Cover der Woche

Juni 27, 2017


TV-Tipp für den 27. Juni: Tatort: Spätlese

Juni 27, 2017

WDR, 23.40

Tatort: Spätlese (Deutschland 1977)

Regie: Wolfgang Staudte

Drehbuch: Herbert Lichtenfeld

Kommissar Haferkamp sucht Paul Bernholds Mörder. Zunächst verdächtigt er dessen Frau und den Hausarzt.

Wie alle Haferkamp-Tatorte: gelungen und heute immer noch sehenswert als Krimi und als Porträt der siebziger Jahre.

Herbert Lichtenberg, ein vielbeschäftigter Drehbuchautor, schrieb auch das Buch für den „Tatort“-Klassiker „Reifezeugnis“.

Der WDR zeigt nächsten Diensta, den 4. Juli, um 23.35 Uhr den Haferkamp-Tatort „Rechnung mit einer Unbekannten“. Ebenfalls sehenswert.

mit Hansjörg Felmy, Willy Semmelrogge, Karin Eickelbaum, Bernd Schäfer, Andrea Jonasson, Claudia Wedekind, Horst Michael Neutze, Pierre Franckh

Hinweise

Tatort-Fundus über Kommissar Haferkamp

Wikipedia über „Tatort: Spätlese“


DVD-Kritik: Ein „Headshot“, viele Schläge und Tritte, ausgeteilt und eingesteckt von Iko Uwais

Juni 26, 2017

Genrefans kennen Iko Uwais vor allem aus den beiden „The Raid“-Filmen, in denen er sich zuerst durch ein Hochhaus und später durch die Stadt kämpfte. Die von Gareth Evans inszenierten Filme waren ein Fest für Fans von Actionfilmen, die endlich wieder überzeugende Martial-Arts-Kämpfen und Actionszenen, in denen die Schnitte nichts verbergen, sehen wollten, in einem Film, bei dem man sein Gehirn nicht vollkommen abschalten musste.

Auch in seinem neuesten Film „Headshot“ kämpft er sich durch den Film – und die Kamera beobachtet ihn dabei.

Die Filmstory, so eine Art „Jason Bourne im Gangstermilieu“, erreicht allerdings niemals die Qualität der „The Raid“-Geschichten. Die Regisseure Kimo Stamboel und Timo Tjahjanto (auch Drehbuch) erzählen eine ziemlich abstruse Geschichte, die nur dazu dient, die Kämpfe zweckdienlich miteinander zu verbinden.

Uwais spielt einen Mann ohne Gedächtnis, der schwer verletzt an das Ufer eine Insel gespült wird. Die Medizinstudentin Ailin nennt ihn Ishmael.

Schnell bemerkt er, dass einige Männer ihn umbringen wollen und er über außergewöhnlich gute Reflexe verfügt. Er beginnt die Männer zu suchen, die ihn umbringen wollen. Und er will wissen, warum.

Der Weg dorthin ist mit vielen Schlägereien gepflastert, in denen die Kampfsportler in langen, wenig geschnittenen Kämpfen gegeneinander antreten. Das ist gut gemacht, hat in manchen Momente auch die tänzerische Eleganz eines Jackie-Chan-Films, allerdings ohne deren Humor. Das macht „Headshot“ zu einem sehr grimmigen Nonstop-Actionfilm.

Insofern richtet sich der indonesische Actionfilm vor allem an Genrefans, die sich vor allem für die von Iko Uwais grandios choregraphierten Martial-Arts-Kämpfe interessieren und die dafür auf eine ausgefeilte Story verzichten können.

Das Bonusmaterial besteht aus drei Werbe-Featurettes.

