TV-Tipp für den 27. März (und DVD-Kritik): Der gleiche Himmel – Teil 1

März 26, 2017

ZDF, 20.15 (Nachtwiederholung um 02.30 Uhr)

Der gleiche Himmel – Teil 1 (Deutschland 2017)

Regie: Oliver Hirschbiegel

Drehbuch: Paula Milne

Berlin, 1974: Lars Weber (Tom Schilling) wird von der Stasi als Romeo-Agent nach West-Berlin geschickt. Er soll die vierzigjährige Alleinerziehende Lauren Faber (Sofia Helin, „Die Brücke“) verführen und wichtige Informationen über ihre Arbeit entlocken. Sie arbeitet als Analystin in der britisch-amerikanischen Abhörstation auf dem Teufelsberg.

Als sie in der Mitte der zweiten von drei Episoden einen tödlichen Schlaganfall hat, wird Webers Zielobjekt geändert. Jetzt soll er die ebenfalls auf dem Teufelsberg arbeitende US-Amerikanerin Sabine Cutter (Friederike Becht) verführen. Aber er und seine Auftraggeber ahnen nicht, wer Sabine Cutter ist.

Wir als Zuschauer haben dagegen schon ziemlich früh eine ziemlich genau Vorstellung davon und den entstehenden Konflikten, wenn Weber, Cutter und alle anderen das entdecken.

Der gleiche Himmel“ ist eine Mischung aus Event-Produktion und Miniserie, je nach Rechnung als Dreiteiler (3 x 90 Minuten, im TV und auf DVD) oder als Sechsteiler (6 x 45 Minuten auf dem internationalen Markt und bei Netflix), deren Geschichte nach viereinhalb Stunden mitten in der Geschichte abbricht. Als habe man bei einem Agatha-Christie-Krimi nach dem Auffinden der Leiche oder eine Seite vor der Versammlung der Verdächtigen in einem Zimmer aufgehört; – oder, nein, weil „Der gleiche Himmel“ seine Geschichte sehr offen erzählt, wie ein James-Bond-Film, der nach der ersten Begegnung von James Bond mit dem Bösewicht einfach aufhört mit dem Kommentar: „Ach, eigentlich könnt ihr euch den Rest denken.“

Dieses offene Ende ist eine bodenlose Frechheit.

Der Weg bis zum Ende ist dabei gar nicht so schlecht. Oliver Hirschbiegel erzählt betulich eine Agentengeschichte mit viel Zeitkolorit und, immerhin muss die Geschichte auf 270 Minuten gestreckt werden und es werden nur die Fundamente für kommende Konflikte gelegt, vielen, vielen Nebengeschichten, die mit dem Auftrag von Lars Weber nichts zu tun haben und dessen Geschichte immer wieder in den Hintergrund verdrängen. Dafür ist Webers ganze Ostfamilie in verschiedene Geschichten verwickelt, die ein Best-of-DDR sind: es geht um Homosexualität, um den Bau eines Fluchttunnels (am Ende gibt es die Idee für eine andere Möglichkeit der Republikflucht), um eine potentielle Teilnehmerin an der Schwimmolympiade und damit verbundenes Doping, um Spitzelgeschichten, Verhöre im Stasi-Knast Hohenschönhausen und regimekonformen Schulunterricht. Alles das ist nicht uninteressant, aber für den Hauptplot überflüssig. Auch weil bis zum Ende der ersten Staffel (das ist die nicht offen ausgesprochene Idee der Macher) kein sich konflikthaft befruchtendes Verhältnis zwischen den Geschichten vorhanden ist.

Die Schauspieler holen oft Facetten aus den Rollen heraus, die die reinen Dialoge so nicht hergeben. Das gilt, zum Beispiel, für Ben Becker als Führungsoffizier von Lars Weber, der leicht zu einem kettenrauchendem Hardboiled-Proll-Klischeedetektiv hätte werden können. Er bringt auch etwas Humor in den gleichen Himmel. Oder für Jörg Schüttauf, der sein Leben lang für den Sozialismus kämpfte und dafür sein Umfeld ausspäht und ausspähen lässt. Oder für Anja Kling als vom Ehrgeiz zerfressene Mutter einer potentiellen Olympia-Teilnehmerin, die alles tun würde, damit ihre Tochter ihren Traum erfüllt – und sie die größere Wohnung bekommt.

