TV-Tipp für den 30. August: Casablanca

August 30, 2015

Arte, 20.15

Casablanca (USA 1942, Regie: Michael Curtiz)

Drehbuch: Julius J. Epstein, Philip G. Epstein, Howard Koch

LV: Murray Burnett, Joan Alison: Everybody comes to Rick’s (Theaterstück)

Gerade hat sich Rick in Casablanca eingerichtet, als seine alte Liebe auf der Flucht vor den Nazis bei ihm auftaucht.

Casablanca ist das Kernstück des Bogart-Kults und ein Pflichttermin für Cineasten.

Mit Humphrey Bogart, Ingrid Bergman, Paul Henreid, Claude Rains, Conradt Veidt, Sydney Greenstreet, Peter Lorre, Curt Bois

Wiederholung: Montag, 31. August, 13.55 Uhr (VPS 14.00 Uhr)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Casablanca”

Turner Classic Movies über “Casablanca”

Wikipedia über „Casablanca“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 29. August: Die innere Sicherheit

August 29, 2015

Nach “Jerichow” (um 23.05 Uhr)

RBB, 00.30

Die innere Sicherheit (Deutschland 2000, Regie: Christian Petzold)

Drehbuch: Christian Petzold, Harun Farocki

Die 15-jährige Jeanne ist mit ihren Eltern ständig auf der Flucht. Denn diese sind gesuchte, ehemalige RAF-Terroristen. Jetzt müssen sie wegen Geldproblemen zurück nach Deutschland. Die alten Freunde sollen ihnen aus der finanziellen Misere helfen. Und Jeanne ist erstmals wirklich verliebt.

Mit dem genau beobachteten, die deutsche Wirklichkeit sezierenden Drama über vergangene Schuld, das Erwachsenwerden und Verpflichtungen hatte Christian Petzold seinen Durchbruch bei den Kritikern und dem Publikum (über 100.000 Zuschauer). Stellvertretend für die zahlreichen euphorischen Besprechungen: „bester deutscher Film des Jahres“ (Michael Althen, SZ, 31. Januar 2001)

Mit Julia Hummer, Barbara Auer, Richy Müller, Günther Maria Halmer

Hinweis

M Means Movie: Interview mit Christian Petzold (2001)

Wikipedia über “Die innere Sicherheit”

Meine Besprechung von Christian Petzolds “Phoenix” (Deutschland 2014)

Christian Petzold in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Das Märchen der Märchen“ ist nichts für Kinder

