TV-Tipp für den 22. November: Das Salz der Erde

November 22, 2018

SWR/SR, 23.45

Das Salz der Erde (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Regie: Wim Wenders, Juliano Ribeiro Salgado

Drehbuch: Wim Wenders, Juliano Ribeiro Salgado, David Rosier

Sehr sehenswerte Dokumentation über den Fotografen Sebastião Salgado. Leider zu einer sehr unchristlichen Uhrzeit.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Sebastião Salgado, Wim Wenders, Juliano Ribeiro Salgado, Hugo Barbier, Jacques Barthélémy, Lélia Wanick Salgado

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Das Salz der Erde“
Film-Zeit über „Das Salz der Erde“
Moviepilot über „Das Salz der Erde“
Rotten Tomatoes über „Das Salz der Erde“
Wikipedia über „Das Salz der Erde“ (deutsch, englisch) und Sebastião Salgado

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Die schönen Tage von Aranjuez“ (Les beaux jours d‘ Aranjuez, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ (Pope Francis: A Man of his Word, Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Grenzenlos“ (Submergence, USA 2017)

Wim Wenders in der Kriminalakte

Homepage von Wim Wenders


Neu im Kino/Filmkritik: „Grenzenlos“ – Ein Film von Wim Wenders

August 3, 2018

Wenige Wochen nach seinem nicht unproblematischem, aber insgesamt von der Kritik abgefeiertem Papst-Porträt „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ kehrt Wim Wenders mit „Grenzenlos“ wieder zum Spielfilm zurück. Seine Premiere hatte der Film bereits am 10. September 2017 beim Toronto International Film Festival und die Kritiker waren nicht entzückt.

Wenn man sich den Film anseht, versteht man schnell warum. Die sich sehr langsam herausschälende Geschichte besteht aus drei Erzählsträngen und zwei Zeitebenen. In einem Nobelhotel in der Normandie begegnen sich Danielle Finders (Alicia Vikander) und James More (James McAvoy). Sie ist eine Biomathematikerin, die an einem Tiefsee-Tauchprojekt mitarbeitet. Er behauptet, ein Entwicklungshelfer zu sein. In Wirklichkeit ist er ein Geheimagent. Sie verlieben sich ineinander und wissen schnell, dass sie die Liebe ihres Lebens gefunden haben.

Nach dem Hotelaufenthalt trennen sich ihre Wege. Sie fährt Richtung Norden, um an dem Forschungsprojekt teilzunehmen, das ihre Theorie über den Ursprung des Lebens beweisen soll. Dabei muss sie in der Grönlandsee in ungeahnte Tiefen tauchen. Er fliegt Richtung Süden. In Somalia soll er ein Islamistenlager, in dem Selbstmordattentäter ausgebildet werden, finden. Am Filmanfang vegetiert er allerdings in einem Gefängnis vor sich hin und kämpft um jeden Tropfen Wasser.

Sie erreicht ihn nicht und fragt sich, ob er sie noch liebt. Sie kämpft dabei um nicht beantwortete Nachrichten und einen fehlenden Smartphone-Empfang. Auf den Gedanken, dass er gerade keine Zeit oder Möglichkeit hat, ihr zu antworten, kommt sie nicht.

Diese Geschichte erzählt Wenders, wie gesagt, indem er zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Danielles und James‘ Geschichte hin- und herspringt, ohne dass daraus irgendeine produktive Reibung entsteht. Es wirkt immer wie eine verkopfte Konstruktion, die langweiliger Edelkitsch ohne tiefere Einsichten und Emotionen ist. Das wird auch nicht von den beiden Hauptdarstellern gerettet. Beide spielen unter ihrem Niveau.

Alicia Vikander, die für „The Danish Girl“ einen Oscar erhielt und zuletzt „Tomb Raider“ war, blickt durchgehend erschreckend emotionslos in die Kamera. Da überzeugt nichts. Sogar ein Fotomodell aus einem Werbekatalog hat mehr Tiefe.

James McAvoy („Drecksau“, „Split“ und Charles Xavier in mehreren „X-Men“-Filmen) blickt ähnlich emotionslos in die Kamera. Aber er spielt einen Geheimagenten, der berufsbedingt keine Emotionen zeigen darf. Dank seiner schieren Präsenz, gibt er erfolgreich seine Bewerbungsmappe für den übernächsten James-Bond-Film (wenn Daniel Craig nur noch einmal 007 spielt) ab.

Grenzenlos“ ist vielleicht nicht der schlechtester Film von Wim Wenders. Aber es ist in jedem Fall einer seiner misslungensten Filme und meilenweit weg von der Qualität seiner besten Filme, wie „Im Lauf der Zeit“, „Paris, Texas“ und „Der Himmel über Berlin“.

Am Ende bleibt nur ein verwegener Gedanke: Was hätte Werner Herzog aus dieser Geschichte für einen Film gemacht? Vielleicht keinen besseren (was schwer vorstellbar ist), aber in jedem Fall einen unterhaltsameren.

Grenzenlos (Submergence, USA 2017)

Regie: Wim Wenders

Drehbuch: Erin Dignam

LV: J. M. Ledgard: Submergence, 2013

mit James McAvoy, Alicia Vikander, Alexander Siddig, Celyn Jones, Reda Kateb, Hakeemshady Mohamed

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Grenzenlos“

Metacritic über „Grenzenlos“

Rotten Tomatoes über „Grenzenlos“

Wikipedia über „Grenzenlos“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Die schönen Tage von Aranjuez“ (Les beaux jours d‘ Aranjuez, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ (Pope Francis: A Man of his Word, Deutschland 2018)

Wim Wenders in der Kriminalakte

Homepage von Wim Wenders

 


Neu im Kino/Filmkritik: Wim Wenders porträtiert „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“

Juni 14, 2018

In den vergangenen Jahrzehnten drehte Wim Wenders neben seinen Spielfilmen etliche Dokumentarfilme über Künstler, die er bewundert. Wie den Regisseur Nicholas Ray in „Nick’s Film – Lightning Over Water“, den Modeschöpfer Yohji Yamamoto in „Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten“, und, zuletzt, den Fotografen Sebastião Salgado in „Das Salz der Erde“. Ein Welterfolg war „Buena Vista Social Club“. In dem Film beobachtet er, wie Ry Cooder und kubanische Musiker eine CD aufnehmen, die sich später wie geschnitten Brot verkauft. Wenders nähert sich in den Filmen immer feinfühlig, respektvoll und abseits jeglicher kritischer oder enthüllender Attitüde den Porträtierten. Mit seinen Dokumentarfilmen will er anderen Menschen von Künstlern erzählen, deren Werk ihn beeindruckt. In der Hoffnung, dass wir uns dann auch für ihn und sein Werk interessieren. Außerdem ist so ein Filmprojekt eine gute Gelegenheit, viele Stunden in der Nähe des Porträtierten zu verbringen. Abgesehen von „Pina“, einer Hommage an Pina Bausch und ihr Tanztheater, und der Sängerin Omara Portuondo in „Buena Vista Social Club“ porträtierte Wenders in seinen Dokumentarfilmen nur Männer.

