufenen Verfilmung nicht nachvollziehbar ist. Als die damals erschienene englische Übersetzung sich zu einem Bestseller entwickelte, war die Idee geboren, den Film in Englisch für ein weltweites Publikum zu drehen. Und das taten sie dann auch.

Im Film stehen Anna (Emma Thompson) und Otto Quangel (Brendan Gleeson) im Mittelpunkt. Nach dem Tod ihres Sohnes im Krieg entschließen sie sich zum stillen Protest, indem sie in Berlin Postkarten auslegen. Ihnen auf der Spur ist Kommissar Escherich (Daniel Brühl).

Ergänzt wird dieser Krimiplot um zahlreiche Episoden aus dem Haus, die so ein Bild des Lebens in der Nazi-Diktatur entwerfen.

Man muss den gut siebenhundertseitigen Roman nicht kennen, um zu wissen, dass für den Film, der mit knapp hundert Minuten (ohne Abspann) eher kurz geraten ist, vieles aus dem Roman gestrichen wurde. Der Roman entfaltet ein breites Panorama der damaligen Zeit und der Bewohner des Mietshauses, in dem das Ehepaar Quangel lebt. Der Film erzählt dagegen vor allem eine Geschichte aus dem Haus. Außerdem endet der Film letztendlich mit der Verhaftung der Quangels, die im Roman in der aktuellen Ausgabe schon auf den Seiten 480 (er) und 491 (sie) ist. Der Roman endet in dieser Ausgabe auf Seite 668. Die Kürzungen fallen allerdings, solange man die Vorlage nicht kennt, nicht auf und allein schon das spricht für den Film und die Arbeit der Macher die eine Geschichte des stillen und gewaltlosen Widerstandes von zwei ganz normalen Leuten erzählen wollten.

Und das gelingt Pérez. Auch weil er sich auf Brendan Gleeson und Emma Thompson als Hauptdarsteller verlassen kann. Filmisch folgt „Jeder stirbt für sich allein“ dabei den Konventionen einer Romanverfilmung ohne eine wirklich eigene Handschrift. Es ist halt gediegenes Unterhaltungskino mit Anspruch und einer begrüßenswerten Botschaft.

Damit reiht sich „Jeder stirbt für sich allein“ in die von Fred Breinersdorfer geschriebene Widerstand-Trilogie ein, in der er mit „Sophie Scholl – Die letzten Tage“, „Elser – Er hätte die Welt verändert“ und „Das Tagebuch der Anne Frank“ drei Schicksale junger Menschen aus der Nazi-Diktatur nah an der historischen Wahrheit erzählte (die von verschiedenen Regisseuren verfilmt wurden). Die Quangels sind dagegen schon älter. Alles ist deutlich gesetzter.

Weil die Verfilmung mit internationaler Besetzung für den internationalen Markt gemacht wurde, wird in der Originalfassung englisch gesprochen. Das führt, wie bei der le-Carré-Verfilmung „Marionetten“ (A most wanted man) für uns Deutsche zu der eher seltenen Situation, dass man die synchronisierte Version, in der auch etwas berlinert wird, bevorzugen sollte.

Falladas Roman kann man dann ja während der Weihnachtstage lesen.

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Jeder stirbt für sich allein (Deutschland/Frankreich/Schweiz/Großbritannien 2016)

Regie: Vincent Pérez

Drehbuch: Achim von Borries, Vincent Pérez (in Zusammenarbeit mit Bettine von Borries)

LV: Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein, 1947

mit Emma Thompson, Brendan Gleeson, Daniel Brühl, Mikael Persbrandt, Katrin Pollitt, Lars Rudolph, Uwe Preuss

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage (mit Filmumschlag)

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Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein

(Ungekürzte Neuausgabe)

Aufbau Taschenbuch, 2016 (12. Auflage)

704 Seiten

12,99 Euro

Die ungekürzte Neuausgabe erschien erstmals 2011.

Die Erstausgabe erschien 1947 um Aufbau-Verlag.

