TV-Tipp für den 1. Mai: Pop around the Clock

April 30, 2017

3sat, 06.40

Pop around the Clock

Demonstrieren? Konzerte ansehen? Beides miteinander verbinden? Immerhin stehen die Konzerte zwei Wochen in der Mediathek.

Das Programm hat zwar mit den Rolling Stones (ihr Havanna-Konzert, um 22.20 Uhr) und U2 (ihr Paris-Konzert um 00.05 Uhr, beide Male müsste die ungekürzte Fassung gezeigt werden) einige mir sofort auffallende Doppelungen zum Silvesterprogramm, aber gute Musik bleibt gute Musik. Bei den ganzen Bap-Konzerten (um 18.30 Uhr wird das Heimathafen-Konzert gezeigt) habe ich inzwischen den Überblick verloren.

Für Bluesfans beginnt es um 06.40 Uhr furios mit B. B. King (in Montreux 1993) und, um 07.10 Uhr, Eric Clapton (in San Diego 2007). Weiter geht’s um 08.10 Uhr mit einigen Ausschnitten aus dem „George Fest – A Night to celebrate the Musik of George Harrison“. Dann kann man ab 08.55 Uhr mit den Dire Straits etwas entspannen und sich langsam mit einer bunten, für jeden ist etwas dabei Mischung aus Ed Sheeran (um 12.05 Uhr), Coldplay (um 14.05 Uhr) und Peter Maffay (um 17.15 Uhr) auf den Bruce-Springsteen-Doppelschlag vorbereiten. Um 19.30 Uhr gibt es Ausschnitte aus seiner 1980er „The River“-Tour; um 20.15 Uhr Highlights aus dem „A MusiCares Tribute“. Danach rockt „Queen“ um 21.10 Uhr Montreal (Wurde das Konzert nicht auch an Silvester gezeigt?) und nach Mitternacht gibt es um 03.45 Uhr Mötley Crüe (Dito?) und um 04.50 Uhr Def Leppard.

Insgesamt ist, mal wieder, für jeden Musikgeschmack etwas dabei

Das vollständige Programm und weitere Informationen zu den Konzernen gibt es hier.


TV-Tipp für den 30. April: El Dorado (im 3sat-Wilder-Westen-Thementag)

April 29, 2017

Mit dem Sonnenaufgang beginnt der 3sat-Thementag „Wilder Westen„. Erster Höhepunkt ist um 11.55 Uhr „Mein großer Freund Shane„. Ein weiterer ist

3sat, 20.15

El Dorado (USA 1966, Regie: Howard Hawks)

Drehbuch: Leigh Brackett

LV: Harry Brown: The Stars in their Courses, 1960

Ein versoffener Sheriff, ein behinderter Gunfighter und ein junger Messerwerfer legen sich mit der Bande eines skrupellosen Viehbarons an. Ihre Chancen den Kampf zu überlegen tendieren gegen Null.

Als Howard Hawks „Rio Bravo“ drehte, hatten sie beim Dreh viele gute Ideen, die allerdings nicht in diesen Film passten. Mit Leigh Brackett schrieb er dann, mit diesen Ideen, „El Dorado“; einen weiteren Western-Klassiker. Der dieses Mal sogar sehr witzig ist.

„‘El Dorado’ ist ein Film gegen ‘Rio Bravo’, wie ‘Rio Bravo’ ein Film gegen ‘High Noon’ war. (…) [‚El Dorado‘ ist] die radikale Entglorifizierung des Westernhelden.“ (Enno Patalas, Filmkritik 10/1967)

mit John Wayne, Robert Mitchum, James Caan, Charlene Holt, Michele Carey, Arthur Hunnicutt, R. G. Armstrong, Edward Asner

Wiederholung: Montag, 1. Mai, 02.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „El Dorado“

Wikipedia über „El Dorado“ (deutsch, englisch)

Combustible Celluloid über “El Dorado”


Die Edgar-Gewinner 2017

April 29, 2017

Die Mystery Writers of America (MWA) haben in New York City die diesjährigen Edgars verliehen. Die glücklichen Gewinner sind (wobei sich, wie immer, auch ein Blick auf die nominierten, teils schon übersetzten Krimis lohnt):

