TV-Tipp für den 15. Juni: Elliot, der Drache

Juni 14, 2019

Sat.1, 20.15

Elliot, der Drache (Pete’s Dragon, USA 2016)

Regie: David Lowery

Drehbuch: David Lowery, Toby Halbrooks (basierend auf einem Drehbuch von Malcolm Marmorstein und einer Geschichte von Seton I. Miller und S.S. Field)

Mr. Meacham (Robert Redford) erzählt den Dorfkindern Geschichten von einem Drachen, den er vor Jahren in den umliegenden Wäldern gesehen hat.

Eine Legende, bis seine Tochter Grace (Bryce Dallas Howard) im Wald den zehnjährigen Pete (Oakes Fegley) entdeckt, der behauptet, dass er die vergangenen Jahre im Wald von einem Drachen, den er Elliot nennt, behütet wurde. Und Elliot will das auch weiter tun.

Elliot, der Drache“ ist, wie man es von Disney erwartet, ein gelungener, liebenswert-charmanter Kinderfilm, der sein Publikum ernst nimmt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

David Lowery gehört zu den interessantesten unauffälligen Regisseuren, die gelungen zwischen Independent- und Mainstream-Kino wechseln. Er inszenierte „St. Nick“ (2009), „The Saints – Sie kannten kein Gesetz“ (Ain’t Them Bodies Saints, 2013), „Elliot, der Drache“ (Pete’s Dragon, 2016), „A Ghost Story“ (2017) und „Ein Gauner & Gentleman“ (The Old Man & the Gun, 2018), Robert Redfords wundervolle Abschiedsvorstellung (bis zu seinem nächsten Film).

mit Bryce Dallas Howard, Oakes Fegley, Robert Redford, Wes Bentley, Karl Urban, Oona Laurence

Wiederholung: Sonntag, 16. Juni, 16.50 Uhr

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Elliot, der Drache“

Metacritic über „Elliot, der Drache“

Rotten Tomatoes über „Elliot, der Drache“

Wikipedia über „Elliot, der Drache“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Lowerys „Elliot, der Drache“ (Pete’s Dragon, USA 2016)

Meine Besprechung von David Lowerys „A Ghost Story“ (A Ghost Story, USA 2017)

Meine Besprechung von David Lowerys „Ein Gauner & Gentleman“ (The Old Man & the Gun, USA 2018)

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Neu im Kino/Filmkritik: „Mission: Impossible – Fallout“ überzeugt

August 2, 2018

Einerseits: Wow!

Andererseits: Angesichts des überschwänglichen Kritikerlobs in Richtung „bester Actionfilm des Jahres“ und des 97-prozentigen Frischegrades bei „Rotten Tomatoes“ muss ich jetzt die Erwartungen dämpfen. „Mission: Impossible – Fallout“ ist kein das Genre verändernder Film und auch kein künftiger Klassiker. Aber es ist eine zweieinhalbstündige Actionsause, in der sich, fast ohne Verschnaufpausen, eine spektakuläre Actionszene an die nächste spektakuläre Actionszene anschließt. Diese Actionszenen sind in der alten James-Bond-Tradition zwar unglaublich und unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Das unterscheidet sie von den Actionszenen in den unzähligen Superheldenfilmen, die nur mit viel Computerhilfe entstehen können und die deshalb letztendlich auch nicht so beeindruckend wie handgemachte Actionszenen sind. Die beiden „John Wick“-Filme und „Atomic Blonde“ zeigten in den letzten Jahren den Hunger der Actionfans nach solchen Old-School-Actionszenen.

Ein zweiter sehr wichtiger Unterschied zur Action in Superheldenfilmen ist, dass Tom Cruise die Stunts selbst macht. Soweit wie möglich. Er kann sich da, wie ein Kind im Wunderland, austoben. Er darf all die Dinge machen, die ein normaler Mensch nicht machen darf, wie durch Paris zu rasen, über Dächer laufen, an Hubschraubern hängen, Hubschrauber durch Berge fliegen und aus Flugzeugen zu springen. Für diese HALO-Sprung aus über 8000 Meter Höhe wurde ein besonderer Helm entworfen, damit man sieht, dass er und nicht irgendein Stuntman durch die Luft fliegt. Manchmal geht auch etwas schief, wie bei dem Sprung in London, bei dem Cruise sich den Knöchel brach. Die ungeschnittene Szene ist inzwischen online. Geplant war, dass er läuft, zum gegenüberliegenden Haus springt, gegen die Hauswand prallt (Autsch!), sich hochzieht und weiterläuft.

