Neu im Kino/Filmkritik: „Ted 2“ – der Teddy will als Mensch anerkannt werden

Juni 25, 2015

Ted 2 - Teaser

Jeder Junge hat einen Teddybären. Aber nur John hat Ted, einen Teddybären, der ihn seit seiner Kindheit begleitet und alles das tut, was Jungs gerne tun: vor der Glotze abhängen, feste und flüssige Drogen zu sich nehmen, vulgär ablästern und Unfug treiben. Dummerweise ist John schon Mitte dreißig und er und Ted denken überhaupt nicht daran, sich irgendwie zu verändern. In Seth MacFarlanes Komödie „Ted“ muss John Bennet (Mark Wahlberg) dann doch erwachsen werden. Das gelang ihm auch leidlich mit Lori (Mila Kunis), die er am Ende des Films heiratete. Mit dem Segen von Ted, der auch ein Herz aus Gold hat.
„Ted“ war, vor allem dank des fluchenden Stofftieres, das sich ganz natürlich zwischen den Menschen bewegte, ein zitatenreicher Kinohit, der im Sommer 2012 weltweit fast 550 Millionen Dollar einspielte, was natürlich nach einer Fortsetzung verlangte.
Und „Ted 2“ gehört zu den gelungenen Fortsetzungen. Vieles wird vom ersten Film übernommen (Ted, die Schauspieler, die Anspielungen, der vulgäre Seth-MacFarlane-Humor). Aber die Macher erzählen eine vollkommen andere Geschichte. Während „Ted“ eine Nummernrevue war, die sich rudimentär um das Erwachsenwerden drehte und viele popkulturelle Anspielungen (vor allem zum Film) hatte, erzählt „Ted 2“ eine richtige Geschichte, der sich die Witze und Zitate (viele, sehr viele) unterordnen.
Während Johns Ehe nicht lange hielt und er immer noch Trübsal bläst (was zu dem Running Gag führt, dass sich jede gutaussehende Frau in ihn verliebt, während er überhaupt kein Interesse hat), hat Ted Tami-Lynn (Jessica Barth), seine Kollegin aus dem Supermarkt, geheiratet. Auch in deren Ehe kriselt es inzwischen und der Ehestreit zwischen Mann und Frau, der hier von Teddy und Frau durchgeführt wird, ist schon die halbe Humor-Miete. MacFarlane unterscheidet nämlich nicht zwischen dem Stofftier und den Menschen, was jeder Szene einen surrealen Touch gibt. Außerdem kann das sehr menschliche Stofftier Dinge sagen, die kein Mensch so unverblümt sagen kann.
Ted, der seine Frau wirklich liebt, schlägt ihr als ultimative Eherettungsmethode vor, dass sie ein Kind haben sollen. Tami-Lynn ist begeistert. Nachdem sich die Suche nach einem Samenspender schwieriger als gedacht gestaltet, beschließen Ted und Tami-Lynn, dass sie ein Kind adoptieren. Dabei erfährt Ted, dass er vor den Augen des Gesetzes kein Mensch, sondern eine Sache ist, die daher nichts tun darf, was ein Mensch tut. Schnell ist er arbeitslos, hat keinen Führerschein mehr und auch sonst nichts mehr.
Zusammen mit John und der Junganwältin Samantha ‚Sam‘ L. Jackson (Amanda Seyfried), frisch von der Uni (schlecht), Cannabis-Raucherin (sehr gut) und gesegnet mit einem grandiosen Namen („Sam L. Jackson“), beginnt Ted um sein Menschsein zu kämpfen.
Dieser Kampf vor Gericht und die damit mehr oder weniger zusammenhängenden Erlebnisse des Trios halten dann den Film zusammen, der deutlich, aber nebenbei, ein wichtiges Thema behandelt. Denn die Frage, was ein Mensch ist und wem die bürgerlichen Priviliegien zustehen, beschäftigt Philosophen und Juristen schon Jahrhunderte. Und wenn Tierschützer Tieren Rechte zugestehen wollen, sollte dann nicht zuerst Ted alle bürgerlichen Rechte bekommen?
Garniert wird „Ted 2“ mit vielen Kurzauftritten bekannter Schauspieler und einem Besuch der Comic-Con in New York.

