TV-Tipp für den 27. Mai: Johnny Guitar

Mai 27, 2018

Arte, 20.15

Johnny Guitar – Gejagt, gehasst, gefürchtet (Johnny Guitar, USA 1954)

Regie: Nicholas Ray

Drehbuch: Philip Yordan

LV: Roy Chanslor: Johnny Guitar, 1953

Johnny Guitar (Sterling Hayden), ein gefürchteter Revolvermann, der fortan ein friedliches Leben führen möchte, will bei Vienna (Joan Crawford) arbeiten. Die Casinobesitzerin kauft, weil sie die künftige Strecke der Eisenbahn kennt, gerade wie verrückt Land auf. Und macht sich dabei einige Feinde. Unter anderem die Rancherin Emma Small (Mercedes McCambridge).

Kultwestern, dessen Titel ein Männername ist. Aber Joan Crawford ist hier der Star der in jedem Fall faszinierenden, mit viel Subtext und entsprechend vielen Interpretationsmöglichkeiten  angereicherten Show.

mit Joan Crawford, Sterling Hayden, Mercedes McCambridge, Scott Brady, Ward Bond, Ben Cooper, Ernest Borgnine, John Carradine

Wiederholung: Montag, 28. Mai, 13.40 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Johnny Guitar“

Wikipedia über „Johnny Guitar“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Nicholas Rays „Rächer der Enterbten“ (The true story of Jesse James, USA 1956)

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TV-Tipp für den 25. Oktober: Bis zum letzten Mann

Oktober 25, 2015

RBB, 23.00

Bis zum letzten Mann (USA 1948, Regie: John Ford)

Drehbuch: Frank S. Nugent

LV: James Warner Bellah: Massacre (Erzählung)

Der erste Film von John Fords bekannter Kavallerie-Trilogie („Der Teufelshauptmann“ und „Rio Grande“, beide mit John Wayne, folgten) wird heute wieder einmal in der um dreißig Minuten gekürzten deutschen Kinofassung gezeigt. „Bis zum letzten Mann“ ist eine freie Bearbeitung von Custers letzter Schlacht. Die New York Herald Tribune meinte nach der Premiere: „Eine optisch fesselnde Verherrlichung blutiger Taten.“

Nugents Drehbuch war von der WGA in der Kategorie bestes Drehbuch für einen Western nominiert.

mit John Wayne, Henry Fonda, John Agar, Ward Bond, Shirley Temple

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Fort Apache“

Wikipedia über „Fort Apache“

OFDB: Schnittbericht Deutsche Kinoversion – Originalversion (bei Schnittberichte mit Bildern)

New York Times: Besprechung von “Fort Apache” (25. Juni 1948)


Blu-Ray/DVD-Kritik: Der Western-Klassiker „Der große Treck“

März 15, 2014

 

In den ersten Tagen des Tonfilms drehte Raoul Walsh seinen Western-Klassiker „Der große Treck“ mit einem gewissen Marion Michael Morrison in der Hauptrolle. Walsh und die Fox-Produktionschefs meinten allerdings, dass dieser Name nicht gut klänge, also wurde er in den amerikanisch klingenden Namen „John Wayne“ geändert – und der Rest ist, auch wenn das Epos damals an der US-Kinokasse floppte und John Wayne erste einige Jahre später mit „Ringo/Höllenfahrt nach Santa Fé“ (Stagecoach, USA 1939) zum Star wurde, Geschichte.

Erzählt wird – wir ahnen es bei dem Titel – die Geschichte eines Trecks von Siedlern vom Mississippi nach Kalifornien und den Herausforderungen, denen sie auf dem Weg nach Westen begegnen. Ihr erfahrener Scout ist Breck Coleman (John Wayne), der auch Ärger mit dem Treckführer Red Flack hat, den er für den Mörder seines väterlichen Freundes und einiger anderer Menschen hält. Außerdem hat er ein Auge auf Ruth Cameron geworfen.

Die künstlerischen und technischen Probleme waren nun so weit gelöst, dass sich die Studios daranmachen konnten, all talking epics herzustellen. ‚The Big Trail‘ (Der große Treck, 1930, Regie: Raoul Walsh) ist bekannt geworden als der erste Film mit John Wayne in einer Starrolle. Aber er ist auch einer der ersten Tonfilm-Western, die sich mit der Rekonstruktion der Geschichte des Westens beschäftigen, ohne die Strapazen und das Leid der Pioniere zu verharmlosen.