Regisseur Christopher McQuarrie sagt zu den Stunts: „Tom ist immer bereit, bei allem mitzumachen, was wir uns einfallen lassen. Man muss nur immer zusätzlich noch einen Weg finden, die Kameras so zu platzieren, dass man sieht, dass es tatsächlich der Star des Films ist, der diese Stunts absolviert.“

Und die Action ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Teil der Handlung. Sie treibt die Geschichte voran, die in ihren großen Linien nicht so wahnsinnig aufregend ist. Hunt muss gestohlenes Plutonium finden, bevor es in die Hände von einer Terrorgruppe fällt. Die brauchen es für drei Atombomben, die einen großen Teil der Menschheit vernichten sollen. Das ist ein typischer „Mission: Impossible“/“James Bond“-Plot, bei dem meistens auch schnell die Bösewichter und ihre Helfer bekannt sind. In diesem Fall steckt der aus dem vorherigen „Mission: Impossible“-Film „Rogue Nation“ bekannte Solomon Lane (Sean Harris) dahinter.

Aber in den Details wird dieser Plot sehr interessant ausgemalt. Gleichzeitig gibt es einige Verbindungen zu den früheren „Mission: Impossible“-Filmen, die das Herz des fanatischen Fans erfreuen, ohne dass das Verständnis des aktuellen Films darunter leidet. So ist die Waffenhändlerin Alana, genannt „Die weiße Witwe“ (Vanessa Kirby), die Tochter der Waffenhändlerin Max (Vanessa Redgrave) aus dem ersten „Mission: Impossible“-Film. Hunts Frau Julia (Michelle Monaghan) ist wieder dabei. Ihr Auftritt ist zwar kurz, aber wichtig für diese Geschichte. Ebenso sind Luther Stickell (Ving Rhames, von Anfang an dabei), Benji Dunn (Simon Pegg), ihr Chef Alan Hunley (Alec Baldwin) und die MI6-Agentin Ilsa Faust (Rebecca Ferguson) wieder dabei. Ihre Rolle in dem Spiel ist allerdings zunächst unklar.

Es gibt auf der Seite der Guten auch zwei wichtige Neuzugänge: Erika Sloane (Angela Bassett, hoffnungslos unterfordert) ist die neue CIA-Chefin, die ein natürliches Misstrauen gegen Hunts unkontrollierbare Einheit hat. August Walker (Henry Cavill) ist der von ihr beauftragte schlagkräftige CIA-Aufpasser für Hunt und seine globetrottende Rasselbande.

Hunt lehnt die brachialen und oft letalen Methoden des CIA-Killers ab und würde den aktuellen Auftrag auch lieber ohne den Aufpasser absolvieren. Walker ist dabei von der ersten Minute an so over the top inszeniert und, wenn er Hunts Arbeit bewusst oder unbewusst sabotiert, so intrigant, dass unklar ist, ob er wirklich in Hunts Team spielt. In jedem Fall steht Hunt immer wieder wie ein von der Situation hoffnungslos überforderter Trottel da. Die Dynamik zwischen den beiden gegensätzlichen Charakteren, die notgedrungen zusammenarbeiten müssen (wobei Walker auch ordentlich gegen Hunt arbeitet) verleiht den Actionszenen eine zusätzliche Dynamik, weil sie mit Problemen anders umgehen. Und dann kommt noch Faust und Lane dazu, die ebenfalls einen anderen Umgang mit Problemen haben.

McQuarrie, der, im Gegensatz zur „Mission: Impossible“-Tradition, einen zweiten „Mission: Impossible“-Film inszenieren durfte, setzt eine andere Tradition fort, die vorher durch die Regisseure Brian De Palma, John Woo, J. J. Abrams und Brad Bird garantiert wurde. Nämlich dass sich jeder „Mission: Impossible“-Film stilistisch von dem anderen unterscheidet.

Während McQuarries erster „Mission: Impossible“-Film „Rouge Nation“ sich stilistisch bei den Bond-Filmen und den britischen Agentenfilmen bediente, geht es jetzt hemmungslos in Richtung Breitwand-Actionepos. Mit 150 Minuten ist es der längste „Mission: Impossible“-Film. Es ist auch der erste in 3D. Leider. Denn die 3D-Effekte sehen gruselig aus, nerven oft und stören die Komposition der Actionszenen so sehr, dass ich unbedingt die 2D-Fassung empfehle. Oder die IMAX-Fassung.

