TV-Tipp für den 21. Juli: Der Krieg des Charlie Wilson

Juli 20, 2018

ZDFneo, 21.35

Der Krieg des Charlie Wilson (USA 2007, Regie: Michael Nichols)

Drehbuch: Aaron Sorkin

LV: George Crile: Charlie Wilson’s War: The Extraordinary Story of the Largest Covert Operation in History, 2003 (Der Krieg des Charlie Wilson)

Auf Tatsachen basierende, von der Kritik abgefeierte und für viele Preise nominierte Polit-Komödie über den liberal-demokratischen Kongressabgeordneten Charlie Wilson, der in den Achtzigern half den afghanischen Widerstand gegen die Sowjets finanziell und mit Waffen zu unterstützten.

Die Folgen – nun, heute kennen wir die weitere Geschichte von Afghanistan, den Taliban und von Al-Qaida.

Mit Tom Hanks, Julia Roberts, Philip Seymour Hoffmann, Amy Adams, Ned Beatty, Emily Blunt, Michael Spellman

Hinweise

Film-Zeit über „Der Krieg des Charlie Wilson“

Rotten Tomatoes über “Der Krieg des Charlie Wilson”

Wikipedia über “Der Krieg des Charlie Wilson” (deutsch, englisch)

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Neu im Kino/Filmkritik: Über Hans Weingartners sehenswertes Roadmovie „303“

Juli 20, 2018

Zuerst will die Biologie-Studentin Jule (Mala Emde) den Anhalter und Politik-Studenten Jan (Anton Spieker) in ihrem alten Wohnmobil nur bis Köln mitnehmen. Aber bei so einer Fahrt hat man zwischen Berlin und Köln viel Zeit, um sich zu unterhalten. Und so nimmt sie ihn letztendlich bis nach Portugal mit. Jule will dort ihren Freund treffen und mit ihm über ihre Schwangerschaft reden. Jan will dort seinen ihm bislang unbekannten Vater treffen.

Aber, wie man so sagt: der Weg ist das Ziel. In diesem Fall ist der Weg, unterbrochen von einigen haarsträubenden Zufällen am Anfang der Reise, vor allem ein ständiges, fast nie abbrechendes Gespräch zwischen Jule und Jan über Gott und die Welt, während an ihnen die Welt vorbeizieht und sie sich langsam näherkommen. Sie sind Geistesverwandte von Jesse (Ethan Hawke) und Céline (Julie Delphy). Sie lernten wir in Richard Linklaters „Before Sunrise“ (USA 1994) kennen und lieben, während sie sich durch eine Nacht in Wien redeten. Dieser Klassiker, der inzwischen zwei ebenso redselige Fortsetzungen fand, ist auch die Inspiration für „303“, den neuen Film von Hans Weingartner („Die fetten Jahre sind vorbei“). Und genau wie in „Before Sunrise“/“Before Sunset“/“Before Midnight“ hängt die Qualität des Films davon ab, wie sehr wir die Protagonisten mögen und wie natürlich die endlosen Gespräche zwischen ihnen klingen. Dabei waren die Gespräche zwischen Jule und Jan schon im Drehbuch genau ausformuliert. „An den Dialogen ist rein gar nichts zufällig. Das geht nicht anders, solche Texte kann man nicht improvisieren. Das wird zu lang und ufert aus und ist zu sprunghaft.“ (Hans Weingartner)