August 28, 2015

Heute sind Märchen Kindergeschichten. Gute-Nacht-Geschichten, die nachmittags im Fernsehen gezeigt werden und deren Ursprung, nämlich eine Erzählung für Erwachsene zu sein, heute kaum noch feststellbar ist.
Matteo Garrone, der das realistische Gangsterepos „Gomorrah“ inszenierte, drehte jetzt mit „Das Märchen der Märchen“ einen Film, der garantiert nicht für Kinder geeignet ist. Auch wenn die FSK ihn ab 12 Jahre freigegeben hat, richtet sich dieser Märchenfilm an ein erwachsenes Publikum, das die Anspielungen und Märchenmotive, die hier vom Kopf wieder auf die Füße gestellt werden, gerne wieder erkennt. Inspiriert ist der Film von Giambattista Basiles Geschichtensammlung „Il Racconto dei Racconti“ („Das Märchen der Märchen“ bzw. „Das Pentameron“). Basile sammelte – wie wir es von Giovanni Boccaccios „Das Dekameron“ (Decamerone, das zwischen 1349 und 1353 geschrieben wurde), einer Sammlung von hundert Novellen, kennen – fünfzig Märchen, die er in eine Rahmenhandlung, in der sich eine Gruppe von Menschen in fünf Tagen 49 Geschichten erzählte, einbettete. „Il Racconto dei Racconti“ erschien 1634/1636 und ist eines der großen Märchenbücher, das, weil es im neapolitanischen Dialekt geschrieben ist, lange unbekannt blieb und später von den Brüdern Grimm als Grundlage für ihre Märchensammlung genommen wurde.
Garrone wählte für seinen Film „Das Märchen der Märchen“ drei Geschichten aus, über deren Anfang und Ende gestritten werden kann. Er erzählt von einer Königin (Salma Hayek), die alles tun würde, um einen Sohn zu gebären. Dafür schickt sie ihren Mann in den Tod. Und nach der Geburt – gleichzeitig gebar eine Dienstmagd einen identischen Zwilling – ist die Geschichte noch nicht vorbei. In der zweiten Geschichte verliebt der König von Strongcliff (Vincent Cassel) sich in eine liebreizende Frau, die bis jetzt seinem Sextrieb entgehen konnten. Was er nicht ahnt, ist, dass sie, die sich seinen Avancen entzieht und ihr Gesicht verbirgt, nicht jung und schön, sondern alt und hässlich ist. Und dabei kriegt der König, wenn er bei einer Frau auch nur eine Falte sieht, Panickattacken. In der dritten Geschichte sucht der König von Highhills (Toby Jones) mit einem Ratespiel einen Gemahl für seine Tochter Violet (Bebe Cave). Der künftige Bräutigam ist ein riesiger, ungeschlachteter Unhold, der sie auch gleich über seine Schulter wirft und in seine Höhle verschleppt.
