Neu im Kino/Filmkritik: Daddys Frage beim Anblick des Zukünftigen seiner Tochter: „Why him?“

Januar 13, 2017

Why him?“ gehört eigentlich, wie das Will-Smith-Vehikel „Verborgene Schönheit“, das am 19. Januar anläuft, zu den Weihnachtsfilmen, die im November/Dezember starten und ihre Geschichte, mehr oder weniger geschickt, an Weihnachten spielen lassen, ohne dass es einen signifikanten Einfluss auf die Qualität des Films hat.

Ned Fleming (Bryan Cranston) ist ein liebevoller Vater von zwei Kindern, Ehemann und Besitzer einer vor der Pleite stehende Druckerei. Er verbringt seine Weihnachten immer mit der Familie im heimatlichen Grand Rapids, Michigan.

Dieses Jahr überrascht ihn seine in Stanford studierende Tochter Stephanie (Zoey Deutch) mit ihrem neuen Freund, den sie während der Feier zu seinem 55. Geburtsgag via Skype sehr unvorteilhaft kennen lernen. Entsprechend groß sind die Vorbehalte von Ned gegenüber dem Hallodri, der wahrscheinlich gerade versucht vom Klein- zum etwas größeren Gangster aufzusteigen.

Trotzdem erklärt der biedere Familienvater sich bereit, mit seiner Frau und ihrem 15-jährigem Sohn ins immer sommerliche Kalifornien zu fliegen und die Weihnachtstage mit dem Schwiegersohn in spe (okay, das erfährt Ned erst etwas später) in Palo Alto zu verbringen.

Seine erste Überraschung ist, dass Laird Mayhew (James Franco) ein stinkreicher Silicon-Valley-Technik-Mogul ist. Und wir fragen uns, warum Ned etwas gegen einen Mann hat, der aus dem Nichts ein Vermögen aufbaute.

Es könnte natürlich an Lairds mangelnder Impulskontrolle, seiner Offenherzigkeit, seiner Ehrlichkeit und seiner erfrischenden Unbedarftheit im Umgang mit gesellschaftlichen Konventionen liegen.

Spätestens ab der ersten Begegnung zwischen Ned und Laird folgt „Why him?“ den vorhersehbaren Pfaden einer US-Vulgärkomödie, bei der die Schauspieler vielleicht ihren Spaß hatten (James Franco hatte ihn garantiert), aber der Film eine Qual für die Zuschauer ist. Anstatt sich auf ein Gagfeuerwerk zu konzentrieren, wird jeder der wenigen, meist von der ersten bis zur letzten Sekunde vorhersehbaren Witze bis zum Gehtnichtmehr gestreckt. Zum Beispiel dieser immerhin jugendfreie und nicht peinliche „Pink Panther“/“Der rosarote Panther“-Witz:

Der einminütige Clip zeigt nur die erste Hälfte des Witzes. Als ob man die Anspielung nicht schon beim ersten Mal verstanden hätte. Sowieso wäre dieser Witz, der später im Film noch einmal variiert wird (man könnte ihn ja vergessen haben), in einer besseren Komödie ein lässig eingeworfener Nebenbei-Gag gewesen. In einer Komödie wie „Das Leben des Brian“ (die ich vor einigen Tagen wieder gesehen habe) wäre der Gag wohl noch nicht einmal in die erste Drehbuchfassung gekommen.

Der die Geschichte bestimmende Konflikt zwischen Ned und Laird ist sowieso künstlich aufgebläht. Das liegt einerseits an der abgöttischen Bewunderung der US-Amerikaner für Reichtum. Außerdem hat der grundgütige Laird sich seinen Reichtum selbst erarbeitet. Eigentlich müsste Ned sich über einen solchen Schwiegersohn freuen. Auch wenn sein Benehmen etwas gewöhnungsbedürftig ist.

Schließlich ist Ned bekennender „Kiss“-Fan und, vor allem, der liebende Daddy, der alles für seine Kinder tut.

Kurz: der Konflikt zwischen Schwiegervater und potentiellem Schwiegersohn ist von der ersten Sekunde an nur behauptet.

Potentielle Konflikte, die die Handlung vorantreiben könnten – wenn Ned vielleicht versuchen würde, Laird mit allen Mitteln zu entblößen (was natürlich schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt ist, weil Laird keine Hintergedanken, keine Impulskontrolle und kein Schamgefühl hat) oder er versuchen würde, Laird zu einem Investment in seiner vor dem Konkurs stehenden Firma zu überzeugen (was ebenfalls zum Scheitern verurteilt ist, weil Laird in die Firma investieren will, aber Ned das ablehnt) – werden ignoriert zugunsten von langen Sitzungen auf modernen Toiletten.

