TV-Tipp für den 30. Juni: Der große Diktator

Juni 30, 2015

ZDFkultur, 20.15

Der große Diktator (USA 1940, Regie: Charlie Chaplin)

Drehbuch: Charlie Chaplin

Grandiose Satire über Adolf Hitler: ein jüdischer Friseur und der Diktator Hynkel sehen sich zum Verwechseln ähnlich.

Wer den Film noch nicht gesehen hat,…

Mit Charlie Chaplin, Paulette Goddard, Jack Oakie

Wiederholung: Mittwoch, 1. Juli, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Charlie-Chaplin-Seite

Charlie Chaplin Archive

Wikipedia über Charlie Chaplin (deutsch, englisch)

 


DVD-Kritik: „Out of the Dark“ kommt der Horror

Juni 29, 2015

Als gestandene Horrorfilmfans wissen wir, dass es keine gute Idee ist, in ein Haus einzuziehen, in dem es schon ein, ähem, unheimliches Ereignis gab. Vor zwanzig Jahren starb in einer regnerischen Nacht ein Mann, der von vermummten Wesen verfolgt und in den Tod getrieben wurde. Ob es sich dabei um Geister oder Kinder handelte, ist unklar.
Jetzt ziehen die Harrimans in dieses malerisch im Dschungel liegende Anwesen. Sarah soll in der kolumbianischen Stadt Santa Clara die prosperierende Papierfabrik von ihrem Vater übernehmen. Ihr Mann Paul, ein Illustrator von Kinderbüchern, und ihre Tochter Hannah begleiten sie. Sie freuen sich auf einen Neuanfang.
Aber schon bald geschehen in dem Haus unheimliche Dinge. Gegenstände bewegen sich. Hannah sieht in einem Lastenaufzug Schreckliches. Wesen, die wie vermummte Kinder aussehen, scheinen sich an ihnen rächen zu wollen.
Kurz darauf erkrankt Hannah schwer und ihre Eltern versuchen, auf getrennten Wegen, herauszubekommen woran Hannah erkrankt ist und was dagegen getan werden kann.
„Out of the Dark“ ist okayes Genrefutter, das nichts wirklich falsch macht, aber auch nie wirklich überrascht und sich gegen Ende von einem normalen Geisterhausfilm (in dem Geister entweder einfach böse sind oder sich für ein vor Jahrhunderten erlittenes Unrecht rächen wollen) zu einem Thriller mit Öko-Touch wird. Damit zeigt das Drehbuch von Javier Gullón („Enemy“) und den Brüdern David und Àlex Pastor („Carriers“, demnächst „Self/Less“ [Kritik des SF-Thrillers zum Filmstart am 20. August]) Ambitionen, die über einen üblichen Geisterhausfilm hinausgehen. Allerdings werden diese Themen, wie die Ausbeutung von Entwicklungsländern, Kapitalismus und Umweltzerstörung, nicht vertieft und auch die wirklichen Motive der Geister bleiben eher im Dunkeln.
Regisseur Lluis Quitez hat, nach einigen Kurzfilmen, in seinem Spielfilmdebüt, ein Auge für die Landschaft und immer wieder schafft er, was bei einem Geisterhausfilm ja auch einfacher ist, mit minimalen Effekten eine unheimliche Atmosphäre. Oft liefert er auch nur die bekannten Jump-Scare-Schockmomente, die zu diesen Filme gehören wie Taschentücher zu einem Nicholas-Sparks-Film.
Als Bonusmaterial gibt es ein informatives 13-minütiges „Making of“.

Out of the Dark - DVD-Cover - 4

Out of the Dark (Out of the Dark, USA/Kolumbien/Spanien 2014)
Regie: Lluís Quílez
Drehbuch: Javier Gullón, David Pastor, Àlex Pastor
mit Julia Stiles, Scott Speedman, Stephen Rea, Pixie Davies, Alejandro Furth

DVD
Entertainment One
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of
Länge: 90 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Moviepilot über „Out of the Dark“
Metacritic über „Out of the Dark“
Rotten Tomatoes über „Out of the Dark“
Wikipedia über „Out of the Dark“