Diese in verschiedenen, aber benachbarten Königreichen spielenden Hauptgeschichten ergänzt Garrone um viele kürzere Episoden und er erzählt sie nicht hintereinander (obwohl ich seine solche Schnitffassung gerne sehen würde), sondern parallel und auch eher distanziert, was dem Film ein schleppendes Tempo verleiht und mit zunehmender Laufzeit bemerkt man, dass der Film primär eine Sammlung von nur lose miteinander verbundenen Episoden ist. Weshalb einige Charaktere plötzlich aus dem Film verschwinden und andere Charaktere, die für den gesamten Film letztendlich eine große Bedeutung haben, wie die Königstochter Violet, erst sehr spät auftauchen. Es gibt nicht, wie bei anderen Ensemblefilmen, einen den gesamten Film tragenden Charakter. Eher schon betrachtet man alle Personen gleich distanziert. Es gibt ein eigentümliches Missverhältnis zwischen Nebencharakteren, deren Gefühle man versteht und die manchmal nur ein, zwei Szenen oder eine große, äußerst berührende Szene haben, und den Hauptcharakteren, die dagegen schon zu einer eindimensionalen Parodie mutieren. Das gilt vor allem für den sexsüchtigen König von Strongcliff (Vincent Cassel), der nur mit schönen, jungen Frauen Sex haben will, dem wir zum ersten Mal nach einem solchen Gelage begegnen und der dem Begriff „Oberflächlichkeit“ eine neue Dimension verleiht. Er ist wahrlich nicht der Märchenprinz, sondern eher ein notgeiler, alternder Vampir.
Auffallend bei allen Geschichten ist, wie sehr die bekannten Märchenkonventionen gegen den Strich gebürstet werden. Als habe Garrone sich gefragt „Was würde Disney tun?“ und dann das Gegenteil getan. Daher ist auch in jeder Szene eine ungebremste sexuelle Lust spürbar und alle sind von niederen Trieben und Obsessionen beherrscht. Das gilt für den König von Highhill (Toby Jones), der sich nur für einen einen schweinemäßig riesigen Floh, den er in seinem Gemach füttert, interessiert. Seine Tochter ist ihm dagegen herzlich egal.
Oder für die Königin von Longtrellis (Salma Hayek), die sich unbedingt einen Erben wünscht, dafür ihren Mann in den Kampf mit einem Seeungeheuer schickt und anschließend das blutig pulsierende Herz des Ungeheuers genußvoll verspeist; – wobei wir uns fragen, wer hier das wirkliche Ungeheuer ist. Denn den durch das Ungeheuer verursachten Tod ihres Mannes betrauert sie nur pflichtschuldig.
Ebenso auffallend ist, dass bei Garrone die Frauen das starke Geschlecht sind und sie auch sympathischer sind, während die Männer ausgemachte Trottel sind, mit denen man keinen Funken Mitleid hat. In diesem Anti-Disney-Kosmos gibt es dann auch keinen Traumprinz und die Prinzessin muss die Dinge selbst in die Hand nehmen.
Seine düsteren Märchen bettet Garrone in eine vom Barock inspirierte Fantasywelt, die in ihrer Opulenz verzaubert. Auch dank der prächtigen Ausstattung und den handgemachten Tricks. Das erinnert dann an die vor Jahrzehnten in Cinecittà entstandenen Filme, irgendwo zwischen Fellinis Pracht und dem Trash der Sandalenfilme.