Das wird durchgehend grundsolide präsentiert, aber mit einem Ende, das als Ende einer Miniserie in keinster Weise akzeptabel ist. Dass in der ZDF-Fassung am Ende in Schrifteinblendungen, die in der DVD-Fassung fehlen, die Geschichte weitererzählt wird, macht es nur noch schlimmer.

Das ZDF zeigt den zweiten Teil am Mittwoch, den 29. März, um 20.15 Uhr (Nachtwiederholung um 01.30 Uhr) und den dritten Teil am Donnerstag, den 30. März, ebenfalls um 20.15 Uhr (Nachtwiederholung am Samstag, den 1. April, um 02.15 Uhr [Taggenau!]) .

Polyband veröffentlicht die DVD am Freitag, den 31. März. Als Bonusmaterial gibt es ein „Making of“ (9:11 Minuten), das Featurette „Die Musik zu ‚Der gleiche Himmel’“ (4:47 Minuten), „Interviews mit den Darstellern Tom Schilling, Friederike Becht und Sofia Helin“ (7:26 Minuten) und ein „Interview mit Autorin Paula Milne“ (9:52 Minuten). Sie sind fast auch online, z. B. auf der ZDF-Homepage, verfügbar und eher oberflächlich in dem erwartbaren Promo-Rahmen. Wobei das Interview mit Paula Milne etwas aus dem Rahmen fällt, weil Drehbuchautorinnen normalerweise nicht befragt werden. Mit Oliver Hirschbiegel wurde dagegen, obwohl er im „Making of“ und dem Musik-Featurette dabei ist, anscheinend kein längeres Interview geführt.

mit Tom Schilling, Friederike Becht, Sofia Helin, Ben Becker, Claudia Michelsen, Anja Kling, Stephanie Amarell, Muriel Wimmer, Jörg Schüttauf, Godehard Giese, Jascha Rust, Hannes Wegener, Steffi Kühnert, Daniel Zillmann

DVD (erhältich ab dem 31. März)

Polyband

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Making of, Die Musik zu „Der gleiche Himmel“, Interviews mit den Darstellern Tom Schilling, Friederike Becht und Sofia Helin, Interview mit Autorin Paula Milne

Länge: 270 Minuten (3 x 90 Minuten) (2 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

ZDF über „Der gleiche Himmel“

Moviepilot über „Der gleiche Himmel“

Wikipedia über „Der gleiche Himmel“ (deutsch, englisch)

Variety unterhält sich mit Oliver Hirschbiegel über die Serie

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Five Minutes of Heaven“ (Five Minutes of Heaven, GB 2009)

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Diana“ (Diana, USA/GB 2013)

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Elser“ (Deutschland 2015)  (mit Interviews mit Oliver Hirschbiegel über den Film) (und der DVD)


TV-Tipp für den 26. März: Schwarzer Engel/Brian De Palma

März 25, 2017

Ein Arte-Themenabend

Arte, 20.15

Schwarzer Engel (Obsession, USA 1976)

Regie: Brian De Palma

Drehbuch: Paul Schrader (Nach einer Geschichte von Paul Schrader und Brian De Palma)

Sechzehn Jahre nach der Entführung von seiner Frau und Tochter, die dabei starben, entdeckt Michael Courtland in Florenz eine Frau, die die Zwillingsschwester seiner toten Frau könnte. Sie verlieben sich ineinander, heiraten und kurz vor der Hochzeit wird sie entführt. Courtland fragt sich, ob sich jetzt alles wiederholt.

Starkes Frühwerk von De Palma, das, wie viele seiner Filme, zahlreiche Vergleiche mit dem Werk von Alfred Hitchcock provozierte. Auch weil dieses Mal Hitchcock-Komponist Bernard Herrmann („Vertigo – Aus dem Reich der Toten“) den Soundtrack komponierte und dafür posthum für den Soundtrack-Oscar nominiert wurde.

Die Story selbst; – nun ja, man sollte nicht zu viele Fragen stellen und sich dem Bilderrausch (Kamera: Vilmos Zsigmond) hingeben.

Danach drehte De Palma „Carrie – Das Satans jüngste Tochter“.

mit Cliff Robertson, Geneviève Bujold, John Lithgow, Sylvia ‚Kuumba‘ Williams, Wanda Blackman

Wiederholung: Dienstag, 4. April, 13.40 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Schwarzer Engel“

Wikipedia über „Schwarzer Engel“ (deutsch, englisch)

 

Arte, 21.50

Brian De Palma (De Palma, USA 2015)

Regie: Noah Baumbach, Jake Paltrow

Spielfilmlange Doku über Brian De Palma, in der der Regisseur ausführlich zu Wort kommt – und das ist gut so.

