TV-Tipp für den 30. September: Dallas Buyers Club

September 30, 2016

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Eins Plus, 20.15

Dallas Buyers Club (Dallas Buyers Club, USA 2013)

Regie: Jean-Marc Vallée

Drehbuch: Craig Borten, Melisa Wallack

1985 erfährt Ron Woodroof, Rodeoreiter, Frauenheld und Homohasser, dass er HIV-Positiv ist und in wenigen Tagen sterben wird. Er besorgt sich nicht zugelassene Medikamente und verkauft sie an Leidensgenossen, wenn sie Mitglied im titelgebenden „Dallas Buyers Club“ werden.

Regisseur Jean-Marc Vallée inszenierte die auf der wahren Geschichte von Ron Woodroof, der am 12. September 1992 starb, basierende, sehenswerte Charakterstudie mit der Handkamera im Stil des Siebziger-Jahre-New-Hollywood-Kinos. Und Matthew McConaughey überzeugt als bis auf die Knochen abgemagerte Unsympath mit uramerikanischem Unternehmergeist.

Dafür gab es den Oscar als bester Hauptdarsteller; Jared Leto erhielt den Oscar als bester Hauptdarsteller. Beide und der Film erhielten etliche weitere Preise.

mit Matthew McConaughey, Jared Leto, Jennifer Garner, Denis O’Hare, Steve Zahn, Michael O’Neill, Dallas Roberts, Griffin Dunne

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Dallas Buyers Club“

Moviepilot über „Dallas Buyers Club“

Metacritic über „Dallas Buyers Club“

Rotten Tomatoes über „Dallas Buyers Club“

Wikipedia über „Dallas Buyers Club“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jean-Marc Vallées „Dallas Buyers Club“ (Dallas Buyers Club, USA 2013)

Meine Besprechung von Jean-Marc Vallées „Wild- Der große Trip“ (Wild, USA 2014)

Meine Besprechung von Jean-Marc Vallées „Demolition – Lieben und Leben“ (Demolition, USA 2015)


TV-Tipp für den 29. September: Frauen bis zum Wahnsinn gequält

September 29, 2016

Arte, 00.00

Frauen bis zum Wahnsinn gequält (Italien/Spanien 1970, Regie: Luciano Ercoli)

Drehbuch: Ernesto Gastaldi, Mahnahén Velasco

Minou behauptet, von einem Mann zu sadistischen Liebesspielen erpresst worden zu sein. Als sie ihrem Mann, ihrer Freundin und der Polizei davon erzählt, glauben sie ihr nicht.

Untypisch ruhiger Giallo, der bei uns seine Premiere als Video erlebte und 1987 indiziert wurde.

Die Musik ist von Ennio Morricone.

mit Dagmar Lassander, Pier Paolo Capponi, Nieves Navarro, Simón Andreu, Osvaldo Genazzani

Hinweise

arte über „Frauen bis zum Wahnsinn gequält“

Rotten Tomatoes über „Frauen bis zum Wahnsinn gequält“

Wikipedia über „Frauen bis zum Wahnsinn gequält“


Horst Eckert, Vincent Veih und die Aktion „Wolfsspinne“

September 29, 2016

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Nach zwei Seiten Prolog beginnt Horst Eckerts neuer Polit-Thriller „Wolfsspinne“ 2011 in Eisenach. Genaugenommen am 4. November und – genau, richtig erinnert – damals wurde das NSU-Trio enttarnt. Zwei Mitglieder brachten sich um. Eines steht in München vor Gericht. Seitdem deckten mehrere parlamentarische Untersuchungsausschüsse erschreckende Schlampereien, Ignoranz und Vertuschungen bei der Polizei und den Geheimdiensten auf.

Horst Eckert liefert jetzt eine alternative Erklärung für die damaligen Ereignisse, die nicht unwahrscheinlich ist, und spinnt sie in die Gegenwart, nach Düsseldorf im November/Dezember 2015 fort.

Dort wird die Lokalbesitzerin Melli Franck ermordet. Anscheinend war es ein Überfall, der schief ging. Der bereits aus Eckerts vorherigen beiden Romanen „Schwarzlicht“ und „Schattenboxer“ vertraute Kommissar Vincent Veih beginnt mit seinem Team zu ermitteln.

Gleichzeitig muss er sich mit einem Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt beschäftigen. Er geriet als Teilnehmer bei einer Demonstration in einen Streit mit Nazis und Polizisten. Seine Kollegen behaupten, die Aggression sei von ihm ausgegangen.

