TV-Tipp für den 6. Februar: The Broken Circle

Februar 6, 2017

Arte, 20.15

The Broken Circle (The Broken Circle Breakdown, Belgien/Niederlande 2012)

Regie: Felix van Groeningen

Drehbuch: Carl Joos, Felix van Groeningen (nach dem Theaterstück von Johan Heldenbergh)

Die mit viel Bluegrass-Musik gewürzte Liebesgeschichte zwischen Didier und Elise, die gegensätzlicher kaum sein könnten, erlebt heute seine TV-Premiere.

Danach, um 22.05 Uhr, zeigt Arte „Feuerwerk am helllichten Tag“ (erhielt 2014 auf der Berlinale den Goldenen Bären). Ebenfalls sehenswert, aber halt nicht so gut wie „The Broken Circle“, der 2013 den Berlinale-Publikumspreis erhielt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Veerle Baetens, Johan Heldenbergh, Nell Cattrysse, Geert Van Rampelberg, Nils De Caster, Bobby Cleiren, Bert Huysentruyt, Jan Bijvoet

Hinweise

Belgische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Broken Circle“

Rotten Tomatoes über „The Broken Circle“

Berlinale: Die Pressekonferenz

Meine Besprechung von Felix van Groeningens „The Broken Circle“ (The Broken Circle Breakdown, Belgien/Niederlande 2012)

Meine Besprechung von Felix van Groeningens „Café Belgica (Belgica, Belgien/Frankreich/Niederlande 2016)

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DVD-Kritik: „The Team“ jagt einen Menschenhändler

Mai 18, 2015

Vor der TV-Ausstrahlung rührte das ZDF eifrig die Werbetrommel. Denn „The Team“ ist nicht nur, wie viele andere Krimiserien, eine Co-Produktion, sondern sie hat auch drei aus verschiedenen Ländern stammende Ermittler und die Ermittlungen finden in mehreren Ländern statt. Das Budget betrug zehn Millionen Euro, die Dreharbeiten dauerten acht Monate und gedreht wurde in einem halben Dutzend Länder. „The Team“ ist also eine große Produktion. Aber ist es auch eine gute Produktion?
Der achtstündige Krimi, der im TV in vier jeweils zweistündigen Folgen gezeigt wurde und auf DVD als Achtteiler geschnitten ist, beginnt flott. Gleich in den ersten Minuten werden in Berlin, Antwerpen und Kopenhagen Prostituierte ermordet. Aufgrund des Tathergangs (Schuss ins linke Auge, Finger abgetrennt) stellt Europol ein staatenübergreifendes Ermittlerteam zusammen. Denn es wird vermutet, dass es sich um den gleichen Täter handelt. Sein Motiv ist unklar. Ebenso, ob er weitere Morde begeht. In der Vergangenheit hat er allerdings schon mindestens einmal gemordet.
Harald Bjørn (Lars Mikkelsen), Hauptkommissar im Morddezernat Kopenhagen, Jackie Mueller (Jasmin Gerat), Hauptkommissarin im BKA Berlin, und Alicia Verbeek (Veerle Baetens), Kommissarin im Morddezernat in Antwerpen, sollen ihn überführen.
Auch die Ermittlungen laufen zügig an. Schnell haben sie einen Verdächtigen: Jean Louis Poquelin (Carlos Leal), der dann doch nicht der Täter ist. Er schreibt an einem Enthüllungsbuch über Marius Loukauskis (Nicholas Ofczarek), ein Verbrecher, der überall seine Finger drin hat.
Als Loukauskis von den Morden erfährt, fragt er sich, wer ihn anschwärzen will. Das ist am Ende der zweiten Episode (von acht). Ungefähr in diesem Moment haben die Autoren ihr Figurenensemble aufgefächert und wir dürfen ab jetzt mehreren parallel verlaufenden Handlungen (wobei ich immer wieder den Eindruck hatte, dass eine Gleichzeitigkeit suggeriert wurde, die nicht stimmte) folgen, die immer mehr in private Subplots abgleiten. Bjørn wird Vater. Verbeek kümmert sich um ihre Mutter, eine Alkoholikerin, und ihre Schwester, eine Prostituierte. Mueller um ihre beiden Kinder und ihren fremdgehenden Ehemann, über den wir – zum Glück – nichts Wesentliches erfahren. Eine ständig alkoholisierte Jazzsängerin, deren beste Tage schon lange vorüber sind und die eine Beziehung zu Loukauskis hat, torkelt immer wieder durch den Film, während die Ermittler viel telefonieren (der Einsatz der modernen Kommunikationsmittel ist angenehm unaufgeregt, wird aber auch zunehmend penetrant) und zwischen Berlin, Antwerpen, Kopenhagen und den Alpen hin und her pendeln, während der Fall sich über mehrere Episoden höchstens im Schneckentempo voranbewegt bis zum plötzlichen Ende, bei dem man fast übersieht, wer der Täter ist und sich zusammenpuzzeln muss, wie das jetzt alles zusammen hängt und was genau das Motiv war.
Trotz der bombastischen Werbung reiht „The Team“ sich unaufgeregt in die typisch skandinavischen Krimis ein: einige gruselige Morde, etwas Sozialkritik (hier gegen Menschenhändler, Zwangsprostitution und Ausbeutung), viele zeitraubende Privatgeschichten und eine lieblose Lösung, über die man nicht genauer nachdenken sollte. Bei „The Team“ gibt es außerdem etliche groß eingeführte Charaktere und Subplots, die plötzlich fallengelassen werden. Nein, wirklich begeistern kann das „Team“ nicht.
Auf der DVD ist die Originalfassung und die deutsche Fassung enthalten. Für die deutsche Fassung wurde alles konsequent eingedeutsch. Damit wurde die Serie gerade um ihren besonderen Aspekt beraubt. Deshalb sollte man die Originalfassung ansehen. In ihr reden die Ermittler, wie in der Realität, untereinander englisch und, wenn sie mit Kollegen, ihren Partnern und Verdächtigen reden, in ihrer Landessprache.
Als Bonusmaterial gibt es ein fünfzehnminütiges „Making of“ und Kurzbiographien der drei Ermittler und des Bösewichts, die man sich in sechs Minuten ansehen kann. Das Bonusmaterial ist, nett, begrenzt informativ (das Booklet ist informativer) und gänzlich spoilerfrei.

