Neu im Kino/Filmkritik: Woody Allen verbringt „A rainy Day in New York“

Dezember 5, 2019

Schon der Titel „A rainy Day in New York“ deutet es an: das ist ein Film, bei dem beiläufige Beobachtungen und Begegnungen wichtiger als eine stringente Geschichte sind. Das ist auch kein Film, der große und letzte Wahrheiten verkünden will. Schließlich geht es nur um irgendeinen verregneten Tag. Ausgehend von diesem selbstgewählten Anspruch und weil Woody Allens letzte Filme eher solala waren, sind die Erwartungen für den neuen Film von Woody Allen nicht besonders hoch. Es ist einfach der neue Film eines Regisseurs, der seit gut fünfzig Jahren zuverlässig jedes Jahr einen Film dreht, dessen bekanntesten und besten Filme, wie „Der Stadtneurotiker“ und „Manhattan“ vor allem in den Siebzigern entstanden, der in den achtziger und neunziger Jahren abwechslungsreich darauf aufbaute und der seit zwanzig weitgehend selbstgenügsam vor sich hin arbeitet. Wenige Filme, wie „Match Point“ und „Blue Jasmine“, stechen hervor. Der Rest versinkt in einem immer wieder durchaus unterhaltsamen Strom recyclter Woody-Allen-Beliebigkeit mit sattsam bekannten Themen, Figuren, Witzen und einem aus alten Jazz-Songs bestehendem Soundtrack, der schon vor vierzig Jahren sehr retro war. Oder erinnert sich noch jemand ernsthaft an „Sweet and Lowdown“, „Schmalspurganoven“ (Small Time Crooks), „Im Bann des Jade Skorpions“ (The Curse of The Jade Scorpion), „Hollywood Ending“ (okay, der lief niemals in Deutschland), „Anything Else“, „Melinda und Melinda“, „Scoop – Der Knüller“, „Cassandras Traum“ (Cassandra’s Dream), „Vicky Cristina Barcelona“, „Whatever Works – Liebe sich wer kann“, „Ich sehe den Mann deiner Träume“ (You will meet a tall dark Stranger), „Midnight in Paris“, „To Rome with Love“, „Magic in the Moonlight“, „Irrational Man“, „Café Society“ und „Wonder Wheel“.

Das sind Filme, die, bis auf wenige Ausnahmen („Cassandras Traum“, „Midnight in Paris“), wie ein Griff in den Zettelkasten wirken.

Auch „A rainy Day in New York“ ist so ein Griff in den Zettelkasten. Da fährt Gatsby (!!!) (Timothée Chalamet) mit seiner Freundin Ashleigh (Elle Fanning) nach New York. Das kükenhafte Landei will für die Studentenzeitung Roland Pollard (Liev Schreiber) interviewen. Der von ihr abgöttisch bewunderte Arthaus-Regisseur lädt sie ein, sich mit ihm den Rohschnitt seines neuen Films anzusehen. Selbstverständlich ist sie einverstanden.

Währenddessen bummelt ihr Freund durch Manhattan, trifft alte Freunde, hilft bei einem Filmdreh für einen Noir aus, küsst dafür die jüngere Schwester einer Ex-Freundin und muss zu einer von seinen Eltern veranstalteten Feier.

Diese Abfolge von Episoden mit absehbaren amourösen Entwicklungen versucht nie mehr zu sein als eine beliebige Abfolge zufälliger Begegnungen fast ausschließlich weißer Menschen. Selena Gomez als in Gatsby verliebte jüngere Schwester und Diego Luna als Filmstar (und Latin Lover) bringen da etwas Farbe ins Bild.

Die von Woody Allen geschriebenen Monologe und Dialoge sind vertraut aus seinen früheren Filmen. Es ist, immerhin sind alle zentralen Figuren Jugendliche, aber nie die Sprache junger Leute. Die von ihnen benutzten Vergleiche und Anspielungen würden junge Menschen nicht wählen. Es wird nicht auf Harry Potter oder die Marvel-Filme angespielt, sondern auf den literarischen und filmischen Kanon, der vor über einem halben Jahrhundert en vogue war. Mit ihm konnte man sich als Zugehöriger zu einem bestimmten literarisch gebildetem Bildungsbürgermilieu zu erkennen geben. Da wurde, bei der richtigen cineastischen Bildung, die Anspielung auf „Out of the Past“ verstanden. Aber wer kennt heute diesen Vierziger-Jahre-Noir, der unter Noir-Fans ein Klassiker ist, überhaupt?