Zur gleichen Zeit ist Ronny Vogt als Verdeckter Ermittler des LKA in die Drogenszene eingeschleust worden. Allerdings hat der zu überführende Drogenhändler Beziehungen zu rechtsextremen Kreisen. Vogt hatte vor Jahren undercover Kontakt zur NSU. Sein jetziger und damaliger Führer möchte deshalb, dass er sich auch in den rechtsextremen Kreisen umhört.

Und Marie Conrath, die Freundin der Toten, entdeckt während ihrer Arbeit bei Franck Development Dokumente, die den Kredit von ihrem Chef an die Ermordete in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Diese Plots, bei denen lange nicht erkennbar ist, wie sie zusammengehören, laufen über weite Strecken des Romans parallel. Erst gegen Ende, wenn die Rechtsextremisten einen Anschlag verüben wollen, verknüpft Horst Eckert sie miteinander.

Bis dahin zeichnet er ein allzu realistisches, die bekannten Fakten höchst notdürftig verhüllendes Bild eines Deutschland, das mit Nazis, Ausländerhass und der Zusammenarbeit zwischen Polizei und Nazis beschäftigt ist. Das kennt man aus den verschiedenen Berichten über den NSU und den täglichen Schlagzeilen, wird hier aber zu einem stimmigen Gesamtbild zusammengefügt. Das kennt man schon aus Horst Eckerts vorherigen Polizeiromanen. Der Rätselplot wird dieses Mal zunehmend unwichtig. Letztendlich ist es egal, wer die Restaurantbesitzerin ermordete. Wichtiger sind die Entwicklungen, die durch ihren Tod angestoßen werden.

Veih ist, und das wird in den drei Polit-Thrillern mit ihm als Protagonisten immer deutlicher, eine Allegorie für Deutschland und die politischen Irrwege Deutschlands in den letzten hundert Jahren. Veihs Mutter ist eine politisch immer noch engagierte ehemalige Linksterroristin. Sein verstorbener Großvater war ein Nazi-Polizist, der ihn aufzog, während die Mutter Bomben warf und im Gefängnis saß.

Veihs Mutter ist dieses Mal glücklicherweise weniger präsent als in den vorherigen Romanen und nicht in den Fall involviert. Aber – und das ist auf die Dauer ein Konstruktionsmangel der Veih-Romane – Veih kennt Vogt von einem Verwandtenbesuch in der DDR als es sie noch gab und damit ist Veih, wieder einmal, familiär in den Fall involviert.

Aber nachdem Veihs Vergangenheit in den vorherigen Veih-Romanen als Teil des Krimiplots immer weiter ausgeleuchtet wurde, hat diese Beziehung zwischen Veih und Vogt eher anekdotischen Wert.

Trotzdem sollte Eckert Veih in den kommenden Veih-Romanen eine Weiterentwicklung gestatten, indem er ihn aus seinen Erfahrungen etwas lernen lässt, er sich verändert, seine Familiengeschichte anders betrachtet und er damit seine Überzeugungen und Beziehungen mehr oder weniger radikal überdenkt. Denn das was Veih in „Wolfsspinne“ entdeckt, sollte ihn, auch nach den Erlebnissen in „Schwarzlicht“ und „Schattenboxer“, verändern.

Mit diesem Problem musste Horst Eckert sich in seinen vorherigen Polizeiromanen nicht beschäftigen, weil er für jeden Roman einen neuen Protagonisten auswählte und ihn auf eine emotionale Achterbahnfahrt schickte, die ihn veränderte. In den nächsten Romanen war er dann, falls überhaupt, nur ein Teil des Ensembles vertrauter Charaktere, die in der Polizeistation arbeiteten. Auch in „Wolfsspinne“ trifft der langjährige Eckert-Fan auf einige alten Bekannte.