Die Gespräche der beiden in Berlin studierenden, leicht slackerhaften Mittzwanziger drehen sich um die großen Dinge, die Weingartner schon während seines Studiums am Küchentisch diskutierte und die auch heute junge Menschen beschäftigen. Es geht um Liebe, Kapitalismus, Egoismus, Kooperation und Suizid. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Jule hält den Menschen für empathisch und kooperativ. Jan nicht. Und damit gibt es schon genug Zündstoff. Weil diese und ähnliche Fragen und Weisheiten im Mittelpunkt des Films stehen und weil Weingartner seit fast zwanzig Jahren an den Dialogen schreibt (in Form einer 300-seitigen Dialagsammlung sind sie auf seinem Computer), er die erste Idee für „303“ bei den Dreharbeiten zu „Das weiße Rauschen“ (2001) hatte, der Film direkt nach seinem letzten Film „Die Summe meiner einzelnen Teile“ (2012) 2013 gedreht werden sollte, sich die Finanzierung damals kurz vor dem Dreh zerschlug und das Roadmovie jetzt zwischen August und Oktober 2015 mit einem kleinen Team von acht Leuten gedreht wurde, gibt es keine sich auf die aktuelle Tagespolitik beziehenden Dialoge. Und das ist gut so. Denn so bleibt die Reise der beiden Studierenden zeitlos.

Trotzdem ist es schade, dass die beiden durch Europa fahren, aber keinen Kontakt zu den in Europa lebenden Menschen haben. Das unterscheidet ihre Reise von der Reise der beiden Motorradfahrer Wyatt (Peter Fonda) und Billy (Dennis Hopper) in „Easy Rider“, die damals Amerika entdecken wollten.

Weingartners Roadmovie „303“ ist ein schöner Film, bei dem die gut hundertfünfzig Minuten, die der Film dauert, wie im Flug vergehen. Auch wenn wenig passiert. Außer dass Jan und Jule miteinander reden. Meistens im fahrenden Wohnmobil, einem 1980er Mercedes Hymer 303. Eigentlich ist es ein 308, aber Regisseur Hans Weingartner meinte, 303 klinge besser. Manchmal halten Jule und Jan auch an. Aber für die Menschen und die Landschaft interessieren sie sich nicht. Sie müssen sich ja weiter unterhalten, auch wenn manche ihre Sätze von Jan oder von Jule gesagt werden könnten und sie wenig bis keine Verbindung zu ihrem Studium haben. Es geht halt um die großen philosophischen Fragen und die haben nichts mit dem Studienfach zu tun.

303 (Deutschland 2018)

Regie: Hans Weingartner

Drehbuch: Hans Weingartner, Silke Eggert

mit Mala Emde, Anton Spieker

Länge: 145 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „303“

Moviepilot über „303“

Rotten Tomatoes über „303“

Wikipedia über „303“


Neu im Kino/Filmkritik: Kreative Titelwahl, nächste Folge: „Sicario 2“

Juli 20, 2018

Manche Filme schreien nach einer Fortsetzung. Bei anderen ist nichts dagegen einzuwenden, wie bei dem neuen James-Bond-, Jack-Reacher- oder Equalizer-Film. Es ist halt eine weiteres Abenteuer mit einem bekannten Charakter. Bei anderen fragt man sich, warum eine Fortsetzung gedreht wird. Andrew Davis‘ „Auf der Flucht“ ist so ein Fall. Oder Denis Villeneuves‘ „Sicario“. Am Ende des grandiosen Drogenthrillers war die Geschichte auserzählt. Dass der Drogenkrieg zwischen den USA und Südamerika weitergeht, geschenkt. Dass die Protagonisten des Films weiter an der amerikanisch-mexikanischen Grenze gegen Drogenschmuggler und andere Verbrecher kämpfen, ist auch klar. Einen weiteren Film mit ihnen muss man deshalb nicht machen.

Aber „Sicario“ war so unglaublich erfolgreich, dass Hollywood schnell an eine Fortsetzung dachte. Denn man kann mühelos weitere Kriminalgeschichten aus dem Grenzgebiet erzählen. Taylor Sheridan, der Autor von „Sicario“, „Hell or High Water“ und „Wind River“ (gleichzeitig sein Regiedebüt), setzte sich wieder an den Schreibtisch. Die beiden Hauptdarsteller Benicio del Toro und Josh Brolin kehrten zurück. Ebenso Jeffrey Donovan, der wieder den für die Geschichte doch eher nebensächlichen CIA-Auftragnehmer Steve Forsing spielt. Emily Blunt, das moralische Zentrum des Films, verzichtete. Und die Story ist ein, zwei Nummern größer angelegt.