Auch in „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ porträtiert er einen Mann und dieser Film zeigt auch die Grenzen seines Ansatzes auf. Er begleitet Papst Franziskus, das amtierende Oberhaupt der katholischen Kirche, bei seinen Reisen und führte vier längere Gespräche mit ihm. Dafür stellte er über fünfzig universelle Fragen zusammen, die wahrscheinlich viele Menschen dem Papst stellen würde. Diese Gespräche nahm Wenders mit einem Interrotron auf; einen umfunktionierten Teleprompter der es dem Interviewten ermöglicht, direkt in die Kamera zu blicken. Und so blickt der immer schelmisch lächelnde alte Mann direkt in den Zuschauerraum. Das Material ergänzt Wenders um Aufnahmen aus dem Archiv des vatikanischen Fernsehens Centro Televisivo Vaticano (CTV). Das CTV dokumentiert akribisch, teils mit mehreren Kameras und in guter Qualität, alles, was der Papst tut. Zusätzlich inszenierte Wenders mit Schauspielern einige Szenen aus dem Leben von Franz von Assisi, dem Namenspaten des 1936 in Buenos Aires geborenen Jesuiten Jorge Mario Bergoglio, der Ende 2013 zu Papst Franziskus wurde.

In dem Film entsteht schnell das Bild eines Papstes, der sich, wie Franz von Assisi, wenig um irdische Habseligkeiten kümmert. Er will die Botschaft des Herrn verkünden, den Armen helfen, für Frieden sorgen und die Schöpfung retten. Er ist den Menschen zugewandt. Er predigt. Er redet. Er sagt viele sehr vernünftige Sätze. Er reist rastlos um die Welt. Immer wieder sehen wir ihn mit flatterndem Gewand, von hinten aufgenommen, im fahrenden Papamobil stehend, die vorbeihuschenden Massen segnend, auf seiner rastlosen Reise um die Welt, um diese mit dem Handauflegen und Reden zu einem besseren Platz zu machen. Dabei entdeckt er einmal sogar in der Menschenmenge eine Ordensschwester, die er von früher kennt. Spontan wechselt er einige Worte mit ihr. Für den Film wurde sie ausfindig gemacht und Schwester Eufemia ist jetzt die einzige Person in dem Film, die neben dem Papst etwas sagt.

In „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ ist der Papst ein von seiner Mission getriebener Mann, der offenherzig auf andere Menschen zugeht, der mit dem Wort Gottes für eine bessere Welt predigt, der sich für die Verständigung zwischen den Religionen einsetzt und der die katholische Kirche reformieren will.

Er ist das Oberhaupt einer Weltreligion, eines riesigen Wirtschaftsunternehmens und einer über beträchtlichen politischen Einfluss verfügenden Organisation. Er redet nicht nur, er kann auch Menschen mobilisieren und Veränderungen herbeiführen. Ob und inwiefern er das versucht und wie erfolgreich er dabei ist, wird in „Papst Franziskus“ nicht thematisiert. Der Film interessiert sich auch nicht für die Gegner von Papst Franziskus. Denn Papst Franziskus hat innerparteiliche Kritiker und Feinde. Vor allem unter den konservativen Christen.

Wenders geht in seinem Papstporträt darauf nicht ein. Es interessiert ihn nicht. Jedenfalls nicht im Rahmen eines Wenders-Dokumentarfilms, der sich nicht durch kritische Distanz, sondern durch hemmungslose Empathie für den Porträtierten auszeichnet.

Aber ein Film über den Papst muss auch über den Einfluss der Kirche auf die Welt und die Konflikte innerhalb der Kirche sprechen.

Diese fehlende politische Dimension, die in Wenders‘ anderen Dokumentarfilmen nicht weiter auffiel, ist hier eine Leerstelle, die die Grenzen der Methode Wenders aufzeigt. Ein Papst kann nicht nur als Gläubiger porträtiert werden. Er muss, vor allem ein so politischer Papst wie Papst Franziskus, auch als Homo Politicus gezeigt werden und dann muss gezeigt werden, wie er versucht, seine Ziele zu erreichen (und da sind salbungsvolle Worte, wenn sie nicht mit Taten unterfüttert werden, nur salbungsvolle Worte) und gegen welche Widerstände, vor allem natürlich institutionelle Widerstände, er dabei kämpfen muss und wie er damit umgeht. Denn Franziskus ist wegen seiner liberalen Agenda bei konservativen Katholiken, höflich formuliert, sehr umstritten.

Am Ende ist „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ nur ein Werbefilm der katholischen Kirche für die katholische Kirche ist. Gut gemacht, aber auch absolut kritikfrei, entsprechend oberflächlich und mit beschränktem Erkenntnisgewinn. Jedenfalls wenn man von einem Film über einen Papst mit einer politischen Agenda mehr erwartet als eine zweistündige salbungsvolle Sonntagspredigt.