Horst Eckert: Wolfsspinne

Wunderlich, 2016

496 Seiten

19,95 Euro

Hinweise

Homepage von Horst Eckert

Meine Besprechung von Horst Eckerts „617 Grad Celsius“ (2005)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Königsallee“ (2007)

Meine Besprechung von Horst Eckerts “Sprengkraft” (2009)

Kriminalakte: Interview mit Horst Eckert über „Sprengkraft“

Meine Besprechung von „Niederrhein-Blues und andere Geschichten“ (2010)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schwarzer Schwan“ (2011)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schwarzlicht“ (2013)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schattenboxer“ (2015)


TV-Tipp für den 28. September: Das fünfte Element

September 27, 2016

EinsPlus, 20.15
Das fünfte Element (Frankreich 1997, Regie: Luc Besson)
Drehbuch: Luc Besson, Robert Mark Kamen (nach einer Geschichte von Luc Besson)
Zukunft, Erde: Taxifahrer Korben Dallas (Bruce Willis), der noch nicht einmal sein Leben auf die Reihe bekommt, muss mal eben das Universum retten und besucht dafür auch einige ferne Planeten in weit entfernten Galaxien. Aliens und andere seltsame Wesen gibt es auch. Action und Spaß sowieso.
Quietschbuntes, vollkommen durchgeknalltes Science-Fiction-Abenteuer, das den Fans der „Guardians of the Galaxy“ gefallen dürfte.
Hier hat Luc Besson, nach „Subway“, „Nikita“, „Leon – Der Profi“, noch einmal gezeigt, was er kann: „ein Fest für die Augen“ (Annette Kilzer, Herausgeberin: Bruce Willis)
mit Bruce Willis, Gary Oldman, Ian Holm, Milla Jovovich, Chris Tucker, Luke Perry, Brion James, Lee Evans, Tricky, Mathieu Kassovitz
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Das fünfte Element“
Wikipedia über „Das fünfte Element“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Luc Bessons „The Lady – Ein geteiltes Herz“ (The Lady, Frankreich/Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Lucy“ (Lucy, Frankreich 2014)

Luc Besson in der Kriminalakte


Cover der Woche

September 27, 2016

zuege-ins-jenseits-4


TV-Tipp für den 27. September: Dallas Buyers Club

September 27, 2016

ARD, 22.45

Dallas Buyers Club (Dallas Buyers Club, USA 2013)

Regie: Jean-Marc Vallée

Drehbuch: Craig Borten, Melisa Wallack

1985 erfährt Ron Woodroof, Rodeoreiter, Frauenheld und Homohasser, dass er HIV-Positiv ist und in wenigen Tagen sterben wird. Er besorgt sich nicht zugelassene Medikamente und verkauft sie an Leidensgenossen, wenn sie Mitglied im titelgebenden „Dallas Buyers Club“ werden.

Regisseur Jean-Marc Vallée inszenierte die auf der wahren Geschichte von Ron Woodroof, der am 12. September 1992 starb, basierende, sehenswerte Charakterstudie mit der Handkamera im Stil des Siebziger-Jahre-New-Hollywood-Kinos. Und Matthew McConaughey überzeugt als bis auf die Knochen abgemagerte Unsympath mit uramerikanischem Unternehmergeist.

Dafür gab es den Oscar als bester Hauptdarsteller; Jared Leto erhielt den Oscar als bester Hauptdarsteller. Beide und der Film erhielten etliche weitere Preise.

mit Matthew McConaughey, Jared Leto, Jennifer Garner, Denis O’Hare, Steve Zahn, Michael O’Neill, Dallas Roberts, Griffin Dunne

Wiederholungen

ARD, Mittwoch, 28. September, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Eins Plus, Freitag, 30. September, 20.15 Uhr

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Dallas Buyers Club“

Moviepilot über „Dallas Buyers Club“

Metacritic über „Dallas Buyers Club“

Rotten Tomatoes über „Dallas Buyers Club“

Wikipedia über „Dallas Buyers Club“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jean-Marc Vallées „Dallas Buyers Club“ (Dallas Buyers Club, USA 2013)

Meine Besprechung von Jean-Marc Vallées „Wild- Der große Trip“ (Wild, USA 2014)

Meine Besprechung von Jean-Marc Vallées „Demolition – Lieben und Leben“ (Demolition, USA 2015)

 


DVD-Kritik: Über Luca Guadagninos „A bigger splash“

September 25, 2016

Zum Kinostart schrieb ich:

Die Rockmusikerin Marianne (Tilda Swinton) und ihr Freund Paul (Matthias Schoenaerts), ein Fotograf und trockener Alkoholiker, der kürzlich einen Suizid versuchte, verbringen auf der italienischen Insel Pantelleria einige ruhige Tage. Sie darf nach einer Operation an ihren Stimmbändern nicht reden.

Als Harry (Ralph Fiennes), ein Ex-Freund und Mentor von Marianne, und seine bis dahin unbekannte Tochter Penelope (Dakota Johnson) sich bei ihnen in dem einsam gelegenem Haus mit Swimmingpool einquartieren, ist es mit der Ruhe vorbei. Denn Harry ist egomanischer Rockmusikproduzent mit entsprechendem Drogenkonsum, der Ruhe nur als Ruhe vor dem Sturm kennt.