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Brian De Palma“

Wikipedia über „Brian De Palma“

Meine Besprechung von Noah Baumbachs „Frances Ha“ (Frances Ha, USA 2012)

Meine Besprechung von Noah Baumbachs „Gefühlt Mitte Zwanzig“ (While we’re young, USA 2014)

Meine Besprechung von Noah Baumbachs „Mistress America“ (Mistress America, USA 2015)


TV-Tipp für den 25. März: Open Range – Weites Land

März 25, 2017

In die Sommerzeit mit

ARD, 23.55

Open Range – Weites Land (USA 2003, Regie.: Kevin Costner)

Drehbuch: Craig Storper

LV: Lauran Paine: The Open Range Man, 1990 (später auch „Open Range“)

Als der tyrannische Rancher Baxter die Herde der beiden seit Ewigkeiten zusammen reitenden Cowboys Spearman und Waite stehlen will, hat er sich mit den falschen angelegt.

Schöner Western, der angenehm altmodisch auf jeglichen modernen Schnickschnack verzichtet und ruhig seine Geschichte erzählt.

mit Robert Duvall, Kevin Costner, Annette Bening, Michael Gambon, Michael Jeter, Diego Luna, James Russo, Kim Coates

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Open Range”

Wikipedia über „Open Range“ (deutsch, englisch)

Fantastic Ficton über Lauran Paine

David Whitehead über Lauran Paine


„Libreville“ – ein Ausflug nach Afrika mit Mord und Totschlag – und etwas Korruption

März 24, 2017

Libreville ist die Hauptstadt von Gabun, einem Land in Afrika, das eine französische Kolonie war, in Lambaréné Albert Schweitzer sein weltweit bekanntes Hospital hatte und der Äquator verläuft durch das dünn besiedelte Land.

Libreville“ ist auch der Titel eines Kriminalromans von Janis Otsiemi, einem 1976 geborenem Gabuner, der bereits mehrere Kriminalromane schrieb, die alle noch nicht ins Deutsche übersetzt sind. Das sollte sich dringend ändern.

Die Geschichte spielt wenige Monate vor dem Tod das gabunischen Staatspräsidenten Omar Bongo, der das Land von 1967 bis zu seinem Tod am 8. Juni 2009 regierte.

Die Polizisten Pierre Koumba Owoula und Hervé Louis Boukinda Envame müssen den Mord an dem Journalisten Roger Missang aufklären. Ihr Chef möchte, dass sie den Fall schnell aufklären und so die Proteste von „Reporter ohne Grenzen“ schnell verstummen. Die beiden Ermittler vermuten, dass Missang aus politischen Gründen ermordet wurde. Ihre Einschätzung ändern sie, als sie erfahren, dass die Kugel, die sie bei Missang fanden, zu der Waffe gehört mit der vor fünf Jahren Pavel Kurka, der Sicherheitschef des Verteidigungsministers, erschossen wurde. Seitdem ist die Waffe verschwunden und der Täter läuft noch frei herum. Nach dieser Entdeckung wird auch dem Mordfall eine Staatsaffäre.

Neben der Mordermittlung müssen die beiden Polizisten mehrere kleinere Fälle aufklären und immer wieder helfen ihnen Zufälle, Glück, Spitzel und brutale Verhöre. Eine normale, westlich-zivilisierten Standards gehorchende Polizeiarbeit findet dagegen nicht statt. Die Korruption hat ein Ausmaß, das die gesamte Polizei und Verwaltung lahmlegt. Falls sie sowieso nicht schon latent arbeitsunfähig wäre. Immerhin funktionieren auf der Polizeistation die Schreibmaschinen aus der de-Gaulle-Zeit noch.

Janis Otsiemi erzählt das auf knapp zweihundert Seiten spannend und ohne Umwege. Dabei mimt er öfter den Erklärbär, der ein Publikum im Hinterkopf hat, das Libreville, Gabun und die dortigen Zustände nicht kennt.

Libereville“ ist kein Rätselkrimi (außer natürlich dem Rätsel, wie die Beamten in dieser Umgebung überhaupt Ermittlungserfolge haben können), aber ein düsterer Polizeithriller, der einen Einblick in eine fremde Welt gibt, die man nicht besuchen möchte. Denn in Otsiemis Roman gibt es nur Verbrecher und mehr oder weniger korrupte Polizisten.