The Team - DVD-Cover 4

The Team (The Team, Dänemark/Deutschland/Österreich/Schweiz/Belgien 2015)
Regie: Katherine Windfeld, Kasper Gaardsøe
Drehbuch: Mai Brostrøm, Peter Thorsboe
mit Lars Mikkelsen, Jasmin Gerat, Veerle Baetens, Carlos Leal, Miriam Stein, Hilde Van Mieghem, Alexandra Rapaport, Andreas Pietschmann, Leo Gregory, Marc Benjamin, Filip Peeters, Sunnyi Melles, André Hennicke, Peter Benedict, Nadeshda Brennick

DVD
Edel
Bild: 16:9
Ton: Deutsch, mehrsprachige Originalfassung (Dänisch, Deutsch, Englisch, Flämisch, Französisch, Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of, Kurzclips über die Hauptfiguren, 16-seitiges Booklet
Länge: 486 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
ZDF über „The Team“
Moviepilot über „The Team“
Wikipedia über „The Team“


TV-Tipp für den 5. März: Code 37: Sexsüchtig/Sehen und gesehen werden

März 5, 2014

ZDFneo, 22.30

Code 37: Sexsüchtig/Sehen und gesehen werden (Belgien 2009)

Regie: Jakob Verbruggen

Drehbuch: Hola Guapa

Code 37“ ist in Belgien der Code der Staatsanwaltschaft für Sexualdelikte, wie sexuelle Gewalt, Vergewaltigung, Inzest, Kinderpornografie, Kindesmissbrauch, Pädophilie, Exhibitionismus, sexuelle Belästigung, sexuelle Diskriminierung und Prostitution.

In der belgischen Krimiserie „Code 37“ verfolgen wir die Fälle einer vierköpfigen Polizeieinheit, die sich in Gent nur mit Sexualdelikten beschäftigt, was für gestandene Krimifans schon einmal eine willkommene Ablenkung von den zahlreichen Mordermittlern ist.

Hannah Maes (gespielt von „Broken Circle“-Hauptdarstellerin Veerle Baetens – was allein schon ein Grund zum Einschalten ist) und ihre rein männlichen Untergebenen sind eine prächtig funktionierendes Team, bei dem die Arbeit und nicht persönliche Befindlichkeiten im Vordergrund stehen. Obwohl Bob De Groof Probleme mit einer Vorgesetzten hat. Dafür haben der ältere Verhörspezialist Charles Ruiters und der junge Computernerd Kevin Desmet keine Probleme mit ihr. Und, auch wenn wir einiges über Maes‘ Privatleben erfahren, stört es jedenfalls in den ersten beiden Folgen nicht die Polizeiarbeit.

In ihrem ersten gemeinsamen Fall „Sexsüchtig“ wollen sie herausfinden, wer eine 35-jährige Frau in einem Hotelzimmer strangulierte. Schnell finden sie heraus, dass die Tote keine Prostituierte, sondern eine sexsüchtige, verheiratete Headhunterin war. Entsprechend viele Affären hatte sie und die Ermittler haben etliche Tatverdächtige.

In „Sehen und gesehen werden“ wird die verprügelte Deborah Linden in ein Krankenhaus eingeliefert. Sie will allerdings keine Anzeige erstatten. Maes und ihr Team ermitteln trotzdem. Dabei bemerken sie, dass Linden Todesangst hat und dass sie von einem Nachbarn beobachtet wurde.

Nach den ersten beiden Fällen lautet mein Fazit: „Code 37“ ist ein ordentlicher Polizeikrimi mit vorhersehbaren Fällen, aber einem sympathischen Team und glaubwürdigen Fällen. Das macht Lust auf mehr.