TV-Tipp für den 29. Juni: Der Hauptmann von Köpenick

Juni 29, 2015

Arte, 20.15

Der Hauptmann von Köpenick (Deutschland 1956, Regie: Helmut Käutner)

Drehbuch: Carl Zuckmayer, Helmut Käutner

LV: Carl Zuckmayer: Der Hauptmann von Köpenick, 1931 (Theaterstück)

Schuster Wilhelm Voigt will nach dem Verbüßen seiner Zuchthausstrafe wieder arbeiten. Eine Arbeit gibt es aber nur mit einem Pass und einen Pass erhält nur, wer eine Arbeit hat. Also entschließt der Schuster sich, sich als falscher Hauptmann einen Pass zu besorgen.

Klassiker des deutschen Tonfilms, der damals ein Publikumserfolg war (über zehn Millionen Besucher in fünf Monaten), auch für den Auslands-Oscar nominiert war, die deutschen Filmpreise abräumte und zu den bekanntesten und beliebtesten Heinz-Rühmann-Filmen gehört.

Zuckmayers Stück gehört zur Schullektüre und ist heute immer noch aktuell.

mit Heinz Rühmann, Hannelore Schroth, Martin Held, Erich Schellow, Walter Giller, Wolfgang Neuss

Wiederholung: Dienstag, 30. Juni, 13.45 Uhr

Hinweise

Filmportal über „Der Hauptmann von Köpenick“

Wikipedia über „Der Hauptmann von Köpenick“


Neu im Kino/Filmkritik: Colin Firth trifft Nicole Kidman, „Die Liebe seines Lebens“

Juni 28, 2015

Natürlich ist ein Film mit Colin Firth und Nicole Kidman nicht ganz schlecht und natürlich ist die Lebensgeschichte von Eric Lomax (1919 – 2012), die mit den beiden Stars verfilmt wurde, durchaus beeindruckend. In England, nachdem Lomax vor zwanzig Jahren seine Autobiographie veröffentlichte und zu einer Berühmtheit wurde, ist sie auch allgemein bekannt. Lomax war im Zweiten Weltkrieg in Asien Kriegsgefangener und, nachdem er seine Frau kennen lernte, begann er sich Jahrzehnte später seinen Kriegserlebnissen zu stellen. Und dennoch wirkt „Die Liebe seines Lebens“, was auch ein einigen Freiheiten liegt, die die Macher sich im dritten Akt nahmen, wie ein psychologisch nicht stimmig ausgedachtes Gedankenkonstrukt.
Das beginnt schon mit der ersten Begegnung des späteren Paares. Während einer Bahnfahrt lernt Patti (Nicole Kidman als das schönste Mauerblümchen Englands, über deren Vergangenheit wir absolut nichts erfahren) 1980 Eric Lomax (Colin Firth) kennen. Er ist ein sympathischer Zausel, der die Fahrpläne in- und auswendig kennt, weshalb er ihr gleich einige Tipps für Zugverbindungen und Sehenswürdigkeiten geben kann. Sie verlieben sich, sie heiraten und Patti entdeckt, dass Eric doch keine so gute Partie ist. Er hat einen Ordnungsfimmel. Sie darf bei ihm wohnen, aber sie darf – was ihr vorher überhaupt nicht aufgefallen ist – nichts verändern. Er hat, weil er seine Rechnungen nicht bezahlt, finanzielle Probleme und er hat – auch das bemerkt sie erst in der Hochzeitsnacht – Alpträume, über die er nicht reden will.
Nur langsam erfährt Patti, dass ihr Mann immer noch von einen Kriegserlebnissen verfolgt wird. Er (in den Rückblenden von Jeremy Irvine gespielt) geriet 1942 mit seinen Kameraden nach dem Fall von Singapur in japanische Kriegsgefangenschaft. Dank eines mathematischen Verständnisses findet er anhand weniger Zeichen, die alle etwas mit Zügen zu tun haben, heraus, wohin sie mit dem Zug befördert werden. Sie sollen in Thailand durch unwegsames Dschungelände eine Eisenbahnstrecke bauen. Als Gefangene sind sie billiges Arbeitsmaterial. Wenn sie nicht während des Baus sterben, sterben sie durch die Folter. Lomax wird, nachdem ein von ihm im Geheimen gebautes Radio entdeckt wird, von dem japanischen Offizier und Übersetzer Takashi Nagase gefoltert.
Als Patti herasfindet, dass Nagase immer noch lebt und in Thailand in einem Museum über den Eisenbahnbau arbeitet, macht Lomax sich auf den Weg.
Die erste Begegnung zwischen Lomax und seinem damaligem Folterer gehört dann zu den unglaubwürdigsten Szenen des ganzen Films. Denn der introvertierte Lomax wird innerhalb einer Sekunde zu einem foltergeneigtem Racheengel, der Takashi Nagase töten will. Auch wenn Firth diese Szene im schönstens „Kingsman“-Stil spielt, passt sie einfach nicht zu seinem Charakter.
Jonathan Tepliztkys „Die Liebe seines Lebens“ will mit seiner Rückblendenstrutkur, gleichzeitig ein Kriegsdrama über tapfere Engländer in der Gefangenschaft im Dschungel und ein psychologischer Liebesfilm über ein mittelaltes Paar, bei dem der Ehemann seelische Probleme hat, sein. Aber keine Geschichte packt wirklich.
Dabei hätte man die Probleme wahrscheinlich mit einigen zusätzlichen Szenen und erklärenden Sätzen beheben können.
Ein anderes Problem ist der irreführende deutsche Titel von „The Railway Man“. Denn es geht weniger um die Beziehung von Eric Lomax zu seiner Frau, sondern um seine Kriegserlebnisse (die Rückblenden machen ungefähr die Hälfte des Films aus) und wie er sie verarbeitet.