Ted 2 - Plakat

Ted 2 (Ted 2, USA 2015)
Regie: Seth MacFarlane
Drehbuch: Seth MacFarlane, Alec Sulkin, Wellesley Wild
mit Mark Wahlberg, Amanda Seyfried, Jessica Barth, Sam J. Jones, Morgan Freeman, Giovanni Ribisi, Patrick Warburton, Michael Dorn, Bill Smitrovich, John Slattery, Liam Neeson, Dennis Haysbert, Patrick Stewart (Erzähler), Seth MacFarlane (Ted im Original)

Länge: 116 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Ted 2“
Moviepilot über „Ted 2“
Metacritic über „Ted 2“
Rotten Tomatoes über „Ted 2“
Wikipedia über „Ted 2“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Seth MacFarlanes „A Million Ways to die in the West“ (A Million Ways to die in the West, USA 2014)


Neu im Kino/Film- und Buchkritik: Die Western-Komödie „A Million Ways to die in the West“

Mai 29, 2014

Schon die ersten Bilder erfreuen den gestandenen Western-Fan. Denn „A Million Ways to die in the West“ beginnt – auf einer groooßen Leinwand – wie ein richtig guter, alter Cinemascope-Western: das baumlosen Monument Valley erstreckt sich vom linken bis zum rechten Bildrand, die Buchstaben sind in dieser altertümlichen Western-Schrifttype und das riesige Orchester spielt eine dieser Western-Melodien, die wir aus den John-Ford-Western kennen. Da müsste gleich John Wayne oder James Stewart durch das Bild reiten.
Aber dann kommt es doch etwas weniger klassisch. Denn Seth MacFarlane („Family Guy“, „Ted“) erzählt eine Westerkomödie, in der ein netter, belesener, kluger Schafzüchter im Mittelpunkt steht. Dass der von ihm gespielte Albert Stark auch ein Feigling ist, wird bereits in den ersten Minuten deutlich, wenn er, anstatt sich mit dem besten Schützen der Gegend auf offener Straße zu duellieren, versucht, sich aus der Situation herauszureden und sich am Ende quasi freikauft, indem er Charlie Blanche Geld für den durch seine Schafe entstandenen Schaden anbietet. Das hätte John Wayne niemals gemacht. Destry oder Ransom Stoddard, der Mann, der Liberty Valance nicht erschoss (beide gespielt von James Stewart) dagegen schon. Aber das waren auch Männer des zwanzigsten Jahrhunderts.
Kurz darauf wird Albert von seiner Freundin Louise (Amanda Seyfried) verlassen. Sie will erst einmal mit sich selbst ins Reine kommen. Denn: „Heutzutage werden die Menschen fünfundreißig und älter, da kann man sich mit dem Heiraten doch Zeit lassen.“.
Zu Tode betrügt hängt Albert mit seinem Freund Edward Phelps (Giovanni Ribisi), der mit dem Freudenmädchen Ruth (Sarah Silverman) befreundet ist, ab, als er während einer der regelmäßigen Kneipenschlägereien Anna (Charlize Theron) kennen lernt. Sie ist neu in dem Nest Old Stump. Gemeinsam verbringen sie einige schöne Tage, in denen sie Albert auch das Schießen beibringt. Denn sie ist eine begnadete Schützin und Albert hat Louises neuen Freund, den extrem schnöseligen Foy (Neil Patrick Harris), Bartträger und Inhaber der Moustacherie, zu einem Duell herausgefordert.
Außerdem ist der im ganzen Westen gefürchtete Bandit Clinch Leatherwood (Liam Neeson) auf dem Weg nach Old Stump. Zu seiner Frau Anna.
„A Million Ways to die in the West“ ist, wie schon die ersten Bilder zeigen, eine Westernkomödie von einem Regisseur, der den Western liebt, verstanden hat und die komödiantischen Aspekte des Westerns und des Lebens im Wilden Westen betont. Ein großer Teil des Humors entsteht auch durch das vollkommen unangepasste Verhalten der Charaktere.
So ist Albert Stark eigentlich ein witziger, gebildeter junger Mann, der einer Schlägerei ausweicht, weil sie dummes Macho-Gehabe ist. Heute wäre er der allseits beliebte Protagonist in einem Film. Damals, im gesetzlosen Wilden Westen und im Western, war er ein überlebensunfähiger Feigling, der bestenfalls als Sidekick, als Comic Relief, vorkommt, um den Helden in einem noch besseren Licht erstrahlen zu lassen.