Dieses Mal beginnt die Geschichte mit einem von mehreren Islamisten durchgeführten Selbstmordanschlag in einem US-Ladengeschäft. Weil die Täter anscheinend über die mexikanisch-amerikanische Grenze gekommen sind, wird CIA-Mann Matt Graver (Josh Brolin) beauftragt, einen Krieg zwischen den Drogenkartellen, die sich auch als Menschenschmuggler betätigen, zu initiieren. So soll eine weitere Infiltration der USA durch Selbstmordattentäter verhindert werden. Alejandro (Benicio del Toro), der Anwalt, der nachdem seine Familie ermordet wurde, zum Killer wurde, soll ihm bei der Mission helfen. Zusammen entführen sie in Mexico City am helllichten Tag die zwölfjährige Tochter des Kartellbosses Reyes. Sie wollen die Tat einem anderen Kartellboss in die Schuhe schieben und so einen Krieg zwischen den Kartellen lostreten. Schnell läuft die Mission hoffnungslos aus dem Ruder.

Für „Sicario 2“ übernahm der Italiener Stefano Sollima die Regie. Der Italiener erarbeitete sich in den vergangenen Jahren mit den Gangsterserien „Romanzo Criminale“ und „Gomorrah“ und den Spielfilmen „ACAB: All Cops are Bastards“ und „Suburra“ einen glänzenden Ruf bei Thrillerfans. Und an ihm liegt es nicht, dass sein US-Debüt so enttäuscht. Er inszenierte effizient das zerfaserte Drehbuch von Taylor Sheridan. Denn wo „Sicario“ eine kluge Analyse des „war on drugs“ lieferte, verheddert sich „Sicario 2“ hoffnungslos zwischen Organisierter Kriminalität, Internationalem Terrorismus und dem US-Kampf dagegen. Da fehlt die analytische Schärfe von Sheridans früheren Arbeiten. Und die Story wirkt mit all ihren Wendungen niemals besonders glaubwürdig. Das beginnt schon mit der bescheuerten und unglaubwürdigen Idee, durch eine Entführung eines Kindes einen Krieg zwischen den Kartellen zu initiieren (als ob es nicht auch einfacher ginge) und so auch den islamistischen Terrorismus zu bekämpfen (als ob das so funktionieren würde). Und findet seine Fortsetzung in den verschiedenen Plotwendungen, die sich nicht aus der Geschichte ergeben (oder ich habe etwas verpasst), sondern vom Autor so gewollt sind. Um davon abzulenken, gibt es effizient inszenierte Action und Gewalt. Im Universum von „Sicario 2“ ist ein Mord ein probates Mittel, um ein Problem zu beseitigen oder eine Mutprobe zu überstehen.

Das klingt jetzt unglaublich negativ. Dabei ist „Sicario 2“ kein wirklich schlechter Film, aber angesichts des Inputs von Taylor Sheridan und Stefano Sollima ein enttäuschender Film, der mit einem überragenden Vorgänger zu kämpfen hat und der niemals zum Nachdenken anregt.

Sicario 2 (Sicario: Day of the Soldado, USA/Italien 2018)

Regie: Stefano Sollima

Drehbuch: Taylor Sheridan

mit Benicio del Toro, Josh Brolin, Isabela Moner, Jeffrey Donovan, Catherine Keener, Manuel Garcia-Rulfo, Matthew Modine, Elijah Rodriguez

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Sicario 2“

Metacritic über „Sicario 2“

Rotten Tomatoes über „Sicario 2“

Wikipedia über „Sicario 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Sicario“ (Sicario, USA 2015) und der DVD und des Soundtracks

Meine Besprechung von David Mackenzies „Hell or High Water“ (Hell or High Water, USA 2016) (nach einem Drehbuch von Taylor Sheridan)

