Mark Millars neue Werke „Jupiter’s Circle“ und „The Magic Order“

September 11, 2019

Im August 2017 kaufte Netflix Mark Millars Comiclabel Millarworld. Seitdem darf Netflix die meisten bei Millarworld bereits veröffentlichten Geschichten verfilmen und auch anderweitig weiterverwenden. Bis auf „Kick-Ass“ und „Kingsman“. Außerdem präsentiert Millar seine künftigen Ideen zuerst Netflix. Einige dieser Ideen darf er zuerst als Comic veröffentlichen.

The Magic Order“ ist das erste Werk, das er unter dem neuen Vertrag veröffentlichte und die Absicht, die Geschichte als Vorlage für eine TV-Serie zu nehmen, ist ihm überdeutlich anzusehen. Auch wenn Millar bei den Werken, über die er die kreative Kontrolle hat, schon immer, und ziemlich oft erfolgreich, auf eine Verfilmung spekulierte.

Im Mittelpunkt von „The Magic Order“ steht die Familie Moonstone. Sie sind Zauberer, die mit ihren magischen Kräften unsere Welt vor Monstern und sonstigem Unheil beschützen. Wie jede Familie hat sie Ärger mit ihren Kindern, die nicht das Familienerbe übernehmen wollen. Eine Tochter ist drogensüchtig. Ein Sohn hat die Zauberei zugunsten eines bürgerlichen Lebens aufgegeben. Trotzdem sind die Moonstones die Vorsitzenden des Magischen Ordens.

Aber jetzt hat Madame Albany, die die Macht über den Orden übernehmen will, einen Zaubererkiller entfesselt, der auch die besten Magier tötet.

Doch bevor dieser Kampf wirklich beginnt, vergeht viel Zeit, in der Millar die Moonstone-Großfamilie und die anderen Zauberer und ihre fantastische, neben und in der uns bekannten Welt existierenden Welt, vorstellt.

Das liest sich, dank Millars Humor und Ideenreichtum beim Ausmalen der Welt des magischen Ordens, vergnüglich, aber auch immer wie die Pilotfolge einer TV-Serie, in der uns erst einmal alle Charaktere vorgestellt werden. Diese Serie soll es auch geben und James Wan soll die Pilotfolge inszenieren.

Im Januar 2019 kündigte Millar bereits eine Comicfortsetzung von „The Magic Order“ an.

Jupiter’s Circle“ erschien bereits 2015/2016. Panini veröffentliche jetzt die gesamte Vorgeschichte zu „Jupiter’s Legacy“ in einem eigenständig zu lesendem Band. Bereits 2016 wurde mit der Entwicklung einer Verfilmung der Saga begonnen. 2018 sagte Netflix, es habe eine Verfilmung von „Jupiter’s Legacy“ in Auftrag gegeben.

In „Jupiter’s Circle“ erzählen Millar und die Zeichner Wilfedo Torres, Davide Gianfelice (bei einigen Heften) und Chris Sprouse (ein Heft), wie die Superhelden Utopian (Sheldon Sampson), Lady Liberty (seine Frau Grace), Brainwave (sein Bruder Sampson), Skyfox (George Hutchence), Blue-Bolt (Richard Conrad) und Flare (Familienvater Fitz), die 1932 auf einer Insel erstaunliche Kräfte erhielten, als Union of Justice für eine bessere Welt kämpften. Ihre wahre Identität kennt die Öffentlichkeit, wie es sich für Superhelden gehört, nicht.

Millars epische Neuerzählung der US-Nachkriegsgeschichte beginnt 1959 und erstreckt sich über die nächsten Jahre. Die Superhelden stehen dabei auch vor der Frage, wofür sie ihre Kräfte einsetzen und wie sehr sie dabei mit der US-Regierung zusammenarbeiten. Immerhin sind die USA die Guten.

FBI-Chef J. Edgar Hoover will allerdings ihre Identität wissen und schreckt dabei auch vor Erpressung nicht zurück.

Und die Alternativkultur stellt das Selbstbild der USA in Frage.

Damit stehen die Mitglieder der Union of Justice, individuell und als Kollektiv, vor der Frage, für welche Weltanschauung sie ihre Kräfte einsetzen. Diese Frage, die zuletzt auch in den „Avengers“-Filmen behandelt wurde, behandelt Millar vor dem Hintergrund der sechziger Jahre, als in Superheldencomics darüber noch nicht gesprochen wurde.

Wie „The Magic Order“ ist „Jupiter’s Circle“ nicht schlecht, aber die gut dreihundert Seiten umfassende Geschichte kann nie verleugnen, dass sie mit ihren vielen Charakteren und damit verbundenen Plots und Subplots primär eine Ideensammlung für eine künftige Serien ist. Millar konzentriert sich in beiden Büchern mehr auf einzelne Episoden, die Beziehung der Familienmitglieder und ihres nahen Umfelds zueinander und das Ornamentale. Da ist dann eine einzelne Episode wichtiger als das große ganze und gerade bei „Jupiter’s Circle“ wird von Episode zu Episode gesprungen, ohne dass ersichtlich wird, was der zentrale Konflikt ist und auf welches Finale das alles zusteuert. Das hat dann schon fast James Ellroysche Dimensionen, der in seinen umfangreichen Romanen die Geschichte der USA neu erzählt. Ohne Superhelden, aber mit vielen Verschwörungen und einer Melange aus erfundenen und realen Charakteren.

Mark Millar/Olivier Coipel: The Magic Order

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2019

180 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

The Magic Order # 1 – 6

Millarworld/Image, 2018/2019

Mark Millar/Wilfredo Torres: Jupiter’s Circle

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2019

300 Seiten

29 Euro

Originalausgabe

Jupiter’s Circle # 1 – 6

Millarworld/Image, 2015

Jupiter’s Circle 2 # 1 – 6

Millarworld/Image, 2015/2016

Hinweise

Homepage von Mark Millar

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Meine Besprechung von Mark Millar/Grant Morrisons “Vampirella: Heiliger Krieg (Master Series 1)”

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Wolverine: Old Man Logan“ (Old Man Logan, 2008/2009)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 1)“ (Kick-Ass 2 – Issue 1 – 4, Dezember 2010 – November 2011)

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