Why him?“ ist mit gut zwei Stunden Laufzeit eine mindestens dreißig Minuten zu lang geratene, überflüssige US-Komödie, die nicht witzig ist und, angesichts der geringen Witzdichte des Films, auch nicht als humoristisch gefärbtes Drama funktioniert. Da fragt man sich nur „Why?“.

Die Antwort ist wahrscheinlich „Geld“.

why-him-plakat

Why him? (Why him?, USA 2016)

Regie: John Hamburg

Drehbuch: John Hamburg, Ian Helfer

mit Bryan Cranston, James Franco, Zoey Deutch, Megan Mullally, Griffin Gluck, Cedric the Entertainer, Keegan-Michael Key, Adam Devine, Andrew Rannells, Casey Wilson

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Why him?“

Metacritic über „Why him?“

Rotten Tomatoes über „Why him?“

Wikipedia über „Why him?“ (deutsch, englisch)

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Neu im Kino/Filmkritik: „Everybody wants some!!“ – Richard Linklaters Reise zurück in die Achtziger

Juni 4, 2016

Da liefert mir Hannah Pilarczyk auf Spiegel Online mit ihrer Nicht-Kritik über Richard Linklaters neuen Film „Everybody wants some!!“ doch glatt die Steilvorlage für den Einstieg in meine Besprechung des Films. Sie schreibt:

Das alles kann man schreiben. Allein: Der Film hat mir keine Freude bereitet. Ich habe das alles erkannt und dennoch nicht gelacht. (…)

Stattdessen hat mich dieser Film dazu gebracht, ganz grundlegend über die Aufgabe einer Filmkritik nachzudenken. Das soeben Angeführte ist die Summe des Wissen, (…)

Einen ähnlichen Kenntnisstand kann man bei der durchschnittlichen Kinobesucherin, beim durchschnittlichen Kinobesucher nicht voraussetzen. Muss ich ihn als Kritikerin deshalb liefern? Auch wenn er nur das Wissen über den Film vergrößert, aber nicht den Spaß daran?“

Ob eine Kritik den „Spaß“ an einem Film vergrößern kann, weiß ich nicht. Das liegt daran, was man unter „Spaß“ versteht. Und „Freude“ bei einem Film ist auch okay. Wobei sie hier mit „Freude“ wohl nicht „Wohlgefallen“ oder „Vergnügen“, sondern allgemeiner meint, er habe sie nicht angesprochen; sie in keinster Weise berührt. Zum Beispiel wird niemand von einem Film von Michael Haneke, Ulrich Seidl oder Todd Solondz „Freude“ erwarten und auch niemand, der seine fünf Sinne beisammen hat, wird sagen, Roman Polanskis „Der Pianist“ (am Sonntag auf Arte) habe ihr Freude bereitet. Aber es sind sehenswerte, gute Filme, die einen berühren und mit denen sich eine Auseinandersetzung lohnt.

Eine Kritik als eine begründete Meinung sollte genau dazu einladen. D. h.: ich versuche meine Meinung zum Film nachvollziehbar zu erläutern. Ich schreibe auch, um was es in dem Film geht, was der Regisseur zeigen wollte, ob er das erreicht und warum es nach welchem Standard und nach welchen Erwartungen ein gelungener oder misslungener Film ist. Die Kritik sollte den Leser auch befähigen zu beurteilen, ob ihm der Film gefallen könnte. Und, wenn er ihn schon gesehen hat, neue Informationen und Einsichten vermitteln. Also zum Beispiel, warum er ihm nicht gefallen hat, oder warum er vielleicht doch nicht so schlecht ist, wie er glaubt. Insofern ist eine Kritik immer eine persönliche und natürlich subjektive, aber informierte Auseinandersetzung mit dem Film, die mehr als ein „gefällt mir“ oder „gefällt mir nicht“ ist und bei der das Ego und die persönlichen Befindlichkeiten des Verfassers nicht im Mittelpunkt stehen sollten.