Meine Besprechung von Taylor Sheridans „Wind River (Wind River, USA 2017)

Meine Besprechung von Stefano Sollimas  „Romanzo Criminale – Staffel 1“

Meine Besprechung von Stefano Sollimas „Romanzo Criminale – Staffel 2“

Meine Besprechung von Stefano Sollimas „Suburra“ (Suburra, Frankreich/Italien 2015) (und der DVD)


TV-Tipp für den 20. Juli: Prince – Sign o‘ the Times

Juli 20, 2018

Arte, 23.25

Prince – Sign o‘ the Times (Prince – Sign o‘ the Times, Usa 1987)

Regie: Prince (= Prince Rogers Nelson), Albert Magnoli (ungenannt)

Drehbuch: Prince

Damals war der am 21. April 2016 überraschend verstorbene Prince everybody’s darling. Der Konzertfilm sollte seine Europatournee dokumentieren. Aber weil die Aufnahmen unbrauchbar waren, wurde das Konzert einfach in seinem Paisley-Park-Studio nachinszeniert.

Heute ist die TV-Premiere des inzwischen legendären Konzertfilms.

mit Prince, Cat Glover, Sheila E., Sheena Easton, Miko Weaver, Dr. Fink, Levi Seacer jr., Eric Leeds, Atlanta Bliss, Boni Boyer

Hinweise

Arte über „Prince – Sign o‘ the Times“

Rotten Tomatoes über „Prince – Sign o‘ the Times“

Wikipedia über „Prince – Sign o‘ the Times“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Endless Poetry“ von und mit Alejandro Jodorowsky als alter und junger Mann

Juli 19, 2018

Das ist eine in jeder Beziehung erfreuliche Überraschung. Denn Alejandro Jodorowskys neuer Film „Endless Poetry“ feierte bereits 2016 in Cannes seine Premiere. Danach tourte er über die Festivals, wie das Filmfest München. Über eine deutsche Veröffentlichung war nichts zu hören. Dabei ist Jodorowsky kein Unbekannter. Sein weltweiter Durchbruch und größter Erfolg war 1970 der abgedrehte Western „El Topo“. 1973 folgte „Montana Sacra – Der heilige Berg“. Ein Fantasy-Film, der vor allem ein einziger psychedelischer Trip ist. Von einer auch nur irgendwie nachvollziehbaren Geschichte sprach da schon lange niemand mehr. Aber durch die vorherige Einnahme bewusstseinserweiternder Drogen war der Film damals im Kino sicher ein großer und dann auch sehr nachvollziehbarer Spaß. Weitere Filmprojekte folgten in großem Abstand . Andere zerschlugen sich. Legendär sind seine Vorarbeiten für eine Verfilmung von Frank Herberts „Der Wüstenplanet“. David Lynch verfilmte den Film dann als brave Auftragsarbeit. Alejandro Jodorowsky wurde derweil zum Comickünstler.

2013 präsentierte er in Cannes „The Dance of Reality“ (La Danza de la Realidad). Der Film ist der Auftakt zu einer autobiographischen Trilogie. In Deutschland wurde der Film nicht verliehen und auch nicht anderweitig veröffentlicht.

Endless Poetry“ ist der zweite Film der Trilogie, in der Jodorowsky sein Leben Revue passieren lässt. Mit aus dem ersten Film bekannten Schauspielern und vielen Familienmitgliedern vor und hinter der Kamera.

In „Endless Poetry“ entdeckt der am 17. Februar 1929 in Tocopilla, Chile, geborene Alejandro Jodorowsky schon als Kind seine Liebe zur Poesie. Er will sogar Dichter werden. Sein Vater, ein cholerischer und gewalttätiger Kaufmann lehnt das entschieden ab. Poesie sei etwas für Schwuchteln. Sein Sohn soll einmal das Familiengeschäft übernehmen. Aber Alejandro will einen anderen Weg gehen. Beginnend mit einigen Episoden aus Alejandros Kindheit und Jugend erzählt Alejandro Jodorowsky von seinem Eintauchen in die vibrierende Kunstszene von Santiago de Chile in den vierziger und fünfziger Jahren.