Best Novel

Before the Fall, von Noah Hawley (Grand Central)

nominiert

The Ex, von Alafair Burke (Harper)

Where It Hurts, von Reed Farrel Coleman (Putnam)

Jane Steele, von Lyndsay Faye (Putnam)

What Remains of Me, von Alison Gaylin (Morrow)

Best First Novel by an American Author

Under the Harrow, von Flynn Berry (Penguin)

nominiert

Dodgers, von Bill Beverly (Crown)

IQ, von Joe Ide (Mulholland)

The Drifter, von Nicholas Petrie (Putnam)

Dancing with the Tiger, von Lili Wright (Marian Wood Book/Putnam)

The Lost Girls, von Heather Young (Morrow)

Best Paperback Original

Rain Dogs, von Adrian McKinty (Seventh Street)

nominiert

Shot in Detroit, von Patricia Abbott (Polis)

Come Twilight, von Tyler Dilts (Thomas & Mercer)

The 7th Canon, von Robert Dugoni (Thomas & Mercer)

A Brilliant Death, von Robin Yocum (Seventh Street)

Heart of Stone, von James W. Ziskin (Seventh Street)

Best Fact Crime

The Wicked Boy: The Mystery of a Victorian Child Murderer, von Kate Summerscale (Penguin Press)

nominiert

Morgue: A Life in Death, von Dr. Vincent DiMaio and Ron Franscell (St. Martin’s Press)

The Lynching: The Epic Courtroom Battle that Brought Down the Klan, von Laurence Leamer (Morrow)

Pretty Jane and the Viper of Kidbrooke Lane: A True Story of Victorian Law and Disorder: The Unsolved Murder that Shocked Victorian England, von Paul Thomas Murphy (Pegasus)

While the City Slept: A Love Lost to Violence and a Young Man’s Descent into Madness, von Eli Sanders (Viking)

Best Critical/Biographical

Shirley Jackson: A Rather Haunted Life, von Ruth Franklin (Liveright)

nominiert

Alfred Hitchcock: A Brief Life, von Peter Ackroyd (Nan A. Talese)

Encyclopedia of Nordic Crime: Works and Authors of Denmark, Finland, Iceland, Norway, and Sweden Since 1967, von Mitzi M. Brunsdale (McFarland & Company)

Something in the Blood: The Untold Story of Bram Stoker, the Man Who Wrote Dracula, von David J. Skal (Liveright)

Best Short Story

Autumn at the Automat,” von Lawrence Block (aus In Sunlight or in Shadow, herausgegeben von Lawrence Block; Pegasus)

nominiert

Oxford Girl,” von Megan Abbott (aus Mississippi Noir, herausgegeben von Tom Franklin; Akashic)

A Paler Shade of Death,” von Laura Benedict (aus St. Louis Noir, herausgegeben von Scott Phillips; Akashic)

The Music Room” von Stephen King (aus In Sunlight or in Shadow)

The Crawl Space,” von Joyce Carol Oates (Ellery Queen Mystery Magazine, September-October 2016)

Best Juvenile

OCDaniel, von Wesley King (Paula Wiseman)

nominiert

Summerlost, von Ally Condie (Dutton Books for Young Readers)

The Bad Kid, von Sarah Lariviere (Simon & Schuster Books for Young Readers)

Some Kind of Happiness, von Claire Legrand (Simon & Schuster Books for Young Readers)

Framed! von James Ponti (Aladdin)

Things Too Huge to Fix, von Saying Sorry von Susan Vaught (Paula Wiseman)

Best Young Adult

Girl in the Blue Coat, von Monica Hesse (Little, Brown Books for Young Readers)

nominiert

Three Truths and a Lie, von Brent Hartinger (Simon Pulse)

The Girl I Used to Be, von April Henry (Henry Holt)

My Sister Rosa, von Justine Larbalestier (Soho Teen)

Thieving Weasels, von Billy Taylor (Dial)

Best Television Episode Teleplay

A Blade of Grass,” Penny Dreadful, Drehbuch von John Logan (Showtime)

nominiert

Episode 1: “From the Ashes of Tragedy,” The People vs. O.J. Simpson: American Crime Story, Drehbuch von Scott Alexander und Larry Karaszewski (FX Network)

The Abominable Bride,” Sherlock, Drehbuch von Mark Gatiss und Steven Moffat (Hartswood Films/Masterpiece)

Episode 1: “Dark Road,” Vera, Drehbuch von Martha Hillier (Acorn TV)

Return 0,” Person of Interest, Drehbuch von Jonathan Nolan und Denise The (CBS/Warner Bros.)