Richard Linklaters neuer Film hat mir auch nicht gefallen. Ich fand ihn langweilig und auch ich konnte für keinen Charakter irgendetwas empfinden, obwohl mir Linklaters andere Filme gefallen, er wieder einen autobiographischen Stoff inszenierte und der Film, siehe Rotten TomatoesLINK, bei der US-Kritik überaus gut ankommt.

Wo also lief es für mich (okay, nicht nur für mich) schief?

Everybody wants some!!“ erzählt von den letzten Tagen vor dem Beginn des Studiums. Im Sommer 1980 kommt Jake Bradford als Neuling an die Southeast Texas State University. Er gehört zum Baseball-Team und hat ein Zimmer in dem in der Stadt gelegenem Studentenwohnheim des Baseball-Teams. Seine Mitbewohner nehmen ihn auf und ziehen mit ihm an dem Wochenende vor dem College-Beginn um die Häuser. Sie nehmen feste und flüssige Drogen. Sie amüsieren sich in verschiedenen Lokalen von einer Disco über einen Punk-Schuppen und eine Country-&-Western-Bar hin zu einer Party im Studentenwohnheim der Kunst-Studenten. Sie spielen etwas Baseball. Sie haben Sex – oder versuchen es. Sie hängen ab. Und am Montag hängen sie müde in der ersten Vorlesung.

Der 1960 geborene Texaner Linklater, der selbst an der Universität Baseball spielte, blickt mit „Everybody wants some!!“ auf seine College-Zeit zurück und er schließt auch an „Dazed and Confused – Sommer der Ausgeflippten“ (Dazed and Confused, USA 1993) an. In diesem autobiographisch inspiriertem Film erzählt er in Episoden von den Erlebnissen mehrerer High-School-Freshmen und den Schülern der Abschlussklasse im Sommer 1976 in Texas. Es geht von der ersten Minute an um den Abschied aus der vertrauten Schule und Umgebung und um den Aufbruch in eine neue Welt. Die Folie, vor der sich alles abspielt, ist das Wissen, dass nach dieser Nacht alles anders sein wird.

Genau diese Folie fehlt „Everybody wants some!!“. Es geht zwar auch um die Aufnahme eines neuen Schülers in die Gemeinschaft, aber dieses Mal gibt es kein Ziel. Also ob das Wochenende der letzte Abschied von der unbeschwerten Jugend oder der Anfang der Eroberung einer neuen, schöneren, offeneren, mehr Möglichkeiten bietenden Welt ist. Es wird nur ein Wochenende gezeigt, bei dem es egal ist, ob es am Anfang oder Ende oder in der Mitte des Semesters oder des Studiums spielt.

Allein das führt schon zu einer Distanz zum Erzählten. Es gibt nämlich keinen Rahmen, in den man die Episoden sinnvoll einordnen kann und die ihnen damit eine größere Bedeutung verleihen. So ist es nur der Tanz in der Disco, das Besäufnis, der wirre Vortrag eines kiffenden Mitstudenten und die nächste Schönheit, die man erobern will.

Dazu kommt das Ensemble von jungen, unbekannten Schauspielern, die alle erschreckend eindimensionale Charaktere verkörpern müssen. Denn letztendlich muss sich keiner von ihnen mit einem Problem herumschlagen oder eine Entscheidung treffen. Aber gerade das Treffen von Entscheidungen verrät uns einiges über den Charakter einer Person und je wichtiger für ihn die Entscheidung ist, umso mehr können wir mit ihm mitfühlen.

Dann würden wir auch verstehen, warum der durchgeknallte Student, der wie eine Kopie von „Taxi Driver“ Travis Bickle wirkt, so ist, wie er ist. In dem Film erleben wir ihn zuerst in der Disco als den grundlos für Ärger sorgenden Psychopathen, mit dem wir keine zwei Sekunden zusammen sein wollen. Später sollen wir glauben, dass er ein wichtiges und durchaus respektiertes Mitglied des Baseball-Teams ist. Nur: wir glauben es nicht.

Ein anderes, älteres Mitglied aus dem Team verschwindet plötzlich, weil er seine College-Zulassung fälschte. Aus diesem Charakter hätte man durchaus etwas machen können, aber in dem Film bleibt er so nebensächlich, dass nicht nur ich mich fragte, wer er denn genau war, was er vorher in dem Film gemacht hat und, verdammt noch mal, welches Teammitglied er war.

Ebenso austauschbar bleiben die vielen anderen Charaktere. Über keinen will man unbedingt mehr erfahren, von keinem erwartet man sehnsüchtig den nächsten Auftritt und keinen würde man, wenn er plötzlich aus dem Film ausscheiden würde, vermissen.