Endless Poetry“ ist ein farbiger, fantasievoller Bilderbogen voll surrealer Episoden, die als Erinnerungen immer subjektiv sind. Jodorowsky kümmert sich überhaupt nicht um die Frage, wie sehr diese und viele andere Episoden sich wirklich so zugetragen haben oder zugetragen haben könnten. Es geht um poetische Wahrheit. Und die ist hier immer vorhanden. Wenn der Faschismus sein autoritäres und kunstfeindliches Haupt erhebt, wenn Alejandros Mutter immer singt und er sich in die äußerst trinkfeste und schlagkräftige Dichterin Stella Díaz Varín verliebt, dann ist das näher bei Federico Fellini als bei einem handelsüblich-biederen Biopic. Jodorowsky erzählt hier Episoden aus den Jahren, in denen er als junger Mann die Welt der Kunst und die mit ihr verbundenen Freiheiten entdeckt. Es sind Jahre in denen, ohne an den nächsten Tag zu denken, alles möglich ist und alles ausprobiert wird: vom Sex über künstlerische Interventionen bei Veranstaltungen bis hin zum geraden Marsch durch die Stadt.

Und wenn der junge Alejandro an seinem Weg als Poet zweifelt, dann tritt der alte Alejandro Jodorowsky auf und gibt ihm kluge Ratschläge: „Das Leben hat keine Bedeutung, du musst es leben! Lebe! Lebe! Lebe!“

Der gesamte überaus zugängliche und lebensbejahende Film spielt im Kosmos verschiedener damals avantgardistischer Kunstbewegungen, die dann auch alle auf den Film und die einzelnen Episoden angewandt werden. Es ist ein herzerwärmender Surrealismus, dessen farbenprächtige Bilder auf die große Leinwand gehören.

Endless Poetry“ ist das Werk eines souveränen Künstlers, der als alter Mann altersweise auf sein Leben zurückblickt und der, das sieht man in jedem Bild des Films, im Herzen jung geblieben ist. Er ist immer noch voller Neugierde, Entdeckerfreude und überbordender Improvisationslust, die Budgetbeschränkungen als Herausforderungen ansieht und richtig altmodisches Kino macht, das problemlos auf am Computer erzeugte Bilder verzichten kann. Dafür werden Kulissen verschoben oder über die Straße geschoben.

1953, und damit endet „Endless Poetry“, verlässt Alejandro das immer autoritärer werdende Chile. Er geht nach Paris und der abschließende Teil von Jodorowskys Erinnerungs-Trilogie dürfte dann dort spielen.

Bis dahin ist „Endless Poetry“ der zugänglichste Einstieg in Jodorowskys surrealen Kosmos und auch einer der schönsten Filme des Sommers.

Endless Poetry (Poesía sin fin, Frankreich/Chile 2016)

Regie: Alejandro Jodorowsky

Drehbuch: Alejandro Jodorowsky

mit Adan Jodorowsky, Pamela Flores, Brontis Jodorowsky, Leandro Taub, Alejandro Jodorowsky, Jeremias Herskovits, Julia Avedaño, Bastián Bodenhöfer, Carolyn Carson, Adonis (ein echter Familienfilm)

Länge: 128 Minuten

FSK: ?

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Endless Poetry“

Metacritic über „Endless Poetry“

Rotten Tomatoes über „Endless Poetry“

Wikipedia über „Endless Poetry“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alejandro Jodorowskys „Die Söhne von El Topo: Kain (Band 1)“ (2017)


TV-Tipp für den 19. Juli: Das fliegende Klassenzimmer

Juli 19, 2018

HR, 23.30

Das fliegende Klassenzimmer (Deutschland 1954)

Regie: Kurt Hoffmann

Drehbuch: Erich Kästner

LV: Erich Kästner: Das fliegende Klassenzimmer, 1933

Das ist das Schöne am Sommer (neben dem Wetter und den vielen Touristen): Filme, die seit Ewigkeiten nicht mehr im Fernsehen liefen, werden aus den dunkelsten Ecken des Archivs geholt, abgestaubt und gezeigt. Heute ist es die erste Verfilmung von Erich Kästners Jugendbuchklassiker „Das fliegende Klassenzimmer“.