A bigger Splash“, der neue Film von Luca Guadagnino, ist ein freies Remake von Jacques Derays „Der Swimmingpool“ und wenn man das weiß, kennt man auch die Handlung, die schon in Derays Film eher nebensächlich war. Guadagnino hat vor allem einen Sommerfilm mit schönen Menschen, die in der Einsamkeit auf sich zurückgeworfen sind, inszeniert und es geht um das Aufeinanderprallen von Rock’n’Roll-Lebensgefühl und bieder-bürgerlichem Leben. Marianne hat sich aus ihrem alten, zügellosem Leben verabschiedet. Mit dem introvertierten Paul will sie ein ruhiges Leben führen. Dagegen ist Harry immer noch ganz der Alte. Als er mit der jungen Penelope auftaucht, glauben sie zunächst, dass sie eine weitere seiner Geliebten ist. Und Harry will Marianne zurückerobern.

Neben dieser Eroberungsgeschichte spricht Guadagnino auch die aktuelle Flüchtlingskrise an. Denn Pantelleria liegt zwischen Sizilien und Tunesien. Und es geht um das Verhältnis der Generationen. Während die Alten, also Marianne und Harry sich noch alle Freiheiten nahmen, sieht Penelope wo das hin führt. Damit stellt sich auch die Frage, wie konservativ, – siehe für Deutschland die aktuelle Sinus-Jugendstudie -, die junge Generation ist und wie sehr die Älteren als Vorbild taugen.

Das inszeniert Guadagnino mit viel Rockmusik, vor allem von den „Rolling Stones“ (immerhin produzierte Harry sie) und einem großartigem Ensemble.

Auch wenn der Film mit über zwei Stunden etwas lang geraten ist, ist er ein Vergnügen. Nicht nur wegen der Tanznummer von Ralph Fiennes und dem wortlos-ausdruckstarken Spiel von Tilda Swinton, die Guadagnino, mit dem sie seit über zwanzig Jahren befreundet ist und zusammenarbeitet, diese Sprachlosigkeit vorschlug. Als Gegengewicht zu dem endlosen Gequassel von Harry.

 

Das Bonusmaterial

Das „Making of“ fällt mit deutlich unter vier Minuten arg knapp aus und ist ein reines Einmal-gesehen-und-vergessen-Werbefeaturette. Aber es gibt noch gut 25 Minuten geschnittene Szenen, zu denen Drehbuchautor David Kajganich und Cutter Walter Fasano einen Audiokommentar eingesprochen haben. Zusammen mit Luca Guadagnino haben sie auch einen sehr interessanten und informativen Audiokommentar zum Film eingesprochen. Beide Audiokommentare wurden im April 2016 aufgenommen und sind untertitelt.

In den Audiokommentaren verraten sie, dass es ursprünglich eine viel längere Fassung gab und Guadagnino seinen Film als eine Nouvelle-Vague-Version von Jacques Derays Film sieht. Deshalb gab es in der längere Fassungen viele Jean-Luc-Godardismen. So sollte „A bigger Splash“ mit Texteinblendungen strukturiert werden. Und der Kommissar, der in den geschnittenen Szenen seinen großen Auftritt hat (bevor er die von ihm bewunderte Sängerin um ein Autogramm bittet), ist wirklich eine aus einem Claude-Chabrol-Film gefallene Figur.

A Bigger Splash - Plakat

A bigger Splash (A bigger Splash, Italien/Frankreich 2015)

Regie: Luca Guadagnino

Drehbuch: David Kajganich

mit Tilda Swinton, Ralph Fiennes, Matthias Schoenaerts, Dakota Johnson, Aurore Clement, Elena Bucci, Lily McMenamy, Corrado Guzzanti

DVD

Studiocanal

Bild: 1,85:1 anamorph

Ton: Deutsch, Englisch (5.1 Dolby Digital)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Geschnittene Szenen (mit optionalem Audiokommentar), Audiokommentar Hauptfilm, Trailer, Wendecover

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Italienische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „A bigger Splash“

Metacritic über „A bigger Splash“

Rotten Tomatoes über „A bigger Splash“

Wikipedia über „A bigger Splash“

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „A bigger Splash“ (A bigger Splash, Italien/Frankreich 2015)


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