Wie gesagt: „Mission: Impossible – Fallout“ ist eine feine und, trotz der Laufzeit, enorm kurzweilige und effiziente Actionsause, die bei den aktuellen Temperaturen in einem gut gekühlten Kinosaal einen zusätzlichen Reiz entfaltet.

Der sich schon jetzt abzeichnende Kassenerfolg und die Möglichkeiten, die das Ende von „Fallout“ für weitere „Mission: Impossible“-Filme eröffnet, sprechen für einen weiteren „Mission: Impossible“-Film. In den USA hat der sechste Film der Serie mit über sechzig Millionen Dollar das beste Einspielergebnis der „Mission: Impossible“-Filme am Startwochenende. Und das bisherige weltweite Einspielergebnis übertrifft schon jetzt sein Budget von gut 180 Millionen Dollar..

Mission: Impossible – Fallout (Mission: Impossible – Fallout, USA 2018)

Regie: Christopher McQuarrie

Drehbuch: Christopher McQuarrie (basierend auf der TV-Serie von Bruce Geller)

mit Tom Cruise, Henry Cavill, Ving Rhames, Simon Pegg, Rebecca Ferguson, Sean Harris, Angela Bassett, Vanessa Kirby, Wes Bentley, Frederick Schmidt, Michelle Monaghan, Alec Baldwin

Länge: 148 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Mission: Impossible – Fallout“

Metacritic über „Mission: Impossible – Fallout“

Rotten Tomatoes über „Mission: Impossible – Fallout“

Wikipedia über „Mission: Impossible – Fallout“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brad Birds „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ (Mission: Impossible – Phantom Protocoll, USA 2011)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Rouge Nation“ (Mission Impossible: Rouge Nation, USA 2015)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Jack Reacher“ (Jack Reacher, USA 2012)


TV-Tipp für den 13. März: Pioneer (bzw. „Pionier“)

März 13, 2017

Arte, 22.05

Pioneer (Pioneer, Norwegen/Deutschland/Schweden/Frankreich/Finnland 2013)

Regie: Erik Skjoldbjærg

Drehbuch: Hans Gunnarson, Kathrina Valen Zeiner, Cathinka Nicolaysen, Nikolaj Frobenius, Erik Skjoldbjærg

Taucher Petter will herausfinden, warum sein Bruder Knut bei einem Probetauchgang in 320 Meter Tiefe starb – und wir erfahren mehr als wir jemals wissen wollten, über den norwegischen Ölboom in den siebziger Jahren, wie Taucher in bislang unerreichte Tiefen vorstießen, um die Pipeline zum Öltransport in der Nordsee zu verlegen und was die US-Amerikaner damit zu tun hatten.

Auf Tatsachen basierender, hochspannender Paranoia-Thriller mit einem Killer-Ende.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Arte kündigt den Film teilweise als „Pionier“ an; der Kinotitel war „Pioneer“.

mit Aksel Hennie, Wes Bentley, Stephen Lang, Stephanie Sigman, Jorgen Langhelle, Ane Dahl Torp, Jonathan LaPaglia

Wiederholung: Donnerstag, 23. März, 23.55 Uhr

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Pioneer“
Moviepilot über „Pioneer“
Metacritic über „Pioneer“
Rotten Tomatoes über „Pioneer“
Wikipedia über „Pioneer“

Meine Besprechung von Erik Skjoldbjærgs „Pioneer“ (Pioneer, Norwegen/Deutschland/Schweden/Frankreich/Finnland 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: „Elliot, der Drache“ aus dem Haus Disney und garantiert kinderlieb

August 26, 2016

Robert Redford, der inzwischen achtzigjährige Kinostar der siebziger Jahre, der immer wieder jahrelang keinen Film drehte, hat in den letzten Jahren ein beeindruckendes Arbeitspensum vorgelegt und bei dem Ein-Personen-Seglerdrama „All is lost“ sogar einen ganzen Film mit einer auch körperlich anstrengenden Rolle gestemmt. Da ist die Rolle von Mr. Meacham, bei dem die größte Gefahr darin bestand, sich beim Holzschnitzen zu schneiden, einfach dagegen.

Mr. Meacham ist der bei den Kindern von Milhaven, einer Kleinstadt im Pazifischen Nordwesten, beliebte Märchenonkel. Denn er erzählt ihnen Geschichten von einem Drachen, der in den Wäldern lebt und den er vor langer, langer Zeit gesehen hat.