So bleibt aber alles an der Oberfläche. Als ob man ein altes Fotoalbum durchblättert.

Everybody wants some

Everybody wants some!! (Everybody wants some!!, USA 2016)

Regie: Richard Linklater

Drehbuch: Richard Linklater

mit Will Brittain, Zoey Deutch, Ryan Guzman, Tyler Hoechlin, Blake Jenner, J. Quinton Johnson, Glen Powell, Wyatt Russell

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Everybody wants some!!“

Metacritic über „Everybody wants some!!“

Rotten Tomatoes über „Everybody wants some!!“

Wikipedia über „Everybody wants some!!“

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Before Midnight“ (Before Midnight, USA 2013)

Richard Linklater in der Kriminalakte

Ein ausführliches Gespräch mit Richard Linklater über den Film und den ganzen Rest

Ein etwas kürzeres Gespräch mit ihm über den Film

Und eines mit ihm, Rick Keeler und Tyler Hoechlin (beides Mitstudenten von Linklater) und über den Film und ihre gemeinsame Uni-Zeit


Neu im Kino/Filmkritik: Robert De Niro ist „Dirty Grandpa“ – und das ist kein Witz

Februar 11, 2016

Nein!
Nein!
Nein!
Nein!
Nein!
Nein!
Nein!
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.
.
Nein!
Außer Sie findet es witzig, wenn gut zwei Stunden der Grundschulwitz mit dem Furzkissen erzählt wird und wir uns wieder einmal über ein aufgemaltes männliches Geschlechtsteil amüsieren sollen.
Der Witz war schon beim ersten Mal nicht witzig, kommt aber in jeder pubertären US-Klamauk-Komödie mindestens einmal vor.
Dazu gibt es, auch keine Überraschung, altbacken-verklemmte Witze über Minderheiten, über die die Minderheiten gefälligst lachen sollen und dass das alles so wundervoll politisch unkorrekt und tabubrechend sein soll, glaubt auch niemand. Denn es ist vor allem peinlich und ungefähr so witzig wie Hämorrhoiden.
Dass Robert De Niro freiwillig und im Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten die Hauptrolle des nach dem Tod seiner Frau heftig pubertierenden Großvaters auf Spring-Break-Tour übernommen hat, kann nur als der erfolgreiche Versuch gewertet werden, sein Lebenswerk möglichst vollumfänglich zu demolieren.
Was ihm gelungen ist.
„Dirty Grandpa“ ist der traurige Tiefpunkt eines eh schon seit Jahren, bis auf wenige Ausnahmen, nicht beeindruckenden Spätwerkes, das sich darauf konzentriert in schlechten Filmen seinen Gehaltsscheck einzustreichen. Wenige Ausnahmen bestätigen die Regel.
Denn selbstverständlich gibt es auch für ältere Schauspieler gute Rollen. Seht euch die letzten Filme von Clint Eastwood, Robert Redford, Dustin Hoffman und Michael Douglas an. Um nur die wirklich bekanntesten Namen zu nennen.

Dirty Grandpa - Plakat

Dirty Grandpa (Dirty Grandpa, USA 2015)
Regie: Dan Mazer
Drehbuch: John M. Phillips
mit Robert De Niro, Zac Efron, Aubrey Plaza, Zoey Deutch, Julianne Hough, Jason Mantzoukas, Adam Pally, Dermot Mulroney, Danny Glover
Länge: 102 Minuten
FSK: ab 12 Jahre (in den USA gab’s immerhin ein R-Rating)

Hinweise
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Dirty Grandpa“
Metacritic über „Dirty Grandpa“
Rotten Tomatoes über „Dirty Grandpa“
Wikipedia über „Dirty Grandpa“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/FiImkritik: Gottseidank! Menschen dürfen nicht an die „Vampire Academy“

März 13, 2014

 

Woher wissen Vampire, wie sie sich verhalten müssen? Eine schwierige Frage, die aber bislang nicht besonders beachtet wurde. Irgendwie waren die Gebissenen entweder nach dem Vampirbiss tot oder sie wussten es einfach.