(…) mehr eine Abfolge komponierter Tableaus als die Konstruktion einer Geschichte ist.“ (Georg Seeßlen: Filmwissen Western, 2011)

Der große Treck“ erzählt die archetypische Reisegeschichte, die seitdem unzählige Male immer wieder erzählt wurde, mal als Spielfilm, mal als TV-Serie und deren Bilder und Konflikte aus dem Bildfundus von diesem Film (und seinen inzwischen wohl ziemlich im Grab des Vergessens verschwundenen Stummfilm-Vorgängern) schöpfen. Aus heutiger Sicht ist die Kamera in der 70-mm-Fassung (aka Grandeur-Widescreenfassung oder im heutigen Sprachgebrauch Cinemascope) oft, vor allem aufgrund der damals unhandlichen Technik, ungewohnt statisch und fern der handelnden Personen. Die Halbtotale mit einer Tendenz zur Totalen herrscht vor. Auch das extrem exaltierte Spiel der Schauspieler ist noch deutlich vom Stummfilm und vom Theater beeinflusst. Die Dialoge sind reinste Theaterdialoge, vorgetragen in der entsprechenden Diktion und, wegen des raumergreifenden Spiels, ziemlich überflüssig. Auch die zahlreichen Zwischentitel weisen auf das Erbe des Stummfilms hin. Insofern ist „Der große Treck“ ein Film des Übergangs mit einprägsamen Landschaftsaufnahmen, die oft wie Bilder aus einem Fotoalbum wirken.

Der Klassiker liegt jetzt, in exzellenter Bild- und Tonqualität, in der uneingeschränkt lobenswerten „Masterpieces of Cinema“-Reihe vor. Koch Media veröffentlichte, so mein Eindruck, alle erhältlichen Fassungen des Films, vor allem natürlich die zweistündige 70-mm-Fassung und die kürzere 35-mm-Fassung, die sich auch in ihrer Laufzeit unterscheiden. Die 70-mm-Fassung besteht vor allem aus Totalen, während in der 35-mm-Fassung öfter zwischen den Schauspielern geschnitten wird. Weil die Fassungen gleichzeitig entstanden und mit verschiedenen Kameras gefilmt wurden, unterscheidet sich auch der Bildausschnitt.

Der große Treck“ war der erste Film, der im 70-mm-Format gedreht wurde, das mit seinem großen Bild die Zuschauer überwältigen sollte. Allerdings konnten damals in den USA nur wenige Kinos das Format zeigen.

Auch die gleichzeitig von Walsh gedrehte deutsche Fassung „Die große Fahrt“, in der deutsche Schauspieler die US-Schauspieler ersetzten, ist auf der DVD/Blu-Ray enthalten. Gleichzeitig drehte er eine spanische Version, während für die italienische und die französische Fassung andere Regisseure genannt werden. Diese Fassungen, die sich wiederum teilweise in der Laufzeit von der Originalversion unterscheiden, scheinen allerdings verloren zu sein.

Dazu gibt es noch eine gute Tonne Bonusmaterial und einen sehr informativen Audiokommentar von Filmjournalist Richard Schickel.

Der große Treck - Blu-ray-Cover

Der große Treck (The big Trail, USA 1930)

Regie: Raoul Walsh

Drehbuch: Jack Peabody, Marie Boyle, Florence Postal, Hal G. Evarts

mit John Wayne, Marguerite Churchill, El Brendel, Tully Marshall, Tyrone Power sr., Ward Bond

DVD

Koch Media – Masterpieces of Cinema

Bild: 2.20:1 (16:9)

Ton: Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Alternative Fassung mit deutschsprachigen Schauspielern, Trailer, 35mm-Fassung in 1.37:1, Audiokommentar von Richard Schickel, Featurettes, John Waynes Anfänge, Making of

Länge: 126 min

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der große Treck“

Turner Classic Movies über „Der große Treck“

Wikipedia über „Der große Treck“ (deutsch, englisch)

Peter Bogdanovich über Raoul Walsh (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6 [hier bespricht er „The big Trail“] – im wesentlichen Kurzkritiken von Peter Bogdanovich über die von ihm gesehenen Walsh-Filme)

Meine Besprechung von Raoul Walshs „Drei Rivalen“ (The Tall Men, USA 1955)

Raoul Walsh in der Kriminalakte


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