Seine Tochter Grace (Bryce Dallas Howard), die als Försterin arbeitet, hält das, wie alle vernünftigen Erwachsene, für ein Märchen. Denn Drachen gibt es nicht.

Zur gleichen Zeit lebt Pete (Oakes Fegley) seit dem tödlichen Autounfall seiner Eltern vor sechs Jahren im Wald. Beschützt, behütet und befreundet mit einem Drachen.

Als Graces Freund und Sägewerkbesitzer Jack (Wes Bentley), dessen jüngerer Bruder Gavin (Karl Urban) und deren Männer den Wald abholzen, wird Pete entdeckt. Grace nimmt das zehnjährige Findelkind auf und weil auch „Elliot, der Drache“, Pete folgt, ist das beschauliche Milhaven-Kleinstadtleben zwischen Unglauben („Drachen gibt es nicht!“) und Sensationsgier bald vorbei. Denn Gavin will den Drachen fangen und zu Geld machen.

Elliot, der Drache“ ist ein sehr loses Remake von „Elliot, das Schmunzelmonster“ (USA 1977), einem Disney-Musical mit einem gezeichneten Drachen und realen Menschen. Für den neuen Film erfanden Toby Halbrooks und David Lowery, der auch Regie führte, eine komplett neue Geschichte, die in einer zeitlich nicht näher spielenden Vergangenheit ohne Handys und Computer spielt und die bis auf die Beziehung zwischen Pete und Elliot nichts mit dem 1977er-Film zu tun hat. Deshalb bringt es auch nichts, die Filme miteinander zu vergleichen und den einen Film gegen den anderen auszuspielen. In dem Remake wurde außerdem auf das Singen verzichtet und Elliot ist ein CGI-Drache, der daher ziemlich echt aussieht, aber keine Angst einflößt, weil er Kinder liebt, selbst ziemlich kindisch ist und gerne quitschvergnügt durch die unendlichen nordamerikanischen Wälder pflügt und über sie hinwegfliegt.

Die nach Petes Entdeckung in Graces Familie und Umfeld entstehenden Konflikte, wie die Frage nach Bewahrung oder Nutzbarmachung der Natur und des Umgangs mit Elliot, werden etwas plakativ in ein simples Gut-Böse-Schema gepresst. Das ist dann für Erwachsene zu banal und auch etwas zu eindimensional. Aber für sie ist „Elliot, der Drache“ nicht gemacht. Obwohl auch sie sich, wie Pete und Elliot, mit der Frage, wo sie hingehören, beschäftigen können.

Elliot, der Drache“ ist, wie man es von Disney erwartet, ein gelungener, liebenswert-charmanter Kinderfilm, der sein Publikum ernst nimmt.

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Elliot, der Drache (Pete’s Dragon, USA 2016)

Regie: David Lowery

Drehbuch: David Lowery, Toby Halbrooks (basierend auf einem Drehbuch von Malcolm Marmorstein und einer Geschichte von Seton I. Miller und S.S. Field)

mit Bryce Dallas Howard, Oakes Fegley, Robert Redford, Wes Bentley, Karl Urban, Oona Laurence

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „Elliot, der Drache“

Metacritic über „Elliot, der Drache“

Rotten Tomatoes über „Elliot, der Drache“

Wikipedia über „Elliot, der Drache“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Der neue Terrence-Malick-Film „Knight of Cups“