Die zweite Verfilmung des Romans von 1973 mit Joachim ‚Blacky‘ Fuchsberger begleitete, dank unzähliger Wiederholungen im TV, Generationen von Jugendlichen durch die Schule – und ich fragte mich, wann ich jemals das Original zu sehen bekäme.

Damals war der von Kurt Hoffmann, nach einem Drehbuch von Erich Kästner, inszenierte Film ein Hit.

Vergnügliche und warmherzige Verfilmung des Kinderromans von Erich Kästner mit unaufdringlicher Pädagogik.“ (Lexikon des internationalen Films)

Ein Film aus dem Märchenland der Schulzeit“ (Christa Bandmann/Joe Hembus: Klassiker des deutschen Tonfilms)

Kurt Hoffmann inszenierte auch „Quax, der Bruchpilot“, „Ich denke oft an Piroschka“, „Das Wirtshaus im Spessart“, „Wir Wunderkinder“ und „Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“.

mit Paul Dahlke, Heliane Bei, Paul Klinger, Peter Tost, Peter Kraus, Michael Verhoeven, Erich Ponto, Bruno Hübner, Knut Mahlke, Erich Kästner

Hinweise

Filmportal über „Das fliegende Klassenzimmer“

Wikipedia über „Das fliegende Klassenzimmer“

Meine Besprechung von Erich Kästners „Die verschwundene Miniatur“ (1935/2009)


Neu im Kino/Filmkritik: „Nico, 1988“ – am Ende ihres Lebens, immer noch vom Ruhm ihrer ersten Aufnahmen zehrend

Juli 18, 2018

Schon zu Lebzeiten hatte Nico eine treue Fangemeinde, deren Verhältnis zur Hitparade ganz einfach war: wenn der Song in den Charts ist, ist er Mist.

Neben der Fangemeinde, die sie kultisch verehrt – was ein höflicher Ausdruck für kaum vorhandene Plattenverkäufe und Auftritte in kleinen Locations ist -, kennt die breitere Öffentlichkeit Nico vor allem als Sängerin von Velvet Underground. So auch die Ein-Satz-Biographie bei AllMusic: „Model, actress, chanteuse, and former Velvet Underground frontwoman known for her sultry voice and ice-goddess presence.“ Dabei ist sie auf der ersten Platte von „Velvet Underground“ (die mit dem Bananen-Cover) nur bei den Songs „Femme Fatale“, „All tomorrow’s parties“ und „I’ll be your mirror“ zu hören. Und das auch nur, weil Produzent Andy Warhol das unbedingt wollte. Die Band – Lou Reed, John Cale, Sterling Morrison und Maureen ‚Moe‘ Tucker – hätte schon damals gerne auf das Model verzichtet.

Die am 16. Oktober 1938 in Köln als Christa Päffgen geborene Sängerin „stilisierte ihr kaum vorhandenes Diseusen-Talent zum Mysterium. Mit einer Wisperstimme, die in Bassregionen jenseits der Hörgrenze reichte, hauchte das ehemalige Fotomodell abstrakte Klagen und surrealistischen Weltschmerz zu delikater Orchesterbegleitung.“ (Barry Graves/Siegfried Schmidt-Joos/Bernward Halbscheffel: Das neue Rock-Lexikon, 1998)

Ihre ersten beiden Solo-LPs „Chelsea Girl“ (1967) und „The Marble Index“ (1968, produziert von John Cale) haben einen gewissen allgemein akzeptierten Klassikerstatus. Die beiden nachfolgenden, ebenfalls von Cale produzierten LPs „Desertshore“(1970) und „The End“ (1974) schließen an „The Marble Index“ an und sind fast unbekannt. Danach versandete die Karriere der Chanteuse. In den frühen Achtzigern wurde sie vom Gothic-Publikum wiederentdeckt und fortan kultisch verehrt.