Headshot (Headshot, Indonesien 2016)

Regie: Kimo Stamboel, Timo Tjahjanto

Drehbuch: Timo Tjahjanto

mit Iko Uwais, Julie Estelle, David Hendrawan, Chelsea Islan, Zack Lee

DVD

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Indonesisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Behind the Scenes, Trailer, Teaser

Länge: 114 Minuten

FSK: „keine schwere Jugendgefährdung“

Hinweise

Moviepilot über „Headshot“

Metacritic über „Headshot“

Rotten Tomatoes über „Headshot“

Wikipedia über „Headshot“


TV-Tipp für den 26. Juni: Tatort: Der Boß

Juni 25, 2017

RBB, 22.15

Tatort: Der Boss (Deutschland 1971)

Regie: Heinz Schirk

Drehbuch: Johannes Hendrick

Da dürften sich einige „Tatort“-Fans freuen: Der RBB zeigt bis Ende September jeden Montag um 22.15 Uhr einen alten, oft schon seit Jahren (Jahrzehnten?) nicht mehr gezeigten Berlin-„Tatort“ und das in brandneu restaurierten Fassungen. Sie könnten also besser als bei der Erstausstrahlung aussehen und wir können prüfen, ob die damaligen Urteile heute immer noch stimmen. Denn nicht jeder „Tatort“ aus Berlin wurde euphorisch abgefeiert.

Gezeigt werden „Der Boss“ (heute), „Rattennest“ (mit Götz George, am 3. Juli), „Transit ins Jenseits“ (mit Götz George und Marius Müller-Westernhagen, am 10. Juli), „Feuerzauber“ (am 17. Juli), „Sterne für den Orient“ (am 24. Juli), „Gefährliche Träume“ (am 31. Juli), „Beweisaufnahme“ (am 7. August), „Katz und Mäuse“ (am 15. August), „Sterben und sterben lassen“ (am 22. August), „Fluppys Masche“ (am 29. August), „Freiwild“ (Wolfgang Staudtes letzter Film, am 4. September), „Blutwurstwalzer“ (ein Klassiker, von Wolfgang Becker, mit Jürgen Vogel, am 11. September), „Berlin – Beste Lage“ (von Matti Geschonneck, am 18. September) und „Die Sache Baryschna“ (ebenfalls von Matti Geschonneck und, wie die vorherigen beiden „Tatorte“, mit Günter Lamprecht, am 25. September).

In „Der Boss“, dem ersten „Tatort“ des RBB (damals Sender Freies Berlin [SFB]), geht es um eine Bande von Pelzdieben. Als deren Boss an der Zonengrenze ermordet aufgefunden wird, sucht Kommissar Kasulke (Paul Esser) den Mörder; – wobei es damals noch möglich war, den „Tatort“ als Gangsterkrimi zu erzählen und den Ermittler zum Nebendarsteller zu machen. Es war auch möglich, die Geschichte innerhalb einer Stunde zu erzählen.

Der zweite und letzte Kasulke-Fall wird am kommenden Montag gezeigt.

mit Paul Esser, Hugo Panczak, Heribert Sasse, Elke Aberle, Günther Dockerill, Gustl Bayrhammer (Gastkommissar)

Hinweise

RBB über seine „Tatorte“

Tatort-Fundus über „Der Boss“

Wikipedia über „Tatort: Der Boss“


Wieder im Kino: Sun Ras „Space is the Place“ – Premiere mit Konzert in Berlin, dann Kinotour durch den Rest der Republik

Juni 25, 2017

I’m not real. I’m just like you. You don’t exist in this society. If you did, your people wouldn’t be seeking equal rights. You’re not real. If you were, you’d have some status among the nations of the world. So we’re both myths. I do not come to you as a reality. I come to you as the myth, because that’s what black people are. Myths. I came from a dream that the black man dreamed a long time ago. I’m actually a presence sent to you by your ancestors.“ (Sun Ra)

Lexika behaupten, dass Sun Ra bürgerlich Herman ‚Sonny‘ Blount hieß, am 22. Mai 1914 in Birmingham, Alabama, geboren und am 30. Mai 1993 in Birmingham, Alabama, starb.

Nun ja. Das kann man so sehen. Muss man aber nicht. Denn Sun Ra ist ein göttliches Wesen aus dem Weltall und mit seinem Arkestra landete er auf der Erde um seine befreiende Musik und Botschaft für die Menschheit zu spielen.