Allen drehte seinen verregneten Tag in Manhattan vor allem in langen Szenen, die oft nicht oder nur sparsam geschnitten sind. Keine Szene hinterlässt, im Gegensatz zum farbenprächtigen, oft wunderschön durchkomponiertem „Wonder Wheel“, einen visuell bleibenden Eindruck. Bei „A rainy Day in New York“ wirkt alles, als sei es schnell heruntergedreht worden. Fast jede Szene ist auch oft einfach zu lang geraten. Im endlosen Geplänkel seiner Stadtneurotiker fehlt jeder dramaturgische Fokus.

A rainy Day in New York““ ist der selbstgenügsame Film eines alten Mannes, der erfundene Jugendliche durch ein ebenso erfundenes Manhattan gehen lässt als ob es immer noch 1946 oder kurz danach wäre. Das ist sogar zu belanglos, um sich richtig darüber zu ärgern.

A rainy Day in New York (A rainy Day in New York, USA 2019)

Regie: Woody Allen

Drehbuch: Woody Allen

mit Timothée Chalamet, Elle Fanning, Selena Gomez, Jude Law, Diego Luna, Liev Schreiber, Annaleigh Ashford, Rebecca Hall, Cherry Jones, Will Rogers, Kelly Rohrbach

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „A rainy Day in New York“

Metacritic über „A rainy Day in New York“

Rotten Tomatoes über „A rainy Day in New York“

Wikipedia über „A rainy Day in New York“ (deutsch, englisch)

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “Blue Jasmine” (Blue Jasmine, USA 2013)

Meine Besprechung von Woody Allens “Magic in the Moonlight” (Magic in the Moonlight, USA 2014)

Meine Besprechung von John Turturros “Plötzlich Gigolo” (Fading Gigolo, USA 2013 – mit Woody Allen)

Meine Besprechung von Woody Allens “Irrational Man” (Irrational Man, USA 2015)

Meine Besprechung von Woody Allens „Café Society“ (Café Society, USA 2016)

Meine Besprechung von Woody Allens „Wonder Wheel“ (Wonder Wheel, USA 2017)

Woody Allen in der Kriminalakte  


TV-Tipp für den 5. Februar: Casino Royale

Februar 4, 2019

Nitro, 20.15

Casino Royale (Casino Royale, Großbritannien 1967)

Regie: Val Guest, Ken Hughes (als Kenneth Hughes), John Huston, Joseph McGrath, Robert Parrish

Drehbuch: Wolf Mankowitz, John Law, Michael Sayers, Woody Allen (ungenannt), Val Guest (ungenannt), Ben Hecht (ungenannt), Joseph Heller (ungenannt), Terry Southern (ungenannt), Billy Wilder (ungenannt), Peter Sellers (ungenannt)

LV: Ian Fleming: Casino Royale, 1953

Sir James Bond wird aus dem Ruhestand geholt, um die nach der Weltherrschaft strebende Gangsterorganisation SMERSH zu besiegen. Sir James Bond entwirft einen genialen Plan: er schickt mehrere James Bonds los.

Albert Broccoli und Harry Saltzman gelang es nicht, sich die Rechte an diesem Bond-Roman zu sichern. So konnte Charles K. Feldman diesen Bond produzieren. Weil Feldman nicht einfach nur Flemings Buch verfilmen wollte, entschloss er sich zu etwas vollkommen anderem.

Feldman: „Wir hatten die Idee von vielen Bonds, vielen Regisseuren, vielen Autoren und vielen Sets, so wie das auch bei [dem Kriegsfilm] ‚Der längste Tag’ geschah. Das war der einzige Weg, den Film zu realisieren. Ich hatte die Vision eines gigantischen Happenings mit Bonds, soweit das Auge reicht, mit ganzen Armeen von Girls, in wilder Pop-Art ausgemalt und von wilder Pop-Musik erfüllt.“

Letztendlich gab es bis zu fünfzehn verschiedene Drehbücher. Drei Wochen vor Drehbeginn gab es noch kein endgültiges Drehbuch, aber bereits ein veritables Chaos, das sich durch die gesamte Produktion zog. Die Drehbarbeiten zogen sich in die Länge, spontan wurden Gaststars engagiert, Drehbücher umgeschrieben und das Budget überzogen.

Das Ergebnis war niederschmetternd.