The Bicameral Mind,” Westworld, Drehbuch von Jonathan Nolan und Lisa Joy

(HBO/Warner Bros.)

Robert L. Fish Memorial Award

The Truth of the Moment,” von E. Gabriel Flores (Ellery Queen Mystery Magazine, December 2016)

Grand Master

Max Allan Collins

Ellen Hart

Raven Award

Dru Ann Love

Ellery Queen Award

Neil Nyren

The Simon & Schuster–Mary Higgins Clark Award

The Shattered Tree, von Charles Todd (Morrow)

nominiert

The Other Sister, von Dianne Dixon (Sourcebooks Landmark)

Quiet Neighbors, von Catriona McPherson (Midnight Ink)

Say No More, von Hank Phillippi Ryan (Forge)

Blue Moon, von Wendy Corsi Staub (Morrow)

(via The Rap Sheet)


TV-Tipp für den 29. April: Schtonk

April 29, 2017

Phoenix, 20.15

Schtonk (Deutschland 1992)

Regie: Helmut Dietl

Drehbuch: Helmut Dietl, Ulrich Limmer

Äußerst unterhaltsame Satire über die gefälschten Hitlertagebücher, die der „stern“ 1983 begeistert aufkaufte und deren Echtheit das Magazin ewig betonte.

Dietl benutzt die Affäre „als Material für eine frivole Farce über die Anfälligkeit der Deutschen, Fakten zu verdrängen und neue Geschichtswahrheiten zu klittern; viele möchten heute noch Adolf Hitler entlastet sehen.“ (Fischer Film Almanach 1993)

Ich befürchte, der über zwanzig Jahre Kassenknüller über eine noch länger zurückliegende Affäre ist heute kein Jota veraltet.

mit Götz George, Uwe Ochsenknecht, Christiane Hörbiger, Rolf Hoppe, Dagmar Manzel, Veronica Ferres, Rosemarie Fendel, Karl Schönböck, Harald Juhnke, Ulrich Mühe, Martin Benrath, Georg Marischka, Hark Bohm, Wolfgang Menge

Hinweise

Filmportal über „Schtonk“

Moviepilot über „Schtonk“

Wikipedia über „Schtonk“


TV-Tipp für den 28. Januar: Tarzan – Dem Affenmenschen auf der Spur

April 28, 2017

Arte, 21.45

Tarzan – Dem Affenmenschen auf der Spur (Frankreich 2016)

Regie: Robert de Young, Eric Ellena

Drehbuch: Robert de Young, Eric Ellena

Fünfzigminütige Doku über Tarzan, der als Romanfigur von Edgar Rice Burroughs seinen ersten Auftritt hatte und seitdem, in verschiedenen Medien, mehrmals dem Zeitgeist angepasst wurde.

Hinweis

Arte über die Doku (Mediathek)


Neu im Kino/Filmkritik: Kreative Filmtitel, Teil ?: „Guardians of the Galaxy Vol. 2“

April 27, 2017

Vor drei Jahren waren die Guardians of the Galaxy eine willkommene Abwechslung im Einerlei von Dystopien und Superheldenfilmen, die von Einzelfilmen immer mehr zu zeitintensiven Universen werden. Jedenfalls wenn man alle Spielfilme (okay, kein Problem), etwaige verlängerte Schnittfassungen und alle mehr oder weniger dazu gehörende TV-Serien und Comics genießen will. Da brachte „Guardians of the Galaxy“ mit ihrer kindlichen Neugierde auf fremde Welten, den ungewöhnlichen Figuren und dem spielerischen Umgang mit ihnen wieder den Zauber und die Naivität alter Science-Fiction-Filme ins Kino. Das war ein Mix, der auch in einem „Krieg der Sterne“-Film gut aufgehoben wäre. Wenn die selbsternannten Guardians of the Galaxy nicht eine Rasselbande latent unzurechnungsfähiger Outsider mit Hang zum Verbrechertum wären; – ach, eigentlich war „Guardians of the Galaxy“ der Han-Solo-Film, den wir nie sehen werden.