P. S.: Der Titelsong ist „These are the Words“ von Patti Smith und Tony Shanahan.

Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes (Pope Francis: A Man of his Word, Deutschland 2018)

Regie: Wim Wenders

Drehbuch: Wim Wenders, David Rosier

mit Papst Franziskus, Schwester Eufemia, Ignazio Oliva, Carlo Faconetti, Danielle de Angelis

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“

Metacritic über „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“

Rotten Tomatoes über „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“

Wikipedia über „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Die schönen Tage von Aranjuez“ (Les beaux jours d‘ Aranjuez, Deutschland/Frankreich 2016)

Wim Wenders in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 8. Juni: Kölner Treff (u. a. mit Wim Wenders)

Juni 8, 2018

WDR, 22.00

Kölner Treff

Lockere Talkrunde. Heute unter anderem mit Wim Wenders, der sicher vor allem über seinen neuen sehenswerten, aber arg unkritisch-verklärenden Dokumentarfilm „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ (Kinostart: 14. Juni) reden wird. Vielleicht erzählt er auch einiges über „Der Himmel über Berlin“ (auf der Berlinale wurde eine restaurierte Fassung präsentiert, die anschließend im Kino lief und auf DVD/Blu-ray veröffentlicht wurde) und seinen neuen eher missglückten Spielfilm „Grenzenlos“ (Kinostart: 2. August) (Die Filmbesprechungen gibt es zum Kinostart.).

Zu den anderen Gästen gehört Berlinale-Chef Dieter Kosslick.

Hinweise

WDR über die Sendung

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Die schönen Tage von Aranjuez“ (Les beaux jours d‘ Aranjuez, Deutschland/Frankreich 2016)

Wim Wenders in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. März: Paris, Texas

März 10, 2018

3sat, 20.15

Paris, Texas (Deutschland/Frankreich 1984)

Regie: Wim Wenders

Drehbuch: Sam Shepard

Nachdem Travis vier Jahre spurlos verschwunden war, kehrt er zurück. Sein achtjähriger Sohn Hunter ist inzwischen bei seinem Bruder in Los Angeles. Seine Frau Jane ist in Houston. Travis macht sich Hunter auf die Suche nach ihr.

In Cannes erhielt Wenders für „Paris, Texas“ die Goldene Palme. Auch an der Kinokasse war „Paris, Texas“, trotz seiner moralisch abstrusen Geschichte, ein Erfolg. In Deutschland sahen sich über eine Million Menschen den Film an.

Ry Cooder schrieb die spartanische Musik. Robby Müller fand die einprägsamen Americana-Bilder, in denen die USA ein Sehnsuchtsort ist und die Mutter-Kind-Zusammenführung von Travis, dem letzten Cowboy, der wortkarg seine Mission erledigt, als logisch erscheint.

Einer von Wim Wenders‘ schönsten und besten Filmen.

Anschließend, um 22.35 Uhr, zeigt 3sat die fünfzigminütige Doku „Harry Dean Stanton“ (Schweiz 2014).

mit Harry Dean Stanton, Natassja Kinski, Hunter Carson, Aurore Clement, Dean Stockwell, Bernhard Wicki

Hinweise

Filmportal über „Paris, Texas“

Rotten Tomatoes über „Paris, Texas“

Wikipedia über „Paris, Texas“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Die schönen Tage von Aranjuez“ (Les beaux jours d‘ Aranjuez, Deutschland/Frankreich 2016)

Wim Wenders in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 1. November: Das Salz der Erde

November 1, 2017

ARD, 22.45

Das Salz der Erde (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Regie: Wim Wenders, Juliano Ribeiro Salgado

Drehbuch: Wim Wenders, Juliano Ribeiro Salgado, David Rosier

TV-Premiere von Wim Wenders‘ sehr sehenswerter Dokumentation über den Fotografen Sebastião Salgado. Leider zu einer sehr unchristlichen Uhrzeit.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Sebastião Salgado, Wim Wenders, Juliano Ribeiro Salgado, Hugo Barbier, Jacques Barthélémy, Lélia Wanick Salgado

Wiederholung: Donnerstag, 2. November, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Das Salz der Erde“
Film-Zeit über „Das Salz der Erde“
Moviepilot über „Das Salz der Erde“
Rotten Tomatoes über „Das Salz der Erde“
Wikipedia über „Das Salz der Erde“ (deutsch, englisch) und Sebastião Salgado

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Die schönen Tage von Aranjuez“ (Les beaux jours d‘ Aranjuez, Deutschland/Frankreich 2016)

Wim Wenders in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 29. Mai: Every thing will be fine

Mai 29, 2017

Arte, 22.10

Every thing will be fine (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Regie: Wim Wenders

Drehbuch: Bjørn Olaf Johannessen

An einem Wintertag überfährt Tomas zufällig ein Kind. In den folgenden Jahren versucht er mit seiner Schuld umzugehen.

Ruhiges, intensives Drama, das Wenders in 3D drehte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit vielen Clips).

mit James Franco, Rachel McAdams, Charlotte Gainsbourg, Marie-Josée Croze, Robert Naylor, Patrick Bauchau, Peter Stormare

Wiederholung: Mittwoch, 31. Mai, 13.40 Uhr

Hinweise
Filmportal über „Every thing will be fine“
Film-Zeit über „Every thing will be fine“
Moviepilot über „Every thing will be fine“
Metacritic über „Every thing will be fine“
Rotten Tomatoes über „Every thing will be fine“
Wikipedia über „Every thing will be fine“ (deutsch, englisch)
Berlinale über „Every thing will be fine“

Homepage von Wim Wenders

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Die schönen Tage von Aranjuez“ (Les beaux jours d‘ Aranjuez, Deutschland/Frankreich 2016)

Wim Wenders in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Wim Wenders, Peter Handke, „Die schönen Tage von Aranjuez“

Januar 27, 2017

Wim Wenders verfilmt Peter Handke. Wieder einmal. Schon als Student drehte er 1969 mit Peter Handke den Kurzfilm „3 amerikanische LP’s“. Sein erster Spielfilm „Die Angst des Tormanns vor dem Elfmeter“ (1972) basiert auf Handkes gleichnamigem Roman und Handke schrieb mit ihm die Dialoge. Für „Falsche Bewegung“ (1975), einen seiner frühen Erfolge, schrieb Handke, frei nach Johann Wolfgang Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“, das Drehbuch. „Der Himmel über Berlin“ (1987), für den sie gemeinsam das Drehbuch schrieben, war ein weltweiter Erfolg, der sogar ein Hollywood-Remake erhielt.