Abgerundet wird der Roman von einem aktuellen Interview, das Alf Mayer mit Otsiemi führte.

Janis Otsiemi: Libreville – Ein Kriminalroman aus Gabun

(übersetzt von Caroline Gutberlet)

Polar Verlag, 2017

224 Seiten

14 Euro

Originalausgabe

African Tabloid

Jigal, 2013

Hinweise

Polar über Janis Otsiemi

Wikipedia über Janis Otsiemi


TV-Tipp für den 24. März: Banklady

März 23, 2017

Arte, 20.15
Banklady (Deutschland 2013)
Regie: Christian Alvart
Drehbuch: Christoph Silber, Kai Hafemeister
Bonnie & Clyde in der deutschen Version.
Ein überraschend gelungener Gangsterfilm, der, mit viel Sixties-Flair, die vergessene Geschichte von Deutschlands erster Bankräuberin Gisela Werner erzählt.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Nadeshda Brennicke, Charly Hübner, Ken Duken, Andreas Schmidt, Heinz Hoenig, Henny Reents, Niels Bruno Schmidt, Heinz Struck

Hinweise
Film-Zeit über „Banklady“
Moviepilot über „Banklady“
Wikipedia über die echte Banklady Gisela Werler

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Banklady“ (Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Halbe Brüder“ (Deutschland 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: Die „Power Rangers“ retten die Welt vor Rita Repulsa

März 23, 2017

Jason, Kimberly, Billy, Trini und Zack sind fünf Jugendliche in der verschlafenen All-American-Kleinstadt Angel Grove. Teils waren sie schon immer die Außenseiter. Teils haben sie es sich dank unüberlegter Aktionen so in der Schule verscherzt, dass sie jetzt zu den Außenseitern gehören und gemeinsam Nachsitzen müssen.

In einem stillgelegten Bergwerk entdecken sie fünf leuchtende Münzen, die ihnen übermenschliche Kräfte verleihen. Kräfte die sie, wie ihnen Zordon (Bryan Cranston als körperloses Bewusstsein in der Matrix des Raumschiffes) und der Cyborg Alpha 5 (der Sidekick des Films) erklären, zum Wohl der Menschheit einsetzen müssen.

Als erstes müssen sie gegen Rita Repulsa (Elizabeth Banks) kämpfen, die die Erde vernichten will.

Bevor die Power Rangers sich mit ihr kloppen und dabei Angel Grove einer Grundsanierung unterziehen, müssen sie unter der Führung des weißen Jason zu einer schlagkräftigen Truppe werden.

Powers Rangers“ ist der neue Kinofilm mit den bekannten Seriencharakteren, die 1993 bei Fox Kids ihren ersten Auftritt hatten und seitdem, bei verschiedenen Sendern, im Kino, als Game und als Spielzeug, eine wahre Geldquelle für ihren Erfinder Haim Saban sind. Die Kinderserie läuft immer noch im TV. In Deutschland lief die Serie zuerst bei RTL und Super RTL und inzwischen bei Nickelodeon.

Der Kinofilm, der ebenfalls ein jüngeres, eher vorpubertäres Publikum anvisiert, soll jetzt der Auftakt zu einer von der TV-Serie unabhängigen Serie von Kinofilmen sein.

Regisseur Dean Israelite („Project Almanac“) erzählt in seinem zweiten Spielfilm die Origin-Geschichte der Power Rangers recht flott, ohne spürbaren Längen und Überraschungen, aber mit einem humoristischen Unterton, der einem verrät, dass niemand den SF-Trashfilm hundertprozentig ernst nimmt. Besonders Elizabeth Banks hatte erkennbar ihren Spaß als Rita Repulsa. Sie ist eine egomanische Over-the-Top-Bösewichtin, die aus irgendeiner fernen Sagenwelt (oder dem letzten „Flash Gordon“-Film) stammt und die vor allem kleine Kinder als spärlich bekleidete böse Hexe etwas erschrecken will.