Das Märchen der Märchen - Plakat

Das Märchen der Märchen (Tale of Tales/Il racconto dei racconti, Italien/Frankreich/Großbritannien 2015)
Regie: Matteo Garrone
Drehbuch: Matteo Garrone, Edoardo Albinati, Ugo Chiti, Massimo Gaudioso
LV: Giambattista Basile: Il Racconto dei Racconti, 1634/1636 (Das Märchen der Märchen; Das Pentameron)
mit Salma Hayek, Vincent Cassel, John C. Reilly, Toby Jones, Shirley Henderson, Hayley Carmichachel, Stacy Martin, Bebe Cave, Christian Lees, Jonah Lees, Alba Rohrwacher, Massimo Ceccherini, Guillaume Delaunay
Länge: 134 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Das Märchen der Märchen“
Moviepilot über „Das Märchen der Märchen“
Metacritic über „Das Märchen der Märchen“
Rotten Tomatoes über „Das Märchen der Märchen“
Wikipedia über „Das Märchen der Märchen“ (englisch, italienisch) und „Das Pentagramm“
„Das Pentagramm“ im Projekt Gutenberg (bei Amazon gibt es ebenfalls eine kostenlose Kindle-Version)


„Hitman: Agent 47“-Drehbuchautor Skip Woods: ein Pechvogel?

August 28, 2015

Unter Actionfans hat Drehbuchautor Skip Woods einen Ruf zu verteidigen. Nämlich der Autor zu sein, der jeden Film in Grund und Boden rammt. Der anstatt einer guten Geschichte einen unbekömmlichen Brei serviert, der von der ersten bis zur letzten Minute vollkommen misslungen ist. So als habe man einfach ein halbes Dutzend Drehbücher und Ideen zusammengeworfen und dann gemeint „passt, wackelt und hat Luft“.
Skip Woods schrieb die Drehbücher für
Hitman: Agent 47 (2015)
Sabotage (2014)
Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben (2013)
Das A-Team – Der Film (2010)
X-Men Origins: Wolverine (2009)
Hitman – Jeder stirbt alleine (2007)
Passwort: Swordfish (2001)
Thursday (1998)
Manchmal mit einem anderen Autor zusammen, dem man natürlich einen Teil an dem Desaster aufbürden kann. Aber sein „Hitman: Agent 47“-Co-Autor Michael Finch schreib vorher „The November Man“. Ein absolut okayer Agententhriller mit Pierce Brosnan. Oder David Benioff, der neben „X-Men Origins: Wolverine“ auch „25 Stunden“ (nach seinem Roman), „Troja“ und „Brothers“ schrieb und der Erfinder der TV-Serie „Game of Thrones“ ist, ist eigentlich ein zuverlässiger Autor.
Oft ist bei einem Film, weil man keinen intimen Einblick in die Hintergründe der Produktion hat, auch unklar, wer welchen Anteil an dem Desaster hat. Es könnte ja der Hauptdarsteller sein. Oder der Regisseur, der einfach mal schnell das Drehbuch zugunsten seiner Vision in die Tonne wirft. Immerhin sind bei Spielfilmen die Regisseure bekannter als die Drehbuchautoren.
Und die Regeln für die Nennung als Drehbuchautor sind einigermaßen komplex, weil in Hollywood Drehbücher oft mehrere Fassungen von verschiedenen Autoren haben und manchmal am Ende Autoren genannt werden müssen, die mit der verfilmten Fassung nichts zu tun haben.
Das gesagt, werfen wir einen Blick auf das Werk der Regisseure und wie diese Filme im Vergleich mit ihren anderen Filmen bei der Kritik ankamen. Das dürfte uns ein Gefühl geben, wer einen größeren Anteil an dem Misserfolg hat. Dafür genügt ein Blick auf die Bewertungen bei Rotten Tomatoes und Metacritic, die beide viele Kritiken sammeln:

