TV-Tipp für den 8. Oktober: Streik

Oktober 7, 2020

WDR, 23.30

Streik (En guerre, Frankreich 2018)

Regie: Stéphane Brizé

Drehbuch: Stéphane Brizé, Olivier Gorce

im strukturschwachen Agen soll eine Fabrik geschlossen werden. Gewerkschaftler Laurent (Vincent Lindon) führt seine Kollegen in einen harten Kampf um ihre Arbeitsplätze.

TV-Premiere. Starkes Drama. „Das niederdrückend realistische, fast dokumentarische Drama bemüht sich um eine sorgfältige Darstellung des Arbeitskampfes und der beteiligten Prozesse.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Vincent Lindon, Mélanie Rover, Jacques Borderie, David Rey, Isabelle Rufin, Olivier Lemaire

Hinweise

AlloCiné über „Streik“

Metacritic über „Streik“

Rotten Tomatoes über „Streik“

Wikipedia über „Streik“ (englisch, französisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Erscheinung“: göttlich oder betrügerisch?

Dezember 17, 2018

Nachdem die 18-jährige Anna, eine Novizin, behauptet, die Jungfrau Maria gesehen zu haben, steht ihr Dorf im Südosten Frankreich Kopf. Gläubige pilgern zum Ort der Marienerscheinung. Der Handel mit Devotionalien und religiösem Kitsch floriert. Ein deutscher Priester plant schon die weltweite Vermarktung und der Vatikan schickt eine Untersuchungskommission los. Sie soll prüfen, ob es sich wirklich um eine Marienerscheinung oder um einen gigantischen Schwindel handelt. Ein Mitglied der Gruppe ist der renommierte Kriegsjournalist Jacques Mayano (Vincent Lindon). Der Zweifler ist nicht als Anhänger der katholischen Kirche bekannt und genau das prädestiniert ihn für die Mitgliedschaft in dem kanonischen Untersuchungsausschuss.

In seinem neuen Film „Die Erscheinung“ benutzt Regisseur Xavier Giannoli („Madame Marguerite oder Die Kunst der schiefen Töne“) einen typischen Thrillerplot für eine Erörterung in Glaubensfragen und ein Selbstfindungsdrama. Denn Mayano ist durch den Tod eines langjährigen Freundes bei einer Reportage schwer traumatisiert und nicht arbeitsfähig. Jedenfalls nicht als Journalist. Er zweifelt daher auch am Sinn des Lebens. Durch die Begegnung mit Anna muss er sich dieser Frage stellen. Gleichzeitig gerät er in ein Geflecht unterschiedlicher Interessen, die teilweise Anna als ihren Goldesel sehen, teilweise noch nicht wissen, ob sie Anna als Goldesel oder als Betrügerin sehen sollen oder beschützen wollen. Wobei das auch bedeuteten könnte, dass Anna vielleicht wirklich der Jungfrau Maria begegnet ist, es aber besser wäre, wenn das nicht bestätigt würde. Immerhin ist sie eine junge Novizin mit problematischer Kindheit.

Ausgehend von dem zentralen Konflikt über die Echtheit der Marienerscheinung kann Giannoli viele Fragen ansprechen und Ansichten präsentieren, ohne jemals die Ausgangsfrage aus dem Blick zu verlieren. Er konzentriert sich auf den skeptischen Ermittler Mayano und die ebenso reine, wie rätselhafte Anna, überzeugend gespielt von Vincent Lindon und Galatéa Bellugi. Die streng gläubige Anna bleibt lange Zeit ein Enigma. Es ist unklar, ob sie wirklich die Jungfrau Maria gesehen hat und wenn, ob sie, angesichts des Massenauflaufs von Gläubigen, die sie in eine Heilsbringerinnenrolle drängen, das weiterhin behaupten möchte.

Mayano ist ein Schweiger, ein Beobachter, der sich berufsbedingt seine Gefühle nicht anmerken lässt, während er sich immer tiefer in Annas Vergangenheit hineingräbt und sich dabei mit seinem Glauben beschäftigt.

Giannoli inszniert das so offen, dass der Zuschauer sich ebenfalls mit der Echtheit der Marienerscheinung beschäftigen muss. Als universelle Suche nach Spiritualität ist das auch für Nicht-Katholiken interessant.

Allerdings ist „Die Erscheinung“ mit 144 Minuten etwas lang geraten. Sehenswert bleibt die filigrane Suche nach der Wahrheit trotzdem.

Die Erscheinung (L’Apparition, Frankreich 2018)

Regie: Xavier Giannoli

Drehbuch: Xavier Gianoli, Jacques Fieschi (Co-Autor), Marcia Romano (Co-Autor)

mit Vincent Lindon, Galatéa Bellugi, Patrick d’Assumcao, Anatole Taubman, Elina Löwensohn, Claude Lévèque, Gérard Dessalles, Bruno Georis

Länge: 144 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Erscheinung“

AlloCiné über „Die Erscheinung“

Metacritic über „Die Erscheinung“

Rotten Tomatoes über „Die Erscheinung“

Wikipedia über „Die Erscheinung“


TV-Tipp für den 16. Januar: Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen

Januar 16, 2018

3sat, 22.25

Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen (37,2° le matin, Frankreich 1986)

Regie: Jean-Jacques Beineix

Drehbuch: Jean-Jacques Beineix

LV: Philippe Dijan: 37,2° le matin, 1985 (Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen)

Wie ein Wirbelwind bricht Betty Blue in das langweilige Leben des Möchtegernschriftstellers Zorg und eine der großen (die größte?) Liebesgeschichte der achtziger Jahre beginnt.