Jetzt, nach jahrelanger Handke-Abstinenz, verfilmte Wenders dessen Theaterstück „Die schönen Tage von Aranjuez“ mit zwei großen und einigen kleineren Ergänzungen. Eine der kleinen Ergänzungen ist die Jukebox, die einerseits schon in Wenders‘ Studentenfilmen (und in „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“) verewigt ist, andererseits an Handkes Erzählung „Versuch über die Jukebox“ erinnert. Wenders hat sie als Hommage an diese Erzählung in den Film eingebaut und deshalb steht in der Villa des Schriftstellers eine heute vollkommen unmoderne und auch unpraktische Wurlitzer. Damit kommen wir zur ersten großen Veränderung: Wenders bettet Handkes Stück in eine Rahmenhandlung ein. Dafür erfand er einen Schriftsteller, den es im Stück nicht gibt.

Der Schriftsteller (Jens Harzer) beobachtet aus seinem Arbeitszimmer heraus zwei Menschen, die sich unterhalten. Das Gespräch zwischen ihnen ist dann Handkes auf französisch geschriebenes Theaterstück „Die schönen Tage von Aranjuez“, das er einen „Sommerdialog“ nennt und in dem der Mann (Reta Kateb) und die Frau (Sophie Semin, Handkes Ehefrau) sich, nach vorher abgesprochenen Regeln, über ihre Sexualerlebnisse und seine Tage in Aranjuez unterhalten, garniert mit Bemerkungen von ihm über Obst, Bäume und Vögel. Allerdings ohne jemals wirklich konkret zu werden. Fast alles bleibt im Ungefähren und vieles an dem Dialog verläuft tastend, so als wisse der Autor nicht, wohin das Gespräch sich entwickeln soll.

In dem Film ist schnell deutlich, dass der Mann und die Frau, die beide keinen Namen haben, nur in der Fantasie des ebenfalls namenlosen Schriftstellers existieren. Und dass die Regeln – keine einsilbigen Antworten, kein Wort von Gewalt, keine Aktion, keine Handlung, sondern nur Dialog – von dem Autor selbst auferlegte Beschränkungen bei einer Schreibübung sind, in der der Mann mehr über die Sexualität der Frau, die nur in der Phantasie des Schriftstellers existiert, erfahren will. Deshalb fragt er auch als erster nach ihrem ersten sexuellen Erlebnis: „Das erste Mal, du mit einem Mann, wie ist das gewesen?“

Als Lektüre funktioniert diese Idee auch gut. Im Film weniger bis überhaupt nicht. Das beginnt mit Reta Kateb und Sophia Semin, die den Mann und die Frau spielen. Wobei spielen übertrieben ist, weil sie nicht spielen, sondern einfach nur in einem Garten auf einer Terrasse an einem Tisch sitzen, sich nicht bewegen. Sie reden in einem immergleichen monotonen Tonfall, der nicht vom Text ablenken soll, aber einschläfernd ist. Auch weil der Dialog keine Handlung und keine erkennbare Richtung hat, sondern mäandernd, mehr oder weniger konsequent, um einige Punkte kreist.

In seiner Regie spiegelt Wim Wenders dann diese Idee. Auch die Kamera folgt den Regeln, die Handke seinen beiden Redenden auferlegt: sie bewegt sich nicht. Benoit Debie nimmt einfach die beiden Redenden auf. Meistens über Minuten ohne einen Schnitt und oft in einer Totalen, in der der Mann und die Frau, am Tisch sitzend, im Bild sind. Damit verstärken die Kamera und der Schnitt die einschläfernde Tendenz des Textes.

Da hilft – und das ist die zweite große Änderung – der Auftritt von Nick Cave als Nick Cave, der am Flügel sein Liebeslied „Into my Arms“ singt, nicht. Nick Cave gibt es nicht in Handkes Stück, aber langjährige Wenders-Fans sind Nick Cave bereits öfter begegnet. Zuerst in „Der Himmel über Berlin“, als Cave mit den Bad Seeds live auftrat.

Auch in „Die schönen Tage von Aranjuez“ hat die Musik eine wichtige, das Stück kommentierende Rolle; beginnend mit Lou Reeds „Perfect Day“, der mit Bildern von menschenleeren Pariser Straßen und Parks illustriert wird, und endend mit Gus Blacks „The World is on Fire“. Wenders und Handke ohne Musik ist halt nur die halbe Miete. Jedenfalls in einem Wenders-Film.

Trotzdem funktioniert „Die schönen Tage von Aranjuez“, mal wieder in 3D gefilmt, als Film nicht. Er hat den Charme eines Standbildes, das man sich gut hundert Minuten ansehen muss und dem Begriff „Langeweile“ ungeahnte Dimensionen verleiht. Vor allem wenn man mit Handkes Prosa nichts anfangen kann. Denn Wenders‘ Film ist nur die statische Illustration des Textes.

Deshalb wäre die beste Präsentation des Filmes wahrscheinlich ein illustriertes Filmbuch. Dann könnte man sich an den Bildern erfreuen und den Text so lesen, wie man ihn lesen möchte.

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Die schönen Tage von Aranjuez (Les beaux jours d‘ Aranjuez, Deutschland/Frankreich 2016)

Regie: Wim Wenders

Drehbuch: Wim Wenders

LV: Peter Handke: Die schönen Tage von Aranjuez – Ein Sommerdialog, 2012 (Theaterstück)

mit Reta Kateb, Sophie Semin, Jens Harzer, Nick Cave

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Die Vorlage

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Peter Handke: Die schönen Tage von Aranjuez – Ein Sommerdialog

Suhrkamp, 2012

72 Seiten

12,99 Euro

Hinweise

Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

Filmportal über „Die schönen Tage von Aranjuez“

Moviepilot über „Die schönen Tage von Aranjuez“

Rotten Tomatoes über „Die schönen Tage von Aranjuez“

Wikipedia über „Die schönen Tage von Aranjuez“

suhrkamp über Peter Handke

Homepage von Wim Wenders

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Wim Wenders in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 28. Juni: In weiter Ferne, so nah!

Juni 27, 2016

ZDFkultur, 20.15/23.55

In weiter Ferne, so nah! (Deutschland 1993, Regie: Wim Wenders)

Drehbuch: Wim Wenders, Richard Reitinger, Ulrich Zieger

Engel Cassiel will wissen, wie das Leben als Sterblicher so ist. Als er ein Mädchen rettet, erfüllt sich sein Wunsch.