Die Liebe seines Lebens - Plakat

Die Liebe seines Lebens (The Railway Man, Australien/Großbritannien 2013)
Regie: Jonathan Teplitzky
Drehbuch: Andy Paterson, Frank Cottrell Boyce
LV: Eric Lomax: The Railway Man, 1995
mit Colin Firth, Nicole Kidman, Jeremy Irvine, Stellan Skarsgård, Hiroyuki Sanada, Sam Reid, Tanroh Ishida
Länge: 108 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Liebe seines Lebens“
Moviepilot über „Die Liebe seines Lebens“
Metacritic über „Die Liebe seines Lebens“
Rotten Tomatoes über „Die Liebe seines Lebens“
Wikipedia über „Die Liebe seines Lebens“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über “Die Liebe seines Lebens”


TV-Tipp für den 28. Juni: Polizeiruf 110: Kreise

Juni 27, 2015

ARD, 20.15
Polizeiruf 110: Kreise (Deutschland 2015, Regie: Christian Petzold)
Drehbuch: Christian Petzold
Kommissar Hanns von Meuffels soll den Mord an der Eigentümerin einer Möbel-Manufaktur aufklären. Die Firma sollte von einem Investor übernommen werden und mit dem Eigentümerwechsel sollten 72 Arbeitsplätze wegfallen. Der Hauptverdächtige ist ihr Ex-Mann, dem die Polizei nichts nachweisen kann.
Christian Petzold, der in den vergangenen Jahren hauptsächlich für das Kino arbeitete und dessen TV-Filme immer wie Kinofilme aussahen, inszeniert seinen ersten „Polizeiruf 110“. Das verspricht einen ebenso ungewöhnlichen, wie gelungenen Krimi.
Ach ja: Petzolds Inspiration für „Kreise“ war Claude Gorettas „Ganz so schlimm ist er auch nicht“ mit einem noch jungen und schlanken Gérard Depardieu in der Hauptrolle.
mit Matthias Brandt, Barbara Auer, Justus von Dohnányi, Luise Heyer, Daniel Sträßer, Jan Messutat
Wiederholungen
Eins Festival, Sonntag, 28. Juni, 21.45 Uhr und 23.45 Uhr
ARD, Dienstag, 30. Juni, 00.35 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
ARD über den „Polizeiruf 110: Kreise“
Wikipedia über „Polizeiruf 110“

Meine Besprechung von Christian Petzolds “Phoenix” (Deutschland 2014)

Christian Petzold in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Underdog“, der etwas andere Tierfilm