Sein bester Freund Edward ist in eine Prostituierte verliebt, die zwar ihren Beruf hingebungsvoll ausübt, aber mit Edward, schließlich ist sie gläubig, erst nach ihrer Hochzeit Sex haben will. Auch Edward trennt fein säuberlich zwischen ihrer unschuldig reinen Beziehung und ihrer Arbeit.
Etliche Dialoge und Beobachtungen spielen schön mit unserem heutigem Wissen und dem damaligen Wissen. So unterhalten sie sich entspannt über die Unmöglichkeit, auf einem Photo zu lächeln (wegen der damals unglaublich langen Belichtungszeit), die frühe Sterblichkeit und die Heilkunst, die im Wilden Westen auf einem wahrhaft archaischem Niveau war. Da half auch keine Heiltinktur aus Alkohol, Kokain, Morphium, Quecksilber mit Kalk und rotem Flanell.
Das macht Laune, auch wenn es nur wenige echte Lacher, die meist mit einem plötzlichen Todesfall zusammenhängen, gibt. Insgesamt regt „A Million Ways to die in the West“, weil immer ein witziger Tonfall herrscht und die Charaktere entspannt abhängen, eher zum Schmunzeln an.
Schade ist allerdings, dass der Humor zu oft in Richtung Zote geht. Zu oft drehen sich die Witze um Sex und Fäkalien.
Mit gut zwei Stunden ist „A Million Ways to die in the West“ für eine Komödie etwas lang geraten. Immer wieder plätschert der Film, der einen strafferen Schnitt vertragen hätte, einfach so vor sich hin. Die Szenen sind oft etwas zu lang geraten, so als hätten die Macher entweder zu viel improvisiert oder als ob sie wirklich jeden Witz, der ihnen einfiel, unbedingt unterbringen wollten. Egal, ob er irgendwie die Handlung voran bringt oder nicht.
Dennoch dürfen Western-Fans sich freuen. Insgesamt ist „A Million Ways to die in the West“ eine ordentliche Western-Komödie, die sich gelungen am klassischen Western orientiert, und dann läuft der Film auch noch im Kino.
Seth MacFarlane hat auch den Roman zum Film geschrieben, der sich im Großen und Ganzen nicht vom Film unterscheidet. Aber gerade in den Details – immerhin hat hier der Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller den Roman geschrieben – unterscheidet sich der Roman beträchtlich vom Film. Szenen und Szenenteile fehlen, der Humor ist weniger fäkal-pubertär und das erste Duell ist im Roman anders als im Film.
Beim Lesen fällt auch auf, dass die Landschaftsbilder, das Deadpan-Acting und die Musik fehlen. Insofern ist der Roman eine nette und schnelle Lektüre, die aber nicht den Film ersetzen sollte.

A Million Ways to die in the West - Plakat

A Million Ways to die in the West (A Million Ways to die in the West, USA 2014)
Regie: Seth MacFarlane
Drehbuch: Seth MacFarlane, Alec Sulkin, Wellesley Wild
mit Seth MacFarlane, Charlize Theron, Amanda Seyfried, Liam Neeson, Giovanni Ribisi, Neil Patrick Harris, Sarah Silverman, Christopher Hagen, Wes Studi, Matt Clark, Rex Linn, Christopher Lloyd, Ewan McGregor
Länge: 116 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Der Roman zum Film

MacFarlane - A Million Ways to die in the West

Seth MacFarlane: A Million Ways to die in the West
(übersetzt von Edith Beleites)
Eichborn, 2014
208 Seiten
12,99 Euro

Originalausgabe
A Million Ways to die in the West
MRC II Distribution Company, 2014

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „A Million Ways to die in the West“
Moviepilot über „A Million Ways to die in the West“
Metacritic über „A Million Ways to die in the West“
Rotten Tomatoes über „A Million Ways to die in the West“
Wikipedia über „A Million Ways to die in the West“ (deutsch, englisch)


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