Jetzt, dreißig Jahre nach ihrem Tod am 18. Juli 1988 auf Ibiza läuft „Nico, 1988“ in unseren Kinos an und der Film, der letztes Jahr auf den Internationalen Filmfestspielen in Venedig seine Premiere hatte, ist ein Denkmal der besonderen Art. Es ist eine Liebeserklärung an eine Sängerin, die letztendlich am Tiefpunkt ihres Lebens gezeigt wird; – was dann doch eine etwas seltsame, verquere und fast schon feindselige Liebeserklärung ist, die Nico wahrscheinlich genau deshalb gefallen hätte. Immerhin wird sie als eine Frau porträtiert, die kompromisslos ihre künstlerische Vision verfolgt und an ihrer aktuellen Arbeit gemessen werden will. Auch wenn die niemand hören will.

Susanna Nicchiarellis im heute ungewöhnlichen, hier sehr passendem 1.37:1 „Academy“-Filmformat gedrehtes Biopic „Nico, 1988“ beginnt mit einer Wohnungsbesichtigung einer etwas renovierungsbedürftigen Arbeiterwohnung in Greater Manchester, wo sie ihre letzten Jahre lebte. Während der Besichtigung zieht sie sich auf die Toilette zurück: um Geräusche aufzunehmen und Drogen zu konsumieren. Damit sind in den ersten Minuten die Themen des Films schon umrissen. Während Nico mit ihrer Band quer durch Europa und hinter den damals noch vorhandenen Eisernen Vorhang tourt, muss sie in Interviews immer wieder Fragen zu Velvet Underground und Andy Warhol beantworten. Dabei würde die launenhafte Diva, die nur noch ein Schatten ihrer früheren Schönheit ist, lieber über ihre aktuellen Klangexperimente reden.

Nico-Darstellerin Trine Dyrholm interpretiert bei den zahlreichen Auftritten von Nico und ihrer Band die Songs selbst. Die im Film ausführlich präsentierten Songs sind ein Best-of-Nico, inclusive der mit ihr verbundenen Velvet-Underground-Songs, in gemäßigt experimentellen, rockig mitreisenden Arrangements. Die Soundtrack-CD scheint es nur als Stream bzw. Download zu geben.

Zwischen den Konzerten konsumiert Nico Heroin. Sie, die in ihren jungen Jahren die Geliebte und Muse von ungefähr jedem angesagten Künstler war (von Alain Delon hat sie einen von ihm nie anerkannten Sohn), hat jüngere Liebhaber und erinnert sich schlaglichtartig an ihre Vergangenheit. Vor allem an ihre Zeit im Umfeld von Andy Warhol und ihre Kindheit in Berlin, das von den Alliierten bombardiert wird. Diese alptraumartigen Erinnerungen sind, so der Film, der Nukleus ihres künstlerischen Schaffens.

Aus diesen Episoden ergibt sich ein faszinierendes Porträt einer drogenabhängigen Künstlerin, die stur bis zu ihrem überraschenden, durch einen Fahrradsturz verursachten Tod, ihren Weg verfolgt.

Nico, 1988 (Nico, 1988, Italien/Belgien 2017

Regie: Susanna Nicchiarelli

Drehbuch: Susanna Nicchiarelli

mit Trine Dyrholm, John Gordon Sinclair, Anamaria Marinca, Sandor Funtek, Thomas Trabacchi, Karina Fernandez

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Nico, 1988“

Metacritic über „Nico, 1988“

Rotten Tomatoes über „Nico, 1988“

Wikipedia über Nico (deutsch, englisch)

AllMusic über Nico


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