„Casino Royale ist ein Ian-Fleming-Titel, aber nur ein falsch nachgemachter Pseudo-Bond-Film…Casino Royale ist ein Alptraum.“ (Michael Scheingruber: Die James-Bond-Filme)

„Ich glaube, ich kann – mit der Hand in der Magengrube – ehrlich sagen, dass Casino Royale der schlechteste Film ist, den ich je genossen habe.“ (Donald Zec, Daily Mirror)

Und das zahlende Publikum ging lieber in die echten Bond-Filme.

Mit Peter Sellers, Ursula Andress, David Niven, Orson Welles, Joanna Pettet, Daliah Lavi, Woody Allen, Deborah Kerr, William Holden, Charles Boyer, John Huston, George Raft, Jean-Paul Belmondo, Jacqueline Bisset, Anjelica Huston (Hände von Agent Mimi; Debüt), Peter O’Toole (ungenannt), David Prowse (ungenannt, Debüt von „Darth Vader“)

Wiederholung: Donnerstag, 7. Februar, 23.55 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Casino Royale“

Wikipedia über „Casino Royale“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond – Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 26. November: Im Bann des Jade Skorpions

November 26, 2018

Arte, 22.10

Im Bann des Jade Skorpions (The Curse of the Jade Scorpion, USA 2001)

Regie: Woody Allen

Drehbuch: Woody Allen

New York, Vierziger Jahre: Woody Allen spielt einen Versicherungsdetektiv, der sich in seine Chefin verliebt. Sie möchte ihn am liebsten feuern. Eines Abends hypnotisiert ein Magier die beiden. Sie werden ein leidenschaftliches Liebespaar und Juwelendiebe. Am nächsten Tag muss Woody den Diebstahl aufklären.

„Im Bann des Jade Skorpions“ ist ein weiterer Ausflug von Woody Allen in das Krimigenre. Für diese Komödie standen vor allem die Schwarze Serie und die Screwball-Comedy Pate.

Mit Woody Allen, Helen Hunt, Dan Aykroyd, Wallace Shawn, David Ogden Stiers, Charlize Theron, Elizabeth Berkley

Wiederholung: Donnerstag, 29. November, 13.50 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Im Bann des Jade Skorpions“

Wikipedia über „Im Bann des Jade Skorpions“ (deutsch, englisch)

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “Blue Jasmine” (Blue Jasmine, USA 2013)

Meine Besprechung von Woody Allens “Magic in the Moonlight” (Magic in the Moonlight, USA 2014)

Meine Besprechung von John Turturros “Plötzlich Gigolo” (Fading Gigolo, USA 2013 – mit Woody Allen)

Meine Besprechung von Woody Allens “Irrational Man” (Irrational Man, USA 2015)

Meine Besprechung von Woody Allens „Café Society“ (Café Society, USA 2016)

Meine Besprechung von Woody Allens „Wonder Wheel“ (Wonder Wheel, USA 2017)

Woody Allen in der Kriminalakte  


Neu im Kino/Filmkritik: Das „Wonder Wheel“ des Woody Allen

Januar 12, 2018

Der alljährliche Woody-Allen-Film heißt dieses Jahr „Wonder Wheel“. Er spielt in den fünfziger Jahren auf Coney Island, der Jahrmarkt-Vergnügungsmeile der New Yorker mit angrenzendem Badestrand. Der Film hat all die Insignien, die wir von einem Woody-Allen-Film kennen – bekannte Schauspieler, Geschlechterkämpfe, Mafiosi und Witze – und doch erscheint er in der Rezeption anders als seine früheren Filme. Das liegt an der Inszenierung, die mit ihrer fast bewegungslosen Kamera und den wenigen Schnitten, das theaterhafte der Geschichte betont. Es liegt auch an der aktuellen Diskussion über sexuelle Belästigung, in die Woody Allen auch involviert ist. Als Täter. Und gerade im Licht dieser Diskussion erscheinen etliche Szenen aus „Wonder Wheel“ in einem anderen Licht. Ein Licht, in dem es nicht mehr um den offensichtlichen Inhalt der Szene, sondern um die Interpretation der Szene aufgrund bestimmter Informationen und Diskussionen geht. In diesen Momenten ist die Person des Autors als deutlich älterer, kein schlechtes Gewissen oder moralische Bedenken habenden Mann, der eine deutlich jüngere Frau bewundert, sexualisiert und sie sich gefügig macht, überdeutlich zu sehen. Es ist kein schönes Bild.