Die Power Rangers selbst sind eine bunte Truppe, die keine gesellschaftliche Gruppe vernachlässigt und die sogar – das muss gesagt werden, weil die Macher die Szene in Interviews schon betonen, Malaysia sich (wie schon bei „Die Schöne und das Biest“ [läuft jetzt ungekürzt]) überlegt, wie sie mit dieser Szene umgehen können und man sie leicht überhören kann – eine lesbische Superheldin haben. Das ist für einen Major-Superheldenfilm eine Sensation, die sich darin äußert, dass bei einem Lagerfeuergespräch Yellow Ranger Trini gefragt wird, ob sie nicht „boyfriend problems“ sondern „girlfriend problems“ habe.

So lobenswert es ist, Jugendlichen zu erklären, dass sie sich nicht für ihre Gefühle während der Pubertät schämen müssen, so klein ist dann der Halbsatz, dem man schnell überhören und nicht in seiner ganzen Bedeutung erfassen kann. Die anderen Power Ranger fragen akzeptieren ihre Antwort ohne Nachfragen oder Irritationen. Für den restlichen Film ist Trinis Antwort ebenfalls unwichtig.

Abgesehen von dieser Bemerkung bleibt im Superheldenkosmos dann doch alles beim alten. Immer noch wird die Gruppe von einem weißen Jungen, dem Star des Football Teams, angeführt. Seine Befehle werden von den anderen ohne Diskussion befolgt. Es gibt den Nerd, die Schulschönheit, den Draufgänger und die Beobachterin. Das unterscheidet sich in seiner Zusammensetzung und Gruppendynamik dann kaum von der ebenso bunt zusammengesetzte Besatzung der Original-“Raumschiff Enterprise“-Serie aus den sechziger Jahren.

Fünfzig Jahre später könnte sich auch im Superheldengenre endlich einmal eine Superheldengruppe unter der Führung eines Nicht-Weißen, vielleicht sogar einer Frau, vielleicht sogar einer Lesbe, zusammenfinden. Das wäre dann einmal etwas wirklich Neues.

Das große Finale, bei dem Angel Grove zerstört wird, Blech auf Blech prallt, das wolkenkratzergroße Goldmonster Goldar und seine Herrin Rita Repulsa dazwischen stehen und die Power Rangers und ihre Zords (Mischwesen aus prähistorischen Tieren und Maschine) sie angreifen, sieht dann wie ein herzhaftes Verwenden der Reste und Storyboards aus dem letzten „Transformers“-Film aus.

Produzent Haim Saban hat mit „Power Rangers“ ähnlich langlebige Pläne. Im „Variety“ hat er schon fünf Fortsetzungen angekündigt, die dann bis ungefähr 2030 im Kino gezeigt werden. Es gäbe nämlich einen sechs Filme umspannenden Handlungsbogen.

Ob es dazu kommt, wird sich demnächst an der Kinokasse entscheiden.

Power Rangers (Power Rangers; Saban’s Power Rangers, USA 2017)

Regie: Dean Israelite

Drehbuch: John Gatins (nach einer Geschichte von Matt Sazama, Burk Sharpless, Michele Mulroney und Kieran Mulroney)

mit Dacre Montgomery, Naomi Scott, RJ Cyler, Becky G, Ludi Lin, Bill Hader, Bryan Cranston, Elizabeth Banks

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Power Rangers“

Metacritic über „Power Rangers“

Rotten Tomatoes über „Power Rangers“

Wikipedia über „Power Rangers“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Das Alien ist „Life“

März 23, 2017

In naher Zukunft: die ISS-Raumstation im Erdorbit: ein sechsköpfiges internationales Forscherteam sucht nach außerirdischem Leben und findet es in einem Einzeller vom Mars. Er wächst. Er stirbt und wird mit Stromstößen wieder zum Leben erweckt. Als er sich dagegen wehrt, soll er flambiert werden, was dem Ding aus einer anderen Welt nicht gefällt.

Ab diesem Moment kämpft die Mannschaft des Raumschiffs um ihr Überleben und es hilft, wenn man sich nicht zu genau an Ridley Scotts SF-Horrorfilmklassiker „Alien“ erinnert. Denn Daniel Espinosa liefert letztendlich nur eine Variation des Films ab, die deshalb selten wirklich überrascht, aber dank der Schauspieler, dem Drehbuch, den Spezialeffekte und der ruhig schwebende Kamera gefällt, die in langen Einstellungen die schwerelos durch die Raumstation schwebenden Wissenschaftler begleitet.