Das gefiel. Vor allem wie diese Gruppe höchst unterschiedlicher Charaktere in einem mehrere Welten ziemlich demolierendem Abenteuer zusammenfand und zu einer Patchwork-Familie wurde.

Der Film war auch an der Kinokasse enorm erfolgreich. Denn die Guardians of the Galaxy sind eine eher obskure Gruppe im Marvel-Universum, die bis dahin nur die Hardcore-Fans kannten.

Jetzt sind Star-Lord Peter Quill (Chris Pratt), Gamora (Zoe Saldana), Drax (Dave Bautista), Waschbär Rocket (im Original Bradley Cooper) und, als Ersatz für Groot, Baby Groot (im Original Vin Diesel) zurück. Weil Rocket bei der endgültigen Vertragsabwicklung bei ihren Auftraggebern einige Batterien klaut, sind sie quer durch den Weltraum auf der Flucht. Nach einer Bruchlandung auf einem Planeten treffen sie Peter Quills biologischen Vater, der sie zu seinem Planeten mitnimmt.

Er nennt sich Ego (was schon misstrauisch machen sollte), benimmt sich wie ein von seiner eigenen Lehre erleuchteter Guru und er sieht zwar aus wie Kurt Russell, aber in Wirklichkeit ist er ein Planet. Quill und seine Freunde stehen gerade auf ihm. Wenn ihr jetzt schon verwirrt seid, werdet ihr am Schlusskampf verzweifeln, der, ähem, gegen Ego, auf und in dem Planeten Ego stattfindet und der, nun, eine Kombination aus frei flottierendem Luft- und Raumkampf und Wirtshausschlägerei in einer sich ständig verändernden Wirtschaft ist. Das ergibt, wenn man die Kampfchoreographie wirklich nachverfolgen will, wahrscheinlich absolut keinen Sinn, ist aber schön bunt mit all seinen CGI-Explosionen und Katastrophen.

Davor plätschert die Geschichte, nach dem furiosen ersten Akt, auf Egos Planeten vor sich hin. In diesen Minuten ist „Guardians of the Galaxy Vol. 2“, um noch einmal auf „Krieg der Sterne“ zurückzukommen, der Han-Solo-Film, vor dem wir uns fürchten. Quill verschwindet fast aus der Geschichte. Der von der Erde verschleppte Erdenjunge und Weltraumpirat wird zu einem seinen verloren geglaubten Vater abgöttisch bewundernden Sohn. Außerdem ist er, immerhin ist er der Anführer der Guardians, während des gesamten Films erstaunlich passiv. Dafür dürfen wir Drax bei seinen Liebeständeleien mit Mantis (Pom Klementieff), Egos telepathisch begabter Dienerin und Assistentin, beobachten. Gleichzeitig behandelt Gamora die Beziehungsprobleme mit ihrer Schwester Nebula (Karen Gillan), die sie umbringen will.

Und, immerhin geht es in dem Film um echte und falsche Familien, Quills Adoptivvater Yondu (Michael Rooker) hat auch eine wichtige Rolle in dem ganzen Beziehungsgeflecht, das sich doch eher auf dem Niveau einer Teenie-Soap bewegt. Auch wenn die Geschichte auf fremden Planeten spielt.

Am Ende ist „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ ein buntes, zu lang geratenes, leicht zerfasertes Science-Fiction-Abenteuer, das sich zu sehr auf vernachlässigbare Beziehungsgeschichten konzentriert. Es gibt wieder eine ordentliche Portion Humor. Auch wenn Baby Groot noch lange nicht die Statur von Groot hat und Rocket etwas sanfter erscheint. Es gibt epische Raumschlachten und Kämpfe. Es gibt neue Planeten und Rassen; wenn auch nicht so viele, wie in „Guardians of the Galaxy“.

Immer noch sind die Guardians-Filme – und das ist gut so – nicht verknüpft mit dem Marvel-Kosmos. D. h. es gibt keine Gastauftritte von irgendwelchen Avengers und es wird auch keine Avengers-Handlung weitererzählt. Dafür hat Stan Lee zwei Auftritte.