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Jeder stirbt für sich allein“

Moviepilot über „Jeder stirbt für sich allein“

Rotten Tomatoes über „Jeder stirbt für sich allein“

Wikipedia über „Jeder stirbt für sich allein“ (deutsch, englisch) und Hans Fallada

Perlentaucher über „Jeder stirbt für sich allein“

Die Zeit: Johannes Groschupf über das Ehepaar Hampel und die historischen Hintergründe des Romans


TV-Tipp für den 4. November: Kriegerin

November 4, 2015

3sat, 21.45

Kriegerin (Deutschland 2011, Regie: David Wnendt)

Drehbuch: David Wnendt

Hochgelobter Debütfilm über eine Nazibraut in Ostdeutschland, der definitiv einen Blick wert ist.

Ich war ja nicht so begeistert: nur ein das Fremde hervorhebender Einblick in eine Sauf- und Proll-Jugendkultur, garniert mit einigen Nazi-Symbolen und etwas mehr Gewalt als es in einem handelsüblichen deutschen Problemfilm üblich ist.

Denn mehr ist „Kriegerin“ nicht: ein typisch deutsches Sozialdrama, das beim Zuschauer einfach nur eine sedativ wirkendes Unwohlsein hervorruft. So wie der „Tatort“, der uns am Sonntag einen esoterischen Blick in die Hartz-IV-Haushalte gibt, damit wir am Montag beruhigt zur Arbeit gehen können.

„Kriegerin“ wird im Rahmen des 3sat-Themenabends „rechts – extrem – gefährlich“ gezeigt. Davor laufen, um 20.15 Uhr,  „Die Akte Zschäpe“ und, um 21.00 Uhr, „V-Mann-Land“ und, danach, um 23.25 Uhr, „Deutsche Pop Zustände – Eine Geschichte rechter Musik“.

mit Alina Levshin, Jella Haase, Sayed Ahmad Wasil Mrowat, Gerdy Zint, Lukas Steltner, Uwe Preuß, Winnie Böwe, Rosa Enskat, Haymon Maria Buttinger, Klaus Manchen

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Kriegerin“

Wikipedia über „Kriegerin“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Wnendts „Kriegerin“ (Deutschland 2011)

Meine Besprechung von David Wnendts „Feuchtgebiete“ (Deutschland 2013)

Meine Besprechung von David Wnendts „Er ist wieder da“ (Deutschland 2015)


TV-Tipp für den 1. August: Kriegerin

August 1, 2013

 

ZDF, 22.15

Kriegerin (D 2011, R.: David Wnendt)

Drehbuch: David Wnendt

Hochgelobter Debütfilm über eine Nazibraut in Ostdeutschland, der definitiv einen Blick wert ist.

Ich war ja nicht so begeistert: nur ein das Fremde hervorhebender Einblick in eine Sauf- und Proll-Jugendkultur, garniert mit einigen Nazi-Symbolen und etwas mehr Gewalt als es in einem handelsüblichen deutschen Problemfilm üblich ist.

Denn mehr ist „Kriegerin“ nicht: ein typisch deutsches Sozialdrama, das beim Zuschauer einfach nur eine sedativ wirkendes Unwohlsein hervorruft. So wie der „Tatort“, der uns am Sonntag einen esoterischen Blick in die Hartz-IV-Haushalte gibt, damit wir am Montag beruhigt zur Arbeit gehen können.

mit Alina Levshin, Jella Haase, Sayed Ahmad Wasil Mrowat, Gerdy Zint, Lukas Steltner, Uwe Preuß, Winnie Böwe, Rosa Enskat, Haymon Maria Buttinger, Klaus Manchen

Wiederholungen

ZDFkultur, Freitag, 2. August, 20.15 Uhr

ZDFkultur, Samstag, 3. August, 00.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Kriegerin“

 

Meine Besprechung von David Wnendts „Kriegerin“ (D 2011)

Bonushinweis

Am 22. August läuft David Wnendts zweiter Spielfilm an: „Feuchtgebiete“, nach dem Roman von Charlotte Roche. Hier schon einmal der Trailer. Besprechung zum Filmstart.

Dumont veröffentlichte auch eine Filmausgabe des Romans mit Filmbildern und Interviews.

Roche - Feuchtgebiete


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