Hitman: Agent 47 (2015): Regie: Aleksander Bach
Bewertung „Hitman: Agent 47“: 8 % Rotten Tomatoes; 29 % Metacritic
Bewertung bester Film: entfällt, weil Debüt
Bewertung schlechtester Film: dito

Sabotage (2014): Regie: David Ayer
Bewertung „Sabotage“: 19 % Rotten Tomatoes; 41 % Metacritic
Bewertung schlechtester Film: 19 % (Sabotage), 41 % (Sabotage)
Bewertung bester Film: 85 % (End of Watch), 70 % (Training Day)

Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben (2013): Regie: John Moore
Bewertung „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“: 14 % Rotten Tomatoes; 28 % Metacritic
Bewertung schlechtester Film: 14 % (Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben); 28 % (Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben)
Bewertung bester Film: 37 % (Im Fadenkreuz – Allein gegen Alle); 49 % (Im Fadenkreuz – Allein gegen alle)

Das A-Team – Der Film (2010), Regie: Joe Carnahan
Bewertung „Das A-Team – Der Film“: 47 % Rotten Tomatoes; 47 % Metacritic
Bewertung schlechtester Film: 29 % (Smokin’ Aces); 45 % (Smokin’ Aces)
Bewertung bester Film: 83 % (Stretch; Narc; bei uns beide nur DVD-Start, „The Grey“ mit 79 % ist der zweitplatzierte); 70 % (Narc)

X-Men Origins: Wolverine (2009), Regie: Gavin Hood
Bewertung „X Men Origins: Wolverine“: 38 % Rotten Tomatoes; 40 % Metacritic
Bewertung schlechtester Film: 38 % (X-Men Origins: Wolverine“); 40 % X-Men Origins: Wolverine)
Bewertung bester Film: 82 % (Tsotsi), 70 % (Tsotsi)

Hitman – Jeder stirbt alleine (2007), Regie: Xavier Gens
Bewertung „Hitman – Jeder stirbt für sich alleine“: 14 % Rotten Tomatoes; 35 % Metacritic
Bewertung schlechtester Film: 14 % (Hitman – Jeder stirbt für sich alleine), 28 % (The Divide)
Bewertung bester Film: 55 % (Frontier(s)); 44 % (Frontier(s))

Passwort: Swordfish (2001), Regie: Dominic Sena
Bewertung „Passwort: Swordfisch“: 26 % Rotten Tomatoes; 32 % Metacritic
Bewertung schlechtester Film: 7 % (Whiteout [der gar nicht so schlecht ist]); 28 % (Whiteout; Season of the Witch)
Bewertung bester Film: 67 % (Kalifornia); 49 % (Kalifornia)

Thursday (1998): Regie: Skip Woods
Bewertung „Thursday“: 33 % (Rotten Tomatoes)

Von den acht Drehbüchern, die von Skip Woods verfilmt wurden, fallen zwei „Hitman: Agent 47“ und „Thursday“ weg, weil die Regisseure bis jetzt keine weiteren Filme inszeniert haben. Dann bleiben noch sechs Filme übrig, davon ist in drei Fällen bei Rotten Tomatoes und Metacritic der schlechteste Film des Regisseurs identisch mit dem Film, für den Skip Woods das Drehbuch schrieb. Und in einem weiteren Fall ist bei Rotten Tomatoes der schlechteste Film des Regisseurs der Film, für den Skip Woods das Drehbuch schrieb.
Da kann man wohl kaum noch von Zufall reden.
Nur: Warum werden in Hollywood weiter Bücher von ihm verfilmt? Denn so richtig Michael-Bay-erfolgreich war keiner seiner Filme. Im Gegenteil.