Heute ist das alles etwas komplizierter und wenn es dann noch eine große Mythologie mit Vampiren verschiedenen Grades und verschiedener Fähigkeiten und einem Dutzend königlicher Familien gibt, wie in den „Vampire Academy“-Young-Adult-Büchern von Richelle Mead, dann lohnt sich ein bildungsfördernder Schulbesuch. Denn bei Meads gibt es nicht nur Vampire und Menschen, sondern Moroi und ihre Bodyguards, die Dhampire, die eine Mischung aus Vampir und Mensch sind, die Strigoi, die wirklich bösen Vampire (die nie auf die Schule gehen), und halt noch die Menschen. Außerdem gelten viele der altbekannten Regeln, wie die mit dem Sonnenlicht, nicht mehr.

Also lohnt sich für die guten Vampire ein Besuch in der „Vampire Academy“, die irgendwo im Wald liegt, hübsche historische Gebäude und einen durchaus unklaren Internetanschluss hat. Menschen sind nicht in dieser Schule.

Weil das Drehbuch von Daniel Waters ist, weckt der Film Erwartungen, die er nie einlöst. Er schrieb auch die Bücher für die mit dem Edgar-Allan-Poe-Award ausgezeichnete schwarze High-School-Komödie „Heathers“, „Ford Fairlane“, „Hudson Hawk“, „Batmans Rückkehr“ und „Demolition Man“ und in den Filmen gab es immer etwas zum Lachen. Aber in „Vampire Academy“, der als High-School-Komödie unter Vampiren beworben wird (was eigentlich ein todsicheres Rezept für eine gelungene Komödie ist), gibt es nichts zu lachen. Erschreckend unkomisch und unkonzentriert wird die Geschichte von Lisa Dragomir (aka Prinzessin Vasilisa Dragomir), der künftigen Herrscherin der Vampire, und ihrer Beschützerin Rose Hathaway erzählt. Als sie nach ihrer Flucht zurück zur Vampire Academy gebracht werden, geschehen Dinge, die etwas mehr als die üblichen Schulstreiche sind und sie glauben, dass es um etwas größeres geht.

Nun, ich verrate nichts überraschendes, wenn ich sage, dass die Mädels recht haben.

Allerdings ist die Story ein einziger Mischmasch aus zusammengeklauten Teilen, die einfach, wie Unterrichtsstunden, nebeneinander drapiert werden: etwas Vampirfilm, etwas Schulkomödie, etwas Liebesfilm, einige Kämpfe (keine Schule ohne Sportunterricht und Schulhofkeilerei) und eine ebenso ausufernde wie uninteressante Mythologie im Geschichtsunterricht. Dabei kann der Film sich nie entscheiden was er sein will und was er erzählen will. Eher schon, was er nicht will, indem er zielsicher die schlechtesten Elemente aus den bekannten Filmen und Serien, die einem zu dem Thema sofort einfallen, nimmt und alle Möglichkeiten, die in dem durchaus interessantem Stoff und der Ausgangsidee liegen, verschenkt. Nach dem Besuch der „Vampire Academy“ erscheinen die ebenfalls nicht besonders gelungenen „Percy Jackson“-Filme, in denen in der Gegenwart ein griechischer Halbgott in die Schule geschickt wird, wie Meisterwerke der Filmkunst.

Nur in einem Punkt ist die ungenießbare „Vampire Academy“ interessant. Während in den erfolgreichen Vampirschmonzetten die Mädels immer nur schmachtend nach Mr. Right suchen und ihn züchtig anhimmeln, wird hier – wir reden von einem Mainstream-Film – erfrischend unbefangen mit dem Thema „Sex“ umgegangen und Rose bietet sich ihrer Freundin immer wieder und ohne negative Folgen als Blutlieferantin an. Das ist dann eine doch sehr offensichtliche Metapher für lesbischen Sex.

Das Ende des Films spekuliert zwar schamlos auf einen zweiten Teil, der sich nach dem enttäuschenden Kinoumsatz in den USA die Fortsetzung erledigt haben dürfte.

Vampire Academy - Plakat

Vampire Academy (Vampiry Academy, USA 2013)

Regie: Mark Waters

Drehbuch: Daniel Waters

LV: Richelle Mead: Vampire Academy, 2007 (Blutschwestern; Vampire Academy)

mit Zoey Deutch, Lucy Fry, Danila Kozlovsky, Olga Kurylenko, Gabriel Byrne

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Vampire Academy“

Moviepilot über „Vampire Academy“

Metacritic über „Vampire Academy“

Rotten Tomatoes über „Vampire Academy“

Wikipedia über „Vampire Academy“ (deutsch, englisch)

Homepage von Richelle Mead

 

 


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