Dabei steht mit Ginny (Kate Winslet) eine ältere Frau im Mittelpunkt des Films. Sie lebt mit Humpty (Jim Belushi), einem Trinker und Schwätzer, auf Coney Island, träumt noch von ihrer Karriere als Theaterschauspielerin, arbeitet als Bedienung in einem Meeresfrüchte-Imbiss und ist eine Schnapsdrossel. Sie ist eine Variation der „Endstation Sehnsucht“-Schönheit Blanche DuBois. Sowieso erinnert „Wonder Wheel“ immer wieder an das bekannte Tennessee-Williams-Stück.

Ihr Sohn Richie (Jack Gore) legt währenddessen in jeder Mülltonne, die er sieht, Feuer. Aber das ist mehr ein Running Gag als ein für die Handlung wichtiges Element.

Mickey (Justin Timberlake) ist der mehr oder weniger zuverlässige Erzähler der Filmgeschichte (Okay, wie viel Fantasie brauchen wir, um ihn als alter ego des 1935 geborenen Woody Allen zu sehen?). Er arbeitet als Rettungsschwimmer auf Coney Island. Gleichzeitig schreibt der Student, der sich als kommenden Dichter von Weltrang sieht, ein Theaterstück und er verliebt sich Hals über Kopf in die leicht verlebte Ginny.

Bevor er Ginny kennen lernt, taucht Carolina (Juno Temple) auf der Vergnügungsmeile auf. Sie ist die Tochter von Humpty. Vor fünf Jahren heiratete sie einen kleinen Mafiosi und zerstritt sich darüber hoffnungslos mit ihrem Vater. Weil sie mit dem FBI über die illegalen Geschäfte ihres Mannes plauderte, musste sie vor ihm und seinen Mafia-Freunden flüchten. Ihre letzte Hoffnung auf einen Unterschlupf ist ihr Vater. Denn niemand wird glauben, dass sie ihn jemals um Hilfe bitten wird. Genau das tut die verzweifelte Blondine und Humpty hilft seiner zurückgekehrten Tochter in jeder Beziehung und mit überschwänglichen Gefühlen.

Auch Mickey bandelt mit Carolina an. Als Ginny das ahnt, ist sie darüber sehr verärgert. Und dann hören sich Mafiosi nach Carolina um.

Die Geschichte spielt vor allem in Ginnys Ein-Zimmer-Apartment, in dem sie mit Mann und Sohn und Blick auf den Vergnügungspark lebt und das schon von seinem Grundriss an eine Theaterbühne erinnert. Dort prallen die Emotionen aufeinander. In langen Szenen, in denen die Schauspieler, mehr stehend oder sitzend als sich durch den Raum bewegend, mehr in Mono- als Dialogen reden und die ihre wahre Heimat im Theater haben. Die Kamera verharrt in diesen Momenten bewegungslos in der Totalen und Kameramann Vittorio Storaro („Der letzte Tango in Paris“, „Apocalypse Now“, „Einer mit Herz“), der nach „Café Society“ zum zweiten Mal mit Woody Allen zusammen arbeitet, beschränkt sich auf das Aufnehmen schöner Gemälde, in denen die Vergangenheit museal ausgestellt wird.

Die in dem Stoff angelegten burlesken Liebesreigen interessieren Woody Allen nicht. Dafür geht es dann doch zu sehr, ohne jemals auch nur halbwegs in die Tiefe des Stoffes zu gehen, in Richtung Drama.

Das ist nicht wirklich schlecht und Allen-Fans finden genug Details für weitergehende Analysen. Aber er inszenierte die neueste Ausgabe seiner allseits bekannten Themen, Konflikte und Witze viel zu sehr auf Autopilot, routiniert und ohne erkennbares Engagement, um zu begeistern. „Wonder Wheel“ ist ein dialoglastiges Theaterstück, in dem die schnellste Bewegung der Schluck aus der Schnapstasse ist.