September 10, 2015

„Knight of Cups“ ist eine Tarotkarte, die bei uns „Ritter der Kelche“ heißt und die eine positive Veränderung bedeutet – aber das habt er, erstens, alle gewusst und, zweitens: Warum sollte ein Film in Deutschland (auch wenn er synchronisiert ist) einen deutschen Titel haben? Die neue CD deiner Lieblingsband erscheint ja auch weltweit unter dem gleichen Titel.
Das gesagt, können wir uns dem neuen Werk von Terrence Malick zuwenden, dessen neuen Film Cineasten dreißig Jahre lang herbeisehnten und der innerhalb weniger Jahre mit drei Filmen seinen Ruf ziemlich ruinierte. „Knight of Cups“ unterscheidet sich kaum von „The Tree of Life“ (2011) und „To the Wonder“ (2012). Wobei mir „Knight of Cups“ etwas besser als die beiden vorherigen Filme gefällt. Wahrscheinlich, weil ich inzwischen weiß, was mich inzwischen bei einem Malick-Film erwartet, weil „Knight of Cups“ etwas konzentrierter als die beiden Vorgänger ist (immerhin steht dieses Mal nur ein Mann im Mittelpunkt und alles dreht sich um ihn) und weil dieses Mal die penetrant christlich erweckte Botschaft fehlt. Eine Geschichte ist, wieder einmal, im pathetischen Rausch der Bilder und dem darüber gelegtem bedeutungsschwangeren Kommentar (im Original von Sir Ben Kingsley meditativ ruhig gesprochen) nicht erkennbar. Es geht um einen Mann, der mit seinem Leben unzufrieden ist und der vor einer Entscheidung steht. Im Presseheft wird diese Storyskizze zwar ausführlicher formuliert, aber es ist nur eine mögliche Interpretation der Bilder. Denn dass Rick (Christian Bale) ein erfolgreicher Comedy-Drehbuchautor ist, ist für den Film reichlich unerheblich. Rick könnte irgendeinen Beruf irgendwo haben. Es würde nichts ändern.
Und dass er versucht, den Sinn seines Lebens zu finden, liest sich zwar gut, aber da Malick überhaupt nicht mehr an einer konventionellen Narration interessiert ist, will er dieser Sinnsuche auch keinen eindeutigen Sinn (über den man dann streiten könnte) geben, sondern er erzählt, offen für alle Interpretationen, locker (aber mit vielen gutaussehenden Frauen, die für Rick mehr oder weniger wichtig sind) in der Chronologie hin und herspringend, ohne irgendeinen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung (so wird Rick in seiner Wohnung überfallen, aber für den folgenden Film ist es egal), von einem Mann, der versucht irgendeinen Sinn in den ihm zustoßenden Ereignissen zu finden, der an seinem Leben zweifelt und der nicht weiß, was er wie ändern soll. Falls er überhaupt etwas ändern will.
Es ist vor allem die essayistische Beschreibung eines Stillstandes, die – so das Presseheft – in einem Aufbruch endet. Ein Aufbruch, der auch einfach nur der nächste Tagestrip in die vor Los Angeles gelegene Wüste sein könnte.
Und so hat „Knight of Cups“ wieder schöne Bilder (Emmanuel Lubezki ist wieder der Kameramann), deren Komposition ausschließlich ästhetischen Prinzipien folgt. Denn sonst ist nicht erklärbar, warum in einem nur in Los Angeles und Las Vegas (es gibt einen Ausflug in die Spielerstadt, der aber keine Auswirkung auf die Narration hat) spielendem Film plötzlich Bilder aus Berlin zu sehen sind. Aber das hat uns bei dem letzten Superheldenfilm auch nicht gestört.
Für den geneigten Zuschauer gibt es einige Denkanstöße, die, wieder einmal, weitgehend, im Ungefähren bleiben. Das kann dann, wie eine Predigt, jeden Zuhörer ansprechen. Oder wegen der Platitüden endlos langweilen.
Mir jedenfalls sagte „Knight of Cups“, wie schon „The Tree of Life“ und „To the Wonder“ nichts. Aber ich gehöre auch nicht mehr zu der Gemeinde der ihren Meister blind verehrenden Gemeinde der Malick-Gläubigen.
Fun Fact: Der US-Kinostart ist voraussichtlich am 4. März 2016. Die Weltpremiere war bereits dieses Jahr auf der Berlinale.

Knight of Cups - Plakat

Knight of Cups (Knight of Cups, USA 2015)
Regie: Terrence Malick
Drehbuch: Terrence Malick
mit Christian Bale, Cate Blanchett, Natalie Portman, Antonio Banderas, Brian Dennehy, Wes Bentley, Isabel Lucas, Teresa Palmer, Joel Kinnaman, Jason Clarke, Ryan O’Neal, Armin Müller-Stahl (etliche Auftritte sind eher Cameos), Ben Kingsley (Erzähler in der Originalfassung)
Länge: 118 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Knight of Cups“
Moviepilot über „Knight of Cups“
Metacritic über „Knight of Cups“
Rotten Tomatoes über „Knight of Cups“
Wikipedia über „Knight of Cups“ (deutsch, englisch)
Berlinale über „Knight of Cups“

Meine Besprechung von Terrence Malicks „To the Wonder“ (To the Wonder, USA 2012)

Meine Besprechung von Dominik Kamalzadeh/Michael Peklers “Terrence Malick” (2013)

Terrence Malick in der Kriminalakte

Die Berlinale-Pressekonferenz

Und das Teaser-Plakat, das mir besser gefällt

Knight of Cups - Teaser


Neu im Kino/Filmkritik: „Interstellar“ – oder Planetenhopping mit Christopher Nolan