Damals war die heiße, in jeder Beziehung überbordende und maßlose Liebesgeschichte ein Kinohit, der schnell zum Kultfilm wurde. Damals war Beneix einer der stilprägenden Regisseure, heute – nun, sein letzter Spielfilm war 2001 „Mortal Transfer“. Ein ziemlicher Flop beim Publikum.

Der Fischer Film Almanach schrieb zum Kinostart über Beineix‘ dritten Spielfilm: „Inszenierung und Schauspielerführung sind spontaner und ungekünstelter geworden, melodramatische Elemente der Handlung verbinden sich bruchlos mit Sequenzen voller Humor und Gelöstheit. Kitsch, Klischee und Bombast trüben bisweilen die Freude an einem sonst gelungenen und sympathischen Film.“

Oh, und damals war wohl jeder Junge in ‚Betty Blue‘ Béatrice Dalle verliebt.

mit Béatrice Dalle, Jean-Hugues Anglade, Consuelo De Haviland, Gérard Darmon, Vincent Lindon

Wiederholung: Mittwoch, 17. Januar, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Betty Blue“

Wikipedia über „Betty Blue“ (deutsch, englisch)

Perlentaucher über Philippe Djian

Wikipedia über Philippe Djian (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Philippe Djians „Die Rastlosen“ (Incidences, 2010 – und der Verfilmung „Liebe ist das perfekte Verbrechen“)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens Philippe-Djian-Verfilmung „Elle“ (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016) und der DVD


Neu im Kino/Filmkritik: „Mea Culpa – Im Auge des Verbrechens“ gibt es viel Action

September 19, 2014

Nachdem „Ohne Schuld“, das mit „72 Stunden – The next three days“ ein US-Remake erhielt, und „Point Blank – Aus kurzer Distanz“, von dem ein US-Remake geplant ist, bei uns nur auf DVD erschienen, läuft Fred Cavayés neuer Thriller „Mea Culpa – Im Auge des Verbrechens“ bei uns auch im Kino. Naja, in einigen Kinos und, angesichts der wenigen Vorstellungen hier in Berlin, dürfte er auch schnell aus ihnen verschwinden.
Dabei ist „Mea Culpa“ für den Fan französischer Kriminalfilme einen Blick wert. Cavayé erzählt die Geschichte von Simon (Vincent Lindon), einem Ex-Polizisten, der seinen neunjährigen Sohn Théo vor skrupellosen Gangstern retten möchte. Denn Théo beobachtete einen Mord. Die Gangster wollen den Zeugen töten.
Ab diesem Moment brennt Cavayé ein wahres Actionfeuerwerk ab, das nie vollkommen den Boden der Realität verlässt, sich aber nicht mehr weiter um den Plot kümmert. Die Guten und die Bösen sind fein säuberlich getrennt. Die Hintergründe sind egal. Vor allem über die Gangster erfahren wir nur, dass sie Böse sind. Es geht, mit beeindruckenden Set-Pieces, nur noch um die Dynamik einer Menschenjagd. Das ist spannend und, dank der handgemachten Action und der guten Schauspieler, auch angenehm geerdet.
Außerdem behandelt Cavayé in allen Plots und fast jeder Szene die titelgebende Frage nach Schuld und dem Umgang mit ihr.
Dennoch ist „Mea Culpa“ Cavayés bislang enttäuschendster Film. Zu sehr folgt er den Konventionen des Polizeithrillers, zu umständlich führt er seine Charaktere ein, zu spät beginnt er mit dem Hauptplot und, bis auf einen Subplot, fehlen die großen Überraschungen.
Aber wer sich schon immer fragte, wie heute ein gelungener 80er-Jahre-Action-Thriller aussehen könnte, wird von „Mea Culpa“ begeistert sein.

Mea Culpa - Plakat

Mea Culpa – Im Auge des Verbrechens (Mea Culpa, Frankreich 2014)
Regie: Fred Cavayé
Drehbuch: Fred Cavayé, Guillaume Lemans (nach einer Idee von Olivier Marchal)
mit Vincent Lindon, Gilles Lellouce, Nadine Labaki, Gilles Cohen, Max Baisette de Malglaive
Länge: 91 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Mea Culpa“
Moviepilot über „Mea Culpa“
Rotten Tomatoes über „Mea Culpa“
Wikipedia über „Mea Culpa“
Meine Besprechung von Fred Cavayés „Point Blank – Aus kurzer Distanz“ (À bout portant, Frankreich 2010)


TV-Tipp für den 13. Juni: Ohne Schuld

Juni 12, 2014

ZDFneo, 23.25

Ohne Schuld (Frankreich 2009, Regie: Fred Cavayé)

Drehbuch: Fred Cavayé

Juliens Frau Lisa wird, obwohl unschuldig, zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Der Biedermann, Lehrer und Vater Julien entwickelt, um sie aus dem Gefängnis zu befreien, überraschende kriminelle Energien.

Spannender Thriller, dessen hochkarätig besetztes US-Remake „72 Stunden -The next three days“ über eine halbe Stunde länger braucht, um die Story zu erzählen, – ohne ihr etwas wesentliches hinzuzufügen. Da bleibt man doch besser bei dem französischen Original.

mit Vincent Lindon, Diane Kruger, Lancelot Roch, Olivier Marchal

Wiederholung: Samstag, 14. Juni, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Französische Homepage zum Film

Wikipedia über “Ohne Schuld” (englisch, französisch)

AlloCiné über “Ohne Schuld”

Rotten Tomatoes über “Ohne Schuld”

Meine Besprechung von Fred Cavayés „Point Blank – Aus kurzer Distanz“ (À bout portant, Frankreich 2010)

Fred Cavayés neuer, spannender Thriller „Mea Culpa“, wieder mit Vincent Lindon, läuft am 18. September im Kino (!) an. Hier schon einmal der Trailer:


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