Juni 27, 2015

Als „Underdog“ 2014 in Cannes lief, waren die Juroren so begeistert, dass sie spontan die Hunde-Palme auslobten. Denn die Leistung der insgesamt 250 Hunde ist beeindruckend, vor allem in den Massenszenen, die durch das koordinierte Vorgehen der Hunde noch erschreckender wirken und etwas an das Vorgehen der Affen in den verschiedenen „Planet der Affen“-Filme erinnern. Aber dort sind es Menschen in Affenmasken oder Menschen im Motion-Capture-Verfahren und damit ein Fest für die Maskenbildner und Tricktechniker. In „Underdog“ durften sich Tiertrainer und Tiere austoben – und wir fühlen mit den Tieren.
Im Mittelpunkt steht Hagen, ein Mischlingshund. Um den vielen Hunden Herr zu werden, hatte die ungarische Regierung ein Gesetz beschlossen, nach dem Mischlinge mit einer hohen Steuer belegt werden. Für reinrassige Hunde muss dagegen keine Steuer entrichtet werden. Die Folge: viele Besitzer setzen ihre Hunde aus. Denn niemand will einen Bastard haben. Aber die dreizehnjänrige Lili liebt ihren Hund abgöttisch.
Nach einigem Ärger mit den Nachbarn und der Obrigkeit setzt ihr Vater Hagen mitten in der Stadt aus. Lili, die den Sommer bei ihrem Vater verbringen soll, beginnt Hagen auf eigene Faust zu suchen.
Zur gleichen Zeit verfolgen wir Hagen, der bislang behütet bei Lili und ihrer Mutter lebte. Jetzt muss er sich allein in Budapest durchschlagen. Er sucht Essen. Er weiß nicht, wem er vertrauen kann. Er freundet sich mit anderen Hunden an, die eine eigene Gesellschaft gegründet haben. Sie werden von Hundejägern verfolgt, die für jeden gefangenen herrenlosen Hund eine Prämie kassieren. Sie werden für Hundekämpfe abgerichtet und in Tierheimen gequält und getötet. Denn ein Mischling ist kein vollwertiger Hund.
Während die Ungarn in Kornel Mundruczos Film „Underdog“, der die Realität zuspitzt, leicht eine Parabel auf ihre Gesellschaft und ihr Verhalten gegenüber Minderheiten, wie Roma, Juden und Ausländern, sehen, sehen wir einen spannenden, leicht dystopischen Tierthriller, der mit einer eindrucksvollen Leistung der Tiertrainer aufwarten kann. Das gilt vor allem für die Massenszenen, wenn die gefangenen Mischlinge koordiniert ausbrechen und durch die leeren Straßen Budapests laufen, oder sie vor ihren Häschern fliehen, aber auch für die Szenen mit weniger Hunden. Dagegen ist ein CGI-bearbeiteter Affenaufstand eine langweilige Angelegenheit.

Underdog - Plakat

Underdog (Fehér isten, Ungarn 2014)
Regie: Kornel Mundruczo
Buch: Kata Weber, Kornel Mundruczo, Viktoria Petranyi
mit Zsófia Psotta, Sándor Zsótér, Lili Horváth, Szabolcs Thuróczy, Lili Monori
Länge: 121 Min
FSK: 12 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Underdog“
Moviepilot über „Underdog“
Metacritic über „Underdog“
Rotten Tomatoes über „Underdog”
Wikipedia über „Underdog“


TV-Tipp für den 27. Juni: Laut Stark Draußen

Juni 26, 2015

3sat, 05.55

Laut Stark Draußen

Ein Thementag, der viele Open-Air-Konzertmitschnitte präsentiert. Vor allem vom Hurricane Festival. Ausschnitte aus dem diesjährigen Hurricane-Festival gibt es von 20.15 Uhr bis 23.15 Uhr.

Davor gibt es unter anderem die Rolling Stones (13.00 Uhr), Die Toten Hosen (14.50 Uhr), Linkin Park (16.50 Uhr) und Coldplay (18.15 Uhr, VPS 18.20 Uhr; ihr Glastonbury-Auftritt).

Danach, um 23.15 Uhr, Queen mit ihrem Auftritt von 1986 in Budapest.

Das vollständige Programm gibt es hier.


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