November 6, 2014

Mit seiner „Batman“-Trilogie und „Inception“ zeigte Christopher Nolan, dass Blockbuster nicht hirnentleerter Lärm sein müssen. Etwas Nachdenken ist durchaus erlaubt. Auch sein neuester Film „Interstellar“, ein gut dreistündiger Science-Fiction-Film, der eine wichtige Botschaft hat (wir zerstören unsere Umwelt), eine Utopie formuliert (die Rettung liegt in den Sternen, ähm, auf einem anderen Planeten in einer anderen Galaxie) und ein Ende hat, das in vielen Kritiken sicher unzählige Vergleiche mit Stanley Kubricks Meisterwerk „2001: Odyssee im Weltraum“, dem Science-Fiction-Klassiker schlechthin, provoziert und die Fallhöhe anzeigt.
Nolans Film beginnt im US-amerikanischem Getreidegürtel, wo die Farmer gegen die Widrigkeiten der Umwelt kämpfen und, wie wir erst etwas später erfahren, die Menschheit sich inzwischen vollkommen von der Raumfahrt verabschiedete. Diesen Luxus kann man sich nicht leisten, wenn gerade jede Gehirnzelle für den konventionellen Anbau von Nahrungsmitteln gebraucht wird. Die Farmer produzieren so viele Lebensmittel wie möglich, um das Überleben der Menschheit zu garantieren. Allerdings werden durch Umweltkatastrophen auch viele Ernten zerstört. Und eine andere Methode, um die Menschheit zu Ernähren (zum Beispiel Astronautennahrung), gibt es nicht.
Es ist irgendwie eine apokalyptische Welt, in der die wenigen Menschen, die wir kennen lernen, im Korngürtel einfach noch so leben, als habe sich die letzten fünfzig Jahre nichts verändert. Es gibt auch keine TV-Nachrichten von anderen Gebieten, sondern nur willkürlich eingeblendete Erzählungen von alten Menschen, die von dieser Umweltkatastrophe, die sie vor Jahrzehnten erlebten, erzählen. In diesen Momenten findet Nolan eindrücklich-apokalyptische Bilder von Stürmen, Staub und Dreck, der sich innerhalb weniger Sekunden überall in der Wohnung ablagert. Wir erfahren auch nicht, wie der Staat organisiert ist. Sowieso verschwenden die Nolan-Brüder, abgesehen von lauschigen Sonnenuntergängen über Kornfeldern, keinen Gedanken an eine differenzierte Utopie und daran, wie eine Welt aussieht, in der es zu einer Klimakatastrophe kommt und die Welt zunehmend unbewohnbarer wird.
Im Mittelpunkt des Films steht Cooper (Matthew McConaughey), der früher Raumfahrer war und jetzt mit seinem Vater (John Lithgow) und seinen beiden Kindern Farmer ist. Aber in seinem Herzen ist er immer noch ein Bastler und Forscher. Er ist die vernünftige Ausgabe von Mark Wahlberg in „Transformers: Ära des Untergangs“.
Coopers Tochter Murph (Mackenzie Foy) glaubt, dass ein Geist ihr in ihrem Zimmer Zeichen gibt. Als sich die Zeichen in einer bestimmten Form anordnen, können Cooper und Murph sie entschlüsseln. Die Spur führt sie zu einer geheimen, unterirdischen Station der NASA, wo er seinen alten Freund Professor Brand (Michael Caine) trifft, der ihm ein Angebot macht, das er nicht ablehnen kann (auch weil dann der Film bereits nach ungefähr 45 Minuten zu Ende gewesen wäre). Cooper soll der Pilot einer Raumfahrtmission durch ein Wurmloch, das zufälligerweise am Rand unseres Sonnensystems aufgetaucht ist, sein. Brand hat schon einmal einige Raumfahrer durch das Loch geschickt und ihre rudimentären Signale lassen darauf schließen, dass es auf der anderen Seite des Wurmlochs für Menschen bewohnbare Planeten gibt. Brand glaubt auch, dass