Wonder Wheel (Wonder Wheel, USA 2017)

Regie: Woody Allen

Drehbuch: Woody Allen

mit Jim Belushi, Juno Temple, Justin Timberlake, Kate Winslet, Max Casella, Jack Gore, David Krumholtz, Tony Sirico, Steve Schirripa

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Metacritic über „Wonder Wheel“

Rotten Tomatoes über „Wonder Wheel“

Wikipedia über „Wonder Wheel“ (deutsch, englisch)

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Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “Blue Jasmine” (Blue Jasmine, USA 2013)

Meine Besprechung von Woody Allens “Magic in the Moonlight” (Magic in the Moonlight, USA 2014)

Meine Besprechung von John Turturros “Plötzlich Gigolo” (Fading Gigolo, USA 2013 – mit Woody Allen)

Meine Besprechung von Woody Allens “Irrational Man” (Irrational Man, USA 2015)

Meine Besprechung von Woody Allens „Café Society“ (Café Society, USA 2016)

Woody Allen in der Kriminalakte  


TV-Tipp für den 21. November: Blue Jasmine

November 21, 2017

ZDF, 00.35

Blue Jasmine (Blue Jasmine, USA 2013)

Regie: Woody Allen

Drehbuch: Woody Allen

Weil Jasmine es unerträglich fände, von ihren Freundinnen aus der New Yorker Oberschicht an der Kasse gesehen zu werden, quartiert sie sich nach der Totalpleite ihres Mannes in San Francisco bei ihrer Schwester Ginger ein. Die bodenständige Ginger will Jasmine helfen, aber sie lebt in ihrer eigenen Traumwelt.

TV-Premiere eines von der Kritik abgefeierten Woody-Allen-Films vier Jahre nach dem Kinostart zu einer unmöglichen Uhrzeit.

Zum Kinostart meinte ich zu diesem um eine quirlige Schwester und etwas Wirtschaftskrimi angereichertes Quasi-Remake von Amos Kolleks „Sue – Eine Frau in New York“: „ein etwas zwiespältiges Vergnügen, trotz der gewohnt grandiosen Schauspieler und der gut gespielten Szenen, die mal mehr auf die Mike-Leigh-Schule, mal mehr in Richtung Ingmar Bergman, auch etwas in Richtung High-Society-Satire schielen und alle im Woody-Allen-Kosmos grundiert sind.“

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Cate Blanchett, Sally Hawkins, Alec Baldwin, Peter Sarsgaard, Louis C. K., Bobby Cannavale, Michael Stuhlbarg, Andrew Dice Clay, Max Casella, Alden Ehrenreich, Tammy Blanchard

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Meine Besprechung von John Turturros “Plötzlich Gigolo” (Fading Gigolo, USA 2013 – mit Woody Allen)

Meine Besprechung von Woody Allens “Irrational Man” (Irrational Man, USA 2015)

Meine Besprechung von Woody Allens „Café Society“ (Café Society, USA 2016)

Woody Allen in der Kriminalakte  


TV-Tipp für den 10. Oktober: Plötzlich Gigolo

Oktober 10, 2017

ZDF, 00.20

Plötzlich Gigolo (Fading Gigolo, USA 2013)

Regie: John Turturro

Drehbuch: John Turturro

Der alleinstehende Florist Fiorante (John Turturro) ist mit seinem Leben zufrieden. Da schlägt ihm sein Freund Murray (Woody Allen), ein Buchhändler, der nachdem er sein Geschäft schließen musste, viel Zeit und viele Ideen hat, ein wundervolles Geschäft vor. Fiorante soll mit seiner Hautärztin und deren Freundin ins Bett gehen. Für Geld. Aus der einmaligen Sache entwickelt sich schnell mehr, viel mehr als Fiorante und Murray sich in ihren kühnsten Träumen ausgemalt haben.

TV-Premiere einer wundervollen New-York-Liebeskomödie zu einer unmöglichen Uhrzeit.

Obwohl Woody Allen nur mitspielt, John Turturro die Hauptrolle hat, das Drehbuch schrieb und die Regie übernahm, ist „Plötzlich Gigolo“ eine waschechte Woody-Allen-Komödie mit dem vertrauten Woody-Allen-New-York-Flair.

Den Grund erfahrt ihr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit John Turturro, Woody Allen, Vanessa Paradis, Liev Schreiber, Sharon Stone, Sofia Vergara, Bob Balaban, M’Barka Ben Taleb, Tonya Pinkins

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Film-Zeit über „Plötzlich Gigolo“
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Neu im Kino/Filmkritik: Besuchen Sie mit Woody Allen das „Café Society“

November 10, 2016

Der jährliche Woody-Allen-Film entführt uns wieder einmal in die Dreißiger Jahre an die Ost- und Westküste, nach Hollywood und in einen New Yorker Nachtclub, in dem sich die bessere Gesellschaft trifft.