In John Coneys „Space is the Place“ wird erzählt, wie Sun Ra nach einer jahrelangen Reise durch Raum und Zeit mit seinem Raumschiff auf die Erde zurückkehrt. In Kalifornien sucht er schwarze Brüder, die er in seinem Raumschiff mitnehmen will. Die Erde selbst ist im Wahn von Rassismus und Repression dem Untergang geweiht. An einer Ausfallstraße in Oakland gründet er eine Agentur für Zeitarbeit, in der sich ein bunter Querschnitt von der Gesellschaft Ausgestoßener vorstellt, wenn Sun Ra nicht gerade einen Jugendclub besucht und dort seine revolutionäre Botschaft der Liebe verkündet.

Aber nicht jeder ist von Sun Ras Mission begeistert. Die NASA und der mysteriöse Overseer kämpfen gegen ihn und man braucht nicht viel Fantasie, um sie in den damaligen politischen Kämpfen zu verorten; wenn man sich nicht noch tiefer in die afroamerikanische Mythologie begeben will.

Das liest sich jetzt wie die Inhaltsbeschreibung eines halbwegs konventionellen B-Pictures, das etwas Subtext für die Intellektuellen hat und den damaligen revolutionären Zeitgeist der frühen siebziger Jahre widerspiegelt.

Nichts könnte falscher sein. „Space is the Place“ ist eine vom Blaxploitation-Kino beeinflusste afrofuturistische Collage mit dokumentarischen Einschüben, die mehr eine Jazzimprovisation (und ein großer Spaß) als ein auch nur halbwegs normaler Film ist. Es gibt wiederkehrende Themen und Motiven, viele kurzen Episoden, die manchmal wieder aufgenommen werden, manchmal nicht, Improvisationen, viele Anspielungen auf die Popkultur, die aktuelle Politik (wir reden von den frühen Siebzigern), abgedrehten Dialoge und einem Sun Ra im Mittelpunkt, der dem Begriff Deadpan-Schauspiel eine neue Dimensionen verleiht. Sun Ra verzieht keine Mine und ist dabei gleichzeitig umwerfend komisch und todernst, geerdet und abgespact und er lässt keinen Zweifel an seiner friedlichen Mission aufkommen.

Space is the Place“ ist in jedem Fall kultiger Film, den Rapid Eye Movies hier ausgegraben, Bild für Bild restauriert und digitalisiert hat. Von der letzten noch existierenden 35-mm-Kopie, die im Keller des Produzenten Jim Newman gefunden wurde und in einem erbärmlichen Zustand war. Das zeigt sich immer wieder an Verschmutzungen im Bild, die man sonst nur von alten Filmkopien kennt. Das gilt auch für den Ton, die Farbgebung und das Bildformat. „Space is the Place“ wird wieder im ursprünglichen Academy-Format (1:1,33) gezeigt. Insgesamt verleiht das dem Film einen sehr angenehmen Retro-Charme.

Schade ist nur, dass man in dem Film wenig von Sun Ra und seinem Arkestra hört. Denn sie spielten einen sehr zugänglichen und witzigen Big-Band-Free-Jazz. Im Film gibt es nur einige kurze, experimentell-freejazzigen Konzertausschnitte.

Da muss man dann doch einmal auf YouTube herumstöbern.

The earth cannot move without music. The earth moves in a certain rhythm, a certain sound, a certain note. When the music stops the earth will stop and everything upon it will die.“ (Sun Ra)

Die Weltpremiere der restaurierten Fassung ist am Montag, den 26. Juni, um 20.00 Uhr im Babylon Kino. Mit Jim Newman, dem Produzenten des Films, und einem Auftritt des Sun Ra Arkestra, das die Botschaft Sun Ras immer noch in die Welt hinausträgt.

Einen Tag später, am Dienstag, den 27. Juni, gibt es um 20.00 Uhr im Festsaal Kreuzberg ein Konzert des Arkestra.

Und danach will Rapid Eye Movies den Film – „eine Ode an die Kraft von Musik und Kunst, sozialen Wandel voranzutreiben und sich von politischen Zwängen nicht beeindrucken zu lassen“ (Rapid Eye Movies) – an möglichst vielen Orten zeigen.

