Neu im Kino/Filmkritik: Der Cannes-Drehbuchgewinner „Porträt einer jungen Frau in Flammen“

November 1, 2019

1770 wird eine Pariser Malerin auf eine einsame, an der Küste der Bretagne liegende Insel gefahren. Sie soll die Tochter der Herzogin malen. Dummerweise will Héloïse nicht gemalt werden. Denn das Porträt ist für den ihr unbekannten, in Mailand lebenden Bräutigam, den sie nicht heiraten will. Die Heirat ist ein von der Herzogin eingefädeltes Geschäft, das ihrer Familie Geld bringen und ihre soziale Stellung sichern soll.

Das Porträt der künftigen Braut soll die Heiratsabmachung zwischen den beiden Familien besiegeln. Weil Héloïse das Ansinnen sabotiert, hat die Herzogin die Idee, dass die Malerin das Porträt aus dem Gedächtnis zeichnet. Bei gemeinsamen Spaziergängen soll Marianne sich jedes Detail von Héloïse einprägen. Bei diesen Spaziergängen lernen die beiden Frauen sich auch besser kennen.

Als Marianne das Porträt vollendet hat, zeigt sie es Héloïse, die von dem Verrat ihrer Freundschaft und dem Porträt nicht begeistert ist. Das Porträt sei leblos und verrate nichts über sie. Sie fordert von Marianne ein neues, besseres Porträt.

Vor „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ inszenierte Céline Sciamma die in der Gegenwart spielenden Jugenddramen „Water Lilies“, „Tomboy“ und „Mädchenbande“ und schrieb das Drehbuch zu dem sehr gelungenen, sehr kurzen Kindertrickfilm „Mein Leben als Zucchini“. Ihr neuer Film ist das dialogarme, sehr langsam und minimalistisch erzählte Drama einer lesbischen Liebe, die aufgrund der damaligen Konventionen zum Scheitern verurteilt ist. In seiner formalen Strenge und der Zeichnung der damaligen gesellschaftlichen Strukturen erinnert Sciammas Kostümdrama an „Effi Briest“ (Insofern wäre ein Vergleich zwischen „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ und Rainer Werner Fassbinders „Fontane Effi Briest oder Viele, die eine Ahnung haben von ihren Möglichkeiten und ihren Bedürfnissen und trotzdem das herrschende System in ihrem Kopf akzeptieren durch ihre Taten und es somit festigen und durchaus bestätigen“ sicher interessant.).

Es ist auch ein Film, in dem keine Männer vorkommen. Sie sind abwesend, aber zugleich präsent. Immerhin muss Marianne das Bild als Entscheidungshilfe für Héloïses künftigen Mann malen. Er kann entscheiden, ob er sie heiraten will. Sie muss diese Entscheidung akzeptieren. Außerdem soll das Porträt ein Schnappschuss für die Ewigkeit sein, der auch die Persönlichkeit der Porträtierten zeigt. Die Herzogin wurde auf die gleiche Weise verheiratet.

Sciamma entfaltet die Geschichte zwischen Marianne und Héloïse und den damit verbundenen Konflikt sehr langsam. So dauert es zwanzig Minuten, bis wir zum ersten Mal Héloïses Gesicht sehen und erst nachdem Marianne kurz vor der Filmmitte ihr Porträt von Héloïse der Porträtierten zeigt, verändert sich die Beziehung der beiden etwa gleichaltrigen, aber sehr verschiedenen Frauen entscheidend.

Gleichzeitig konzentriert der Film auf diese beiden Frauen. In dem herzöglichen Anwesen scheint es neben ihnen nur noch ein Hausmädchen und die Herzogin zu geben. Und die Herzogin muss irgendwann wegen dringender Geschäfte für einige Tage die Insel verlassen.

Indem Sciamma ihre Geschichte aus weiblicher Perspektive erzählt und die Strukturen aufzeigt, die damals Frauen an einem Leben nach ihrer Façon hinderten, bürstet Sciamma das Genre des Liebesdramas vor historischer Kulisse gegen den Strich.

In Cannes erhielt „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ den Preis für das beste Drehbuch.

Porträt einer jungen Frau in Flammen (Portrait de la jeune fille en feu, Frankreich 2019)

Regie: Céline Sciamma

Drehbuch: Céline Sciamma

mit Noémi Merlant, Adèle Haenel, Luàna Bajrami, Valeria Golino

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Porträt einer jungen Frau in Flammen“

AlloCiné über „Porträt einer jungen Frau in Flammen“

Metacritic über „Porträt einer jungen Frau in Flammen“

Rotten Tomatoes über „Porträt einer jungen Frau in Flammen“

Wikipedia über „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 28. November: Leaving Las Vegas – Liebe bis in den Tod

November 28, 2015

Eins Festival, 22.00

Leaving Las Vegas – Liebe bis in den Tod (USA 1995, Regie: Mike Figgis)

Drehbuch: Mike Figgis

LV: John O’Brien: Leaving Las Vegas, 1990 (Leaving Las Vegas)

Ben ist Drehbuchautor und Trinker. Er macht sich auf den Weg nach Las Vegas, um sich dort zu Tode zu trinken. Da trifft er Sera, eine Hure, die seine Begleiterin auf seinem Trip in den Tod wird.