Aber zuerst muss Bobby Dorfman (Jesse Eisenberg als Woody Allen) nach Los Angeles. Der jüdische Junge will nicht im Geschäft seines Vaters arbeiten. Weil die Dorfmans mit Phil Stern (Steve Carell) einen erfolgreichen Hollywood-Agenten in der Familie haben, gibt es auch gleich familiäre Beziehungen, die ausgenutzt werden können. Onkel Phil soll sich um Bobby kümmern. Und wie das so ist mit lästigen Verwandten, hat der großkotzige Agent keine Zeit für das entfernte Familienmitglied. Also lässt er ihn von seiner Sekretärin Vonnie (Kristen Stewart) durch Hollywood kutschieren. Dabei verlieben sich die beiden.

Dummerweise ist Vonnie auch mit Onkel Phil liiert und dieser überlegt jetzt ernsthaft, seine Frau für die Geliebte zu verlassen.

Dieses Liebesgeschichte steht zwar einerseits so halbwegs im Zentrum von „Café Society“, andererseits erzählt der Film, den Woody Allen nach eigenem Bekunden wie einen Roman strukturierte, vor allem ein Jahr aus dem Leben von Bobby, ergänzt um zahlreiche Episoden aus dem Leben seiner Familienmitglieder. Diese Episoden sind durchaus vergnüglich. Oft als Gags. Aber sie bringen den Hauptplot nicht voran. Und auch der Hauptplot ist eher eine Nebensache.

In der Filmmitte beginnt eine vollkommen neue Geschichte, die im Gegensatz zur Hollywood-Filmhälfte lustlos, ziellos und unkonzentriert heruntergespult wird. Bobby zieht zurück nach New York. Er betreibt, was für Ärger sorgen wird, zusammen mit seinem Verbrecher-Bruder einen Nachtclub, verliebt sich in eine andere Frau (Blake Lively) und heiratet sie. Erst als Phil mit seiner neuen Frau im Nachtclub wieder auftaucht, trifft Bobby seine erste Liebe wieder. Beide haben wir, während wir uns fragte, wie die Geschichte enden soll, nicht wirklich vermisst. Aber dann ist Silvester und das Jahr und der Film sind um, ohne dass wir klüger sind. Auch wenn die letzten Bilder eine bestimmte Interpretation nahe legen, hat das abrupte Ende von „Café Society“ nicht die Eleganz des Endes von „Match Point“. Und auch nie dessen erzählerische Stringenz und Eleganz.

Denn „Café Society“ ist ein Desaster. Da helfen auch nicht die stilbewusste Ausstattung, die schönen Hollywood-Locations, fein fotografiert von Vittorio Storaro, der beschwingte Jazz-Soundtrack, und die sympathischen, engagiert spielenden Schauspieler; auch wenn Steve Carell einfach nur wieder den bösen Kapitalisten spielt. Es hilft nicht, weil das Drehbuch einfach nur, zusammengehalten durch einen Erzähler (im Original von Woody Allen gesprochen), Episoden aneinanderreiht. Oft mit dem bekannten Allen-Witz, aber auch vollkommen beliebig austauschbar. Man hätte auch locker die Hälfte der Szenen durch andere Szenen ersetzen können, ohne dass man es bemerken würde. Eisenberg als Woody-Allen-Imitator wird von Szene zu Szene geschoben, ohne dass jemals klar wird, was er den will. Naja, eigentlich will er nichts. Weder in Hollywood, noch in New York. Dabei wiederholt Allen seine vertrauten Themen, die er in früheren Filmen deutlich besser behandelte als in dieser redundanten Abfilmung seiner Notizzettel.

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Café Society (Café Society, USA 2016)

Regie: Woody Allen

Drehbuch: Woody Allen

mit Jesse Eisenberg, Jeannie Berlin, Steve Carell, Blake Lively, Parker Posey, Kristen Stewart, Corey Stoll, Ken Stott

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Rotten Tomatoes über „Café Society“

Wikipedia über „Café Society“ (deutsch, englisch)

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Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “Blue Jasmine” (Blue Jasmine, USA 2013)

Meine Besprechung von Woody Allens “Magic in the Moonlight” (Magic in the Moonlight, USA 2014)

Meine Besprechung von John Turturros “Plötzlich Gigolo” (Fading Gigolo, USA 2013 – mit Woody Allen)

Meine Besprechung von Woody Allens “Irrational Man” (Irrational Man, USA 2015)

Woody Allen in der Kriminalakte  


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