TV-Tipp für den 28. August: 5 Jahre Leben

August 28, 2015

Weil es ein guter Film ist und er heute etwas früher kommt und ich Lars Beckers “Zum Sterben zu früh” (Arte, 20.15 Uhr) noch nicht gesehen habe:

Eins Festival, 22.00
5 Jahre Leben (Deutschland 2013, Regie: Stefan Schaller)
Drehbuch: Stefan Schaller, David Finck
Es trifft ja nur Terroristen. Zum Beispiel diesen Deutschtürken Murat Kurnaz, der kurz nach 9/11 als „feindlicher Kämpfer“ nach Guantánamo gebracht wurde. Nach fünf Jahren – auch weil die Bundesregierung absolut keine Eile hatte, den unschuldig Inhaftierten Kurnaz wieder in Deutschland einreisen zu lassen – kehrte er 2006 nach Bremen zurück.
Stefan Schallers beeindruckener Spielfilm konzentriert sich auf die Verhöre durch Gail Holford und Kurnaz’ Kampf um seine Würde. Gerade dank dieser Beschränkung gewinnt er an erzählerischer Kraft.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Films.
mit Sascha Alexander Gersak, Ben Miles, Trystan Pütter, John Keogh, Timur Isik, Kerem Can, Siir Eloglu, Tayfun Bademsoy
Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über “5 Jahre Leben”

Film-Zeit über „5 Jahre Leben“

Wikipedia über Murat Kurnaz

Meine Besprechung von Stefan Schallers „5 Jahre Leben“ (Deutschland 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: „Hitman: Agent 47“ – zweiter Versuch, wieder mit Anzug und Glatze

August 27, 2015

In der Theorie spricht nichts dagegen, dass man aus einem Computerspiel einen guten Film machen kann. Immerhin dienen Computerspiele auch als Inspirationen für Romane und Comics – und das sind nicht unbedingt die schlechtesten Romane und Comics, die sogar von Menschen genossen werden können, die mit der Vorlage nichts anfangen können.
Außerdem werden ständig Romane und Comics verfilmt.
Und Agent 47 ist für einen Spielfilm eigentlich ein genialer Charakter. Er hat, dank Anzug, Glatze und Strichcode, einen hohen Wiedererkennungswert und ein eiskalter Profikiller ist nicht die schlechteste Ausgangslage für eine spannende Geschichte. Schon sein Beruf „Auftragsmörder“ gibt die Geschichte vor, die mit seiner aus den Spielen bekannten Hintergrundgeschichte beliebig angereichert werden kann.
In der Praxis sind viele Spiel-Verfilmungen nicht gut, sondern schlecht, sehr schlecht oder filmischer Sondermüll. Auch die erste Verfilmung des Spiels „Hitman“, „Hitman – Jeder stirbt alleine“ (Hitman, Frankreich/USA 2007), war nicht gut. Obwohl; rückblickend erscheint Timothy Olyphants Auftritt als Killer gar nicht mehr so schlecht. Denn inzwischen gibt es „Hitman: Agent 47“ mit Rupert Friend („Homeland“) als Agent 47,
Die Story für den neuen Film, wieder geschrieben von Skip Woods (der eine beeindruckende Liste schlechter Filme in seiner Filmographie hat), ist eine verworrene Entschuldigung für die mauen Actionszenen. Irgendwie geht es um eine junge Frau, die Agent 47 umbringen soll, es dann aber doch nicht tut, während andere sie umbringen wollen und irgendwie ist die Dame sehr wichtig für verschiedene Organisationen. Und dann geht es noch ums Klonen und die Vergangenheit von Agent 47.
Diese „der Killer hilft seinem Opfer gegen seinen Auftraggeber“-Geschichte ist zwar nicht neu, aber für einen Actionfilm wäre sie absolut ausreichend, wenn man einfach diese Geschichte erzählen würde. Stattdessen lassen die Macher einfach Szenen aufeinander folgen, die keinen Sinn ergeben und sich widersprechen. Da hilft dann auch nicht die Pseudo-Erklärung, dass der als Retter eingeführte Charakter doch ein Bösewicht ist und dass der Killer dann doch zum Guten mutiert, weil der Autor es so will. Denn die Hälfte dieser Erklärungen wird in der nächsten Szene wieder kassiert und auch das Interesse des gutwilligsten Zuschauer erlahmt schneller als ein Flammkuchen kalt wird, weil man zu keinem Charakter eine emotionale Bindung aufbauen kann.
Dadurch geraten die Actionszenen zu einer langweiligen Angelegenheit, bei der uns ziemlich egal ist, wer wen warum wie besiegt. Immerhin verfolgt man als Berliner die in der Hauptstadt spielende Actionszene gespannt, weil man zuerst die Drehorte erkennen will und danach verzweifelt überlegt, wie die Charaktere von A nach B gekommen sind. Der in Saigon spielende Schlußkampf hat sogar diesen Vorteil nicht mehr.
Etwas Gutes hat „Hitman: Agent 47“, das Spielfilmdebüt des Werbefilmers Aleksander Bach, dann doch. Er kann künftig bei Seminaren wundervoll als ein in jeder Sekunde überzeugendes Lehrbeispiel für vermeidbare Fehler im Erzählen von Geschichten gezeigt werden.