Die natürlich in Berlin gedrehte Fortsetzung von „Der Himmel über Berlin“. „Entstanden ist ein filmisches Wolkengebilde, das aus weiter Ferne fasziniert und sich in Nichts auflöst, wenn man zu nah rangeht.“ (Fischer Film Almanach 1994)

Mit Otto Sander, Peter Falk, Bruno Ganz, Solveig Dommartin, Horst Buchholz, Nastassja Kinski, Heinz Rühmann, Rüdiger Vogler, Lou Reed, Willem Dafoe, Michael Gorbatschow, Hanns Zischler, Yella Rottländer (die Alice aus „Alice in den Städten“), Udo Samel

Hinweise

Rotten Tomatoes über „In weiter Ferne, so nah!“

Wikipedia über „In weiter Ferne, so nah!“ (deutsch, englisch)

Homepage von Wim Wenders

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Wim Wenders in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 21. Juni: Land of Plenty

Juni 21, 2016

ZDFkultur, 21.55

Land of Plenty (USA 2004, Regie: Wim Wenders)

Drehbuch: Michael Meredith, Wim Wenders (nach einer Geschichte von Wim Wenders und Scott Derrickson)

Los Angeles: Ein paranoider Vietnam-Veteran und seine zwanzigjährige, idealistische Nichte machen sich, um ein Verbrechen aufzuklären, auf den Weg nach Osten.

Nach dem doch arg verkünstelten „Am Ende der Gewalt“ und „The Million Dollar Hotel“ und etlichen sehenswerten Dokumentarfilmen kehrte Wenders mit „Land of Plenty“ zum quasi frei improvisiertem Film mit geringem Budget und großer Neugierde auf Land und Leute zurück zum Spielfilm. „Land of Plenty“ ist eine Bestandsaufnahme der Post-9/11-USA.

Sein subtiles, in angemessen spröden Bilder fotografiertes Road Movie ist voller leiser Trauer über den Verlust von Werten, den Wandel von Gerechtigkeit in Selbstgerechtigkeit, die Verlorenheit von Menschen in einem komplexen System.“ (Lexikon des Internationalen Films)

Davor, um 20.15 Uhr, und danach, um 23.55 Uhr, läuft sein wunderschön musikalischer Dokumentarfilm „Buena Vista Social Club“.

Mit John Diehl, Michelle Williams, Richard Edson, Wendell Pierce, Shaun Toub, Burt Young

Wiederholung: Mittwoch, 22. Juni, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Land of Plenty“

Wikipedia über „Land of Plenty“ (deutsch, englisch)

Homepage von Wim Wenders

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Wim Wenders in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. Juni: Alice in den Städten

Juni 13, 2016

ZDFkultur, 20.15/23.45
Alice in den Städten (Deutschland 1974, Regie: Wim Wenders)
Drehbuch: Wim Wenders, Veith von Fürstenberg
Fotojournalist Philip sucht mit Alice, deren Fürsorge ihm von einer Zufallsbekannten übertragen wurde, in Deutschland nach Alices Großmutter. Die einzige Spur ist ein Bild von einem Wuppertaler Haus.
Ein Wenders-Klassiker und ein Klassiker des Jungen Deutschen Films.
mit Rüdiger Vogler, Yella Rottländer, Edda Köchl, Lisa Kreuzer

Hinweise

Filmportal über „Alice in den Städten“

Rotten Tomatoes über „Alice in den Städten“

Wikipedia über „Alice in den Städten“ (deutsch, englisch)

Homepage von Wim Wenders

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Wim Wenders in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 11. März: Der amerikanische Freund

März 10, 2016

3sat, 22.35

Der amerikanische Freund (Deutschland/Frankreich 1976, Regie: Wim Wenders)

Drehbuch: Wim Wenders

LV: Patricia Highsmith: Ripley´s Game, 1974 (Ripley´s Game oder Regel ohne Ausnahme, Ripley´s Game oder Ein amerikanischer Freund)

Restaurator Jonathan hat Leukämie. Ripley bietet ihm einen gut bezahlten Mordauftrag an. Jonathan nimmt an und sein Leben gerät aus den Fugen.

Die freie Verfilmung des dritten Ripley-Romans ist eine der besten Highsmith-Verfilmungen. Wenders zu den Veränderungen: „Ich möchte, dass meine Filme von der Zeit handeln, in der sie entstehen, von den Städten, den Landschaften, den Gegenständen, von allen, die mitarbeiten, von mir. Diesen Spielraum hat mir Ripley´s Game gelassen. Weil er in der Arbeitsweise der Highsmith auch schon enthalten ist. Deshalb glaube ich, dass ich dem Buch doch nahe geblieben bin, so sehr ich mich auch davon entfernt habe. Es gibt nicht ´die Verfilmung´. Es gibt zwei grundverschiedene Sachen: Bücher und Filme. In ihnen kann eine gleiche ´Einstellung´ zu den Dingen vorhanden sein, aber nicht die gleichen Dinge.“

Stellvertretend für die vielen euphorischen Kritiken Hans C. Blumenberg: „Wenders zeigt den urbanen Alptraum, wie man ihn noch nie in einem europäischen Film gesehen hat: halb als uraltes, verkommenes Abbruchviertel, halb als futuristische Schreckenslandschaft…Die große Faszination dieses Films hat direkt mit seiner Vielschichtigkeit zu tun. Man kann ihn als pessimistischen Kommentar zur nachrevolutionären Bewußtseinskrise der späten siebziger Jahre verstehen, aber auch als brillanten Kriminalfilm, man kann ihn als urbanen Alptraum von der Zerstörung der Städte bewundern, aber man kann ihn auch als poetische Ballade einer Freundschaft lieben. Sein Reichtum, der nicht ohne Gefahren ist, erlaubt bei jedem Sehen neue Abenteuer, neue Entdeckungen.“ Außerdem entwarf er eine Gleichung: „Hitchcock + Ray + Scorsese = Wenders“ (die Gültigkeit dieser Gleichung für andere Wenders-Filme darf bezweifelt werden.)