Und, erstmals im Marvel Cinematic Universe, gibt es mit Ego eine Bösewicht, der länger als der Abspann im Gedächtnis bleibt. Das liegt allerdings weniger an ihm als Charakter (seine Motivation ist doch eher rätselhaft), sondern an Kurt Russell. Er verleiht ihm als größenwahnsinniger Vater – ich meine, welcher Vater nennt sich schon Ego? – eine imposante Statur und er genießt sichtbar seine Rolle als abgespacter Guru und Planetenerschaffer, der sich jetzt endlich um seinen Sohn kümmern will. Außerdem wird der Bösewicht dieses Mal nicht von einem CGI-Effekt, sondern von einem Menschen, der immer mühelos als Mensch erkennbar bleibt, gespielt.

Schon vor dem Kinostart wurde bekannt, dass James Gunn auch den dritten „Guardians of the Galaxy“-Film schreiben und inszenieren wird. Natürlich wieder mit vielen gut abgehangenen Rock- und Popsongs, die, so der Plan, ab 2020 die Kinos beschallen werden.

Guardians of the Galaxy Vol. 2 (Guardians of the Galaxy Vol. 2, USA 2017)

Regie: James Gunn

Drehbuch: James Gunn

mit Chris Pratt, Zoe Saldana, Dave Bautista, Vin Diesel (Stimme, im Original), Bradley Cooper (Stimme, im Original), Kurt Russell, Michael Rooker, Karen Gillan, Pom Klementieff, Elizabeth Debicki, Chis Sullivan, Sean Gunn, Tommy Flanagan, Laura Haddock, Sylvester Stallone (mehr Cameo als Rolle), Rob Zombie, Gregg Henry, Stan Lee

Länge: 136 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Facebook-Seite von Marvel Deutschland

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Guardians of the Galaxy Vol. 2“

Metacritic über „Guardians of the Galaxy Vol. 2“

Rotten Tomatoes über „Guardians of the Galaxy Vol. 2“

Wikipedia über „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James Gunns „Guardians of the Galaxy“ (Guardians of the Galaxy, USA 2014) und der DVD

Meine Besprechung von mehreren „Guardians of the Galaxy“-Comics

Bonushinweis

Wer sich auf intellektuellem Niveau dem ganzen Marvel Cinematic Universe nähern will, sollte einen Blick in dieses (von mir noch nicht gelesene und daher blind empfohlene) Buch werfen, in dem Peter Vignold die expandierenden Serienuniversen mit dem Konzept der multilinearen Hyperserie analytisch fassen will.

Peter Vignold: Das Marvel Cinematic Universe – Anatomie einer Hyperserie

(Marburger Schriften zur Medienforschung)

Schüren, 2017

176 Seiten

19,90 Euro


Neu im Kino/Filmkritik: „Gimme Danger“, Iggy Pop, The Stooges – One, two, three, go!

April 27, 2017

Wenige Stunden nach dem siebzigsten Geburtstag von Iggy Pop – und niemand hätte in den vergangenen Jahrzehnten gedacht, dass er jemals dieses für seinen früheren Lebenswandel biblische Alter auch nur erreichen könnte, während man in den vergangenen Jahren dachte, dass er schon seit Jahrzehnten ein Alter jenseits von Raum und Zeit hat – läuft in unseren Kinos eine Dokumentation an, die der Regisseur der Doku „eine Liebeserklärung an die womöglich größte Rock-n-Roll-Band aller Zeiten“ nennt.

Damit meint Jim Jarmusch die „Stooges“ oder „Iggy and the Stooges“ oder, inoffiziell, „Iggy Pop and the Stooges“. Sie waren eine Punkband, als es noch keinen Punk gab und sie sind mehr Punk als jede andere Punkband jemals Punk war und ist. Auch wenn die Stooges es in den vergangenen Jahren, nach einer verdammt langen Pause, deutlich ruhiger angehen lassen, sind sie immer noch eine stilprägende Band und wichtige Inspiration für zahllose Kellerbands, die mangelndes Können durch Enthusiasmus kompensieren.