Beeindruckendes Trinkerdrama, das nach einem autobiographischem Roman entstand und für das Nicolas Cage unter anderem einen Oscar als bester Darsteller erhielt. Im Nachhinein beendete „Leaving Las Vegas“ die Phase in Cages Leben, in der er ein ernstzunehmender Schauspieler war. Danach trat er in „The Rock“, „Con Air“ und „Face/Off – Im Körper meines Feindes“ (der im Vergleich zu den beiden vorherigen Filmen ein tiefsinniges Drama ist) auf und es wurde, von wenigen Ausnahmen abgesehen, noch viel schlimmer. Ich sage nur “Ghost Rider”.

mit Nicolas Cage, Elizabeth Shue, Julian Sands, Emily Procter, Valeria Golino, Mike Figgis, R. Lee Ermey, Mariska Hargitay, Danny Huston, Bob Rafelson, Xander Berkeley, Lou Rawls, Julian Lennon

Wiederholung: Sonntag, 29. November, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Drehbuch “Leaving Las Vegas” von Mike Figgis (Shooting Script September 1994)

Rotten Tomatoes über “Leaving Las Vegas”

Wikipedia über „Leaving Las Vegas“ (deutsch, englisch)

Filmcritic: Interview mit Mike Figgis (18. Februar 1996)

The Hollywood Interview mit Mike Figgis (ursprünglich erschienen in Venice Magazine Juni 1999)


TV-Tipp für den 15. August: Leaving Las Vegas – Liebe bis in den Tod

August 14, 2014

Eins Festival, 23.15

Leaving Las Vegas – Liebe bis in den Tod (USA 1995, Regie: Mike Figgis)

Drehbuch: Mike Figgis

LV: John O’Brien: Leaving Las Vegas, 1990 (Leaving Las Vegas)

Ben ist Drehbuchautor und Trinker. Er macht sich auf den Weg nach Las Vegas, um sich dort zu Tode zu trinken. Da trifft er Sera, eine Hure, die seine Begleiterin auf seinem Trip in den Tod wird.

Beeindruckendes Trinkerdrama, das nach einem autobiographischem Roman entstand und für das Nicolas Cage unter anderem einen Oscar als bester Darsteller erhielt. Im Nachhinein beendete „Leaving Las Vegas“ die Phase in Cages Leben, in der er ein ernstzunehmender Schauspieler war. Danach trat er in „The Rock“, „Con Air“ und „Face/Off – Im Körper meines Feindes“ (der im Vergleich zu den beiden vorherigen Filmen ein tiefsinniges Drama ist) auf und es wurde, von wenigen Ausnahmen abgesehen, noch viel schlimmer. Ich sage nur „Ghost Rider“.

mit Nicolas Cage, Elizabeth Shue, Julian Sands, Emily Procter, Valeria Golino, Mike Figgis, R. Lee Ermey, Mariska Hargitay, Danny Huston, Bob Rafelson, Xander Berkeley, Lou Rawls, Julian Lennon

Hinweise

Drehbuch “Leaving Las Vegas” von Mike Figgis (Shooting Script September 1994)

Rotten Tomatoes über „Leaving Las Vegas“

Wikipedia über „Leaving Las Vegas“ (deutsch, englisch)

Filmcritic: Interview mit Mike Figgis (18. Februar 1996)

The Hollywood Interview mit Mike Figgis (ursprünglich erschienen in Venice Magazine Juni 1999)


TV-Tipp für den 31. Januar: 36 – Tödliche Rivalen

Januar 31, 2014

3sat, 22.35

36 – Tödliche Rivalen (Frankreich 2004, R.: Olivier Marchal)

Drehbuch: Dominique Loiseau, Frank Mancuso, Olivier Marchal, Julien Rappeneau

Nach dem brutalen Überfall auf einen Geldtransporter arbeiten die Polizisten Klein und Vrinks und ihre Männer mit allen Bandagen gegeneinander. Denn nur einer kann der neue Polizeichef werden und dieses Ziel heiligt für Klein und Vrinks alle Mittel.

Grandioser französischer Noir-Polizeithriller, der bei uns nur eine DVD-Premiere erlebte.

Der Film war für acht Césars (in allen wichtigen Kategorien) nominiert.

mit Daniel Auteuil, Gérard Depardieu, André Dussollier, Roschdy Zem, Valeria Golino, Daniel Duval

Wiederholung: Samstag, 1. Februar, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „36 – Tödliche Rivalen“

Wikipedia über „36 – Tödliche Rivalen“

Meine Besprechung von Franck Mancusos „Counter Investigation – Kein Mord bleibt ungesühnt“ (Hey, es ist eine Lawrence-Block-Verfilmung!)

Meine Besprechung Franck Mancusos „R. I. F. – Ich werde dich finden!“ (R. I. F. [Recherche dans l’Intérêt des Familles], Frankreich 2011)

Meine ausführliche Besprechung von Olivier Marchals „Diamond 13“ (Diamond 13, Frankreich 2009)


TV-Tipp für den 24. Januar: Cash – Abgerechnet wird zum Schluss

Januar 24, 2014

ZDFneo, 22.00

Cash – Abgerechnet wird zum Schluss (Frankreich 2008, R.: Eric Besnard)

Drehbuch: Eric Besnard

Trickbetrüger Cash bestiehlt besonders gerne Verbrecher. Jetzt will der Gentleman-Gauner Maxime bestehlen. Dummerweise interessiert sich auch eine Europol-Polizistin für Maxime.

Es muss nicht immer „Ocean’s Eleven“, „Die Unfassbaren“, „Der Clou“ oder „Ihr Auftritt, Al Mundy!“ (It takes a Thief) sein für einen vergnüglichen Abend mit sich gegenseitig bestehlenden, betrügenden und belügenden Gaunern.

Unterhaltsame Kriminalkomödie voller überraschender Charaden.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Jean Dujardin, Jean Reno, Valeria Golino, Alice Taglioni, Francois Berléand, Ciarán Hinds

auch bekannt als „Ca$h – Wer zuletzt lacht…“

Hinweise

Wikipedia über „Cash“ (deutsch, englisch, französisch)


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