Mit Bruno Ganz, Dennis Hopper, Lisa Kreuzer, Gérard Blain, Nicholas Ray, Samuel Fuller, Peter Lilienthal, Daniel Schmid, Lou Castel

Hinweise

Wikipedia über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Wim Wenders in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Wim Wenders glaubt „Every thing will be fine“

Oktober 24, 2015

In den letzten Jahren wurde Wim Wenders vor allem für seine Dokumentarfilme gefeiert. „Das Salz der Erde“ war dieses Jahr für einen Oscar nominiert. Seine wenigen Spielfilme waren dagegen eher zwiespältige Angelegenheiten. „Every thing will be fine“, sein erster Spielfilm nach dem 2008er „Palermo Shooting“, feierte dieses Jahr bei der Berlinale seine Premiere. Die deutsche Kritik nahm den Film positiv, die internationale überraschend negativ auf. Denn „Every thing will be fine“ ist, obwohl in Kanada gedreht, eine Rückkehr zu Wenders‘ Wurzeln. Es ist ein Film voller Wenderismen. Klassischer Wenders, der nahtlos an seine Siebziger-Jahre-Werke wie „Alice in den Städten“, „Falsche Bewegung“ und „Im Lauf der Zeit“ anknüpft und „Paris, Texas“ echot. Denn es geht um einen verunsicherten Mann auf der Suche nach sich selbst. Es geht um seine Beziehung zu verschiedenen Frauen und Kindern. Es geht um den Umgang mit Schuld.
Es geht um Gefühle, die nicht in eine stringente Geschichte nach Hollywood-Dramaturgie gegossen werden. Der Film überzeugt als eine Reihe von Impressionen, während die vollkommen uninteressante Filmgeschichte zwischen unplausibel und haarsträubend schwankt. Aber das war auch bei „Paris, Texas“ so und es interessierte letztendlich niemand.
In „Every thing will be fine“ überfährt der Schriftsteller Tomas (James Franco) an einem Winternachmittag einen kleinen Jungen. Der ältere Bruder Christopher, der auch auf dem Schlitten saß, überlebt. Es war ein Unfall. Eine Verkettung unglücklicher Umstände, die gerade deswegen das Leben von Tomas, der Mutter Kate (Charlotte Gainsbourg) und ihrem Sohn Christopher (Jack Fulton/Philippe Vanasse-Paquet/Robert Naylor) beeinflusst.
Ausgehend von diesem traumatischen Erlebnis zeigt Wenders, nach einem Drehbuch von Bjørn Olaf Johannessen („Nowhere Man“), das weitere Leben von Tomas und Kate. Wobei der schweigsam-introvertierte Tomas im Mittelpunkt steht und der Film Episoden aus dem weiteren Leben des Schriftstellers zeigt, die zwei, sechs und zehn Jahre nach dem Unfall und den Monaten danach spielen. Jahre, in denen Tomas sich, nach einem Totalabsturz inclusive Suizidversuch, von seiner damaligen Freundin Sara (Rachel McAdams) trennt, Erfolg als Autor hat, sein Vater älter wird, er eine neue Freundin Ann (Marie-Josée Croze) hat, sich liebevoll um deren Tochter kümmert und er Kate und Christopher immer wieder trifft. Mal persönlich, mal in wortkargen Telefonaten, in denen er und Kate sich wortreich anschweigen. Ihre Beziehung dürfte die seltsamste und gleichzeitig befriedigenste, innigste und friedlichste Beziehung sein, die es in den letzten Jahren in einem Film gab.
Wenders inszenierte seinen Film in langen, ruhigen Einstellungen, in denen die Kamera durch Räume und Landschaften gleitet und jedes Bild eine wundervolle, pure Americana-Komposition ist, die auch in einem Bildband gut aufgehoben wäre.
Das ist wunderschönes Gefühlskino. Auch in 2D. Denn im Kino lief das Drama auch in 3D und Wenders, ein großer Fan technischer Innovationen, wurde, was auch in zahlreichen Kritiken gesagt wurde, nicht müde zu betonen, wie sehr die dritte Dimension „Every thing will be fine“ eine zusätzliche Tiefe verleihe.
Das Bonusmaterial ist auf den ersten Blick mit „Making of“ und zehn nicht verwendeten Szenen überschaubar. Aber das informative „Making of“ ist 38 Minuten lang und informativ. Vor allem wenn es es um das Drehbuch, die Hintergründe der Geschichte, die Motive der Figruen und die Verwendung von 3D geht. Warum es nur in der englischen Originalfassung mit einigen französischen Teilen und ohne Untertitel vorliegt, wissen die Götter.
Ein weiterer dicker Minuspunkt ist, auch weil es heute nicht mehr üblich ist, die Zwangsuntertitelung in der englischen Fassung. Immerhin verärgern die DVD-Macher jetzt eine andere Zuschauergruppe.

Every Thing will be fine - DVD-Cover - 4

Every thing will be fine (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)
Regie: Wim Wenders
Drehbuch: Bjørn Olaf Johannessen
mit James Franco, Rachel McAdams, Charlotte Gainsbourg, Marie-Josée Croze, Robert Naylor, Patrick Bauchau, Peter Stormare

DVD
Warner Home Video
Bild: 2.40:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of, Nicht verwendete Szenen, Trailer, Audiodeskription für Blinde
Länge: 114 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Filmportal über „Every thing will be fine“
Film-Zeit über „Every thing will be fine“
Moviepilot über „Every thing will be fine“
Metacritic über „Every thing will be fine“
Rotten Tomatoes über „Every thing will be fine“
Wikipedia über „Every thing will be fine“ (deutsch, englisch)
Berlinale über „Every thing will be fine“

Homepage von Wim Wenders

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Wim Wenders in der Kriminalakte

Wim Wenders erhält 2015 auf der Berlinale den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk:

Ebenfalls auf der Berlinale: Rainer Rother unterhält sich Wim Wenders (englisch)

Ein französisches Interview mit Wim Wenders über „Every thing will be fine“ (derzeit ohne Untertitel)