Der Kern des „Stooges“-Kults sind dabei die drei LPs „The Stooges“ (1969, mit „1969“, „I wanna be your Dog“ und „No Fun“), „Fun House“ (1970, mit „TV Eye“ und „Fun House“) und, aufgenommen in London, „Raw Power“ (1973, mit „Search and Destroy“ und „Raw Power“) und die Geschichten, die man über ihre erinnerungswürdigen Auftritte in den USA hörte. Sie waren, und das sieht man schön in Jim Jarmuschs Doku „Gimme Danger“, die Antithese zu einem normalen Rockkonzert und jeder Auftritt hatte eine große Chance, lange vor den obligatorischen Zugaben beendet zu sein. Die Musik war brachial minimalistisch. Die von Iggy Pop geschriebenen Texte ebenso. Die Show anders als alles, was man bis dahin, zwischen Elvis Presley, Bob Dylan und Flower-Power-Musik, sehen konnte.

Damals waren die Platten nicht so wahnsinnig erfolgreich, aber seitdem wurden sie unzählige Male wieder veröffentlicht und ihr Einfluss auf unzählige Bands und Musiker ist unbestritten.

In seiner Musikdokumentation „Gimme Danger“ zeichnet Stooges-Fan Jim Jarmusch chronologisch die Geschichte von Iggy und den Stooges nach. Mit vielen Originalaufnahmen, Animationen und den üblichen sprechenden Köpfen ist das filmisch konventionell, wenig kritisch, aber höchst informativ und unterhaltsam. Iggy Pop erzählt ausführlich, leicht selbstironisch und sehr entspannt über seine Kindheit und Jugend, die Anfänge der Band, Tourneen und, nachdem der kommerzielle Erfolg auf jeder Ebene ausblieb und der Drogenkonsum zu hoch wurde, der Auflösung der Stooges im Februar 1974.

Iggy Pops nicht minder wechselhafte Solokarriere nach dem Ende der Stooges ignoriert Jim Jarmusch in „Gimme Danger“, weil er eine Doku über die Stooges und nicht über Iggy Pop drehte.

Produzent Danny Fields erzählt von seiner ersten Begegnung mit den Stooges bei einem Konzert und wie er ihnen ihren ersten Plattenvertrag verschaffte. Kathy Asheton, die Schwester der Stooges-Gründungsmitglieder Ron und Scott Asheton, erzählt, was die Familie über die Tourneen und den Lebensstil der Band hielt.

2003 kam es zu einer Bühnen-Reunion der Stooges. Sie spielten immer noch laut, aber nicht mehr so selbstzerstörerisch wie in ihren jungen Jahren. Sie traten, weil schon damals nicht mehr alle Mitglieder der Ur-Besetzung lebten, in einer leicht anderen Besetzung auf. Aber der Kern, – Sänger Iggy Pop, Bassist Ron Asheton, Schlagzeuger Scott Asheton und „Raw Power“-Gitarrist James Williamson (der nach den Stooges in Silicon Valley arbeitete) -, waren dabei. Ur-Bassist Dave Alexander ist bereits 1975 gestorben; was in „Gimme Danger“ ausführlich erwähnt wird.

Nach der erfolgreichen Bühnen-Reunion veröffentlichten sie zwei Studio-CDs und bestritten zahlreiche Live-Auftritte, die im Film ausführlicher als nötig gezeigt werden.

Gimme Danger“ ist eine sehr informative Musik-Dokumentation über die Stooges, die dazu anregt, mal wieder die alten Stooges-Platten herauszukramen.

Gimme Danger (Gimme Danger, USA 2016)

Regie: Jim Jarmusch

Drehbuch: Jim Jarmusch

mit Jimmy Osterberg (alias Iggy Pop), Ron Asheton, Scott Asheton, James Williamson, Steve Mackay, Mike Watt, Danny Fields, Kathy Asheton

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Gimme Danger“

Metacritic über „Gimme Danger“

Rotten Tomatoes über „Gimme Danger“

Wikipedia über „Gimme Danger“, die Stooges (deutsch, englisch) und über Iggy Pop (deutsch, englisch)

Homepage von Iggy Pop

Jim Jarmusch in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs “Only Lovers left alive” (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Paterson“ (Paterson, USA 2016)

Zum Einstimmen: Iggy and the Stooges rocken 2007 Glastonbury


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