Hitman - Agent 47 - Plakat

Hitman: Agent 47 (Hitman: Agent 47, USA 2015)
Regie: Aleksander Bach
Drehbuch: Skip Woods, Michael Finch (nach einer Geschichte von Skip Woods)
mit Rupert Friend, Hannah Ware, Zachary Quinto, Ciarán Hinds, Thomas Kretschmann, Angelababy, Dan Bakkedahl
Länge: 97 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Hitman: Agent 47“
Moviepilot über „Hitman: Agent 47“
Metacritic über „Hitman: Agent 47“
Rotten Tomatoes über „Hitman: Agent 47“
Wikipedia über „Hitman: Agent 47“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Gallows“ killt dumme Schüler

August 27, 2015

In den letzten Jahren mauserte sich Blumhouse Productions zu einer verläßlichen Bank für Horrorfilmfans. Allerdings, trotz einiger echter Hits und guter Filme, nicht unbedingt zu einer guten. Eher zu einer, die man mit Interesse beobachtet, immer auf einen guten Film hofft und oft enttäuscht ist. „Paranormal Activity“ war 2007 ihr großer Erfolg, dessen fünfter Teil als „Paranormal Activity: Ghost Dimension 3D“ (Yeah, der Horror erhält eine dritte Dimension) am 22. Oktober bei uns anläuft. Es ist ein Found-Footage-Horrorfilm: in einem Haus geschehen unheimliche Dinge, die von den überall platzierten Überwachungskameras in nicht gerade berauschender Bildqualität aufgenommen werden. Der Film kostete 15.000 US-Dollar und spielte weltweit fast 200 Millionen US-Dollar ein, was ihn zu einem der profitabelsten, vielleicht sogar zu dem profitabelsten Hollywood-Film aller Zeiten machte. Danach kamen „Sinister“, „Insidious“, „Unknown User“ (wird fortgesetzt), zahlreiche Fortsetzungen und die beiden „The Purge“-Filme, die sogar richtig gut und keine Horrorfilme sind. Aber der typische Blumhouse-Film ist ein billig produzierter Horrorfilm mit unbekannten Schauspielern, gedreht im Found-Footage-Stil (also mit Überwachungskameras, Videokameras und, inzwischen, Handy-Kameras), einer entsprechend improvisierten Geschichte und oft mit Geistern. Das führt dann dazu, dass wenig Blut fließt (was nicht unbedingt schlecht ist) und es wenige Schockmomente gibt, die oft schon im Trailer, der den Film ja verkaufen soll, gezeigt werden.
„The Gallows“, das Regiedebüt von Chris Lofing und Travis Cluff, reiht sich nahtlos in das Blumhouse-Oeuvre ein. In diesem Fall geht es um eine Schule, die nach zwanzig Jahren wieder das Stück „The Gallows“ aufführen will. Damals erhängte sich der Hauptdarsteller des Stücks während der Premiere durch einen bedauerlichen Unfall am nicht richtig präpariertem Galgen.
In der Nacht vor der Premiere schleichen sich die Schüler Cassidy, Reese und Ryan in die Schule. Sie wollen die Bühnendekoration zerstören und so die Premiere sabotieren. Aber bevor sie mit ihrem schändlichen Tun beginnen können, taucht Pfeifer auf und Reese, der in sie verknallt ist und sich deshalb als Schauspieler in dem Stück versucht, versucht sich an einer weit hergeholten Erklärung. Kurz darauf geschehen in der dunklen Schule seltsame Dinge, wie seltsame Geräusche und plötzlich auf- und zugehende Türen. Außerdem, und hier hört der Spaß für die vier Schüler auf, sterben sie der Reihe nach, ohne dem Täter oder der Lösung einen erkennbaren Schritt näher zu kommen.
Obwohl der Film mit knapp achtzig Minuten (ohne Abspann) angenehm kurz geraten ist, bleibt genug Zeit, sich Gedanken über den seltsamen Grundriss der Schule zu machen, die eher ein Escher-Labyrinth als eine real existierende Schule ist, und warum die Eingeschlossenen nicht die Polizei anrufen (denn jede Schule hat Telefone) oder die Feuerwehr rufen (denn jede Schule hat einen Feueralarm) oder ganz einfach aus der Schule flüchten. Denn eine Schule ist kein Hochsicherheitsgefängnis. Eine Flucht, vor allem wenn man Todesangst hat und sich deshalb über eine zerbrochene Fensterscheibe keine Gedanken mehr machen muss, wäre einfach zu bewältigen. Aber lieber stehen sie ratlos vor einer verschlossenen Tür und stolpern dann durch den Keller oder hinter der Bühne herum, bis der Bösewicht sein Werk vollenden kann.
Dazu kommt die nervige Handykamera, die immer wackelt und mal wieder am Verstand des Kameramanns zweifeln lässt, der in höchster Not doch nur an das Filmen der Ereignisse denkt.
Dabei ist die Auflösung dieses Mal gar nicht so übel geraten. Ich bin sogar überzeugt, dass „The Gallows“, wenn er konventionell gedreht worden wäre (also mit einem ausformuliertem Drehbuch und ohne Found-Footage-Gedöns), ein ganz ordentlicher kleiner Horrorfilm geworden wäre.
Aber so ist es, mal wieder, typischer Blumhouse-Mist, der aufgrund des geringen Budgets von 100.000 US-Dollar sein Geld mehr als einmal einspielen wird, bis nächstes Jahr „The Gallows 2 – Der Galgen steht immer noch“ (oder wie auch immer die unvermeidliche Fortsetzung heißt) in unseren Kinos anläuft. Laut Box Office Mojo hat „The Gallows“ bis jetzt weltweit fast 38 Millionen US-Dollar eingespielt.

Gallows - Plakat

The Gallows – Jede Schule hat ein Geheimnis (The Gallows, USA 2015)
Regie: Chris Lofing, Travis Cluff
Drehbuch: Chris Lofing, Travis Cluff
mit Reese Mishler, Pfeifer Brown, Ryan Shoos, Cassidy Gifford
Länge: 81 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Gallows“
Moviepilot über „The Gallows“
Metacritic über „The Gallows“
Rotten Tomatoes über „The Gallows“
Wikipedia über „The Gallows“ 


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