Aber Wim Wenders kann auch in seiner Muttersprache reden


Cover der Woche

Oktober 20, 2015

Rauh - Wim Wenders und seine Filme


TV-Tipp für den 20. Oktober: Alice in den Städten

Oktober 20, 2015

ZDFkultur, 22.00
Alice in den Städten (Deutschland 1974, Regie: Wim Wenders)
Drehbuch: Wim Wenders, Veith von Fürstenberg
Fotojournalist Philip sucht mit Alice, deren Fürsorge ihm von einer Zufallsbekannten übertragen wurde, in Deutschland nach Alices Großmutter. Die einzige Spur ist ein Bild von einem Wuppertaler Haus.
Ein Wenders-Klassiker und ein Klassiker des Jungen Deutschen Films
mit Rüdiger Vogler, Yella Rottländer, Edda Köchl, Lisa Kreuzer
Wiederholung: Mittwoch, 21. Oktober, 01.35 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Filmportal über „Alice in den Städten“
Rotten Tomatoes über „Alice in den Städten“
Wikipedia über „Alice in den Städten“ (deutsch, englisch)

Homepage von Wim Wenders

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Wim Wenders in der Kriminalakte


Bonushinweis


Gerade ist „Every Thing will be fine“, der neue Spielfilm von Wim Wenders mit James Franco, Rachel McAdams, Marie-Josée Croze und Charlotte Gainsbourg in den Hauptrollen bei Warner Home Video auf DVD und Blu-ray (da auch in der 3D-Kinofassung) erschienen. Als Bonus gibt es eine Hörfilmfassung, ein fast vierzigminütiges Making-of und zehn nicht verwendete Szenen (insgesamt über sechzehn Minuten).
Mehr zum Film in einigen Tagen.


TV-Tipp für den 8. Oktober: Pina – tanzt, tanzt sonst sind wir verloren

Oktober 8, 2015

ZDF Kultur, 20.15

Pina – tanzt, tanzt sonst sind wir verloren (Deutschland 2010, Regie: Wim Wenders)

Drehbuch: Wim Wenders

Spielfilmlange poetisch-stimmungsvolle Liebeserklärung an die 2009 verstorbene Choreographin Pina Bausch. Im Zentrum stehen vier Inszenierungen der Künstlerin, die vom Wuppertaler Tanzensemble auch abseits der Theaterbühne präsentiert werden.

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Pina“

Wikipedia über „Pina“ und Pina Bausch

Homepage von Wim Wenders

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Wim Wenders in der Kriminalakte

Bonushinweis

Ab dem 15. Oktober ist Wim Wenders‘ neuer Film „Every Thing will be fine“ (mit James Franco, Rachel McAdams und Charlotte Gainsbourg als Blu-ray (auch in der 3D-Fassung) und DVD erhältlich.

Digital gibt es ihn schon seit dem 1. Oktober.

 


TV-Tipp für den 14. August: Bis ans Ende der Welt

August 14, 2015

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Wim Wenders!

ZDF, 01.10
Bis ans Ende der Welt (Deutschland/Frankreich/Italien 1991, Regie: Wim Wenders)
Drehbuch: Peter Carey, Wim Wenders (nach einer Originalidee von Wim Wenders und Solveig Dommartin)
1999 (also damals in der Zukunft): eine nuklearer Satellit verläßt seine Umlaufbahn und er könnte das Ende der Welt bedeuten. Während die Menschheit auf ihr Ende wartet, verfolgt eine Frau einen Mann über den halben Globus bis nach Australien. Er zeichnet mit einer Spezialkamera Bilder auf, die Blinde sehen können.
Das ist etwas für die Nachteulen (und den Recorder): Wim Wenders Epos „Bis ans Ende der Welt“, das nach der Pressemitteilung des ZDF heute in seiner Langfassung seine Free-TV-Premiere erlebt (nach der OFDB lief der Film allerdings schon einmal im Fernsehen: nämlich vor zehn Jahren auf EinsFestival). In jedem Fall gehört der Film in der Kino- und der Langfassung zu seinen selten gezeigten Werken.
1991 lief im Kino eine dreistündige Fassung, die nicht so gut ankam, die ich aber, bei all ihren Schwächen, faszinierend finde.
„In ‚Bis ans Ende der Welt‘ synthetisiert Wenders zahlreiche traditionelle Filmgenres wie Science-Fiction, Romanze, Abenteuer-, Kriminal- und Musikfilm zu einer Art Gesamtkunstwerk, zu dem prominente Musiker und Bands von Peter Gabriel über Patti Smith und U2 bis zu den Talking Heads Exklusivsongs komponiert haben. Sein Stammkameramann Robby Müller hat dazu wieder brillante Bilder, vor allem von den grandiosen australischen Landschaften, eingefangen. (…) Bei allem Respekt für die enorme Kraftanstrengung bleibt am Ende doch ein zwiespältiger Eindruck, der sich vielleicht durch die Langfassungrevidieren läßt.“ (Fischer Film Almanach 1992)
„Wenders bleibt der Regisseur, der mit jedem neuen Projekt viel wagt. Trotz aller Widersprüche ist ‚Bis ans Ende der Welt‘ ein Film, der sich aus der Kinolandschaft als ein wichtiger Versuch heraushebt, wenn mit ihm auch nicht der erhoffte große Entwurf und Abschluß gelungen ist. Am Ende ist die größte Sensation des Films: daß es ihn tatsächlich gibt.“ (Stefan Kolditz: Bis ans Ende der Welt, in Peter W. Jansen/Wolfram Schütte, Hrsg.: Wim Wenders, 1992)
Immerhin hatte Wenders das Projekt bereits 1977 nach „Der amerikanische Freund“ begonnen. Das Budget betrug 23 Millionen Dollar (sein teuerster Film). Der Film wurde auf vier Kontinenten an 120 Drehtagen gedreht und 600 Menschen waren beteiligt.
Erst zehn Jahre später veröffentlichte Wenders die gut fünfstündige Fassung, die heute gezeigt wird, und die auch die ursprüngliche und schon beim Kinostart angekündigte Fassung ist.
Mit Solveig Dommartin, Chick Ortega, Eddy Mitchell, Ernie Dingo, William Hurt, Sam Neill, Rüdiger Vogler, Elena Smirnowa, Lois Chiles, Jeanne Moreau, Max von Sydow
Hinweise
Filmportal über „Bis ans Ende der Welt“
Rotten Tomatoes über „Bis ans Ende der Welt“
Wikipedia über „Bis ans Ende der Welt“ (deutsch, englisch)