ZDFneo strahlt in den kommenden Wochen, in Doppelfolgen, die ersten dreizehn Fälle aus. Für weiteren Nachschub ist gesorgt. Denn von 2009 bis 2012 entstanden 39 Folgen und, 2011, ein Kinofilm. .

mit Veerle Baetens (Hannah Maes), Michael Pas (Bob De Groof), Marc Lauwrys (Charles Ruiters), Gilles De Schrijver (Kevin Desmet), Geert Van Rampelberg (Koen Verberk), Carry Goossens (Robert Maes)

Hinweise

ZDF über „Code 37“

Wikipedia über „Code 37“


Neu im Kino/Filmkritik: Über „The Broken Circle“, den Gewinner des diesjährigen Berlinale-Publikumspreises

April 25, 2013

 

Auf der diesjährigen Berlinale erhielt „The Broken Circle“, der neue Film von „Die Beschissenheit der Dinge“-Regisseur Felix van Groeningen sehr nachvollziehbar den Panorama-Publikumspreis. Denn er erzählt, durchaus mit einem Blick auf das breite Publikum, aber ohne im Schmalz zu ertrinken, mit einer ordentlichen Portion eingängiger Musik, die Liebesgeschichte von Didier, einem passioniertem Bluegrass-Sänger und Quasi-Cowboy, und Elise, einer Tätowiererin, die bis zu ihrer ersten Begegnung mit Didier Bluegrass für langweilige Altmännermusik hält. Aber dann verliebt sie sich in den Freigeist, der über niemand bestimmen will und niemand irgendetwas vorschreiben will. Sie ziehen zusammen, lieben sich, diskutieren über Bluegrass, die Welt der Cowboys, die Bedeutung von Tattoos und Gott und den Atheismus.

Als sie schwanger ist, nimmt Didier, der bislang nur an seine Freiheit dachte, die neue Aufgabe wahr, renoviert endlich den Bauernhof und mit ihrer Tochter Maybelle könnte das Glück vollständig sein.

Aber mit sechs Jahren erkrankt sie schwer an Krebs, stirbt auch und, während Didier und Elise versuchen den Verlust auf ihre jeweils eigene Art zu bewältigen, brechen die schon immer vorhandenen Gegensätze zwischen ihnen auf. Sie geben sich gegenseitig die Schuld an Maybelles Tod und bestätigen die bekannten Rollenklischees: sie wird immer religiöser und irrationaler, er greift, als belgischer Wiedergänger von Kris Kristofferson, Gott und die Welt an und bleibt dabei der rationale Atheist; was insofern verwunderlich ist, weil sie doch eher eine sehr gegenwärtige Punkt-Attitüde hat, ehemalige Liebhaber, die sie alle auf ihrem Körper verewigt hat, mit neuen Tattoos überschreibt und er einem Cowboy-Mythos nachhängt, der wahrscheinlich immer ein Mythos war und die von ihm so geliebte Bluegrass-Musik mindestens latent religiös ist.

The Broken Circle“ könnte in einem Ozean von Rührseligkeit, Kitsch und Sentiment ertrinken, wenn da nicht die beiden Hauptdarsteller (die anderen Schauspieler und die Bandmusiker bleiben Staffage), die Musik (von mir aus hätte es noch etwas mehr sein können) und die unchronologische Erzählweise wären.

Gerade die Entscheidung, die Geschichte nicht chronologisch zu erzählen, reist einen immer wieder aus der Geschichte heraus. Anstatt vollkommen in die Geschichte einzutauchen, ist man dummerweise immer wieder damit beschäftigt, die Chronologie herzustellen und „The Broken Circle“ verliert viel von der Kraft und emotionalen Wucht, die er hätte haben können.

Im Wesentlichen unterteilt van Groeningens Films sich in zwei, etwa gleich lange Blöcke: in dem ersten Block geht es um die Krebserkrankung von Maybelle. Er beginnt mit der Mitteilung, dass sie Krebs hat und endet mit ihrem Tod. In dem zweiten Erzählblock wird Elise, wie wir später erfahren, nach einem Suizidversuch in eine Klinik eingeliefert. Hier erfahren wir, wie Maybelles Tod sich auf das Leben von Elise und Didier auswirkt, wie sie sich kennen lernten und wie ihre gemeinsame Geschichte endet, die etwas von einem Country-Song hat.

The Broken Circle - Plakat

The Broken Circle (The Broken Circle Breakdown, Belgien/Niederlande 2012)

Regie: Felix van Groeningen

Drehbuch: Carl Joos, Felix van Groeningen (nach dem Theaterstück von Johan Heldenbergh)

mit Veerle Baetens, Johan Heldenbergh, Nell Cattrysse, Geert Van Rampelberg, Nils De Caster, Bobby Cleiren, Bert Huysentruyt, Jan Bijvoet

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Belgische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Broken Circle“

Rotten Tomatoes über „The Broken Circle“

Berlinale: Die Pressekonferenz


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