dieses Wurmloch nicht zufällig aufgetaucht ist, sondern dass es ein Signal von einer anderen, uns freundlich gesonnenen Spezies ist, die uns helfen wollen. Warum die Aliens dann nur ein Wurmloch im Weltall platzieren, das leicht übersehen oder falsch interpretiert werden kann und warum die Aliens uns nicht gleich helfen, beantworten die Nolans nicht. Aber sie sagen uns, dass die Zeit auf der anderen Seite des Wurmlochs langsamer vergeht, sie daher ihre Familie wahrscheinlich nie wieder sehen werden und, falls doch, ihre Kinder viel älter sind.
Jedenfalls könnte das, wenn sie schnell genug einen bewohnbaren Planeten finden, die Rettung der Menschheit sein. Cooper fliegt mit Amelia (Anne Hathaway), Romily (David Gyasi), Doyle (Wes Bentley) und einem sprechendem Roboter (kein Kommentar) los – und mehr will ich jetzt nicht verraten. Außer dass bis dahin ungefähr eine Stunde nicht sonderlich spannende Filmzeit vorbei ist (Nolan muss einfach nicht mehr ökonomisch erzählen), und er später zwischen den Erlebnissen von Cooper auf verschiedenen Planeten auf der einen Seite des Wurmlochs und seinen Hinterbliebenen auf der Erde hin und herspringt. Dabei sind die Erlebnisse von Jessica Chastain (als seine erwachsene Tochter Murph) und Casey Affleck (als sein erwachsener Sohn Tom) eher banal und die Auflösung, irgendwo zwischen irrationalen Zeitsprüngen, Wurmlöchern und Reisen durch Dimensionen nicht besonders überzeugend.
Denn während Stanley Kubrik und Arthur C. Clarke sich in „2001“ überhaupt nicht bemühten, das Ende zu erklären (obwohl Clarke später mehrmals in die „2001“-Welt zurückkehrte und die Geschichte weiter erzählte), wirkt das Ende von „Interstellar“ als ob Jonathan und Christopher Nolan zuerst alles detailliert und schlüssig auflösen wollten, aber ziemlich schnell, wie kleine Kinder, die ihr Zimmer aufräumen sollen, die Lust verloren. So endet „Interstellar“ halbherzig zwischen rationaler Aufklärung und fantastischem Ende, das so wenig überzeugt, wie der gesamte Film, der zu lang, zu zerfasert und zu konfus ist, um als Science-Fiction-Film zu überzeugen. Als Familiendrama zwischen Cooper und seinen beiden Kindern überzeugt er auch nicht.
Die Charaktere bleiben blass – und so auch die Schauspieler. Sie sind gefangen in einer Geschichte, in der Beziehungen, falls es sie überhaupt gibt, nur behauptet sind. Nur Coopers Beziehung zu seiner Tochter ist glaubwürdig. Jedenfalls am Anfang, wenn er als Vater seiner Tochter die Welt zeigt und sie lehrt, rational an Phänomene heranzugehen. Aber schon in diesen Momenten ist er der unbändige Forscher, der unbedingt neue Welten erforschen will; wenn er nicht gerade Computer für seine Traktoren und eine Drohne programmiert. Wenn er später, im Raumschiff, nur noch Videobotschaften von ihr, die inzwischen erwachsen ist, empfängt, wird sie zunehmend ein hölzerner Hinweis darauf, dass die Raumfahrer eine wichtige Mission haben und sich beeilen müssen, um die Welt zu retten.
Die Tricks sind, für eine Produktion, die 165 Millionen Dollar gekostet haben soll, erschreckend schlecht und die Musik von Hans Zimmer ist so laut, dass ich mich beim Ansehen fragte, ob IMAX-Filme einfach immer infernalisch laut sein müssen. Es gibt nämlich auch von „Interstellar“ eine IMAX-Fassung (größeres, fast quadratisches Bild), die in Deutschland in zwei Kinos läuft.