Homepage von Wim Wenders

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Wim Wenders in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 7. August: Paris, Texas

August 7, 2015

3sat, 22.35
Paris, Texas (Deutschland/Frankreich 1984, Regie: Wim Wenders)
Drehbuch: Sam Shepard
Nachdem Travis vier Jahre spurlos verschwunden war, kehrt er zurück. Sein achtjähriger Sohn Hunter ist inzwischen bei seinem Bruder in Los Angeles. Seine Frau Jane ist in Houston. Travis macht sich Hunter auf die Suche nach ihr.
In Cannes erhielt Wenders für „Paris, Texas“ die Goldene Palme. Auch an der Kinokasse war „Paris, Texas“, trotz seiner moralisch abstrusen Geschichte, ein Erfolg. In Deutschland sahen sich über eine Million Menschen den Film an.
Ry Cooder schrieb die spartanische Musik. Robby Müller fand die einprägsamen Americana-Bilder, in denen die USA ein Sehnsuchtsort ist und die Mutter-Kind-Zusammenführung von Travis, dem letzten Cowboy, der wortkarg seine Mission erledigt, als logisch erscheint.
Einer von Wim Wenders‘ schönsten und besten Filmen.
mit Harry Dean Stanton, Natassja Kinski, Hunter Carson, Aurore Clement, Dean Stockwell, Bernhard Wicki
Hinweise
Filmportal über „Paris, Texas“
Rotten Tomatoes über „Paris, Texas“
Wikipedia über „Paris, Texas“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Wim Wenders in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. August: Im Lauf der Zeit

August 2, 2015

Arte, 22.10
Im Lauf der Zeit (Deutschland 1976, Regie: Wim Wenders)
Drehbuch: Wim Wenders
Das ist ein Blick in die Vergangenheit: an der deutsch-deutschen Grenze (!) fährt Bruno von Dorf zu Dorf, um in noch bestehenden kleinen Kinos (!) Projektoren (!) zu reparieren. Auf seiner Fahrt nimmt er Robert, den er bei einem missglückten Selbstmordversuch kennen lernte, mit.
Viel passiert nicht in Wenders während dem Dreh entstandenem Psychogramm der damals Dreißigjährigen (also der um 1945 geborenen) und trotzdem ist es ein wundervoller, entspannter SW-Film (Kamera: Robby Müller), der auch beim Publikum ankam und in einigen Kinos Kultstatus erlangte. Hm, dass einige Kinos einen Film immer wieder zeigen, ist wohl auch Vergangenheit.
Arte zeigt die 2014 restaurierte Fassung.
Mit Rüdiger Vogler, Hanns Zischler, Lisa Kreuzer, Rudolf Schündler, Marquard Bohm, Dieter Traier, Franziska Stömmer
Hinweise
Arte über Wim Wenders und „Im Lauf der Zeit“
Filmportal über „Im Lauf der Zeit“
Wikipedia über „Im Lauf der Zeit“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Wim Wenders in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 29. Juli: Der amerikanische Freund

Juli 29, 2015

Weil Wim Wenders am 14. August einen runden Geburtstag feiert, zeigt Arte einige seiner schönsten Filme. Heute läuft um 20.15 Uhr „Paris, Texas“, um 22.35 Uhr „Der amerikanische Freund“ und um 00.40 Uhr sein selten gezeigtes Doku-Essay „Tokyo-Ga“.

Arte, 22.35

Der amerikanische Freund (Deutschland/Frankreich 1976, Regie: Wim Wenders)

Drehbuch: Wim Wenders

LV: Patricia Highsmith: Ripley´s Game, 1974 (Ripley´s Game oder Regel ohne Ausnahme, Ripley´s Game oder Ein amerikanischer Freund)

Restaurator Jonathan hat Leukämie. Ripley bietet ihm einen gut bezahlten Mordauftrag an. Jonathan nimmt an und sein Leben gerät aus den Fugen.

Die freie Verfilmung des dritten Ripley-Romans ist eine der besten Highsmith-Verfilmungen. Wenders zu den Veränderungen: „Ich möchte, dass meine Filme von der Zeit handeln, in der sie entstehen, von den Städten, den Landschaften, den Gegenständen, von allen, die mitarbeiten, von mir. Diesen Spielraum hat mir Ripley´s Game gelassen. Weil er in der Arbeitsweise der Highsmith auch schon enthalten ist. Deshalb glaube ich, dass ich dem Buch doch nahe geblieben bin, so sehr ich mich auch davon entfernt habe. Es gibt nicht ´die Verfilmung´. Es gibt zwei grundverschiedene Sachen: Bücher und Filme. In ihnen kann eine gleiche ´Einstellung´ zu den Dingen vorhanden sein, aber nicht die gleichen Dinge.“

Stellvertretend für die vielen euphorischen Kritiken Hans C. Blumenberg: „Wenders zeigt den urbanen Alptraum, wie man ihn noch nie in einem europäischen Film gesehen hat: halb als uraltes, verkommenes Abbruchviertel, halb als futuristische Schreckenslandschaft…Die große Faszination dieses Films hat direkt mit seiner Vielschichtigkeit zu tun. Man kann ihn als pessimistischen Kommentar zur nachrevolutionären Bewußtseinskrise der späten siebziger Jahre verstehen, aber auch als brillanten Kriminalfilm, man kann ihn als urbanen Alptraum von der Zerstörung der Städte bewundern, aber man kann ihn auch als poetische Ballade einer Freundschaft lieben. Sein Reichtum, der nicht ohne Gefahren ist, erlaubt bei jedem Sehen neue Abenteuer, neue Entdeckungen.“ Außerdem entwarf er eine Gleichung: „Hitchcock + Ray + Scorsese = Wenders“ (die Gültigkeit dieser Gleichung für andere Wenders-Filme darf bezweifelt werden.)

Mit Bruno Ganz, Dennis Hopper, Lisa Kreuzer, Gérard Blain, Nicholas Ray, Samuel Fuller, Peter Lilienthal, Daniel Schmid, Lou Castel

Hinweise

Wikipedia über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados „Das Salz der Erde“ (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Wim Wenders in der Kriminalakte

 


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