Space is the Place (Space is the place, USA 1974)

Regie: John Coney

Drehbuch: Joshua Smith, Sun Ra

mit Sun Ra, Raymond Johnson, Barbara Deloney, Erika Leder, Christopher Brooks, Clarence Brewer, John Gilmore, Marshall Allen, Danny Davis, Eloe Omoe, Kwame Hadi, Danny Thompson, Tommy Hunter, Ken Moshesh, Lex Humphries

Länge: 81 Minuten

FSK: ab 6 Jahre (beantragt)

Hinweise

Homepage zum Film (mit den ersten Tourterminen)

Moviepilot über „Space is the Place“

Rotten Tomatoes über „Space is the Place“

Wikipedia über „Space is the Place“ und Sun Ra (deutsch, englisch)

AllMusic über Sun Ra

Homepage des Sun Ra Arkestra

All about Jazz über Sun Ra

Das Sun Ra Arkestra mit einigen Gästen am 29. Oktober 1983 bei den Jazztagen in Berlin in der Philharmonie. Viel Vergnügen!

 


TV-Tipp für den 25. Juni: Donnie Brasco

Juni 24, 2017

Tele5, 20.15

Donnie Brasco (USA 1997, Regie: Mike Newell)

Drehbuch: Paul Attanasio

LV: Joseph D. Pistone, Richard Woodley: Donnie Brasco: My Undercover Life in the Mafia, 1990

FBI-Agent Joe Pistone arbeitete von 1975 bis 1981 als Undercover-Agent in New York gegen den Bonanno Clan. Dabei befreundete er sich mit dem Kleingangster Lefty Ruggiero.

Intensives Porträt über Mafiosi am unteren Ende der Futterleiter, den persönlichen Folgen gefährlicher Einsätze, über Beziehungen, Freundschaft und Verrat.

Mit Al Pacino, Johnny Depp, Michael Madsen, James Russo, Anne Heche

Wiederholung: Montag, 26. Juni, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Donnie Brasco”

Wikipedia über „Donny Brasco“ (deutsch, englisch)

Weekly Script: Drehbuch “Donnie Brasco” von Paul Attanasio (Fassung vom 27. Juli 1992)


TV-Tipp für den 24. Juni: Lachsfischen im Jemen

Juni 24, 2017

ZDFneo, 20.15

Lachsfischen im Jemen (Salmon Fishing in the Yemen, Großbritannien 2011)

Regie: Lasse Hallström

Drehbuch: Simon Beaufoy

LV: Paul Torday: Salmon Fishing in the Yemen, 2006 (Lachsfischen im Jemen)

Dr. Alfred Jones, Lachsexperte und Angestellter des englischen Fischereiministeriums, hält die Idee des Scheichs, Lachse im Jemen heimisch zu machen, für absolut hirnverbrannt. Aber viel Geld und der eiserne Wille der Politik, eine dringend benötige positive anglo-amerikanische Geschichte zu produzieren, zwingen Jones dazu, sich dem idiotischen Projekt zu widmen. Außerdem ist der Scheich sehr sympathisch und die Projektleiterin äußerst liebenswert.

„Lachsfischen im Jemen“ ist ein herrliches Feelgood-Movie mit einem ordentlichen Schuss politischer Satire.

mit Ewan McGregor, Emily Blunt, Kristin Scott Thomas, Amr Waked, Catherine Steadman, Tom Mison, Rachael Stirling, Tom Beard

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Lachsfischen im Jemen“

Rotten Tomatoes über „Lachsfischen im Jemen“

Wikipedia über „Lachsfischen im Jemen“

Meine Besprechung von Lasse Hallströms „Lachsfischen im Jemen“ (Salmon Fishing in the Yemen, Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Lasse Hallströms Lars-Kepler-Verfilmung „Der Hypnotiseur“ (Hypnotisören, Schweden 2012)

 Meine Besprechung von Lasse Hallströms „Safe Haven – Wie ein Licht in der Nacht“ (Safe Haven, USA 2012)

Meine Besprechung von Lasse Hallströms „Madame Mallory und der Duft von Curry“ (The Hundred-Foot Journey, USA 2014)

 


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