Nachdem Espinosa in früheren Filmen, wie „Safe House“, die Wackelkamera und Sekundenschnitte zum nervigen Stilprinzip erhoben hatte, kehrt er in „Life“ endgültig zur traditionellen Inszenierung zurück. Es ist auch eine Inszenierung, die die Schauspieler, die Tricks und die Geschichte in den Mittelpunkt stellt.

Beginnen wir mit den Schauspielern: Ryan Reynolds, Jake Gyllenhaal und Rebecca Ferguson sind die bekannten Namen, die genau deshalb eine größere Chance haben, das Filmende zu erleben. Olga Dihovichnaya, Ariyon Bakare und Hiroyuki Sanada ergänzen die Raumschiffbesatzung, die aus der ganzen Welt stammt. Und nachdem das Alien, von den Wissenschaftlern Calvin genannt, das erste Besatzungsmitglied tötete, ist klar, dass nur ein Narr auf das Überleben einer bestimmten Person wetten würde. Aber jeder bekommt seine große Sterbeszene, in der er tapfer gegen Calvin kämpft. „Life“ ist halt ein Shocker, in dem die Besatzungsmitglieder nur zum Sterben auf der Station sind. Deshalb erfahren wir auch, abgesehen von einem Mitglied, nichts über sie, was über ihre Aufgabe an Bord hinausgeht.

Die Tricks konzentrieren sich auf das Alien und, im Gegensatz zu älteren SF-Filmen, in denen die Astronauten sich normal durch ihr Schiff bewegen, auf die Darstellung der Schwerelosigkeit. Von der ersten bis zur letzten Minute schweben die ISS-Besatzungsmitglieder schwerelos durch das Schiff, wenn sie nicht gerade in einer auf der Erde unmöglichen Position an den Computern arbeiten oder miteinander reden. Anfangs, wenn die Besatzungsmitglieder während einer Besprechung an der Wand und Decke der Station schweben, irritiert das noch etwas. Später nimmt man kaum noch wahr, dass in „Life“ durchgängig auf die traditionelle Zuweisung von ‚oben‘ und ‚unten‘ verzichtet wird.

Das Monster ist ein fast durchsichtiges, glibberiges Quallenwesen, das seine Opfer mit seinen Tentakeln umarmt, umhüllt, erstickt, penetriert und gerade wegen seiner Gestaltlosigkeit Urängste weckt. Es ist nicht die einen zerfetzende „Alien“-Kreatur, sondern mehr ein Nebel des Grauens, der überall und nirgends ist. Und der Reihe nach die Besatzung dezimiert, die sich entsprechend den Genrekonventionen verhalten.

Denn die hochintelligenten Wissenschaftler der ISS-Raumstation versuchen das Wesen genauso wie die Arbeiter auf der Nostromo in „Alien“ oder die Antarktisforscher in „Das Ding aus einer anderen Welt“ zu bekämpfen: mit nackter Gewalt und dem Ziel, das fremde, sie bedrohende, scheinbar unbesiegbare Wesen zu töten. Wobei in „Life“ die sechs Besatzungsmitglieder alle eine lakonischen Todesakzeptanz haben, in der jedes Mitglied in Gefahr und größter Not nicht an sich, sondern an die anderen denkt.

Diese Vorhersehbarkeit des Skripts ist dann auch das größte Problem von „Life“. Wir wissen zwar nicht, wer wann wie stirbt, aber wir wissen, dass die Besatzungsmitglieder der Reihe nach dezimiert werden. Inclusive einiger logischer Brüche (Wo ist das Alien? Wie kam es jetzt an diesen Ort?). Die „Deadpool“-Autoren Paul Wernick und Rhett Reese belassen es in ihrer Geschichte dann auch beim kunstvollen Ausfüllen der bekannten Formel, ohne ihr noch eine zusätzliche Dimension zu geben.

Life (Life, USA 2017)

Regie: Daniel Espinosa

Drehbuch: Paul Wernick, Rhett Reese

mit Jake Gyllenhaal, Ryan Reynolds, Rebecca Ferguson, Olga Dihovichnaya, Ariyon Bakare, Hiroyuki Sanada

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Life“

Metacritic über „Life“

Rotten Tomatoes über „Life“

Wikipedia über „Life“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Daniel Espinosas „Sebastian Bergman – Spuren des Todes 1“

Meine Besprechung von Daniel Espinosas „Safe House“ (Safe House, USA 2012)

Meine Besprechung von Daniel Espinosas „Kind 44“ (Child 44, CZ/GB/RO/USA 2015)


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