Interstellar - Hauptplakat

Interstellar (Interstellar, USA/Großbritannien 2014)
Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Jonathan Nolan, Christopher Nolan
mit Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain, Casey Affleck, David Gyasi, John Lithgow, Bill Irwin, Ellen Burstyn, Michael Caine, Matt Damon, Wes Bentley, Mackenzie Foy, Topher Grace, David Oyelowo, William Devane
Länge: 169 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
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Rotten Tomatoes über „Interstellar“
Wikipedia über „Interstellar“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Pioneer“ oder Tiefseetauchen und Sterben für Öl und Norwegen

Oktober 31, 2014

„Pioneer“ ist der neue Film von Erik Skjoldbjærg, dessen Spielfilmdebüt „Todesschlaf“ (Insomnia, 1997) fünf Jahre später von Christopher Nolan ein Hollywood-Remake erhielt, das dem Original nichts Wesentliches hinzufügte. Auch für „Pioneer“ hat Hollywood sich schon die Remake-Rechte gesichert. George Clooney ist als Produzent im Gespräch.
„Pioneer“ basiert, wie „Pride“, auf wahren Ereignissen, die sich in den frühen Achtzigern ereigneten. Aber es ist kein Feelgood-Movie, sondern ein altmodischer Paranoia-Thriller.
Mitte der Siebziger, kurz nach der Ölkrise, die uns in Deutschland autofreie Sonntage bescherte, wurden auch vor Norwegen in der Nordsee riesige Öl- und Gasvorkommen entdeckt. Norwegen will diesen neuen Reichtum bergen. Dummerweise liegt das Öl so weit unter der Meeresoberfläche, dass die Förderung extrem schwierig ist, weil es keine Erfahrungen mit Tauchgängen in diesen Tiefen gibt und die Anlagen vor Ort montiert und zusammengeschweist werden müssen. Auch heute, gut vierzig Jahre später, liegen die Rekorde beim Tiefseetauchen bei 332 Meter im Gerätetauchen und, seit 2006, bei 610 Metern beim Tauchen mit einem Panzertauchanzug.
Diese gefährliche Arbeit wird von Tiefseetauchern, wie Petter (Aksel Hennie) und seinem Bruder Knut (André Eriksen) erledigt, denen wir zum ersten Mal bei einem simuliertem Tauchgang bis 500 Meter Tiefe in einer Dekompressionskammer begegnen. Dabei soll getestet werden, ob und wie Menschen in dieser Tiefe überleben können und wie sich ihre Wahrnehmung verändert. Schon bei diesen simulierten Tauchgängen arbeitet die norwegische Regierung, die das Nordseeöl fördern will, mit der US-amerikanischen Firma Deep Sea Diving zusammen, die den Tauchern eine spezielle Sauerstoffmischung gab, die sie wie den Heiligen Gral hütete.
Als Petter und Knut drei Monate später den ersten Tauchgang des Projekts auf offener See unternehmen, geschieht in 320 Meter Tiefe ein Unfall, bei dem Knut stirbt. Ferris (Stephen Lang), der Leiter des US-Unternehmens, und seine norwegischen Kollegen versuchen Petter, der sich für den Tod seines Bruders verantwortlich fühlt, zu beruhigen. Unfälle passieren halt. Niemand ist dafür verantwortlich.
Aber Petter stellt Fragen. Denn er glaubt, dass es kein bedauerlicher Unfall war, sondern dass Knuts Tod vermeidbar gewesen wäre.
„Pioneer“ steht gelungen in der Tradition des US-Polit-Thrillers der siebziger Jahre. Erik Skjoldbjærg nennt als Inspiration „Der Dialog“, „Chinatown“ und „Die Unbestechlichen“. Er hätte auch noch „Zeuge einer Verschwörung“ und „Die heiße Spur“ nennen können und wie viele dieser Filme zieht er einen beträchtlichen Teil seiner Spannung aus dem Nichtwissen um die Hintergründe und der Paranoia des Protagonisten. Bis zum Schluss läßt uns Skjoldbjærg nämlich im Ungewissen darüber, ob Petter wirklich einer großen Verschwörung auf der Spur ist oder ob er einfach nur von Schuldgefühlen geplagt ist und diese auf Ferris und die anderen US-Amerikaner lenkt. Es ist auch unklar, wie sehr seiner Wahrnehmung vertraut werden kann. Also ob er nicht nur paranoid ist, sondern Halluzinationen hat.
Und wenn am Filmende das ganze Ausmaß der Verschwörung deutlich wird, wirft Erik Skjoldbjærg elegant die vorherigen Gewissheiten über Bord.
Heute verdankt Norwegen seinen Reichtum dem Nordseeöl. 2013 stellte der Europäische Gerichtshof fest, dass es mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen bei Tauchgängen gab, die zum Tod von Tauchern führten.

Pioneer - Plakat

Pioneer (Pioneer, Norwegen/Deutschland/Schweden/Frankreich/Finnland 2013)
Regie: Erik Skjoldbjærg
Drehbuch: Hans Gunnarson, Kathrina Valen Zeiner, Cathinka Nicolaysen, Nikolaj Frobenius, Erik Skjoldbjærg
mit Aksel Hennie, Wes Bentley, Stephen Lang, Stephanie Sigman, Jorgen Langhelle, Ane Dahl Torp, Jonathan LaPaglia
Länge: 107 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

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Film-Zeit über „Pioneer“
Moviepilot über „Pioneer“
Metacritic über „Pioneer“
Rotten Tomatoes über „Pioneer“
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